Ascardia-Epilog

Cayden beugte sich über die Dokumente, die sich auf seinem Tisch stapelten, doch er hatte einfach keine Nerven dafür.
Vielleicht hätte er diesen Verräter doch nicht töten sollen. Das hätte ihm viel Arbeit erspart. Jetzt musste er sich darum kümmern, einen neuen Fürsten für sein Gebiet zu finden. Mirevale war zwar nicht groß, dafür aber reich. Es rieben sich also viele die Finger danach. Doch die Entscheidung lag allein bei ihm.
Cayden rieb sich die schmerzenden Schläfen, bevor er sich schwerfällig von seinem Stuhl erhob.
In den nächsten Wochen und Monaten würden Auswahlprüfungen anstehen. Früher hatte es das nicht bedurft, doch jetzt wo die Magie in den Fae immer schwächer wurde, mussten andere Regeln her.
Langsam schleppte sich Cayden zu einer Tür, bevor er seine Schultern straffte.
Der Kampf gegen Fürst Dorne hatte ihm nicht so viel magische Kraft gekostet, doch er fühlte sich dennoch ausgezehrt.
Der Kampf gegen Ayden hatte ihn mental gefordert und Ascardias Verletzung rüttelte an seinen Gefühlen. Er hatte fast vergessen, wie es war, sich Sorgen zu machen. Angst zu haben. Die Hoffnung zu verlieren.
In manchen Momenten wünschte er sich, niemand hätte ihn daran erinnert. Doch dann wäre Ascardia nicht hier und sie hatte so viel Freude gebracht.
Langsam öffnete Cayden die Tür. Magie war in diesem Raum verboten, weshalb er sich nicht hineinteleportieren konnte.
Er betrat einen Raum, in dem frische Luft herrschte. Licht fiel durch die Fenster, doch ein Bett mit Vorhängen dominierte den Raum und sperrte das Licht aus.
In einem Stuhl an diesem Bett, saß eine alte Frau. Ihr Gesicht war faltig, doch kleine Schuppen schimmerten unter ihrem Auge.
Sie trug ein weißes Gewandt, das ihren Körper bedeckte und nur ihre faltigen Hände freiließ.
Träge und langsam hob sie ihren Kopf. Die Augen, die an eine Schlange erinnerten, blickten direkt auf Cayden. »Ihr kommt zur richtigen Zeit«, sagte sie, wobei ein leichtes Zischen in ihrer Stimme lag.
Cayden verneigte sich tief. Viel tiefer, als er es je vor anderen getan hatte.
Die Frau vor ihm, war etwas besonderes. Sie war die einige, lebende, echte weibliche Fae. Eine Heilerin, wie es nie eine zweite gegeben hatte.
So viele Jahre alt, dass sie schon alt gewesen war, als Cayden geboren wurde. »Lady Lilithoria«, grüßte er. »Wie geht es Ascardia?«




Eine Frage, die er in den letzten Wochen sehr oft gestellt hatte.
Lilithoria war gekommen, um Ascardia zu verarzten und hatte davon geredet, dass ihre Wunden nicht schwer waren. Trotzdem wachte Ascardia einfach nicht auf. Dabei war die Wunde schon längst verheilt und die Bandagen entfernt.
Lilithoria erhob sich und bewegte sich auf die Tür zu. »Ich gebe euch ein wenig Zeit«, sagte sie, statt auf seine Frage einzugehen.
Dann verließ sie den Raum.
Cayden spürte sein Herz wild in seiner Brust schlagen und brauchte einen Moment, bevor er auf das Bett zugehen und sich auf den Stuhl setzen konnte, auf dem die Heilerin gesessen hatte.
Wie schon viele Male zuvor, nahm er Ascardias blasse Hand in seine. Sie war viel zu klein, zu schmächtig, zu schwach.
Er musterte ihr Gesicht. Es war sah aus wie das einer Porzellanpuppe. Unbeweglich, wunderschön und friedlich.
Langsam führte Cayden ihre Hand an seine Lippen und küsste ihre Knöchel. »Ich werde auf dich warten«, versprach er, bevor er glaubte, ein ganz feines Zucken ihrer Lider wahrzunehmen.
Ein sanfter Druck, der seine Hand umschloss.
Der feine, sich ändernde Atemrhythmus.
Das alles ließ sein Herz vor Erwartung höherschlagen, doch traute sich nicht, zu hoffen.
Zu schmerzlich war die Enttäuschung.
Und auch, als er in ihre Augen blickte, die ihn ganz unverwandt anstarrten, war er sich noch immer nicht sicher.
Der rote Kreis um ihre Iris hatte ein blaues Flimmern angenommen und das Gold war durchzogen mit schwarzen Schlieren.
War das wirklich seine Ascardia, oder hatte es Fürst Dorne geschafft, sie ihm doch zu nehmen?
-Ende Band 1-

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