Ascardia-Kapitel 24

~Ascardia~
Der Tag hatte mich überraschend ausgelaugt. Das Greifenrennen war so gut gewesen, dass ich das gesamte Abendessen über Issabella damit in den Ohren lag. Ich erzählte ihr jedes kleinste Detail und sie hörte zu, ohne mich zu unterbrechen.
Noch nie hatte ich jemanden, mit denen ich schöne Momente teilen konnte. Nicht, dass es früher viele solche Momente gegeben hätte.
»Es wird Zeit für Euch, ins Bett zu gehen«, sagte sie schließlich. Die Sonne war schon längst untergegangen und meine Schüsseln waren komplett leer.
»Ich versuche es«, erwiderte ich, denn ich war noch immer so aufgeregt, dass ich kaum glaubte, dass ich überhaupt schlafen konnte. Allerdings würde mich morgen früh Cayden erwarten. Nur für unser Frühstück stand ich so zeitig auf.
Also würde ich jetzt ins Bett gehen, um nicht zu verschlafen.
Issabella schlug mir die Decke zurück und ich krabbelte ins Bett.
Obwohl mein Geist hellwach war und die Ereignisse in meinem Kopf wiederholte, war mein Körper doch erschöpft.
Kaum hüllte mich die Wärme der Decke ein, spürte ich, wie meine Glieder schwer wurden und mich der Schlaf einhüllte.

Etwas Nasses berührte meine Wange und kühler Atem zog mich langsam aus meinen Träumen.
Ich schmiegte mich murmelnd an das weiche Fell, denn ich wusste sehr genau, dass es Cayden war, der sich neben mich gelegt hatte. So wie jede Nacht. //Ich möchte dir etwas zeigen//, hörte ich seine Stimme in meinem Kopf. Sanfter und leiser als sonst, als würde er mich nicht erschrecken wollen.
»Hm?«, brachte ich grummelnd hervor, bevor ich meine Augen aufschlug.
Es war mitten in der Nacht, doch durch die offenen Vorhänge drang das fahle Licht des Mondes. Außerdem spürte ich die frische Luft, die von draußen durch die geöffnete Tür wehte.
War Cayden durch diese gekommen? Warum? Sonst erschien er doch immer direkt in meinem Zimmer.
//Steh auf//, forderte er, wobei er mich weiter anstupste.
Was war nur so wichtig, dass er es mir unbedingt zeigen wollte? Ich hatte gerade so schön geträumt.
Das Gefühl, auf dem Rücken eines Greifen zu fliegen, war so angenehm gewesen. Ich hatte die Welt entdeckt und sie von oben betrachtet.
Obwohl ich mich müde fühlte, setzte ich mich schwerfällig auf und gähnte.




Schon jetzt vermisste ich die warme Decke meines Bettes, doch ich schwang meine Beine über die Bettkante und erhob mich.
Cayden war sofort an meiner Seite. Außerdem öffnete sich mein Schrank und ein Mantel schwebte zu mir. Er legte sich auf meine Schultern, sodass Wärme mich wieder einhalten, bevor die kühle Nachtluft sie mir ganz stehlen konnte.
Langsam folgte ich Cayden hinaus in den Garten. Seit dem Vorfall mit dem Wasserlicht war ich nicht mehr allein draußen gewesen. Ich traute mich einfach nicht. Aber mit Cayden an meiner Seite fühlte ich mich wohl und genoss für einen Moment die frische Luft.
Ich blieb sogar einen Moment stehen und sah in den Sternenhimmel hinauf. Er war klar, aber nicht so dunkel wie sonst. Der Mond strahlte in voller Größe.
Im Gluthain hatte ich die Sterne immer bewundert, doch durch den Rauch und Nebel war der Anblick nie so voller Ruhe und Freude gewesen wie hier.
Cayden blieb neben mir stehen und wartete geduldig darauf, dass ich weiter ging. Er hatte noch nie gedrängt, dabei musste er nur es nur befehlen. Ich würde sofort tun, was er von mir wollte.
Es sollte mich erschrecken, doch bis jetzt hatte er mir noch nie geschadet.
Als ich mich satt gesehen hatte, bewegte ich mich wieder vorwärts, während Cayden neben mir hertrottete.
//Mach die Augen zu//, befahl er plötzlich, hatte aber einen Unterton, der seine Stimme fast sanft machte, trotz des Befehls.
Ich war ein wenig unsicher, doch ich schloss die Augen.
Magie flirrte um mich herum und dann spürte ich plötzlich Hände, die mich sanft hielten. »Langsam«, sagte Cayden mit leiser Stimme und führte mich dann langsam vorwärts.
Es war ungewohnt und ich hatte ständig das Gefühl, über irgendwas zu fallen, doch Cayden hielt mich.
Ich musste sogar ein wenig kichern, als ich etwas schwankte und gegen ihn stieß.
»Ayden hat mir erzählt, dass er dich zum Greifenrennen mitgenommen hat«, bemerkte Cayden plötzlich, fast beiläufig.
Das kam unerwartet, denn normalerweise antwortete er sonst nur, wenn ich direkt fragte.
»Ja. Es war wirklich faszinierend. Auch, wenn die Höhe mir echt Angst gemacht hat«, sagte ich mit einem Strahlen in der Stimme. Allein der Gedanke an die edlen Tiere ließ mich lächeln.




Cayden schwieg, doch ich erzählte ihm weiter, was ich so toll gefunden hatte.
Plötzlich blieb Cayden stehen und hob meine Hand.
Irritiert runzelte ich die Stirn, als ich plötzlich etwas Kühles berührte. Es fühlte sich glatt an, als ich mit den Fingern darüber strich.
»Was ist das?«, fragte ich und tastete mich langsam vor. Ich berührte etwas, das wie Löcher wirkte. Daraus kam warme Luft. Dann spürte ich etwas Scharfes, schnitt mich damit aber nicht.
In meinem Kopf entstand ein Bild, doch ich war mir nicht sicher, ob ich recht hatte.
»Öffnete deine Augen«, befahl Cayden, der weiterhin neben mir stand.
Als ich sie aufschlug, brauchte ich einen Moment, um zu verstehen, was ich sah.
Meine Hand lag auf einem großen, dunkelblauen Schnabel.
Ich blickte von meiner Hand zu wunderschönen, silberblauen Federn, bevor ich in große, aber sanft blickende, schwarze Augen sah.
Vor mir saß ein Greif, der einen Moment die Augen schloss, als würde er mir zuzwinkern wollen.
Ich hielt die Luft an.
Passierte das hier wirklich, oder träumte ich?
»Sie ist für dich«, erklärte Cayden, der neben mir stand, mich aber direkt anblickte. So wie er es immer tat.
»Was?«, fragte ich, denn ich wusste nicht genau, was er damit meinte. Sie war für mich? Was hieß das?
»Ein Haustier«, erwiderte Cayden, doch meine Verwirrung wurde nur noch größer.
»Was ist ein Haustier?«, fragte ich, während ich über den glatten Schnabel strich und mich sogar traute, meine Fingerspitzen über die Federn wandern zu lassen.
Es fühlte sich anders an, als mit Cayden und Ayden. Hier spürte ich nicht die gleiche Menge an Intelligenz. Das hier war definitiv ein Tier. Nicht mehr.
»Ein Begleiter«, erwiderte Cayden, der mich plötzlich packte und auf seine Arme hob.
Ich gab einen überraschten Laut von mir und klammerte mich instinktiv an Cayden fest.
Er überraschte mich immer wieder, wenn er das machte. Dabei war es mit der Zeit öfter geworden, doch daran gewöhnen würde ich mich nie.
Er trug mich um den Greif herum und setzte mich plötzlich auf dessen Rücken, bevor er sich hinter mich schwang.
»Was machst du?«, fragte ich, während ich meine Finger in die Federn des Tieres krallte. Es fühlte sich seltsam an, auf seinem Rücken zu sitzen.




»Ein Greif ist zum Fliegen da. Ich bring es dir bei.« Er fragte nicht, ob ich das überhaupt wollte, aber es klang interessant. Allerdings bereitete mich nichts darauf vor, als der Greif plötzlich abhob.
Ich stieß ein panisches Schreien aus, denn nicht einmal die Kutsche oder das Sofa hatte es geschafft, meinen Bauch derart kribbeln zu lassen. Als hätte darin jemand hunderte Bienen freigelassen.

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