Ascardia-Kapitel 26
~Cayden~
»Ein Greif«, lachte Ayden, der sich sogar den Bauch hielt.
Ich fragte mich, wie lange er das noch wiederholen wollte.
Er fiel dabei fast vom Sofa, während ich meinen Tee genoss.
Eigentlich war es Aydens Schuld. Warum hatte er sie unbedingt zum Greifenrennen mitnehmen müssen? Ich hatte geglaubt, er zeige ihr die Stadt. Aber nein. Er hatte es völlig ausgenutzt, dass ich nicht da gewesen war.
Wie gern hätte ich Ascardias Gesicht gesehen. Ich gestand es mir nur ungern ein, doch ich war ein wenig wütend auf ihn. Das war ich schon lange nicht mehr gewesen. Es war ein Gefühl, das sonst nie so ausgeprägt auftrat. Dieses Mal war es jedoch nicht dieses oberflächliche Zucken. Es war ein Stechen, das einfach nicht loslassen wollte.
Ayden hatte mir die Chance genommen, Ascardias Reaktionen zu beobachten und dafür würde er noch büßen.
»Wie bist du überhaupt an einen silbernen Greifen gekommen? Die sind doch super selten«, fragte er schließlich nach Luft schnappend.
»Verärgert, dass du ihn nicht bekommen hast?«, fragte ich, da ich genau wusste, wie sehr er seit Jahren versuchte, einen solchen für seine Sammlung zu ergattern.
Allerdings machte er nur eine wegwerfende Handbewegung. »Ascardia mitnehmen zu dürfen, hat das wieder ausgeglichen«, bemerkte er mit einem Grinsen, das mich eine Augenbraue zucken ließ. Das machte er doch mit Absicht!
Ich überlegte tatsächlich, ob ich mich auf sein Sticheln einließ, da wurde die Tür aufgerissen.
Das kam so unerwartet, dass ich sofort meinen Blick dorthin richtete. Ich ignorierte die Angestellten dieses Haushalts die meiste Zeit. Lediglich Issabella hatte ich ein wenig im Blick. Aber auch erst, seitdem sie sich um Ascardia kümmerte.
Der Mann, der eintrat, war mein Haushofmeister Ereman. Ein Fae, der eigentlich eine kühle Aura hatte und selten Gefühle zeigte. Dabei war er relativ jung.
Er verneigte sich sofort. »Für Euch ist ein Brief angekommen«, erklärte er und hielt eine silberne Platte mit eben diesen hoch.
Ich wusste sehr gut, von wem dieser Brief kam und es gefiel mir ganz und gar nicht.
Mit einem Finger ließ ich den Brief zu mir schweben, um ihn mir anzusehen. Das Siegel erkannte ich sofort wieder. Warum ausgerechnet Fürst Dorne? Er hatte Ascardia doch schon kennengelernt. Konnte er nicht ein wenig Geduld zeigen?
Die Opferung der Frauen war jetzt schon fast einen Monat her und das hieß, die ersten Fürsten begannen, sie vorzustellen. Normalerweise gab man den Frauen einige Zeit, um sich einzuleben, doch Fürst Dorne rief den ersten Tag nach dieser Phase sofort zu Walpurgis. Einem Ball, der dazu da war, seine Errungenschaften zu präsentieren.
Das passte sehr gut zu ihm. Er wollte immer angeben und war unglaublich ungeduldig.
»Er will Ascardia sehen«, bemerkte Ayden, der hinter mich getreten war, um den Brief zu lesen.
»Ich werde ablehnen«, bemerkte ich, wie ich es sonst auch immer getan hatte. Diese Feiern interessierten mich nicht. Ich hatte nichts zu zeigen …
»Als du Ascardia gewählt hast, hast du schon zugesagt«, bemerkte Ayden, der nachdenklich die Stirn runzelte.
Leider hatte er damit recht. So gern ich sie auch hierbehalten wollte, würde ich nicht drumherum kommen, sie den anderen Fürsten vorzustellen. Das gebot nicht nur die Höflichkeit. Es war eine uralte Tradition.
»Sie ist noch nicht bereit dazu«, erwiderte ich, denn es war kein Geheimnis, dass Ascardia länger brauchte, als andere Frauen.
»Es wäre nicht gut, wenn andere das herausfinden.«
Damit hatte Ayden allerdings recht. Trotzdem gefiel es mir einfach nicht, sie mit anderen Fürsten in einem Raum zu wissen. Allerdings wusste ich auch, dass mir keine andere Wahl blieb.
»Sie wird einiges lernen müssen, um nicht zu sehr aufzufallen.« Ich wollte auf keinen Fall, dass sie die Aufmerksamkeit der Fürsten auf sich zog. Das war einfach zu gefährlich.





























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