Kapitel 30

Fiona

Freudig aufgeregt schaffe ich es kaum, still sitzen zu bleiben. „Kannst du die letzten Meter bitte ruhig sitzen?“ fragt Taylor zwischen Zähnen hindurch gepresst.

Besorgt wende ich mich ihm zu und bleibe still sitzen. „Ist wirklich alles gut mit dir?“ Taylor grunzt nur. „Bist du dir sicher, dass der Schuss nur deine Weste traf?“ „Ja, sonst hätte ich schließlich Blut gesehen. Aber wenn es dich beruhigt gehe ich gleich zu eurer Rudelärztin.“ fährt er mich laut an.

Erschrocken von seinem plötzlichem Gefühlsausbruch zucke ich zusammen. Taylor bemerkt es und seufzt dann schwer, wobei er im selben Augenblick das Gesicht vor Schmerz verzieht. „Tut mir Leid Fiona.“ „Schon gut.“ meine ich etwas unterwürfig.

Dann erinnere ich mich an etwas und setzte mich doch wieder größer hin „Du bist gereizt aufgrund der Schmerzen. Daher verstehe ich es. Aber bitte mache es nicht noch einmal.“ Taylor nickt und fährt schließlich auf den Parkplatz.

„Ich wette mit dir, sobald du die Tür öffnest steht innerhalb von einer Minute Paul vor dir.“ spricht Taylor schwerfällig, auch wenn er versucht es locker klingen zu lassen. Während wir aussteigen, werfe ich Taylor besorgte Blicke zu. „Ich weiß nicht. Paul hat bestimmt auch viel zu tun.“ spreche ich dann etwas schüchtern.

Ich gehe ums Auto herum zu Taylor „Na komm, gehen wir erstmal zur Krankenstati.. uff.“ Kraftvoll werde ich an eine Brust in eine Umarmung gezogen. Anhand des Geruchs einer langen Sommernacht weiß ich, dass es Paul hinter mir ist. Er vergräbt seine Nase in meiner Halsbeuge. „Bist du verletzt?“ fragt er besorgt.

Langsam löse ich mich aus seinem Griff und gehe ein Schritt vor. Verlegen reibt sich Paul den Nacken und spricht bevor ich etwas sagen kann „Entschuldige, da ist mir mein Instinkt durchgegangen.“

Ich lasse es so stehen und wende mich wieder besorgt Taylor zu. Dieser sieht überhaupt nicht gut aus. Ich will gerade auf ihn zutreten und ihn stützen, da verdreht er die Augen und sackt in sich zusammen. „Taylor!“ rufe ich erschrocken und hechte nach vorne, sodass sein Kopf nicht auf dem Boden aufschlägt.

Paul hebt ohne ein Wort zu sagen und ohne dass ich ihn bitten muss Taylor hoch und marschiert Richtung Krankenstation davon. Schnell beeile ich mich ihm zu folgen.



Marlene wirft uns einen fragenden Blick zu, als wir ihr im Flur über den Weg laufen. Doch sie folgt uns sofort. „Taylor wurde heute angeschossen. Er meinte aber, dass nur seine Schussweste getroffen wurde, da er nicht geblutet habe. Seine Schmerzen wurden aber schlimmer auf dem Weg hierher.“ berichte ich sachlich.

Marlene nickt und schneidet ohne zu zögern das Hemd auf. Scharf zieht sie die Luft ein. „Verdammt. Die Kugel hat nicht die Weste getroffen sondern ihn. Sein Wolf kämpft dagegen an, daher hat er nicht geblutet. Aber das ist nicht gut. Ich muss die Kugel noch aus ihm herausholen und wer weiß wo sie inzwischen hingewandert ist. Ihr beide geht sofort raus.“ befiehlt Marlene uns.

Ich will noch bleiben, doch zieht mich Paul mit sich mit. An der Tür machen wir Platz für die Helfer von Marlene. Besorgt schaue ich auf die geschlossene Tür.

Paul wischt mir eine Träne von der Wange, ich habe nicht bemerkt, dass ich weine. „Ich hätte etwas merken müssen. Ich hätte darauf bestehen sollen, dass er gleich zum Arzt geht. Ich, ich hätte…“ schluchze ich und mache mir selber Vorwürfe. Paul hält mich tröstend im Arm „Du hast alles richtig gemacht Fi, Taylor hätte nicht zu einem Menschen-Arzt gekonnt. Wahrscheinlich hat er deshalb nichts gesagt. Wir Wölfe sind hart im nehmen. Er wird das überleben.“

Ich kralle mich im Hemd von Paul fest und nicke. Stimmt, Taylor ist ein Werwolf, das hätte nie funktioniert. Die Nase hochziehend frage ich mich selbst ablenkend „Fi?“
In Pauls Stimme höre ich sein Schmunzeln „Naja, Fifi hab ich dich früher genannt, weil ich Fiona nicht sagen konnte. Aber das passt so gar nicht mehr zu der starken Frau, zu der du geworden bist. Daher Fi.“

Ich nicke leicht und ziehe Paul dann noch stärker an mich heran. Er strahlt Sicherheit und Ruhe aus. Ruhe, die ich gerade nicht verspüre. Er beruhigt mich und lässt meine wilden Gedanken und Gefühle um Taylor zur Ruhe kommen.

Nach einiger Zeit geht die Tür auf und Marlene kommt besorgt blickend raus. „Fiona, weiß du, ob Taylor seine Mate gefunden hat?“ Verwirrt löse ich mich etwas von Paul. „Wieso?“ Marlene seufzt „Wir haben die Kugel gefunden, doch befindet sie sich zu nah am Herzen. Sein Wolf benötigt extra Kraft, damit Taylor das übersteht.“



Geschockt schaue ich sie an. Das darf nicht sein! Paul scheint meine innere Unruhe zu spüren. Er schiebt mich etwas von sich, sodass wir uns in die Augen schauen können. „Fiona, du muss dich konzentrieren. Hat Taylor etwas von einer Mate gesagt?“

Ich blinzel ein paar Mal, ehe ich sage „Er hatte das Gefühl ihr ganz nah zu sein, aber fand .. sie.. nicht“ Zum Ende werde ich langsamer, da mir ein Gedanke kommt. Sofort laufe ich los.

 

Wie gut gefällt dir dieses Buch?

Klicke auf einen Stern zum bewerten.

Durchschnitt 5 / 5. Anzahl: 2

Bisher keine Bewertungen

Kommentare