Ascardia-Kapitel 14

~Ascardia~
Getrieben von einer inneren Ruhe, wanderte ich durch den Garten und genoss einfach alles.
Gras roch so gut. So schön frisch und entspannend. Es brannte überhaupt nicht in der Kehle. Das einzige Problem war, dass es mir mit der Zeit langsam kalt wurde.
Das Kleid wärmte zwar auf eine gewisse Weise, doch je mehr Wind wehte, desto mehr zog mir die Kälte in die Knochen.
Vielleicht sollte ich langsam wieder zurückkehren?
Ich hielt inne und sah mich um.
Bäume, Gras und Büsche. Vereinzelte Blumen, doch nichts, was ich kannte.
War ich wirklich so weit gelaufen?
Das Gebäude war doch so groß. Wie war es möglich, dass ich es gar nicht mehr sehen konnte?
Unruhig drehte ich mich, während ich nach etwas suchte, das mir bekannt vorkam.
Ich verfiel bereits leicht in Panik, als ich plötzlich am Boden größere Steine entdeckte. Daran erinnerte ich mich. Ein Weg aus solchen führte doch zum Haus zurück, oder?
Erleichterung packte mich, als ich schnell darauf zurannte.
Dann betrat ich den Weg in der Hoffnung, er brachte mich zurück zum Haus, doch als das Gras plötzlich orange und dann sogar blau wurde, ahnte ich, dass etwas nicht stimmte.
Blaues Gras … Träumte ich? Selbst ich wusste, dass Gras nicht blau sein sollte.
Irritiert wandte ich mich um, doch dort war ebenfalls nur blaues Gras, das seltsam funkelte.
Blinzelnd richtete ich meinen Blick nach unten und hockte mich hin.
Da waren feine, hellblaue Linien, die sich durch die Grashalme zogen und auf eine Art pulsierten, die mich an einen Herzschlag erinnerte.
Ich hatte noch nie etwas ähnliches gesehen und konnte kaum meinen Blick davon abwenden.
Wassertropfen kletterten an den Halmen hinauf, lösten sich und stiegen wie kleine, feine Lichter in den Himmel.
War das Regen?
Staunend betrachtete ich diese. Sollte regen nicht anders herum fallen? Von oben nach unten?
Als sich die kleinen Tröpfchen langsam zu einer größeren, schimmernden Kugel verbannten, bekam ich meinen Mund vor Staunen kaum zu.
Leichte Nässe besprenkelte mein Gesicht und kitzelte.
Ein leises Lachen verließ meine Lippen und ich streckte die Hand danach aus.
Die Kugel wich zurück, doch als ich die Hand wieder hinabnahm, kam sie näher. Dann schwebte sie hin und her. Es hatte etwas Aufforderndes.




»Möchtest du, dass ich dir folge?«, fragte ich, da ich nicht ganz verstand, was dieses Hin und Her sollte.
Die Wasserkugel pulsierte, als würde sie mir zustimmen wollen. So sicher war ich mir jedoch nicht.
Trotzdem folgte ich, in der Hoffnung, sie brachte mich vielleicht zurück zu Haus.
Allerdings war es nicht der Weg, den ich kannte. Stattdessen wurden die Pflanzen um mich herum immer dichter.
Silberne Büsche, violette Bäume und wunderschöne, strahlend gelbe Blumen.
Süßer Duft hing in der Luft, der meine Sinne berührte.
Irgendwo rauschte leises Wasser, das mich anzog. Ich hatte noch nie einen Fluss oder Bach gesehen, aber gehört, dass es wunderschön sein soll, klares Wasser zu betrachten.
Gespannt darauf, dieses Mysterium endlich lösen zu können, lief ich schneller, während ich völlig zwischen den Blumen gefangen war. Ich wusste nicht, wie ich zurückkehren sollte, doch das war im Moment auch egal.
Ich wollte nur das Ziel erreichen, das mit diese Magie zeigen wollte.
Plötzlich tauchte ein See auf. Klares Wasser, das in der Sonne schimmerte. Strahlend, anziehend, friedlich.
Kleine, rote Blumen schwammen auf dem See und das sanfte Schimmern zog mich förmlich an.
Ohne wirklich darüber nachzudenken, näherte ich mich dem See, bis meine Zehen das Wasser berührten.
Es war zwar kalt, stach aber nicht, wie ich erwartet hatte. Stattdessen fühlte es sich überraschend angenehm an.
Da ich jedoch nicht sehen konnte, wie tief der See war, hielt ich an. Nur, um im nächsten Moment etwas in meinem Rücken zu spüren. Etwas traf mich, schubste mich nach vorn und ich verlor den Halt.
Mit den Armen wedelnd, versuchte ich, mich zu fangen, doch die Kälte des Wassers, die mich plötzlich traf wie eine Wand, drang durch meine Kleider, stach in meine Haut und schnürte mit die Luft zu atmen ab.
Panisch riss ich meinen Mund auf, zog Wasser ein und begann zu würgen.
Meine Kehle brannte, mein Herz hämmerte und mein Körper zuckte unkoordiniert, während ich in die tiefe Schwärze sank, die unter der Wasseroberfläche lauerte.
Kälte umfing mich, Schwärze hüllte mich ein und mein Körper wurde plötzlich wie taub.
Die Panik, die das Blut in meinen Adern rauschen ließ, verschwand.
Plötzlich war nichts mehr wichtig und ich schloss meine Augen.




Etwas packte meine Arme und zog mich ruckartig gegen etwas Festes.
Ich wurde aus dem Wasser gezogen und auf das Gras gelegt, doch als ich meine Augen öffnete, sah ich nur verschwommen.
Da war etwas Weißes, Schillerndes.
Ich öffnete meinen Mund, konnte aber nur Wasser spucken.
Es wurde schlimmer, als plötzlich etwas auf meinen Brustkorb drückte.
Immer mehr Wasser quoll aus meinem Mund, während alles schmerzte und ich mir nur wünschte, endlich wieder zu Atem zu kommen.
Schließlich verließ der letzte Schwall Wasser meinen Mund und endlich konnte ich meine Lunge wieder mit der nötigen Luft füllen.
Keuchend drehte ich mich zur Seite und schnappte so gut nach Atem, wie es ging.
»Mach das nicht wieder«, erklang eine Stimme, die ich nur zu gut kannte.
Ungläubig wandte ich meinen Blick, hatte ich doch Ayden erwartet. Stattdessen stand da Cayden. Sein weißes Gewand klebte nass an seinem Körper, während unsichtbarer Wind seine Haare bereits trockneten.
Hatte er mich gerettet?
Wie hatte er mich überhaupt gefunden?
Ich öffnete meinen Mund, um mich zu erklären, doch nur kratzende, keuchende Laute kamen hervor, bevor ich mir hustend die Kehle hielt.
Dort spürte ich etwas Warmes, das so gar nicht passen wollte.
»Zeig her«, sagte Cayden, griff meine Hand und zog sie von meinem Hals. Ich hustete noch immer und wollte mich eigentlich von ihm wegdrehen, konnte jedoch nicht. Stattdessen schob Cayden mein Kinn hoch, damit er meinen Hals kontrollieren konnte.
Er schnalzte auf eine Art mit der Zunge, die mir einen Schauer über den Rücken jagte.
So hatte ich ihn noch nie gehört. Es hatte etwas Wütendes und scheinbar war ich der Grund für diese Wut.
Ich versteifte mich, obwohl ich spürte, dass die unsichtbaren Finger, die mich hielten, wieder lösten.
Plötzlich zog er mich an seine Brust und auf seine Arme, als wäre ich ein Kleinkind.
Ich schnappte nach Atem, traute mich aber nicht, mich zu bewegen. Stattdessen zitterte ich vor Angst und Kälte.
Was würde er jetzt mit mir machen? Würde er mich bestrafen?

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