Noshiko-Kapitel 16

„Ich verstehe ehrlich nicht, warum du mich hierhin mitschleppst“, murmelte ich und drückte mir das Handtuch an die Brust. Es verdeckte leider nicht viel, doch in diesem Bikini fühlte ich mich unwohl. Mich allen so zu zeigen, gefiel mir gar nicht, aber komischerweise war das Schwimmbad bis auf Sam und Akita leer, als mich Yuri hineinführte.
„Weil ich Lust habe zu schwimmen und du körperliche Betätigung brauchst“, antwortete Yuri, als müsste das klar sein.
„Ich bin dünn genug, findest du nicht?“, fragte ich nüchtern, da ich keinen Grund sah, noch mehr Sport zu machen und abzunehmen.
„Das auf alle Fälle, aber Muskeln schaden deinem Körper nicht.“
Ich verstand nicht, warum er unbedingt wollte, dass ich Muskeln aufbaute, aber womöglich hatte er nicht unrecht. Nachdem ich schon fast ein Jahr hier war, hatte ich meinen Körper ganz schön vernachlässigt. Bei Großmutter hatte ich sogar meine eigenen Tutoren gehabt. Nicht in Magie, dafür aber in allerlei Kampfkunstarten und anderen Dingen, die sie für wichtig hielt.
„Wieso bist du auf einmal so erpicht darauf?“, fragte ich, während ich ihm zu Sam und Akita folgte.
Beide waren schon im Wasser und hatten einen Ball dabei.
„Damit du nicht mehr so schnell schlapp machst“, meinte er nüchtern. Es klang sogar ein wenig so, als würde er mich aufziehen wollen.
Ich kämpfte den Drang nieder ihn ins Wasser zu schupsen. Es war schon irgendwie nett, dass er sich dahingehend Gedanken um mich machte.
Langsam kletterte ich die Leiter hinab und schauderte leicht. Das Wasser war kalt, doch mich störte es nur für einen Moment, bis sich mein Körper daran gewöhnt hatte.
„Wollt ihr erst Wasserball spielen?“, fragte Akita, der mir dabei zusah, wie ich ein paar Schwimmzüge machte. Es war Ewigkeiten her, dass ich das letzte Mal geschwommen war. Zuletzt mit meinem Vater im See auf der Wiese. Dort bin ich im Winter auch immer mit ihm Schlittschuh gefahren.
Es war eine schöne Erinnerung, die mich lächeln ließ.
„Wir schwimmen zuerst unsere Runden“, antwortete Yuri für mich. Es überraschte mich, dass er offenbar mit schwimmen wollte. Damit hatte ich nicht unbedingt gerechnet.
Früher war ich eine richtige Wasserratte, doch mittlerweile fühlte es sich nicht mehr so vertraut an. Vielleicht auch, weil es sich hier um ein Becken und nicht um einen See handelte.




Yuri, der zu mir ins Wasser kam, zog mich an sich, was sich irgendwie schön anfühlte. „Kannst du schwimmen?“, fragte er leise an mein Ohr.
Ich kicherte leise. „Natürlich kann ich schwimmen“, murmelte ich grinsend. „Aber es fühlt sich anders an, als ich es kenne.“
Yuri küsste mich kurz innig. „Versuch einfach so lange du kannst, neben mir herzuschwimmen“, wies er mich an.
Ich nickte, weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte. Er hatte immerhin gesagt, dass er nicht unbedingt zum Spaß mit mir hier war.
Er ließ mich los und begann, loszuschwimmen. Ich wartete kurz, bevor ich begann, ihm hinterherzuschwimmen.
Dabei spürte ich, dass sich mein ganzer Körper bewegte und einige Bewegungen gar nicht so leicht waren. Es war schwierig, da ich sehr lange nicht mehr geschwommen war. Zudem war es auch sehr anstrengend, weshalb ich schneller außer Atem kam, als mir selbst lieb war.
Meine Schwimmzüge wurden langsamer, sodass Yuri schon bald sehr weit vorn war.
Ich schnappte nach Atem. Wieso war das so schwer? Wieso wurde ich so schnell müde? Mein Blick verschwamm sogar, was gar nicht gut war. Ich griff nach der Bojenkette, welche Bahnen voneinander trennten. Allerdings war mein Blick so verschwommen, dass ich danebengriff und dann unterging. Mein ganzer Körper verkrampfte sich, während ich weiter zum Grund sank. Allerdings bemerkte ich, dass ich trotzdem Luft bekam. Als würde der Wind sich um meinen Kopf sammeln, damit ich nicht erstickte.
Ich bekam dennoch Panik und strampelte herum, doch mein Körper wollte nicht so richtig mitmachte.
Was war mit meinem Körper los? Waren das die Nachwirkungen der Tabletten, wenn man sie absetzte? Großmutter hatte mich gewarnt, aber damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Was sollte ich denn jetzt tun?
Im Wasser bewegte sich etwas, bevor Yuri mich an sich zog und dann nach oben an die Wasseroberfläche. „Um Himmels Willen“, schimpfte er, nachdem er nach Luft geschnappt hatte.
Statt etwas dazu zu sagen, hing ich zitternd in seinen Armen. Es wurde einfach nicht besser.
„Was ist los mit dir?“, fragte er, während er mich zurück zum Rand brachte.
„Keine … Ahnung“, brachte ich keuchend hervor. Ich hatte selbst keine Ahnung, was los war, was sollte ich ihm also sagen?




„Ruhig atmen“, sagte Yuri, während auch Akita und Sam zu uns kamen.
Ich versuchte, Yuris Anweisung zu befolgen und meinen Atem zu beruhigen. Es gelang mir, was dafür sorgte, dass sogar das Zittern weniger wurde. Trotzdem hatte ich immer noch das Gefühl, dass mein Körper nicht richtig auf mich reagierte. Alles fühlte sich schwer an.
„Nebenwirkungen“, murmelte ich, weil ich hoffe, dass diese Worte Yuri beruhigen würden. Eine dumme Idee, wie mir kurz darauf klar wurde, denn sein Gesicht wurde noch besorgter.
Er machte ein beruhigendes Geräusch und nahm mich vorsichtig in den Arm. Ich blickte mit weit aufgerissenen Augen nach oben an die Decke, während ich versuchte, mich zu beruhigen.
„Ich bringe sie zur Ärztin“, sagte Yuri, der sich mit mir erhob.
Ich gab einen Laut von sich, der ihm zeigen sollte, dass ich das nicht wollte, doch bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er mir über den Mund. „Ich bringe dich zum Arzt“, wiederholte er noch einmal ernst. Er schien sich davon nicht abbringen lassen wollen.
Er trug mich durch die Gänge, was dafür sorgte, dass wir ständig angestarrt wurden. Wahrscheinlich, weil wir beide nass waren. Ich hörte jemanden tuscheln. Ob ich versucht hatte, mich zu ertränken war eines der Themen, die herumgingen, doch es interessierte mich nicht.
Schließlich trug er mich ins Arztzimmer, legte mich auf eine Liege und begann dann, der Ärztin zu erzählen, was vorgefallen war. Auch meine Medikamente und die Nebenwirkungen behielt er nicht für sich. Es frustete mich, da es eigentlich niemanden anging und ich keine Diskussionen wollte, doch ich konnte ihn nicht davon abhalten.
Die weißhaarige Frau nahm meine Tabletten und betrachtete diese, bevor sie eine davon sogar zerstieß und untersuchte.
Schließlich kam sie zurück zu mir und legte eine Hand auf meine Stirn. Von dieser ging ein grünliches Licht und eine angenehme Wärme aus. Magie, wie mir klar wurde. Sie heilte.
Ich gab einen erleichterten Seufzer von mir und spürte, wie das Zittern nachließ. „Ist dir eigentlich bewusst, was du da zu dir nimmst?“, fragte sie, wobei sie besorgt klang. „Weißt du, was das mit deinem Körper anstellt?“
„Ja“, grummelte ich. Mir waren die Nebenwirkungen durchaus bewusst. Auch die Wirkungsweise und trotzdem hatte ich mich dafür entschieden. Lieber so als eine Gefahr für mein Umfeld.




„Diese Tabletten machen deinen Körper auf Dauer kaputt“, mahnte mich die Ärztin, was dafür sorgte, dass ich mich langsam aufsetzte.
„Ich weiß“, wiederholte ich. „Ich habe sie trotzdem verschrieben bekomme. Im Moment bin ich auch dabei, sie abzusetzen“, erklärte ich mit ruhiger Stimme. Es war nicht gut, wenn ich meine Kontrolle verlor. Allerdings mochte ich es aber auch nicht, wenn andere sich einmischten, ohne zu wissen, was überhaupt los war.
Die Ärztin musterte mich. „Gut, ich will, dass du jeden Tag hierherkommst, damit ich dich untersuchen kann“, sagte sie entschieden. Ich wollte bereits protestieren, als Yuri für mich antwortete, dass er mich herbringen würde. Ob ich wollte oder nicht.
Ich konnte mich im Grunde nur fügen, hatte aber Angst, dass sie mir die Tabletten vielleicht wegnehmen würde. Sollte das passieren, würde ich die Schule verlassen müssen. Ich war eine viel zu große Gefahr für die anderen.

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