Ascardia-Kapitel 22
~Ascardia~
Ich spürte die Aufregung durch meine Adern fließen, während Issabella mir einen Mantel raussuchte. »Wenn Ihr mit Fürst Ayden geht, müsst Ihr vorsichtig sein. Am besten Ihr schweigt, wenn Ihr nicht angesprochen werdet«, erklärte sie mit ruhiger Stimme. Ich wusste nicht genau, ob sie sich Sorgen machte, oder einfach nicht wollte, dass ich jemanden blamierte.
Da letzteres mir auch fern lag, nickte ich. Ich würde ihre Worte zu Herzen nehmen. Immerhin kannte ich mich hier überhaupt nicht aus.
»Der hier ist passend«, sagte Issabella schließlich.
Mein Kleiderschrank war voller edler Kleider, Schuhe und Mäntel. Ich hatte ihn mir noch nie näher angesehen, interessierte ich mich doch nicht sonderlich dafür. Darum ließ ich Issabella alles händeln, was wichtig war, damit ich gut aussah.
Sie half mir in den Mantel hinein, der mich sofort wärmte.
Irgendwie war es mir gelungen, mich an die kühlen Temperaturen anzupassen, doch ich genoss es noch immer, wenn es warm um mich herum war.
»Danke«, murmelte ich und vergrub mein Gesicht im Fell. Es roch angenehm und kitzelte sanft an meiner Nase.
Plötzlich schwang die Tür auf und Ayden trat ein.
Er trug die gleichen Sachen wie immer. Ein einfaches Hemd und dazu eine dunkle Hose.
Hier nichts Besonderes, wie ich herausgefunden hatte. Aber das brauchte er auch nicht. Seine Aura zeigte deutlich, wie mächtig er war. Trotzdem hatte ich erwartet, dass er für den Ausflug ein edleres Gewand tragen würde.
Immerhin war es wichtig, zu repräsentieren. Das hatte zumindest Issabella gesagt.
Aydens Augen flogen förmlich über mich, bevor er lächelte. »Gut zu sehen, dass du fertig bist«, sagte er und reichte mir plötzlich eine Hand.
Unsicher, was ich damit anfangen sollte, griff ich danach. »Danke«, murmelte ich, als er mich plötzlich zu sich zog und einen Arm um mich legte.
»Nicht so schüchtern«, lachte er, während er mich hinausführte.
Es ähnelte irgendwie dem Moment, als er in Panthergestalt neben mir hergelaufen war. Imitierte er meine Berührungen?
Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, weshalb ich stumm neben ihm herging und erst einmal nicht mehr darüber nachdachte.
»Wohin gehen wir?«, fragte ich irgendwann doch, denn er führte mich durch eine riesige Tür und eine Treppe hinunter.
Hier war ich noch nie gewesen. War das der Haupteingang?
Es war das erste Mal, das ich jemand anderen als die älteren Damen sah, die in der Küche oder im Garten arbeiteten.
Zwei Männer flankierten eine größere Kutsche, die von zwei Pferden gezogen wurde.
In ihren Händen hielten sie Speere und ihre Kleidung wirkte kriegerisch. Mit Leder und Metall.
Von ihnen ging eine leichte, magische Aura aus, doch nichts im Vergleich zu Ayden oder Cayden.
Als ich mit Ayden auf sie zuging, blickten sie zu Boden, als würden sie mich nicht ansehen wollen.
War das hier normal oder lag es wirklich an mir?
Ich drückte mich etwas mehr an Ayden. Obwohl ihre Magie kaum der Rede Wert war, machten ihre Waffen mich doch nervös.
Aydens Hand fuhr beruhigend über meinen Arm, während die Tür der Kutsche aufschwang.
»Steig ein«, befahl Ayden, der mir vorsichtig half, einzusteigen.
Ich kletterte in die offene Kutsche und bemerkte dabei, wie einer der Männer ebenfalls einstieg. Allerdings so, dass er bei den Pferden aß und diese lenken konnte.
Ich hatte bisher nur in einem Buch Bilder dazu gesehen. Da ich nicht lesen konnte, hatte Issabella mir vorgelesen. Nur deshalb wusste ich ein wenig.
Als ich saß, setzte sich Ayden mir gegenüber. Dann bewegte sich die Kutsche unter uns plötzlich.
Ich schnappte nach Luft und krallte meine Hand in das Holz an der Seite. Mein Herz klopfte aufgeregt, während ich versuchte, dem Gefühl Herr zu werden.
Es fühlte sich unangenehm an, so geschüttelt zu werden. Außerdem mochte ich es nicht, keine Kontrolle darüber zu haben, was passierte.
»Das erste Mal, dass du in einer Kutsche reist?«, fragte Ayden, der mich mit einem Lächeln beobachtete.
Natürlich war es das erste Mal. Bevor ich hierhergekommen war, hatte ich noch nie eine Kutsche gesehen!
»Ja«, erwiderte ich, während mein Bauch ein wenig grummelte. Mein Frühstück lag plötzlich schwer im Magen und mir wurde ein bisschen schlecht.
Zum Glück lenkte die Umgebung mich genug ab.
Die Gebäude standen dicht an dich und waren viele Meter hoch.
Unten war Stein verbaut, doch oben erkannte ich Holz.
Die Fenster waren teilweise mit buntem Glas versehen, was ich schon aus dem Anwesen von Cayden kannte. Ich hatte es immer als sehr wertvoll eingestuft, doch da ich es auch an seltsamen Gebilden an der Straße vorfand, fragte ich mich, ob es hier einfach sehr häufig vorkam.
»Was ist das?«, fragte ich und deutete auf die dunklen Stangen, die hoch in den Himmel ragten und dort Kugeln aus buntem Glas hatten.
Ayden folgte meinem Blick. »Das sind nur die Laternen, die in der Nacht die Straßen erleuchten.«
Oh, das war möglich?
Mein Blick wanderte weiter und wurde von den Farben der Bewohner angezogen.
Ich kannte Kleidung zwar, doch im Gluthain hatte es nur wenig gegeben, das man als solche bezeichnen konnte. Im Schloss waren die Kleider, die ich trug, farbenfroh und ausgefallen. Die Damen trugen ähnliches wie Issabella.
Daher war es das erste Mal, dass ich nicht nur andere Frauen, sondern auch Männer sah.
Ich war so fasziniert davon, dass ich meinen Kopf ständig von einer zur anderen Seite wandte.
Wir wurden zwar ab und zu angesehen, doch nicht so, wie ich es erwartet hatte. Vielleicht lag das daran, dass Ayden viel unterwegs war.
»Was sind diese Schleier, die vorrangig die Männer umgeben?«, fragte ich irgendwann, denn das war etwas, das ich mir nicht erklären konnte.
Die meisten Männer hatten eine Art Aura um sich herum. Ein sanfter Schleier, fast so als wäre da Nebel oder Rauch. Aber in bunten Farben.
»Was meinst du?«, fragte Ayden.
Ich wandte mich zu ihm, um ihn zu erklären was ich meinte, da sah ich sein Stirnrunzeln.
»Diese … ich weiß nicht. Der bunte Rauch, der sie umgibt. Er pulsiert wie das Wasserlicht. Aber er wirkt nicht so … gefährlich«, erklärte ich so gut ich konnte. Mir fehlten einfach die richtigen Wörter.
»Kannst du es mir genauer beschreiben?«, fragte Ayden, der nachdenklich die Stirn runzelte.
Also versuchte ich es noch einmal, doch ich hatte nicht das Gefühl, dass er dadurch schlauer wurde. Ich verstand es auch nicht.
»Könnte es sein, dass du ihre Magie in dieser Form wahrnimmst?«, fragte er dann, wobei er unschlüssig klang.
Das konnte ich mir nicht so ganz vorstellen. Caydens kalte Brise und Aydens sanfte Wärme spürte ich schon immer. Selbst in ihrer Tierform. Das war ihre Magie, doch kein solcher Schleier hatte sie je umgeben. Selbst jetzt, wo ich ihn betrachtete, sah ich nichts dergleichen.
Ich legte meinen Kopf schief. Das verwirrte mich alles sehr. »Sollte ich sie dann bei dir und … deinen Bruder nicht auch sehen?«, fragte ich und nutzte absichtlich nicht Caydens Namen. Er neigte dazu, direkt zu erscheinen, sobald dieser fiel. Hier wäre das alles andere als praktisch.
Aydens Blick wurde überrascht. »Das tust du nicht?«, fragte er, als würde er mir nicht glauben.
Ich konnte nur meinen Kopf schütteln. Wenn es Magie war, die ich nun scheinbar sehen konnte, warum dann nur bei den Fae in der Stadt und nicht bei den beiden Fürsten?
Ich erinnerte mich an den Besuch von Fürst Dorne. Seine Magie hatte ich ebenfalls wahrgenommen, doch erst jetzt stellte ich fest, dass ich sie tatsächlich auch gesehen und es mir nicht eingebildet hatte. Diese zähe, ölige Schwärze …
»Das … kann ich dir nicht beantworten. Fragen wir später Cayden.«






































Kommentare