Ascardia-Kapitel 32

~Ascardia~
Ich war verwirrt, als Fürst Verdant vor uns eintrat. Fürst Dorne kündigte ihn an, während Cayden und ich draußen warteten.
Die ganze Zeit hielt Cayden meine Hand und stand elegant und erhaben an meiner Seite, während ich das Gefühl hatte, meine Beine würden jeden Moment nachgeben.
Ich hörte so viele Stimmen, dass sie zu einem Gewirr aus Geräuschen wurden. Die Düfte, die meine Nase umspielten, stachen, kratzten und fühlten sich überwältigend an. Ich wollte nicht eintraten. Es waren mir zu viele Leute anwesend.
Cayden setzte sich in Bewegung, sodass ich ebenfalls vorwärts ging.
»Begrüßt nun unseren Ehrengast. Fürst Veylenreach mit Ascardia.«
Als mein Name fiel, wäre ich fast stehengeblieben, doch Caydens Kraft hüllte mich ein und trieb mich weiter vorwärts.
Mein Herz zersprang fast in meiner Brust, während ich Panik in mir aufsteigen spürte. Warum hatte Fürst Dorne meinen Namen genannt? Er hatte keine der anderen frauen vorgestellt. Warum dann plötzlich mich? Was bezweckte er damit?
Das helle Licht, das an unzähligen spiegelnden Flächen gebrochen war, blendete mich für einen Moment, sodass ich es schwer hatte, gleich alles wahrzunehmen.
Die Geräusche waren verstummt. Sogar die Musik hatte aufgehört zu spielen und ich spürte die Blicke, die auf uns gerichtet waren, bevor ich sie sehen konnte.
Es fühlte sich falsch an. Warum standen wir plötzlich im Mittelpunkt? War das nicht eine Feier, die Fürst Dorne veranstaltete? Sollte er nicht im Mittelpunkt stehen.
Ich sah einen Mann an uns herantreten. »Fürst Veylenreach. Was für eine Überraschung, Euch hier zu sehen«, grüßte er, wobei er sich auf die gleiche Art verneigte, wie es Fürst Verdant getan hatte.
Ein weiterer Fürst?
Cayden warf ihm einen kurzen Blick zu. »Ich bin hier, weil es die Tradition verlangt. Erwarte nichts.«
Seine Worte waren kalt und ließen mich zucken. Ich hatte ihn schon so lange nicht mehr so kalt erlebt. Es zeigte mir deutlich, dass er kein Interesse an einem Gespräch hatte.
Der Mann zögerte, als überlege er, was er erwidern wollte, da bewegte sich Cayden schon weiter und führte mich mit ihm.
Die Gesellschaft machte uns Platz und verneigten sich leicht.
Cayden führte uns weiter, bis wir ein Sofa erreicht hatten. Dort deutete er mir an, mich niederzulassen, bevor auch er sich setzte.




Kaum war das geschehen, brachten uns zwei Frauen in einfachen Kleidern Getränke.
Keinen Tee wie noch im Warteraum, sondern eine rötliche Flüssigkeit, die ein bisschen beißend roch.
//Das ist Wein. Er hat Alkohol. Trink nur einen kleinen Schluck.//
Caydens intime Worte ließen mich leicht schaudern und eine Gänsehaut breitete sich über meinen Körper aus.
Ich verstand nicht, was genau er meinte.
Weder Wein noch Alkohol waren mir ein Begriff, doch da er mich warnte, musste es etwas gefährliches sein. Sollte ich vielleicht ganz darauf verzichten oder wäre das unhöflich?
Ich beobachtete, wie Cayden das Glas an seine Lippen führte und einen großen Schluck trank. Dabei lehnte er sich zurück, doch ich war nicht sicher, ob er es wirklich genoss.
Ich zögerte, griff dann aber auch zu dem Glas. Es hatte Verzierungen, die das Licht brachen und einen Moment musterte ich es eingängig. Es sah wirklich schön aus.
Als ich gerade einen Schluck nehmen wollte, näherte sich uns ein weiterer Fürst. Ich hielt kurz inne, während die bittere Stärke mir in die Nase stieg. Schon jetzt wusste ich, dass mir dieses Zeug nicht schmecken würde, ich versuchte es dennoch.
Der Geschmack war seltsam und brannte kurz auf meiner Zunge, weshalb ich es sofort wieder absetzte und Mühe hatte, meine Lippen nicht zu verziehen.
»Fürst Veylenreach«, grüßte der Mann, der jedoch zu mir blickte, als er sich verneigte. Ein herablassendes Lächeln wanderte über meine Lippen.
»Fürst Iricus«, erwiderte Cayden monoton und drehte das Glas Wein in seinen Händen.
»Ich hoffe mein neuer Wein mundet Euch«, sagte er und ließ sich auf dem Stuhl gegenüber Cayden nieder.
Ich schielte zur Seite, um Caydens Reaktion zu mustern. Er hatte die Augen geschlossen und sich zurückgelehnt. Auf den ersten Blick hatte diese Haltung etwas Entspanntes, doch sie passte nicht ganz zu Cayden. Auf mich wirkte sie falsch. Er war auf keinen Fall entspannt. War er vielleicht genervt? So hatte ich ihn noch nie gesehen und wusste daher nicht, was ich davon halten sollte.
»Er ist bitterer als gewöhnlich«, kommentierte Cayden und nahm einen weiteren Schluck.
»Ihr mögt bittere Getränke«, erwiderte Fürst Iricus, als würde er Cayden daran erinnern wollen.




»Richtig. Aber der hier ist nichts Besonderes.« Caydens Stimme war nicht direkt abwertend, doch er schien nichts Interessantes an dem Wein zu finden.
Ich fand ihn ehrlich gesagt ziemlich schlecht. Warum sollte man solches Zeug trinken? Und warum war es dem Fürsten so wichtig, dass Cayden ihn mochte?
Ging es hier vielleicht darum, dass er hoffte, Cayden etwas zu verkaufen? War das hier eine Art … Handelstreffen?
Das alles verwirrte mich. Ich hatte zwar durch Issabella viel gelernt, doch noch reichte es nicht.
Fürst Iricus wirkte nicht, als hätten Caydens Worte ihn beleidigt. Er lächelte. »Schade. Ihr seid ein wirklich guter Weinkenner. Ich hatte gehofft, es mundet Euch mehr«, sagte er und erhob sich langsam. »Danke, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt.«
Er verließ uns und kurz wurde es ruhig um uns herum. Ich hatte das Gefühl, die anderen mieden uns. Zumindest diejenigen, die nicht gerade Fürsten waren.
Dann kam plötzlich Fürst Verdant auf uns zu.
»Wie es aussieht, möchtet Ihr heute wieder keine Gesellschaft«, sagte er lächelnd an Cayden gerichtet.
Dieser öffnete eines seiner Augen. »Wenn du das weißt, warum bist du dann hier?«, fragte er, gab sich aber keine Mühe, Interesse vorzutäuschen.
Fürst Verdant lachte leise und stellte einen kleinen Teller auf dem Tisch ab. Nicht vor Cayden, sondern vor mir.
»Ich habe etwas für Ascardia«, sagte er und zwinkerte mir zu.
Ich blickte irritiert auf den kleinen Teller, auf dem eine weiße Kugel lag. Sie sah aus, als wäre sie aus vielen, kleinen Körnern gemacht.
//Du kannst es essen//, hörte ich Cayden sagen, was der einzige Grund war, warum ich vorsichtig nach einer Gabel griff.
Unsicher halbierte ich die Kugel, nur um eine bräunliche Paste zu sehen, die hervorquoll.
So etwas sah ich zum ersten Mal.
Der Geruch war mir nicht bekannt, hatte aber eine leicht süßliche Note. Vielleicht ein klein wenig Rose, aber da war ich mir nicht sicher.
Vorsichtig nahm ich die braune Paste mit der Gabel auf und probierte sie.
Sie war süß, aber nicht so stark wie der Tee. Tatsächlich war der Geschmack ganz angenehm.
Ich arbeitete mich langsam bis zu den kleinen, weißen Körnern vor und als ich beides zusammen im Mund hatte, genoss ich es wirklich. Trotzdem versuchte ich, es mir nicht anmerken zu lassen.




Ich war mir Caydens Blick bewusst. Er beobachtete mich, auch wenn es nicht so offensichtlich war.
//Schmeckt es?//, fragte er gedanklich.
Langsam nickte ich und lächelte. Es war die erste Süßspeise, die mir tatsächlich zusagte.
//Möchtest du, dass ich sie ins Anwesen liefern lasse?//, fragte er, was mich tatsächlich überraschte.
Cayden mochte keine Süßigkeiten und doch hatte er immer wieder welche servieren lassen, damit ich probieren konnte. Dass er jetzt sogar für mich darüber nachdachte, diese liefern zu lassen, wärmte mir das Herz. Er gab mir das Gefühl, dass ich ihm wichtig war, auch wenn ich nicht genau verstand, warum.

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