Ascardia-Kapitel 41
~Ascardia~
Die Tage vergingen, in denen Issabella mir viel beibrachte.
Mein Tag war recht strukturiert. Nach dem Essen wurde ich gebadet und dann ging Issabella mit mir im Garten spazieren.
Dieser Stuhl mit Rollen war wirklich praktisch und ich hoffe, dass die frische Luft mir gut tat, doch leider war dem nicht so.
Hatte ich anfangs noch Hoffnung gehabt, spürte ich sie jeden Tag schwinden. Mein Kopf schmerzte immer stärker und Bewegungen begannen, zu schmerzen.
Womit hatte ich das nur verdient? Zu allem Überfluss hatte mich Cayden seit diesem einen Abend nicht wieder besucht. Ich konnte nicht einmal mehr einen Hauch seines Duftes in meinem Zimmer wahrnehmen. Es war, als hielt er sich von mir fern. Dabei wollte ich unbedingt mit ihm sprechen.
Ich machte mir solche Sorgen, denn auch Issabella konnte mir nicht sagen, wie es ihm ging.
Sie schob mich zu einem wunderschönen Pavillon, der mit Efeu bewachsen war. Er stand im Garten, doch ich hatte ihm bisher nie viel Aufmerksamkeit geschenkt. Erst, nachdem Issabella mich hierhergefahren hatte, um mir hier meinen Nachmittagstee zu servieren, hatte ich ihn lieben gelernt. »Ich habe nicht wirklich Hunger«, murmelte ich, ließ mich aber an den Tisch schieben.
»Versucht wenigstens ein paar Bissen. Ihr habt heute nicht viel zu Euch genommen.« Issabella klang besorgt und ich konnte es ihr nicht verübeln. Heute waren meine Kopfschmerzen so stark, dass mir regelrecht schlecht davon wurde.
Als Issabella mir den Tee eingoss, drang der Geruch an meine Nase und ließ mich sofort an Cayden denken. Wir hatten so lange keinen Tee mehr zusammen. Ich vermisste es sehr. »Konntest du herausfinden, wie es Fürst Cayden geht?«, fragte ich. Wenn ich mit Issabella sprach, hatte ich mir angewöhnt, ihn so anzusprechen, wie sie ihn ebenfalls betitelte. Es fühlte sich richtig an.
»Leider nicht. Aber Fürst Ayden wollte Euch heute einen Besuch abstatten. Er ist gestern Abend zurückgekehrt.«
Ayden war wieder da?
Ich spürte Freude in mir aufsteigen. Er hatte sich bei mir entschuldigt, dass er einige Tage nicht da sein würde. Warum hatte er nicht gesagt, doch mich darum gebeten, möglichst nichts anzustellen.
»Kann ich etwas für Euch tun?«, fragte Issabella, die mich heute schon die ganze Zeit nachdenklich ansah.
Ich schüttelte leicht meinen Kopf und bereute es gleich. Das Stechen hinter meiner Schläfe wurde schlimmer. Es war sogar so unangenehm, dass ich die Augen schloss und mehrmals dagegen anatmete. Es half nur leider nicht viel. Dabei hatte es am Anfang immer etwas gebracht, wenn ich die Augen geschlossen und das Licht ausgeschlossen hatte.
»Ich bringe Euch zurück«, flüsterte Issabella, als würde sie verstehen, dass ich Kopfschmerzen hatte. »Ihr solltet etwas schlafen.«
Vielleicht hatte sie recht. Ich war zwar erst vor wenigen Stunden aufgestanden, doch ich fühlte mich schon wieder müde.
Trotzdem wollte ich noch einen Schluck Tee nehmen. Als ich die Tasse jedoch anhob, zitterte meine Hand so sehr, dass ich den Tee verschüttete.
Die heiße Flüssigkeit lief über meine Finger, doch ich spürte keinen Schmerz.
»Oh nein«, rief Issabella aufgebracht und kam sofort, um mir die Hände abzuwischen. »Braucht Ihr Eis?«, fragte sie und betrachtete meine geröteten Hände.
»Was ist passiert?«, fragte Ayden, der plötzlich einfach neben mir auftauchte.
»Nichts«, erwiderte ich, da ich nichts an meinen Händen spürte.
»Zeig her«, befahl er ein wenig harsch. Allerdings griff er sanft nach meinen Händen und betrachtete sie mit geweiteten Augen.
Meine Hände waren gerötet, doch ansonsten war da nichts. Vermutlich, weil ich Hitze aus meiner Kindheit gewohnt war.
»Es tut nicht weh«, versicherte ich, doch kaum hatte ich meinen Mund auf gemacht, spürte ich das Stechen in meinem Kopf und so gingen meine Worte in einem leisen Stöhnen unter.
Ayden schluckte hörbar, bevor er seine Hand hob und an meine Stirn legte. Seine Hand fühlte sich überraschend kalt an. »Du hast Fieber«, sagte er schließlich mit einer leichten Panik in der Stimme.
Ohne, dass ich etwas sagen konnte, hob er mich plötzlich hoch. »Du gehörst ins Bett«, entschied er und trug mich Richtung Zimmer.
Ich stieß ein leises Lachen aus.
Ayden knurrte. »Was gibt es da zu lachen?«, fragte er frustriert, aber nicht sonderlich laut, als würde er Rücksicht auf mich nehmen.
»Du klingst wie Cayden«, bemerkte ich, denn sonst war die Ähnlichkeit der Brüder kaum spürbar.
Ayden schnaubte und legte mich schließlich ins Bett. »Du musst dich ausruhen«, beharrte er, als er mich zudeckte.
Bevor er sich jedoch zurückziehen konnte, griff ich nach seinem Arm. »Wie geht es Cayden? Ich mache mir wirklich Sorgen«, sagte ich, denn ich wollte endlich wissen, wie es ihm ging. Es machte mich wahnsinnig, dass ich einfach nichts von ihm hörte. Ich hatte tatsächlich schon darüber nachgedacht, ihn zu rufen. Auch wenn ich nicht glaubte, dass er reagierte, war es einen Versuch wert.
Ayden kniff die Lippen zusammen und blickte weg. »Es ist … kompliziert«, murmelte er, als würde er mir keine klare Antwort geben wollen.
»Ayden, bitte«, flehte ich, denn nur er konnte mir die Antworten geben.
Frustriert fuhr er sich durch seine schwarzen Locken. »Er schläft«, gab er schließlich zu.
Fast hätte ich erleichtert ausgeatmet, doch seine Stimme ließ mich innerlich gefrieren. »Er … schläft«, sagte ich zögerlich. »Geht es ihm gut?«, fragte ich noch einmal. Dass er schlief, war keine Antwort auf meine Frage!
Ayden zögerte, was mir im Gründe schon alles sagte.
Ich setzte mich auf und schlug die Decke zurück. »Bitte bring mich zu ihm. Ich muss ihn sehen«, sagte ich, während in mir die Panik tobte.
»Ich kann nicht«, erwiderte Ayden, da hatte ich mich schon so gesetzt, dass ich notfalls allein zum Rollstuhl kam. Mittlerweile kam ich mit meinen Beinen soweit klar, dass ich mich davon nicht aufhalten ließ.
Ayden starrte mich mit geweiteten Augen an. »Was tust du da?«, fragte er entsetzt und schob den Rollstuhl aus meiner Reichweite, bevor er nach mir griff, um mich aufzuhalten.
»Ich muss ihn sehen, bitte«, flehte ich, während ich den Kampf gegen meine Tränen verlor.
Er hatte mich nicht nur einmal gerettet und jetzt litt er. Meinetwegen.
Ayden stieß die Luft aus. »Hör zu«, sagte er, als er mich wieder so setzte, dass ich nicht aus dem Bett fallen konnte. »Cayden meidet dich, damit er dich nicht noch mehr verletzt. Es scheint, als würden Berührungen und Nähe das Schattenlicht in ihm zu dir ziehen. Das könnte doch vollends töten.«
Ich erstarrte vor Schreck, während ich das Gefühl hatte, jemand würde mir mein Herz herausreißen. Keine Nähe mehr? Nein, das wollte ich nicht!
»Aber«, setzte ich an und dachte an seine letzte Nacht hier. Danach hatte ich mich gut gefühlt. Sogar mein Arm war wieder nutzbar. Erst, seitdem er nicht mehr da war, ging es mir schlecht.
Aber … konnte es sein, dass ich ihm die Kraft gestohlen hatte?
Mein Mund wurde trocken, als ich zu Ayden aufsah. »Kann es sein, dass er schläft, seitdem er bei mir war?«, fragte ich unter Schock.
»Was? Nein«, stieß Ayden sofort hervor, als würde er jeden Gedanken daran abblocken wollen. »Ihm ging es sogar ziemlich gut.«
Ich blinzelte, während ich meiner Verwirrung Ausdruck verlieh. »Mir ging es auch gut. Also wo ist das Problem?«, fragte ich und griff nach Aydens Oberteil, weil es das einzige war, das ich erreichen konnte. »Bitte.«








































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