Ascardia-Kapitel 30
~Ascardia~
Nervös spielte ich mit meinem Kleid. Es wie viele, fast unscheinbare Verzierungen auf, die einen silbernen Glanz verströmten und mich damit glitzern ließen. Diese waren perfekt, um mich damit abzulenken.
Ich versuchte herauszufinden, welche Muster sie bildeten, während die Kutsche Cayden und mich zu unserem Ziel brachte.
Wir waren noch nicht gelandet, da drang Musik an meine Ohren und ich blickte auf.
Die Insel von Fürst Dorn war etwas anderes gebaut, als die von Cayden.
Sie war umgeben von vielen kleinen Inseln, von denen Wasser floss, das auf einer größeren zusammenfloss und einen See bildeten. In der Mitte dieses Sees lag sein Anwesen.
Es schimmerte im Licht der Sonne wie ein Diamant und blendete in meinen Augen.
Ich hob die Hand, um sie etwas abzuschirmen, doch so recht gelang es mir nicht.
Es war schwer, etwas genaues zu erkennen, doch überall wuselten Leute herum.
Nicht nur Frauen in wunderschönen Kleidern, sondern auch Männer. Vermutlich Fae.
Sie wuselten umher, ohne dass ich sagen konnte, was sie eigentlich taten.
Selbst die Luft schien hier zu glitzern, als hätte jemand Edelsteine vertraut.
Überall flackerten Farben, sodass ich von einer Seite zur anderen sah, während seltsame, starke Gerüche meine Nase füllten.
Sie waren süß, herb, bitter und salzig.
Es gab so viel zu sehen, riechen und hören, dass ich mich bald schon wieder zurücksetzen musste, um gegen die Übelkeit anzukommen.
Als hätte Cayden bemerkt, dass es mir nicht gut ging, legte er seine Hand auf meine und seine sanfte, kühle Brise nahm mich ein.
Sie legte sich auf mich wie ein feiner Mantel, der mich von dem abschirmte, was auf mich wartete.
Erleichtert atmete ich auf.
»Fürst Dorne liebt Dekadenz«, bemerkte Cayden, auch wenn ich das Wort nicht ganz verstand. Aber ich verstand die Umgebung. Sie war … voll. Voll mit allem.
Schließlich landete die Kutsche und Cayden half mir, auszusteigen.
Schon hier waren viele Leute unterwegs. Allerdings hielten sie inne und verneigten sich, als Cayden an ihnen vorbei ging. Ich an seiner Seite.
Es fiel mir unglaublich schwer, meinen Rücken gerade und meine Schultern gestrafft zu halten. Mein Blick war geradeaus auf den dunklen Weg gerichtet.
Dieser war glatt und schimmerte wie Glas, aber ich rutschte nicht aus.
Nur ab und an huschte mein Blick doch umher.
Die Frauen, die hier zwischen den Männern standen, waren schön.
Ihre Kleider voller Prunk und selbst in ihren Haaren trugen sie Gold, Silber und Diamanten. Als wären sie einfach nur Skulpturen, die man fein hergerichtet hatte.
Wenn ich so darüber nachdachte, hatte ich in Caydens Anwesen nie so etwas wie Schmuck gesehen.
Issabella hatte mir einmal einen Blumenkranz gemacht und ihn als Schmuck bezeichnet. Doch das, was es hier gab, war ganz anders.
Viele der Stücke sahen schön aus, aber auch schwer und unnötig.
Sanfte Musik lag in der Luft. Nicht wie sie Issabella spielen würde. Sie war unruhig, aber auch verführerisch, sodass mein Herz im Takt klopfte.
Die Luft, mit ihren ganzen Gerüchen, klebte an meiner Haut, als würde sie mich einwickeln wollen.
Hoffentlich mussten wir hier nicht zu lange bleiben. Ich fühlte mich unter den ganzen Eindrücken nicht wohl.
Die neugierigen Blicke waren nicht einmal das Schlimmste.
»Fürst. Hier entlang bitte«, sagte plötzlich ein Mann, der von einer tiefen, roten Aura eingehüllt war.
Bis jetzt hatte ich noch nicht mit Cayden über meinen neuen Blick gesprochen, doch ich glaubte mittlerweile, dass es wirklich Magie war, die ich sehen konnte. Daher schloss ich, dass dieser Mann ein recht starker Fae sein musste.
Er verneigte sich, bevor er uns zu einem Eingang führte. Große, punkvolle Treppen und eine riesige Tür, die voller Gold und Edelsteine war.
Warum war das nötig? Fand Fürst Dorne das schön?
Ich konnte seine Meinung nicht teilen. Mit so viel Glitzer um sich herum, konnte man sich doch gar nicht auf die feinen Handarbeiten konzentrieren, die sich überall versteckten.
Die Tür schwang auf und der Fae geleitete uns hinein.
Die Gänge waren breit und voller bunter Lichter, die durch Spiegel und buntes Glas erzeugt wurden. Sie tanzten über den glatten Boden. Dieser bestand aus vielen kleinen Steinen, die einen Fluss nachahmten und nicht nur einmal trat ich auf das Bild eines Fisches.
Dann plötzlich erreichte mich ein vertrautes Gefühl.
Schwer und ölig wabberte die Aura von Fürst Dorne über den Boden, weshalb ich meinen Blick kurz zu einer Tür richtete, an der wir vorbeigeführt wurden. Dort musste er sein. Ich würde diese Aura sofort wiedererkennen.
Ich versteifte mich und trat näher auf Cayden zu, als ich den Blick abwandte. Der Fae führte uns nicht dorthin. Aber warum nicht?
»Fürst Dorne wird Euch gleich begrüßen. Bittet wartet hier einen Moment und ruht Euch von Eurer Reise aus«, bat er, wobei er uns in einem riesigen Raum voller Sofas und Sessel zurückließ.
Es gab einen Tisch mit Speisen und Getränken und irgendwo plätscherte leise Wasser.
Obwohl es vermutlich ein Gefühl der Ruhe vermitteln sollte, konnte ich mich einfach nicht entspannen. Nicht einmal, als der Fae den raum verlassen hatte. Stattdessen fühlte ich mich beobachtet und gefangen.
Cayden fuhr mit seinem Finger über meinen Handrücken. »Das machst du gut«, flüsterte er.
Seine Worte ließen mein Herz höherschlagen. Er hatte mich gelobt! Das hatte er noch nie getan.
Ich wollte ihm gerade danken, da öffnete sich die Tür.
Ein Fürst trat herein, der von einer angenehmen, grünen Aura umhüllt wurde.
Seine kurzen, braunen Haare ließen ihn verwegen wirken und seine nussbraunen Augen funkelten.
»Fürst Veylenreach. Es freut mich Euch hier zu sehen«, grüßte er und verneigte sich leicht.
Cayden deutete ebenfalls eine leichte Verneigung an. »Fürst Verdant«, grüßte er.
Mir kam der Name bekannt vor. Hatte Cayden ihn nicht beim Thema Landwirtschaft erwähnt?
Fürst Verdants Blick huschte zu mir und er lächelte. »Wie ich sehe, seid Ihr dieses Mal fündig geworden«, sagte er und deutete dann auf drei Frauen, die ihm gefolgt war. Sie knicksten und ließen den Blick gesenkt.
»Das sind Ariette, Lissara und Aidiri«, stellte er vor, wobei er etwas Ungeduldiges, Abwartendes in seiner Stimme hatte.
Cayden blickte zu mir und nickte mir zu.
Ich machte einen Schritt und knickste, wie es mir beigebracht wurde. »Mein Name ist Ascardia. Es freut mich, Euch kennenzulernen, Fürst Verdant«, sagte ich mit versucht ruhiger Stimme. Mein Herz schlug mir vor Aufregung bis zum Hals, weshalb ich Angst hatte, er würde es hören.
Überraschung wanderte über Fürst Verdants Gesicht, bevor er lächelte.
Es war wirklich schwer, ihn einzuschätzen, doch er wirkte auf alle Fälle angenehmer als Fürst Dorne. Trotzdem wollte ich ihn nicht ohne Cayden begegnen, denn seine Macht war genauso spürbar, wie die von Cayden. Die strich über meine Arme und hinterließ Gänsehaut.
































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