Kapitel 32

Fiona

Ich habe Hanna noch nie so nervös gesehen, wie jetzt. Sie kann kaum stillstehen. „Oh gott, was habe ich getan?“ bricht es dann aus ihr heraus und sie lässt sich verzweifelt auf einen Stuhl fallen, der hier vor dem Behandlungsraum steht. Vorsichtig frage ich „Bist du wirklich seine Mate?“

Vor Hanna kniend warte ich auf ihre Antwort. Dann ganz zaghaft beginnt sie zu nicken. „Fiona, ich, ich habe ihn markiert. Was wenn er das nicht gewollt hätte? Was wenn es ein Fehler war?“ fragt sie mich hilfesuchend.

Ich tätschel ihr Knie und setzte mich neben sie auf einen Stuhl. „Weiß du, Taylor und ich haben auf der Hinfahrt erst über Mates gesprochen“ Auch Paul horcht jetzt auf. „Taylor war ziemlich niedergeschlagen, dass er seine Mate noch nicht fand, aber das Gefühl hat, dass sie ganz nah ist. Da haben wir auch über dich gesprochen. Taylor wollte dich suchen kommen.“ erkläre ich ihr.

Hanna schaut hoffnungsvoll auf. „Er wollte mich suchen kommen, obwohl er nicht wusste, dass ich seine Mate bin?“ Lächelnd nicke ich „Abgesehen von der Möglichkeit, dass du seine Mate wärst, konnte er es wohl nicht wahrhaben wollen, dass du ihm aus dem Weg gehst.“ Verlegend schaut Hanna weg.

Ganz leise höre ich sie murmeln „Das war nicht mit Absicht.“ Doch sicher kann ich es nicht sagen, da in dem Moment Marlene kommt. „Es ist alles reibungslos verlaufen. Ihr könnt jetzt zu ihm.“ Den letzten Satz spricht sie eher zu Hanna, die jetzt erstarrt ist.

Sanft berühre ich sie an der Schulter, sodass sie zu mir schaut. „Fiona, ich kann das nicht. Kannst du bitte zuerst mit ihm sprechen?“ bittet sie mich leicht verzweifelt. „Meinst du, das ist eine gute Idee, wenn ich als erste vor ihm stehe? Er ist frisch markiert.“ frage ich sanft nach.

Hanna überlegt ehe sie antwortet „Können wir es zusammen machen?“ „Ja, das können wir sehr gerne machen. Na dann komm!“ fordere ich sie auf. Wir gehen zum Zimmer von Taylor. Durch eine Verbindungstür konnte er vom Behandlungsraum direkt in das Krankenzimmer gebracht werden.

Taylor liegt im Bett. Es ist ungewohnt ihn so zu sehen. Ich trete neben sein Kopfteil. Hanna bleibt hinter mir und ist zögerlich. Taylor beginnt sich zu regen. Er verzieht schmerzvoll sein Gesicht und stöhnt auf.



„Taylor?“ spreche ich vorsichtig. Langsam öffnet er seine Augen und schaut mich müde an „Fiona“ krächzt er. Ich will ihm gerade das volle Wasserglas reichen, als Taylor sich panisch an den Hals fasst.

Dann geht alles ganz schnell. Noch ehe ich es realisieren kann, hat mich Taylor an die Wand gepresst und übt Druck auf meinen Hals aus. „WER HAT MICH MARKIERT? WIE KONNTEST DU DAS ZULASSEN?“ brüllt mich sein innerer Wolf an.

„Das, das war ich. Entschuldige bitte, ich, es war, das“ stammelt Hanna. Ruckartig lässt mich Taylor los und wendet sich bedrohlich zu Hanna um. Doch sobald er sie sieht, fällt seine ganze Anspannung von ihm ab und er flüstert andächtig „Mate“

Taylor kann nicht mal einen weiteren Schritt gehen, da sackt er schon zusammen. Hanna kann ihn zum Glück noch auffangen und bringt ihn zum Bett zurück, wo Taylor sich setzt. Taylor lässt Hanna keine einzige Sekunde aus den Augen.

Sprachlos hebt Taylor eine Hand und legt sie an die Wange von Hanna. Das ist für mich das Zeichen, dass ich beide alleine lasse. Also trete ich leise raus, wo Paul schon auf mich wartet.

„Wie hat er reagiert?“ fragt Paul sanft, wobei ich mir wieder an den Hals fasse. So hab ich Taylor auch noch nie erlebt. Aber gut, ich hatte vorher auch noch nie Bekannschaft mit seinem Wolf gemacht. Und das war heute definitiv sein Wolf, was ja auch bei dem Thema verständlich ist. Trotzdem hätte ich mir vielleicht doch etwas mehr Vertrauen von Taylor gewünscht.

„Den Umständen entsprechend hat er gut reagiert.“ sage ich und das stimmt ja auch, er hat mich nicht verletzt. Paul scheint mir auch nicht wirklich zu glauben, aber er erwidert nichts darauf, sondern will mich nur in den Arm nehmen. Doch er stoppt und fragt leise „Darf ich?“

Ich nicke und dann legt Paul seine Arme zaghaft um mich. Diese Umarmung ist genau das, was ich jetzt brauche. Das war doch ein ganz schöner Schock. Daher ziehe ich Paul noch näher an mich heran und genieße die Umarmung.

 

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Kommentare

  1. Dieses Kapitel fühlt sich so perfekt wunderbar und zugleich zerbrechlich an – besonders auch bezogen auf die jeweiligen Mate-Verbindungen zwischen Taylor & Hanna und Fiona & Paul und ebenso auf die einzelnen Personen selbst.
    Gerade in dem Moment am Schluss hatte ich wieder so stark das Gefühl, wie frisch deren Bindungen noch sind, diese zeitgleich aber auch sekündlich wachsen und stärker werden. 🤍Genauso wie die Persönlichkeit von jedem der vieren sich zu entwickeln scheint <3