Ein paar Worte, bevor es losgeht

Womöglich fragt man sich irgendwann, warum man immer wieder an denselben Ort zurückkehrt. Wir haben uns diese Frage auch schon gestellt. Warum Schottland? Warum immer wieder dieses Land, dieses Wetter, diese endlosen Straßen, auf denen einem stundenlang kaum ein Auto begegnet? Warum die Berge, die Küsten, die Inseln und die kleinen Orte, deren Namen man beim ersten Mal kaum aussprechen kann? Warum der Wind, der Regen… und ja, auch der Whisky?
Die einfache Antwort lautet: Weil wir uns dort zu Hause fühlen. Vor fünfundzwanzig Jahren konnten wir das noch nicht wissen. Damals war Schottland für uns ein Reiseziel, ein Land, das wir entdecken wollten. Wir wollten die Highlands sehen, die Küsten, die Burgen und Inseln. Wir wollten Landschaften erleben, von denen wir Bilder kannten. Wir ahnten nicht, dass wir dabei etwas finden würden, das viel länger bleiben würde als jede Reise. Mit jedem Besuch wurde Schottland ein wenig vertrauter und gleichzeitig immer größer. Wir entdeckten neue Wege und kehrten an bekannte Stellen zurück. Wir fanden Orte, die wir sofort ins Herz schlossen, und andere, die uns erst beim zweiten oder dritten Besuch ihre Schönheit zeigten. Wir standen im strömenden Regen vor Landschaften, die uns den Atem raubten, und manchmal auch einfach nur vor der Frage, warum wir eigentlich gerade freiwillig nass wurden.
Wir haben uns verfahren, wir haben Pläne geändert, wir haben Dinge erlebt, die so niemals geplant waren, und die genau deshalb zu unseren schönsten Erinnerungen gehören. Wir haben gemeinsam gelacht, gestaunt, geflucht oder einfach nur geschwiegen, denn es gibt Momente, für die man keine Worte braucht. Man steht irgendwo auf einer einsamen Straße, vor einem See oder am Meer, der Wind kommt über die Berge, die Wolken ziehen über den Himmel, und plötzlich ist alles still. Dann schaut man sich an, und weiß, dass man genau dafür hier ist.
Es sind diese Augenblicke, die geblieben sind. Es sind nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, nicht die perfekten Fotos, nicht die Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss, es sind die kleinen Erinnerungen. Ein Gespräch mit einem Menschen, dessen Namen wir wahrscheinlich längst vergessen haben, dessen Geschichte aber geblieben ist, ein unerwarteter Abstecher, ein Abend, der länger wurde als geplant, ein Lachen über ein Missgeschick, das in diesem Moment gar nicht so lustig war, eine Landschaft, die uns sprachlos gemacht hat, und nicht zu vergessen, die vielen Geschichten, die mit den Jahren entstanden sind. Einige erzählen wir immer noch… und jedes Mal ein bisschen anders. Bei anderen sind wir uns inzwischen selbst nicht mehr sicher, ob sie wirklich genau so passiert sind, aber wahrscheinlich spielt das nach so vielen Jahren keine große Rolle mehr. Erinnerungen verändern sich, sie werden mit der Zeit nicht unbedingt genauer, doch oft werden sie wertvoller.




Dieses Buch ist deshalb als unser persönlicher Blick auf Schottland zu sehen. Es ist kein Reiseführer und schon gar kein Versuch, dieses Land zu erklären, das wäre ohnehin zum Scheitern verurteilt. Es ist vielmehr eine Sammlung von Augenblicken, die uns etwas bedeutet und Begegnungen, die uns berührt haben, von Orten, die wir nicht vergessen konnten, dazu von Geschichten, die wir einfach noch einmal erzählen wollen. Möglicherweise auch deshalb, weil wir gemerkt haben, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Fünfundzwanzig Jahre klingt nach einer langen Zeit, trotzdem fühlt es sich an, als wäre unsere erste Reise erst gestern gewesen.
Vielleicht liegt darin das Besondere am Reisen, man nimmt nicht nur Erinnerungen mit nach Hause, man nimmt ein Stück von dem Ort mit, und mitunter lässt man auch ein Stück von sich selbst dort zurück.
Wir haben in Schottland viele Kilometer zurückgelegt, doch wenn wir heute zurückblicken, zählen wir nicht die Kilometer, wir zählen die Geschichten, die Landschaften, die Begegnungen, die gemeinsamen Momente, und vor allem zählen wir die Zeit, die wir miteinander dort verbringen durften.
Wahrscheinlich ist Schottland deshalb für uns kein Ort mehr, an den wir reisen, es ist ein Ort, an den wir zurückkehren – immer wieder. Solange wir noch Lust haben, eine weitere Straße entlangzufahren, hinter der nächsten Kurve nach einem neuen Abenteuer zu suchen und uns vom schottischen Wetter überraschen zu lassen, ist die Geschichte noch nicht zu Ende, denn eines haben wir in all den Jahren gelernt: Man weiß in Schottland nie genau, was hinter der nächsten Kurve wartet, dennoch lohnt es sich, weiterzufahren. Also schließt euch uns an. Wir nehmen euch mit auf eine Reise zu schönen und nassen Tagen, zu Glücksmomenten und kleinen Katastrophen, zu Menschen, die uns begegnet sind, und zu Orten, die geblieben sind.
Und vielleicht versteht ihr am Ende dieses Buches ein wenig, warum wir immer wieder zurückkehren und warum wir sagen: Wir fahren nach Hause.

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