Ascardia-Kapitel 47
~Cayden~
Als ich mich auf meinem Thron niederließ, war meine Laune im Keller. Wie konnte Fürst Dorne es wagen, mich auf diese Art zu stören? Er war mir schon immer auf die Nerven gegangen, doch dieses Mal hatte er eine Grenze überschritten.
Ich hätte ihn ignorieren können, wenn er wirklich nur mit einer Armee in mein Territorium gekommen wäre. Er war kein Gegner für mich. Aber er hatte meine Zeit mit Ascardia unterbrochen! Das würde ich ihm nie verzeihen.
Meine Finger trommelten auf die Armlehne meines Stuhles, was Ayden neben mir sichtlich nervös machte. Trotzdem stand er mit den Händen hinter dem Rücken und erhobenem Kopf neben mir, schielte aber immer wieder zu meinen Fingern.
Ich zwang mich nicht dazu, meinen Ärger zu verstecken. Warum auch? Fürst Dorne würde nicht lange haben, um sich zu erklären. Das sollte ihm auch klar sein.
Dass er überhaupt hierherkam, wunderte mich. Immerhin hatte ich ihm den Krieg erklärt. Seine Armee wunderte mich also nicht, doch dass er mit mir sprechen wollte.
Die Türen öffneten sich, als er eintrat. Er hatte sein Haupt erhoben und trat unbeeindruckt auf mich zu.
Irgendwas an ihm war seltsam. Seine Ausstrahlung hatte sich verändert. Da war Macht, die in ihm wallte, die ich so nicht kannte. Als hätte er sie die letzten Male versteckt.
Ich unterdrückte den Drang nach hinten zu schauen. Ascardia wollte unbedingt dabei sein, doch ich hatte sie hinter einer Trennwand platznehmen lassen. Es war besser, wenn Fürst Dorne sie nicht entdeckte. Immerhin kannte ich das Gerücht, das er verbreitete.
Ascardia hatte die Fähigkeit Siegel zu brechen und war damit eine große Gefahr.
Dieser Ansatz war auf eine gewisse Art nachvollziehbar, doch dass Fürst Dorne es geschafft hatte, die anderen Fürsten glauben zu lassen, er hätte das Schattenlicht erneut gebändigt, war mir unerklärlich. Vor allem, da ich das Schattenlicht deutlich sichtbar in mir getragen hatte, als ich durch den Ballsaal geschritten war.
Dass ich mittlerweile nur noch einen leichten Nachhall in mir spürte, war ganz klar Ascardia zu verdanken.
Ich verstand noch nicht warum, doch sie hatte die Kraft, die ich nicht hatte kontrollieren können, aufgenommen und irgendwie verarbeitet. Auch bei ihr spürte ich nur noch ein Flüstern.
Wo war die Kraft hin? Waren die Elementlichter wieder frei? Nein. Das konnte nicht sein. Wären sie das, hätten sie bereits Auswirkungen auf die ganze Faewelt gehabt.
Ich konnte mir darüber keine Gedanken mehr machen, denn Fürst Dorne kam zum Stehen. Ihn aus den Augen zu lassen war gefährlich. Das sagte mir sein kalter, schwarzer Blick.
»Wie ich sehe, seid Ihr wohlauf«, grüßte er mich, wobei seine Worte mehr nach einer versteckten Frage klangen.
Ich stütze meinen Kopf in einer gelangweilten Geste ab. »Habt Ihr etwas anderes erwartet?«, fragte ich provozierend.
Fürst Dorne ging jetzt noch darauf ein. Stattdessen machte er eine Verneigung, die so lächerlich war, dass ich Ayden schnauben hörte.
Seine Macht brodelte heiß an meiner Seite, doch er hielt sich zurück.
Ayden war ein Fürst und stark, doch seine Macht selbst lag nicht in einer Magie, dir zum Kämpfen genutzt wurde. Was nicht heiß, dass er kein guter Kämpfer war. Trotzdem hätte er von der bloßen Art der Macht gegen Fürst Dorne nur schwer eine Chance. Und ich wollte ihn auf keinen Fall verlieren.
»Warum seid Ihr hier?«, fragte ich, da seine Anwesenheit in diesem Saal absolut unsinnig war.
»Ich bin hier, um Euch zu bitten, mir diese Frau auszuliefern«, raunte er mit einer Stimme, die mir ein seltsames Gefühl gab. Wie Spinnenweben, die mein Denken verlangsamten.
»Warum sollte ich das?«, fragte ich eisig.
Der Boden um meinen Thron gefror bereits, doch ich zügeln mich. Verlor ich die Kontrolle, würde Ascardia darunter leiden. Sie war zu nah dran und noch zu geschwächt. Ich durfte ihr das nicht antun.
Glück für dieses Scheusal.
»Sie ist eine Gefahr für die Fae«, sagte er sanft, als würde er meine Wut darüber gar nicht wahrnehmen.
Erneut umspielte seine Stimme meine Sinne wie zu zäher Honig und für einen Moment klangen sie logisch und richtig.
»Warum sollte eine einfache Omega eine Gefahr sein?«, fragte ich, während ich meine Magie durch meine Adern schickte. Sie kühlte nicht nur mein Gemüt, sondern auch meine Sinne.
Etwas stimmte nicht, doch ich konnte nicht genau sagen, was.
Fürst Dorne lächelte, während er mich erwartungsvoll anstarrte. »Diese Frage könnt Ihr Euch doch selbst beantworten. Mit der Gabe, Siegel zu brechen, könnte sie die Elementlichter befreien«, sagte er ohne zu zögern. »Darum müsst Ihr sie mir ausliefern, damit ich sie ihrer gerechten Strafe ausliefern kann.«
Für einen Moment klangen seine Worte logisch, doch ich zögerte. Sie fühlten sich falsch an. Warum sollte er sie bestrafen? Er stand unter mir. Wenn, dann war es meine Aufgabe, nicht seine. Warum glaubte ich seinen Worten trotzdem?
Irgendwas trübte meine Sinne, doch ich fand die Ursache nicht. Das war frustrierend, weil es mir schwerfiel, logisch zu denken.
Ich konnte nicht einmal antworten, da sprach Fürst Dorne schon weiter. »Also gebt sie mir, damit ich sie gut verwahren kann.«
Für einen Moment war ich versucht, seinen Worten folge zu leisten. Aber allein die Vorstellung, sie aus den Händen zu geben, ließ mein Inneres so sehr schmerzen, dass ich sofort bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
Ich kniff die Augen zusammen. Meine Finger hielten in der Bewegung inne, während ich mich fragte, ob er wirklich glaubte, ich würde auf seine Worte eingehen.
Dann fiel mir ein, dass er das Schattenlicht versiegelt hatte. Angeblich sollte dieses Element die Fähigkeit besitzen, andere zu manipulieren. War es das, was mich so durcheinander brachte?
Warum sonst hätte ich in Erwägung gezogen etwas abzugeben, das meine war?
»Das kommt überhaupt nicht in Frage«, sagte ich ernst, während ich mich dazu bereit machte, ihn anzugreifen. Meine Kraft war noch nicht wieder ganz da, doch es würde reichen.
Fürst Dorne lächelte. »Ihr seid viel schwieriger zu knacken, als ich angenommen habe«, sagte er unbeirrt.
Das war der Moment, wo mein Herz einen Moment aussetzte. Irgendwas plante er, aber was?
Plötzlich klatschte er in die Hände und ein Quietschen erklang.
Sofort schnellte mein Kopf herum zu der Stelle, an der Ascardia uns beobachtete.
Issabella trat hinter den Raumtrenner hervor. Einen Arm um Ascardia gelegt und ein Messer an ihrer Kehle. Ihr Blick leer und ihre Bewegungen schwerfällig.
Mein Mund wurde trocken, als das Messer in Ascardias Fleisch schnitt, bis Blut tropfte.
Ayden knurrte, doch er war schlau genug, sich nicht zu bewegen.
»Eine falsche Bewegung und die Kleine ist tot«, lachte Fürst Dorne, während die Wut in mir so sehr tobte, als wäre sie ein gefangenes Tier.
Was wollte er nur?




































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