Ascardia-Kapitel 37
~Ascardia~
Als ich erneut die Augen aufschlug, befand ich mich noch immer in meinem Zimmer, doch irgendwas war anders.
Mit viel Kraft drehte ich meinen Kopf, nur um zu bemerken, dass Cayden verschwunden war.
Sofort setzte mein Herz einen Schlag aus. Ging es ihm gut? Wo war er?
Panik riss ich die Decke von mir, doch als ich versuchte, aufzuspringen, reagierte mein Körper nicht. Nur einer meiner Arme bewegte sich.
Ich schnappte nach Luft. Sofort ließ ich meinen Blick über die Stellen schweifen, die ich zum Glück noch spürte. Alles kribbelte, als wären meine Gliedmaßen eingeschlafen.
Ich fühlte sie noch, das war gut, oder?
Trotzdem rann mir das Blut schnell durch die Adern und ich atmete hektisch, während ich mich umsah. »Cayden«, stieß ich hervor.
So schlecht wie es ihm letzte Nacht ging, konnte alles Mögliche geschehen sein.
Meine Gedanken wurden unterbrochen, als jemand die Tür aufriss.
Sofort ruckte mein Kopf, so gut es ging, herum.
Cayden benutzte nie die Tür!
Ich konnte nicht sehen, wer mein Zimmer betrat, spürte aber die flammende Wärme, die nur zu Ayden gehören konnte.
»Du bist wach«, sagte er und eilte mit schnellen Schritten auf mich zu.
Bevor er jedoch mehr sagen konnte, versuchte ich mich hochzudrücken. »Cayden. Wie geht es Cayden?«, fragte ich mit einem Anflug von Panik in der Stimme.
Verwunderung wanderte über Aydens Gesicht, bevor er lächelte. Es wirkte schief und gezwungen. »Es geht ihm soweit gut. Er arbeitet«, erklärte er, was meine Angst zwar abschwächte, doch Wut dazu kommen ließ.
»Arbeit? So wie er ausgesehen hat, sollte er sich ausruhen«, protestierte ich, doch der Versuch, aus dem Bett zu kommen, scheiterte erneut.
Ayden kam zu mir. »Immer mit der Ruhe«, sagte er, wobei er versuchte sanft zu klingen. Ich hörte jedoch die unterschwellige Aufregung. »Ihm geht es wirklich gut«, versicherte er.
Ich stieß die Luft aus. »Nein und das wissen wir beide«, erwiderte ich, denn ich wollte ihm diese Lüge nicht durchgehen lassen.
Es war zwar lieb, dass er mich beruhigen wollte, doch nicht, indem er mir so deutlich ins Gesicht log.
Ayden fuhr sich übers Gesicht und dann durch die Haare. »Gut. Sagen wir, es geht ihm nicht so schlecht, dass er ans Bett gefesselt ist, wie du«, gab Ayden schließlich nach.
Ich kniff die Augen zusammen, als ich ihn fixierte. »Mir geht es gut«, beharrte ich, denn ich hatte keine direkten Schmerzen.
Erneut schenkte er mir ein schiefes Lächeln.
»Du kannst dich fast nicht bewegen. Es ist ein Wunder, dass du lebst. Erst das Wasserlicht und jetzt das Schattenlicht. Das ist …« Er schüttelte den Kopf, als wüsste er nicht genau, was er dazu sagen sollte.
Ich verzog den Mund. »Mir geht es wirklich gut«, beharrte ich, als mein Magen plötzlich knurrende Laute von sich gab.
Überrascht sah mich Ayden an, bevor er lachte. »Nun gut. Dann setz dich auf zum Essen«, neckte er und wandte sich kurz um.
Auf einem kleinen Wagen befand sich eine silberne Glocke, die mir vorher nicht aufgefallen war.
Ayden schob sie zu mir ans Bett, während ich mich abmühte, doch nicht hoch kam.
Ich hätte mich in dem Moment am liebsten selbst verflucht. Wieso war ich nur so schwach?
»Deine Beine haben besonders viel Schaden abbekommen«, erklärte Ayden, der den Wagen kurz stehenließ und dann zu mir, um mich vorsichtig hochzuziehen.
Mit dem Rücken an die Kissen gelehnt, hatte ich zumindest das Gefühl, nicht mehr ganz so schutzlos zu sein.
»Wir haben für dich getan, was wir konnten. Cayden würde gern einen Fae-Heiler holen, aber die Gefahr, dass sein Zustand an die Öffentlichkeit dringt und er sich damit angreifbar macht …«
Ayden musste nicht weiterreden, damit ich verstand, was er mir damit sagen wollte.
»Nein. Das ist nicht nötig«, entschied ich, denn dann würde sich Cayden angreifbar machen.
Ayden verzog den Mund. »Gut, dass du meiner Meinung bist, aber … es könnte sein …, dass deine Beine …«
So wie er nach Worten rang, erkannte ich ihn fast nicht wieder. Ich hörte seine Stimme brechen und das schmerzte mich am meisten. Dass ich denen, die mir so sehr geholfen und mein Leben so verbessert hatten, Sorgen bereitete.
»Das wird schon wieder«, sagte ich, wobei ich versuchte so viel Selbstbewusstsein und Hoffnung auszustrahlen, wie ich konnte. Ich wollte mich nicht mit der Realität herumschlagen. Erst recht nicht, solange es nur eine Möglichkeit und keine Gewissheit war.
Dieses Mal war Aydens Lächeln ehrlicher, als er sich zu mir ans Bett setzte. Die silberne Glocke erhob sich schwebend und setzte klackernd auf dem Nachbartisch ab.
Der Geruch von Suppe drang in meine Nase und ließ das Wasser in meinem Mund zusammenlaufen. Ich war lange nicht mehr so hungrig gewesen.
Ayden musterte mich kurz, bevor er die Suppe nahm und etwas auf den Löffel hob. »Ich helfe dir«, sagte er, ohne mir eine Wahl zu lassen.
Ich nickte, denn mir war klar, dass ich mit meinem Körper im Moment nicht selbst essen konnte. Vielleicht würde ich es schaffen, doch dabei sicherlich die Hälfte verschütten.
»Kannst du mir sagen, was genau passiert ist? Wurden wir angegriffen?«, fragte ich, denn noch immer erschloss sich mir nicht, wie es das Schattenlicht geschafft hatte, in mich einzudringen.
»Das weiß ich nicht«, erwiderte Ayden, der mir den Löffel hinhielt. »Cayden hat auch nicht bemerkt, dass das Schattenlicht befreit wurde. Es kam unerwartet. Er vermutet, dass Fürst Dorne etwas damit zu tun hat«, erklärte er, während er mich weiter fütterte.
Während ich lauschte, aß ich, damit mein Magengrummeln endlich aufhörte.
Die Informationen, die ich erhielt, speicherte ich, konnte jedoch damit nicht sonderlich viel an.
»Wichtig ist, dass du überlebt hast«, sagte er schließlich und stellte die leere Schale zurück. »Du musst dich gut ausruhen. Ich bin sicher, Cayden wir heute Abend wieder zu dir kommen. Er hat sich geweigert, deine Seite zu verlassen, bis klar war, dass du überlebst. «
Die Wärme, die Aydens Worte in mir auslöste, war kaum zu beschreiben.
Noch nie hatte sich jemand so um mich gekümmert.
»Nicht weinen. Es wird ja alles wieder gut«, sagte er plötzlich und strich mir die Tränen von den Wangen. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass mir das alles so zusetzte.
Schnell wischte ich sie weg und versuchte mich an einem Lächeln. »Danke«, sagte ich aus ganzem Herzen.
Ich konnte gar nicht in Worte fassen, wie viel mir Ayden und Cayden bedeuteten. Sie waren für mich zu meiner Familie geworden und dir Angst, sie wieder zu verlieren, lauerte unter der Oberfläche. Besonders jetzt.
Was, wenn ich meine Beine nie wieder würde bewegen können? Würde man mich dann verstoßen?
Ich wusste noch immer nicht, warum die Frauen überhaupt hierher gebracht worden waren, doch ich war mir sicher, dass es dafür einen Grund gab. Wir hatten eine Aufgabe, doch konnte ich diese noch erfüllen?


































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