Kapitel 18
Das Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, als neben dem Gebäudeplan eine bunte Sammlung an Fotos an der Leinwand aufploppen. Bereits viele bekannte Einblicke in Emilies Leben. Alles gezogen aus dem Handy der Vermissten. Emilies kontaktfreudiges und offenes Verhalten geben wenig Spielraum für Geheimnisse. Sie genießt das Leben in vollen Zügen. Oft an der griesgrämigen Seite von Skyla. Pflichtbewusst, bissig und knallhart ehrlich – somit bildet Skyla einen starken Kontrast zu ihrer Freundin. Und doch befinden sich zu viele Bilder auf Emilies Handy von gemeinsamen Momenten ihrer Freundschaft. Viele, wo Skyla genervt in die Kamera schaut. Denn Emilie kündigte ein Foto nie an, sie schoss wild drauflos. Zur Unterhaltung der fremden Hexen, aber auch Milan lässt vieles nicht unkommentiert und genießt die Show in vollen Zügen. Trotz böser Blicke seitens Skyla.
Emilies Ausrede hat sich mittlerweile in den Hinterkopf eingebrannt und hallt auch jetzt nach: „Das werden die besten Bilder! Du wirst schon sehen.“
Manchmal, aber nur manchmal, hätte Skyla ihr für ihre verblümte Art einen Klaps auf den Hinterkopf verpassen wollen. Und doch vermisst Skyla genau dieses Verhalten. Obwohl Milan und Sina der Vermissten alle Ehre machen. Wäre Emilie anwesend, dann hätte sie sicherlich eine Geschichte zu den einzelnen Bildern.
Die Konzentration schwindet und Skyla driftet tief in ein Loch voll Zweifel und Schuldgefühle ab. Ein schlecht gewählter Moment, denn Justin haut all die wichtigen Informationen zu ihrem Feind heraus. Skyla wünschte, sie könne sich konzentrieren, aber in diesem Fall bleibt sie aufgeschmissen. Zu lange wird Emilie vermisst. Zu lange dauerte ihre Rettung. Und Naomi? Sie hatte die ganze Zeit eine Möglichkeit, Emilie zu finden! Warum nehmen Justin und Naomi die Gefahr nicht ernst? Der Körper schreckt ängstlich zusammen, als vor ihr zwei Hände am Tisch hinabklatschen. Mit klopfenden Herzen blickt Skyla hinauf in Naomis leuchtend blaue Augen. Der weiße Teufel lächelt böse, als erkenne sie das Schlamassel. Skyla rechnet mit einer Rüge, doch stattdessen flötet die Hexe freudig.
„Und du wirst zu unserer Brücke.“
Perplex blinzelt Skyla. Ihr Blick gleitet hilfesuchend umher. Doch sie wird nur angestarrt. Skyla ist aufgeschmissen, denn sie versteckt kein Wort. Ihr fehlt der Zusammenhang. Alles nur wegen mangelnder Konzentration. Daher versagt auch ihre Stimme, als sie eingeschüchtert hinterfragt: „Wie meist du das?“
Statt zu antworten, winkt Naomi sie zu sich nach vorne und reibt freudig die Hände.
Milan teilt jedoch seine Bedenken mit: „Ist das auch ungefährlich?“
Damit entlockt er Naomi einen amüsierten Laut. Der weiße Teufel beugt sich bedrohlich vor und grinst süffisant.
„Jede meiner Handlungen sind mit großen Gefahren verbunden. Schon vergessen, auf welchen Pfaden ich wandle? Sicherheit? Bekommst du bei mir nicht! Nur ein Hauch von Chance, wenn andere Versagen! Ich hafte für nichts! Zu mir kommen nur die Verzweifelten angekrochen! Und ihr seid verzweifelt! Wahrlich alles Narren, wenn ich euer Vorhaben betrachte!“
Eine Antwort, die Milan nicht beruhigt. Stattdessen erhebt er sich zögerlich. Mit dem besorgten Blick zu seinem Partner. Doch Naomi hat Recht. Skyla spielt freiwillig auf Risiko. Die Behörden versagen. Emilie schwebt in großer Gefahr und Naomi kann helfen. Der Preis für ihr Handeln spielt keine Rolle mehr.
Mit zittrigen Beinen kämpft sich Skyla hoch und klopft ihrem Freund kumpelhaft auf die Schulter. Eine Geste, die nicht überzeugt, denn Milan fängt ihre Hand ein, bevor sie verschwinden kann. In seinem Blick steckt so viel Sorge, dass ihr ganz warm ums Herz wird. Daher übt sie sanften Druck auf seine Hand aus und schenkt ihm ein ehrliches Lächeln. Ungern will sie sich von ihm lösen. Besonders, weil ihnen zu wenig gemeinsame Momente gegönnt werden. Allein Naomis lautes Schnaufen bringt die Blase des Glücks zum Platzen.
Skylas Laune verschlechtert sich schlagartig, als die Hexe zu hetzen beginnt: „Heute noch?“
Die Wärme, die Milan spendet, geht viel zu schnell flöten, als sich Skyla nach vorne begibt. Nicht allein, wie sich zeigt. Agnar und Dalika kommen wie Bodyguards angelaufen und ein jeder sichert eine Seite.
„Was erwartet mich, Naomi?“
„Magst du etwa keine Überraschungen?“, kommentiert die Hexe belustigt.
Skyla schüttelt ehrlich den Kopf. „Nein! Nicht heute und vielleicht auch für die nächsten Monate nicht! Ich hatte genug böse Überraschungen in den letzten Stunden!“
Justin nickt verständnisvoll. „Kläre Skyla und die anderen bitte auf, Naomi.“
Augenrollend tritt Naomi ein paar Schritte nach vorne. Doch der bissige Kommentar entrutscht ihr dennoch: „Damit werde ich die anwesenden Hexen nur langweilen.“
Eine der Damen mit gefärbten feuerrotem Haar, dessen Spitzen ins Orange weichen, meldet sich mit einem französischen Akzent zu Wort: „Lass uns dennoch an deinen Gedanken teilhaben.“
Naomi schnalzt laut mit der Zunge, bevor sie sich abwendet. Ihr Blick gleitet umher, die Augen erkunden die Räumlichkeit, bis ihr Blick auf Agnar fällt und an Intensität kaum zu überbieten ist.
„Schicksalsfäden.“ Ein Grinsen huscht über ihr Gesicht. „Sagt dir das was, Spinnendämon?“
Zur Antwort folgt ein stummes Nicken, bis Naomi auffordernd winkt. Mürrisch gibt Agnar schließlich preis: „Ein beliebtes Spiel unter den Spinnendamen.“
„Und warum?“, bohrt Naomi weiter nach.
Schulterzuckend spricht Agnar über seine Vermutung: „Unstillbare Neugier. Vielleicht hegen die Damen den Wunsch, menschliche Gefühle zu verspüren. Eine lästige Angelegenheit, wie ich durch den Pakt bestätigt bekommen habe.“
Skyla kann sich das keine Sekunde länger anhören. „Wie ihr erkennt, ist Agnar keine große Hilfe. Ihn zu verstehen erweist sich als Kunst.“
„Pah!“ Agnar fährt erbost herum. „Dich zu verstehen gleicht einem Wunder! Wir Dämonen sind ganz unkompliziert, im Gegensatz zu euch Clowns!“
Böse kann Skyla ihm nur deshalb nicht sein, weil sie ihm ein entscheidendes Detail grinsend vor Augen hält. „Du vergisst, du warst auch mal ein Mensch, Agnar.“
Ihr Konter schlägt ein wie ein Pfeilhagel. Kurz zuckt er merklich zusammen. Doch von den Hexen wird die Reaktion kaum registriert, denn diese scheinen sehr wohl etwas mit Agnars Antwort anfangen zu können. Schließlich wenden sie sich mit lauter Fragen an Naomi und vergleichen die Schicksalsfäden mit Lifestyle-Hefte oder diverse Social-Media-Plattformen, wo Privatperson einen Haufen Informationen über sich preisgeben. Angefangen mit dem Frühstück.
Das Stimmengewirr endet, als Justin die Hand hebt und zu Skyla schreitet.
„Schicksalsfäden sind nicht einfach nur Klatsch und Tratsch. Sieht es als ein Informationsnetzwerk. So wie bei den Social-Media-Plattformen. Unterschätzend gefährlich. Nur mit dem Unterschied, dass die Mehrheit freiwillig mit Informationen um sich wirft. Eine geübte Hexe kann jedoch mehr als Daten zusammentragen. Steht eine Verbindung, ein stabiler Faden, können Ortungszauber angewendet werden. Ein von vielen Möglichkeiten.“
Ein Blick auf Naomi und Skyla versteht. „Naomi hat sich dieser Magie bemächtigt?“
Ein kurzes Nicken von Justin, schließlich folgt noch eine kleine Warnung. „Zu erwähnen wäre ein kleines Detail. Eine Verbindungsbrücke bleibt für dein Umfeld nicht ungehört…“
„Hey! Aus, Justin! Verdirb nicht die Überraschung!“, schimpft Naomi.
Doch er winkt einfach ab und führt fort.
„Der Zauber legt alles offen. Gefühle, Gespräche, Schmerzempfinden, einfach alles. Auch Zuschauer erhalten Einblicke in deine intimen Momente. Naomi kann weitaus mehr, denn sie kann auf den Gesuchten springen. Die Kontrolle gerät an diesem Punkt verloren. Daher bereite dich auf das Schlimmste vor. Naomi kann nicht prognostizieren, aus welcher Zeitspanne wir das Empfinden der gesuchten Person erhalten. Vorteilhaft wär die Gegenwart, denn damit könnten wir den geistigen Zustand besser einschätzen.“
Erschüttert versteckt Skyla ihre Hände in den Saum ihres Pullovers. Aus Furcht vor dem Ungewissen. Aus Sorge um die Wahrheit. Laut schluckt sie und zwingt sich, den Kopf zu heben.
„Okay.“ Ihre Stimme hat an Kraft verloren. „Können wir anfangen?“
Ein Griff zur Seite und Justin organisiert schnell einen Stuhl, den er ihr hinstellt. Ungefragt nimmt Skyla Platz und ein Blick hinab auf ihre Beine zeigt ihr klägliches Zittern. Eine Hand voll Wärme legt sich auf den Rücken. Der Schulterblick offenbart Dalika, die ihr entschlossen zunickt.
„Ich bin hier, kleine Blume. Finden wir deine Freundin und besiegeln dann den Pakt.“
„Spinnendämon! Sieh zu und lerne! Vielleicht eignest du dir diese Fähigkeit ebenfalls an.“
Naomis Denkanstoß scheint Agnar jedoch nicht zu beeindrucken. Der Dämon verschränkt die Arme und kräuselt mit der Stirn. Während Naomi den Nang Tani frech fortdrückt.
„Auf Abstand bitte!“ Ohne Reue hebt Naomi die Arme, von wo sich glitzernde Partikel in der Luft versammeln. „Beginnen wir mit der Show!“
Eine magische Show. Wie gern würde sich Skyla einfach zurücklehnen und als Außenstehende das Spektakel genießen. Doch leider gehört sie zum Programm. Naomis Ungeduld gibt Skyla keine Chance, ein Startsignal zu geben. Leuchtend weiße Schmetterlinge kommen von beiden Seiten angeflogen. Angeleint mit langen Schnüren aus Licht. Der Insektenschwarm steuert bewusst Skyla an. Die Arme werden umkurvt und kaum beendet ein Schmetterling den Looping, löst sich der Faden und bleibt an Skyla kleben. Nur kurz verfolgen die Augen die Flugbahn von den in die Höhe steigenden Schmetterlingen, als plötzlich eine Einstichstelle am Hinterkopf den Körper zusammenzucken lässt. Etwas dringt in den Kopf. Nicht schmerzhaft. Eine angenehme Kühle bringt der Fremdkörper mit sich. Die Sicht verschwimmt und ein Druckgefühl entsteht rundum der Einstichstelle und wandert ganz langsam hinauf bis zum Frontallappen. All das Empfinden endet, als Skyla meint, Emilies Stimme zu vernehmen. Zuerst ganz leise, dann aber immer lauter. Emilies Rufe. Ihre Schritte. Einer von ihren vielen Sprints, wenn sie Skyla aus der Ferne sieht.
Das vertraute Gefühl von Verwirrung und Skepsis macht sich in Skyla bereit, wie sie es zum Beginn ihrer Bekanntschaft empfand. All das Misstrauen über diese seltsame Anhänglichkeit. Personen, wie Emilie, haben eine anziehende Wirkung. Sie verbreiten Sonnenschein und sind von Menschen umgeben. Es fällt Emilie leicht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Emilie wurde von jedermann gemocht und respektiert. Daher hielt Skyla ihre Annäherungsversuche nur als höfliche Art. Doch Emilie war immer regelrecht fixiert auf sie. Obwohl sie sich als Fremde begegneten, berührte Emilie sie ganz vertraut. Nähe, die Skyla nur von wahren Vertrauten kennt. Instinktiv wich sie am Anfang zurück. Emilie mag zwar die Reaktion mit einem Lächeln überspielt haben, doch in den ausdrucksstarken Augen, die wie Smaragde glänzen, fand Skyla immer etwas Enttäuschung. Ein Moment der Schwäche, der schnell überspielt wurde. Mit den langen Wimpern muss Emilie nur ein paar Mal klimpern, kombiniert mit dem Welpenblick wird Skyla sofort schwach.
Kaum liegt der Fokus auf Emilies Erscheinung, baut sich die Erinnerung um Skyla auf. Der Schulhof im Sommer entsteht nach und nach wie beim Eintritt in ein virtuelles Spiel, das noch hochfährt und sich wie ein Puzzle zusammensetzt. Pixel lassen sich kurz ausmachen und ein flüchtiges Flimmern zeigt, wo Naomis Zauber noch nacharbeitet. Der Kopf erinnert sich an die Hitze, als ihre Ausbildung begann. Der seichte Wind, der für etwas Abkühlung sorgte. Das pompöse Sommerkleid von Emilie, das mit dem leuchtenden Rot auffiel, und sie wie eine Märchenprinzessin aussehen ließ. Emilie hat die Figur und die Ausstrahlung für solch eine Mode. Es passt gut zu ihrem Charakter. Auch die teerschwarzen Locken rundeten das Bild perfekt ab. Emilies Haar glänzte jeden Tag und war seidig weich, wie Skyla feststellen durfte. Skyla erinnert sich an das Gefühl, wenn Emilies Locken sie streiften, oder sie von Emilie gebeten wurde, die Haare zusammen zu binden. Der schmeichelnde Duft von dem Rosenshampoo, das Emilie so sehr liebt, steigt Skyla in die Nase.
„Hey.“ Ab und zu konnte Emilie auch ganz schüchtern wirken. Etwas unbeholfen strich sich Emilie damals eine Locke hinters Ohr. „Musst du zurück in den Betrieb oder hast du frei?“
Zu Beginn hielt Skyla wenig von der geschenkten Freizeit nach der Berufsschule. Doch so bot sich Zeit, die sie meist mit Lukas verbringen konnte. Schließlich war ihr Freund mit den perfekten Arbeitszeiten gesegnet. Spätestens sechszehn Uhr endete sein Arbeitsalltag in der Woche. Auch mit Emilie füllte Skyla ihre Freizeit, denn ihre Schulkameradin setzte sich fest im Kopf, mit Skyla Freundschaft zu schließen. An jenen Tag standen keine großartigen Pläne an und doch reagierte Skyla perplex.
„Ich hab frei.“
Emiles Züge waren noch weiter aufgehellt. Ganz aufgeregt zog sie die Luft ein und verband ihre Hände miteinander.
„Ich auch. Hast du Pläne für heute oder hättest du Lust mit mir was zu unternehmen?“
Zuhause hätten Skyla nur neugierige Eltern erwartet, die sie über den Schultag ausgefragt hätten, daher entschied sich Skyla, dem Ganzen eine Chance zu geben.
„Was hast du denn geplant?“
„Wollen wir ein Café aufsuchen? Ich kenne ein ganz Tolles in der Gegend. Meine Brüder haben zwar Schulschluss, aber bei dem Wetter befinden sie sich den ganzen Tag auf dem Bolzplatz. Wenn du magst, könnten wir nachträglich zu mir und etwas abhängen.“
Das Gespräch mag fortlaufen, doch ein Detail konfrontiert Skyla brutal. Emilies Brüder. Ruckartig erinnert sich Skyla an den unangekündigten Besuch von Tamir. Einer der Brüder, der viele genetische Gemeinsamkeiten mit Emilie teilt. Die Augen, die Locken, die Gesichtszüge. Beide Geschwister haben große Ähnlichkeiten. Doch anders als Emilie betrachtet er Skyla wie eine ansteckende Krankheit. Voller Abscheu. Er beschimpft sie als Hexe und glaubt, sie in einen Moment der Unachtsamkeit mit einem Messer zum Fall bringen.
„Fokus auf das Mädchen, Skyla!“, schimpft Naomi im Hintergrund. „Wir wollen schließlich den Standort von ihr und nicht ihrem Bruder!“
Die Stimme der Hexe hallt schmerzhaft laut im Kopf nach. Skyla brummt und versucht sich, von Tamirs wütende Version zu lösen. Kein leichtes Unterfangen, schließlich schnappte er sich Kai und wollte den Bären anzünden. Fast hätte sich Skyla auf die Konfrontation mit ihm fokussiert, als plötzlich Emilies hübscher Gesang ihre Ohren erreicht. Sanfte Klänge und voll von emotionaler Tiefe. Auch wenn sie Skyla des Öfteren bewiesen hat, wie viel Kraft in ihrer Stimme stecken kann, bevorzugte sie gefühlvolle Lieder. Emilies Gesang verzaubert vom ersten Augenblick an. Ob in ihrem Zimmer oder um die Wartezeit zu überbrücken beginnt sie oft unerwartet zu singen. Skyla unterbrach sie kein einziges Mal, ab und zu ließ sie sich sogar darauf ein, das eine oder andere Lied mitzusingen. Immer dann wenn sie an Orten weilten, wo kaum eine Menschenseele Skyla hören konnte. Aber auch beim gemeinsamen Kochen. Privat in der Küche ihrer Eltern oder auch bei Emilie Zuhause. Um den Fokus beim Kochprozess nicht zu verlieren hilft Emilie der Gesang. Durchs Showcooking hat sie ihrem Betrieb bekannt gemacht. Gäste von überall besuchen das Restaurant, um Emilie singen zu hören. Ein Kollege aus dem Service soll sogar sein Piano in den Gästebereich gestellt haben, um Emilies Gesang zu begleiten.
Emilies Stimme verliert an Kraft. Die Stimmbänder klingen angeschlagen und im Lied schleicht sich ein weinender Unterton ein. Ein Schniefen, ein Keuchen, unterdrückte Schmerzlaute ziehen sich durch das Lied. Das Geräusch von einem Vitalmonitor, wie Skyla es aus dem Krankenhaus kennt, meldet sich im Hintergrund. Störgeräusche verkünden Auffälligkeiten und Abweichungen. Der Puls klingt zunehmend schwächer, bis dieser mit dem Warnton völlig aussetzt. Kriechende Kälte nimmt daraufhin die Räumlichkeit ein.
„Beende den Zauber, Naomi! Auf der Stelle!“
Es klingt nach Justin und keine Sekunden später erwacht Skyla schwebend in der Luft. Unbeweglich dank der vielen Lichtfäden, die sie wie eine Puppe in Position halten. Mit ausgestreckten Armen hängt Skyla in einer beachtlichen Höhe. Doch das Fadengeflecht löst sich langsam und lässt Skyla sanft hinabgleiten. Milan eilt herbei und greift hinauf, um Skyla an der Hüfte zu packen. Noch ehe sie den Boden berührt. Wärme vertreibt die Kälte, doch das Herz schlägt ganz furchterfüllt. Noch kann Skyla ihren Körper nicht bewegen. Erst als sich der letzte Faden löst, reagieren die Arme und finden Halt bei Milan. Als tauche sie aus einem Becken voll Wasser auf, holt sie tief Luft. Die Beine würden ohne Milans Beisein wegknicken, daher hilft der Geisterjäger ihr auf den Stuhl. Aus dem Augenwinkel erfasst Skyla einen gewaltigen Durchgang aus Licht. Gewoben aus den vielen Lichtfäden. Surrend wie knisternde Energie schwebt der ovale Durchgang in der Atmosphäre.
Die rothaarige Hexe mit dem französischen Akzent tritt heran und mutmaßet laut: „Eure Gesuchte scheint verstorben zu sein. Ändert dies euer Unterfangen?“
Das Herz zieht sich schmerzlich zusammen. Skyla schüttelt flehend den Kopf.
„Milan, sag, das ist nicht wahr! Ist Emilie tot?“
Der Angesprochene weicht ihrem Blick mit hängendem Kopf aus, was Skyla bitter schluchzen lässt.
Doch Justin tritt heran und gesteht: „Die Chancen stehen sehr niedrig, dass wir über die Zukunft sprechen. Der Eintritt des Todes scheint sich entweder kürzlich ereignet zu haben oder steht in naher Zukunft an.“
„Beunruhigend sind die Daten.“ Naomi tritt heran. „Die Örtlichkeit, die wir aufsuchen, erweist sich als Krankenhauskomplex. Bilder des Grauens werden uns dort sicherlich heimsuchen, denn der Orden ist bekannt für Organhandel und für Hinrichtungen mit dem Feuer.“
Milan hebt den Kopf und fixiert seinen Partner mit einer Bitte an: „Skyla sollte uns unter keinen Umständen begleiten. Was wir dort vielleicht finden, würde sie brechen.“
„Damit schmälern wir unnötig die Kampfkraft!“, widerspricht Naomi streng.
Ganz Recht! Skyla plant nicht, zu bleiben. Was sie auch erwartet, sie wird sich in die Basis des Feindes stürzen und sich dort vergessen!
„Das ist okay…“
Milan will sie noch immer mit Samthandschuhen anpacken, daher löst sich Skyla von ihm und kämpft sich entschlossen auf die Beine. Nur wenige Schritte später knickt sie weg, direkt in die Arme von Dalika, die als Stütze fungiert und Skylas Wunsch respektiert, denn es geht Schritt für Schritt Richtung Portal.
































































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