Ascardia-Kapitel 21

~Ascardia~
Seitdem der Fürst aufgetaucht war, hatte sich mein Leben hier spürbar geändert.
Issabella verhielt sich mir gegenüber weniger herrisch, ich würde sogar fast unterwürfig sagen.
Sie kam jeden Morgen, weckte mich sanft und half mir dann dabei, mich zu waschen.
Während Cayden in der Nacht als Tiger immer bei mir lag, sah ich ihn am Morgen nur am Frühstückstisch. Er hatte gesagt, dass er vielbeschäftigt war, weshalb ich das Abendessen auf meinem Zimmer einnahm. Dabei zeigte mir Issabella, wie es sich richtig gehörte und selbst das Besteck machte mir nicht mehr ganz so groß zu schaffen. Elegant würde ich es nicht nennen, doch zumindest kam ich mir nicht mehr wie das unzivilisierte Tier vor.
Ich sehnte jeden Abend und Morgen herbei, weil ich unbedingt Cayden sehen wollte.
Wenn er nicht da war, fühlte ich mich einsam, auch wenn ich nicht oft wirklich allein war.
Immer, wenn ich nach draußen ging, um die Zeit zu vertreiben, war mindestens Issabella an meiner Seite. Vermutlich um zu verhindern, dass ich erneut in die falschen Richtungen ging.
Der Garten war riesig. Es gab so viel zu entdecken, doch seit dem Wasserlicht war ich vorsichtig, was das Knistern von Magie betraf.
Ich konnte nicht verhindern, dass ich immer eine gewisse Anspannung spürte, während ich allein unterwegs war. Trotzdem war ich mir sicher, dass Cayden auftauchen würde, wenn ich ihn brauchte. Aber er war beschäftigt. Ich wollte ihn nicht stören.
»Ihr seht wunderschön aus«, bemerkte Issabella, als sie mich in ein grünes Kleid gesteckt und meine Haare zu sanften Wellen gedreht hatte.
Ich betrachtete mich im Spiegel. Durch das regelmäßige Essen waren meine Wangen nicht mehr eingefallen und meine Augen funkelten. Besonders der rote Kreis um meine Pupille.
Meiner Meinung nach kam ich zwar nicht ansatzweise an die Frauen heran, die Fürst Dorne mitgebracht hatte, doch solange ich Cayden gefiel, reichte mir das.
Heute war daher für mich ein ganz besonderer Tag. Ich hatte viel von Issabella gelernt, doch bisher noch nichts davon gezeigt. Ob Cayden stolz auf mich war, wenn er sah, dass ich das Besteck richtig nutzen konnte?
Allein der Gedanke ließ Wärme in mir aufkommen und ein zufriedenes Lächeln legte sich auf meine Lippen. Ich fühlte mich zwar noch immer nicht, als würde ich hier hineinpassen, doch zumindest würde ich Cayden nicht mehr blamieren.




Jetzt, wo er mich sogar einem anderen Fürsten vorgestellt hatte … hatte sich etwas verändert. Auch wenn ich nicht genau sagen konnte, was. Es fühlte sich irgendwie nicht mehr so an, als wäre das Gebäude meine ganze Welt. Eher, als hätte Cayden mir eine Tür geöffnet. Auch wenn ich mich noch nicht traute, diese zu durchschreiten.
»Danke für deine Mühen«, sagte ich, denn bisher hatte ich Issabella noch nie dafür gedankt, dass sie mich immer so schön herrichtete.
Ein leises Lachen und ein Knicks war ihre Antwort.
Es fühlte sich fast an, als wäre sie mir gegenüber ein wenig aufgetaut. Hatte sie vielleicht auch nicht gewusst, wie sie mit mir umgehen sollte?
Bei vielen anderen hier wusste ich es noch immer nicht. Alles war so anders als im Gluthain, doch ich machte Fortschritte.
»Ich freue mich schon auf den Spaziergang heute Nachmittag«, sagte sie und knickste erneut.
Wie sonst auch verließ ich mein Zimmer und lief durch die Gänge. Anfangs hatte sie mich begleitet, doch ich wollte lernen, wie ich allein von einem Punkt zum anderen kam. Nur so konnte ich mir merken, wo ich entlanglief.
Mittlerweile war mir der Weg von meinem Zimmer zum Speisesaal ins Blut übergegangen. Auch, weil er nicht weit entfernt war.
Als ich mich der Tür näherte, schwang sie von selbst auf.
Es war so selbstverständlich für mich geworden, dass ich einfach eintrat und sie nicht weiter betrachtete.
Stattdessen trat ich den Raum und vollführte einen wackeligen Knicks. »Guten Morgen«, grüßte ich.
Cayden, der zu mir blickte, hob lediglich leicht eine Augenbraue, schwieg jedoch.
Obwohl er nichts sagte, spürte ich ein warmes Kribbeln in mir aufsteigen. Diese kleine Geste bedeutete mir mehr, als mir bewusst war.
Das Gefühl von ihm beobachtete zu werden, als ich auf den Tisch zuging, erfüllte mich mit Freude.
Der Stuhl schwebte zurück, sodass ich mich setzen konnte. Dabei ein Lächeln auf den Lippen.
Wie jeden Morgen saß Cayden ruhig da und trank Schwarztee, den er auch mir servierte.
Noch immer wirkte er wie eine Skulptur, doch das pulsierende Blau seiner Adern, das immer wieder durch seine blasse Haut schimmerte, verlieh ihn etwas Lebendiges.
Ich verlor mich oft darin, wie ich diese blauen Blitze beobachtete.




Heute aber richtete ich meinen Blick auf das Frühstück.
Es gab verschiedene Dinge, die ich noch nicht geschafft hatte, zu probieren. Wieder einmal viel zu viel, als dass wir alles essen konnten.
Ich ließ Cayden entscheiden und wartete geduldig. »Das ist gebratener Eierreis«, erklärte er, wie er es immer machte. Damit half er mir, neue Sachen zu erkunden und darüber zu lernen.
»Woher kommt der Reis?«, fragte ich, als ich nach meinem Besteck griff. Vorsichtig, wie Issabella es mir beigebracht hatte, nahm ich es. Es war nicht elegant, als ich mit dem Löffel den Reis nahm, doch nichts fiel und es war das erste Mal, das ich normal mit dem Löffel aß.
Cayden beobachtete mich zwar, sagte jedoch nichts zu meinen Fortschritten. »Reis wird auf einer Insel angebaut, die unter Fürst Verdant Herrschaft steht. Ein Gebiet voller Landwirtschaft.«
Ich horchte auf, denn bis jetzt hatte Cayden nie über die anderen Fürsten gesprochen. »Landwirtschaft?«, fragte ich, da ich das Wort nicht so richtig verstand. Nannte man es so, wenn man Dinge anbaute? Im Gluthain war das nicht möglich gewesen, doch ich hatte beobachtete, wie es einige Bewohner trotzdem versucht hatten.
»Ja. Es gibt dort weite Felder mit goldenem Weizen und Mais«, erklärte er, wobei sein Blick direkt auf mich gerichtet war.
Meine Augen strahlten, während ich mir das vorstellte. »Das muss wunderschön aussehen«, bemerkte ich, während ich den Reis genoss. Er schmeckte gut. Perfekt gewürzt.
Würde ich irgendwann wieder verbranntes Fleisch essen müssen, bestünde die Gefahr, dass ich es nicht essen konnte. Aber so weit würde es hoffentlich nicht kommen. Ich hatte immerhin noch nie davon gehört, dass die Opfer der Götter zurückgekommen waren.
Schwiegen kehrte ein, während ich aß. Dabei war ich mir immer bewusst, dass mich Cayden beobachtete. Es war mittlerweile so normal geworden, dass ich mich nicht mehr unwohl fühlte. Manchmal war es sogar andersherum. Wenn er mich nicht beobachtete, fühlte ich mich unwohl.
»Ayden hat mich um einen Gefallen gebeten«, sagte er plötzlich.
Sofort hielt ich inne, legte den Löffel zurück und blickte zu ihm. Das war ein überraschendes Thema, weshalb ich ihm sofort meine volle Aufmerksamkeit schenkte. Warum erzählte er mir das?




Auf meinen fragenden Blick hin zuckten seine Lippen. »Er hat mich gebeten, dir die Insel zu zeigen.«
»Was?«, fragte ich, denn ich verstand nicht sofort, was genau das zu bedeuten hatte.
Ayden wollte mir die Insel zeigen? Warum?

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