Kapitel 8 – Übernahme
Kapitel 8 – Übernahme
Cyrus
Ich straffte meine Schultern und ließ mir nicht anmerken, dass sich das Gift des Königs langsam in meinem Körper ausbreitete. Betont lässig ging ich zum Tisch zurück, wo Ashur festgehalten wurde. „Du wirst deiner Familie noch früh genug in den Tod folgen, keine Sorge. Wie früh allerdings, entscheidest du allein.“
Der Kronprinz zog angriffslustig die Oberlippe hoch und zeigte mir dabei seine Fänge. „Du mieser Verräter! Ich bringe dich um!“, schrie er wütend. Dabei riss er immer wieder an seinen Armen. Doch hatte er keine Chance. Es stand drei gegen eins.
„Ich habe diesem Land einen Gefallen getan. Das werden die Bewohner bald merken.“ Meine Arme fingen an zu kribbeln. Ein Zeichen, dass das Gift sich schneller ausbreitete, als mein Körper dagegen ankämpfen konnte. Um das Zittern meiner Hände zu verbergen, verschränkte ich die Arme vor der Brust.
„Verräter!“, schrie Ashur wieder. Er schäumte regelrecht vor Wut und seine Aussprache wurde feucht. Kleine Tropfen seines Speichels verließen mit jedem Wort seinen Mund. „Du verdammter Verräter!“
Ich achtete nicht weiter auf Ashur, sondern sah die beiden Fürsten an. „Bringt ihn in den Kerker!“ Dann sah ich zur Tür. „Lee!“, rief ich laut. Wo steckte nur mein treuer Freund? Den Grigoroi war es am heutigen Abend verboten worden, diesen Saal zu betreten. Nur Vampire hatten am Bankett teilnehmen dürfen, so wie das meistens der Fall war. Die Ausnahme hatte Ulras mit ein oder zwei anderen Grigoroi gebildet, um die toten Sklaven zu entsorgen.
Als hätte Leeander nur darauf gewartet, dass ich seinen Namen rief, eilte er in den Saal. „Mein Herr“, begrüßte mich der Grigoroi unterwürfig. Wie immer, wenn andere Vampire zugegen waren. Er ging vor mir auf ein Knie und wartete auf weitere Instruktionen.
„Geh und verkünde, dass der König und seine Familie besiegt wurden. Jeder, ob Sklave, Grigoroi oder Vampir, soll vor dem Thronsaal warten. Ich werde die Gruppen einzeln hereinrufen. Warte dort auf mich, Leeander.“ Als Nächstes sah ich zu Carina. Optimalerweise wäre sie den Fürsten gefolgt und hätte dabei geholfen, Ashur in sicheren Gewahrsam zu nehmen, aber ich brauchte sie gerade viel dringender bei mir. Fragend sah sie mich an. „Bleib noch ein wenig, Teuerste.“
Der Saal war mittlerweile, bis auf die Leichen, komplett leer. Irgendwo schlug noch das panische Herz eines Menschen. Aber all das störte im Augenblick nicht. „Wie geht es dir? Wurdest du verletzt?“
Kopfschüttelnd trat sie näher. „Nein, obwohl sich die Königin ganz schön gewehrt hat.“ Carina grinste bis über beide Ohren und warf einen Blick auf die Leiche der Königin. „Ich nehme an, du hast keine Verwendung für ihren Schmuck?“
Ich lachte auf. Erleichtert. Euphorisch. Unser Plan hatte funktioniert und der König war tot. Sollte Carina doch nehmen, was sie wollte! Ich nahm es mir ja ebenfalls. Die Krone. Den Herrschertitel. Das Land. Das Schloss. Alles. Mehrmals ballte ich die Hände zu Fäusten, bevor ich die paar Schritte zur Leiche des Königs ging. Bald würden die ersten Grigoroi, die er, seine Gemahlin und Alexander verwandelt hatten, den Tod ihrer Erschaffer schmerzlich am eigenen Leibe spüren. Die meisten von ihnen würde ich sterben lassen. Einige wenige dürften in meine Dienste treten.
Neben der Leiche des Königs ging ich in die Hocke. Dabei schwankte ich bedrohlich und stützte mich mit beiden Händen ab. Erst dann griff ich nach der rechten Hand des Königs und zog ihm den Siegelring vom Finger.
Eine Bewegung ließ mich zum Tisch sehen. Dort, wo der schnell klopfende Herzschlag herkam. Eine der Sklavinnen hatte sich darunter verkrochen und starrte mich jetzt mit weit aufgerissenen Augen an.
„Carina! Hol mir das Mädchen unter dem Tisch!“
Bevor die Sklavin reagieren konnte, war Carina schon bei ihr und zerrte sie zu mir. Sofort vergrub ich meine Fänge in ihrem Hals und trank gierig. Das Gift des Königs hatte mich geschwächt, aber mit frischem Blut war es einfacher, dagegen anzukämpfen. Meine Hand glitt in den Nacken des Mädchens, das wehrlos in meinen Armen hing und keinen Ton von sich gab. Ich wollte sie nicht leertrinken. Drei, vier Liter Blut würden mir viel zu schwer im Magen liegen. Also zog ich meine Fangzähne zurück, löste meine Lippen von ihrem Hals und brach ihr im selben Moment das Genick. Sie hatte mich schwach und verletzt gesehen und damit ihr Leben verwirkt. Langsam legte ich das Mädchen auf den Boden und musterte ihr Gesicht. Es war die Sklavin, von der Carina und ich bereits getrunken hatten. Jenes Mädchen, das heute vermutlich ihre Schwester verloren hatte. Somit war ihr der Tod wohl ein Geschenk.
Gestärkt erhob ich mich und steckte mir den Siegelring an. Dann reichte ich Carina meine Hand, die sie lächelnd ergriff. Zusammen verließen wir den großen Saal und gingen den Flur entlang in Richtung Thronsaal. Meine Schritte wurden immer fester; dem Gift des Königs war für den Moment entgegengewirkt. Später noch ein paar Stunden Schlaf und es wäre komplett abgebaut.
„Bereit?“, fragte ich und sah zu Carina.
Ihre Augen glänzten und sie drückte meine Hand. „Ich bin so stolz auf das, was wir erreicht haben, Cyrus. Ich liebe dich und werde dir immer zur Seite stehen.“
Ich nahm ihre Hand, führte sie an meine Lippen und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken. Bevor ich allerdings etwas erwidern konnte, hörte ich eilige Schritte, die sich uns näherten. Augenblicklich drehte ich mich um und schob mich vor Carina.
„Fürst Cyrus …“ Keuchend kam Kretos, der junge Fürst des Nordens, auf mich zugerannt. „Wir haben ein Problem.“
„Ist Ashur entwischt?“, fragte ich alarmiert.
„Nein, er wurde soeben eingekerkert. Aber vorhin, im Saal …“ Der Fürst senkte seine Stimme und trat näher. Er zögerte. Offensichtlich wegen Carina. Also deutete ich ihm an, ein paar Schritte zu gehen, und legte ihm eine Hand auf seine Schulter. „Vorhin“, nahm er den Faden wieder auf, „habe ich von einer Sklavin trinken wollen. Doch da hatte ich plötzlich eine Vision und … sah …, wie diese Sklavin zur Königin gekrönt wurde!“
Ich warf einen Blick über meine Schulter zu Carina, die sich nicht anmerken ließ, ob sie lauschte oder nicht. Mir war klar, dass sie darauf spekulierte, an meiner Seite zur Königin gekrönt zu werden. „Welche Sklavin?“
„Die Sklavin, die der Kronprinz auf seinem Schoß sitzen hatte“, antwortete Kretos nervös.
Nachdenklich neigte ich den Kopf, denn ich erinnerte mich vage an sie. Und daran, dass sie unsicher gewirkt hatte. „Wer ist diese Sklavin?“, sprach ich meinen Gedanken leise aus. Mir war natürlich klar, dass Kretos diese Frage nicht so ohne Weiteres beantworten konnte. So funktionierte seine Gabe nicht, zumal er sie erst kürzlich, einhergehend mit seiner Reife, erhalten hatte. Es würde noch Jahrzehnte, eher Jahrhunderte dauern, bis er diese Gabe perfekt beherrschte. Sofern das überhaupt möglich war.
Die Gabe der Sicht zeigte eine mögliche Zukunft, doch diese war stets in Bewegung. Jede Veränderung, die wir im Hier und Jetzt herbeiführten, beeinflusste die Zukunft unwiederbringlich. Seine Gabe zeigte daher nur eine Möglichkeit.
Eine Sklavin, die zur Königin gekrönt würde, war undenkbar. Aber sie schien Ashur wichtig zu sein. Hatte er geplant, sie in eine Grigoroi zu verwandeln? Doch eine verwandelte Königin würde das Volk nicht akzeptieren. Eine Grigoroi als Königin wäre eine Beleidigung für jeden existierenden Vampir! Das musste auch Ashur bewusst gewesen sein.
Dennoch sollte ich Vorkehrungen treffen. Es gab nur einen Hohepriester der vier Gottheiten. Würde ich diesen zu mir ins Schloss rufen, könnte ich ihn überwachen und dafür sorgen, dass er mich zum König krönte. Und niemanden sonst!
Bevor ich nach weiteren Details der Vision fragen konnte, traten Fürst Andyr und seine Gemahlin in den Flur. Die weiße, mit Perlen bestickte Robe der Fürstin hatte einige Blutstropfen abbekommen, welche ihrer einst schönen Gewandung nun einen regelrecht makabren Touch verliehen. „Die Fürsten …“ Ich lächelte und deutete einladend auf die Tür zum Thronsaal. Zusammen schritten wir hinein, wobei ich nach Carinas Arm griff. Meine Finger begannen wieder, zu kribbeln. Während meiner Ansprache durfte ich nicht zeigen, dass mein Körper noch mit dem Gift des Königs zu kämpfen hatte.
Wie verlangt, stand Leeander im leeren Thronsaal und verneigte sich tief.
„Leeander!“, rief ich erfreut und trat vor den Thron. Fürst Andyr und seine Frau stellten sich links neben mich. Carina stand rechts neben mir und Fürst Kretos direkt daneben. „Hol zuerst die Vampire herein.“
Erneut verneigte sich mein Freund und ging durch die schwere Doppeltür. Stimmengewirr erklang, kaum standen die Türen offen. Kurz darauf betraten die wenigen Adeligen, die nicht fluchtartig das Schloss verlassen hatten, den Thronsaal.
Ich breitete meine Arme aus. „Adelige des Goldenen Reiches! Ich begrüße Euch.“ Ruhig ließ ich meine Arme wieder sinken, räusperte mich und begann: „Die Missstände in den vier Reichen waren unhaltbar und wurden mit jedem Jahrhundert schlimmer. Der König hatte nicht vor, dies zu ändern. Daher wurde er abgesetzt.“ Ich zeigte mein charmantes Lächeln und drehte mich leicht zu den anderen beiden Fürsten. „Fürst Andyr, Herrscher des Südens und Fürst Kretos, Herrscher des Nordens, werden mir als meine Fürsten zur Seite stehen, während ich, Fürst Cyrus und zukünftiger König des Goldenen Reiches, dieses Land in die Zukunft führen werde. In eine Zukunft, die allen, Menschen wie Vampiren, ein würdiges Leben verspricht.“ Ernst sah ich in die Runde. „Dafür werde ich einige Gesetze ändern. Dieses Land hätte, so, wie es geführt wurde, nicht mehr sehr lange in dieser Welt bestanden. Doch ich werde dieses Reich in eine goldene Zukunft führen!“ Ich sah in die Gesichter der anwesenden, adeligen Vampire. Sie warfen sich nervöse Blicke zu und begannen dann zögerlich zu applaudieren. Ungerührt sprach ich weiter: „Ich werde meine Krönung in allen Teilen des Landes bekannt geben. Damit dieses Land nicht lange ohne seinen Herrscher auskommen muss, wird sie bereits in zwei Tagen stattfinden. Jeder, der den Feierlichkeiten beiwohnen möchte, ist eingeladen!“
Ich hörte die Vampire leise tuscheln. Sie wirkten ängstlich, sicherten trotzdem, wenn auch zögerlich, zu, dass sie der Einladung gerne folgen würden. Mit einigen weiteren, aufbauenden Worten entließ ich sie.
Als der Thronsaal sich geleert hatte, wandte ich mich wieder an Lee. „Hol die Grigoroi herein.“
„Sehr wohl, mein Fürst.“ Leeander wandte sich wieder zur Tür. Indessen ging ich zurück zu meinem Platz. Kaum stand ich dort, betraten einige Grigoroi den Saal. Unter ihnen Ulras und zwei weitere Grigoroi, die ich in den letzten Jahren auf meine Seite gezogen hatte. Allerdings waren es weitaus weniger Grigoroi, als ich erwartet hatte. Vermutlich sollte ich die nächste Zeit ein besonderes Auge auf den Kerker werfen. Nicht, dass einer der Grigoroi noch auf die Idee kam, seinen Kronprinzen zu befreien.
„Der König und seine Familie sind tot!“, begann ich meine Ansprache und hatte prompt die volle Aufmerksamkeit der erschaffenen Grigoroi. Die königliche Familie hatte sie stets mit leidigen Aufgaben betraut, für die sie sich nicht die Hände schmutzig machen wollte. „Das bedeutet, dass jeder einzelne von euch in den nächsten Stunden qualvoll sterben wird. Allerdings“, meine Stimme erhob sich, „habe ich eine Möglichkeit gefunden, das Erschafferband zu lösen, sodass ihr diesem Schicksal entfliehen könnt.“
Aufgeregt wurden einige Worte gewechselt. Zumindest so lange, bis ich meine Hand hob und damit für Schweigen sorgte. „Wendet euch an Ulras, Kedir und Amanos. Sie werden meine Worte bestätigen. Ich werde noch eine Weile in diesem Raum bleiben. Wer auf mich zukommt und mir die Treue schwört, den werde ich vor seinem Tod bewahren.“
Ungläubige Blicke huschten von mir, zu den drei genannten Grigoroi und wieder zurück. Bei einem Grigoroi sah ich, wie sich die Adern an seinem Hals schwarz färbten. Er krümmte sich bereits sichtbar unter Schmerzen, gab allerdings keinen Ton von sich.
Sie würden mir glauben, wenn sie eine Demonstration meiner Macht erhielten. Ich zeigte auf den betroffenen Grigoroi und Ulras führte ihn zu mir. Ich ging ihm entgegen und zog sein Oberteil am Kragen so, dass jeder deutlich die schwarzen Adern sah.
„Wer hat dich erschaffen?“
„D…der Prinz. Prinz Alexander“, erwiderte der hagere Mann vor mir stotternd und wich meinem Blick aus. Seiner Aussage nach konnte er noch nicht besonders alt sein. Er wäre einer der Ersten, die sterben würden. Je älter sie waren, desto länger dauerte der Tod.
Ich packte seinen Kopf mit beiden Händen und zwang ihn, mir in die Augen zu sehen. Seine Kinnlade klappte herunter. Durch den Blickkontakt konnte ich direkt sein Erschafferband sehen. Ich sah das Gift, welches ein Vampir einem Menschen für die Verwandlung einflößte. Natürlich war ich nicht in der Lage, dieses Gift zu neutralisieren. Der Grigoroi würde sofort sterben, denn es war alles, was ihn noch am Leben hielt. Aber ich konnte es manipulieren.
Der Grigoroi verlor das Band zu Alexander und wurde stattdessen an mich gebunden. Ein Prozess, den ich bisher nicht sehr oft vollzogen hatte. Leeander war der erste Grigoroi, den ich auf meine Seite zog. Damals hatte er noch meinem Vater angehört. Es erforderte viel Kraft und war dennoch schnell erledigt. Über die Augen des Grigorois huschte kurz ein silberner Schatten, ehe sie wieder ihre vorherige Augenfarbe annahmen. Ich trat einen Schritt zurück und sah zufrieden, dass die schwarzen Adern sich zurückzogen. Jedoch würde ich nicht jeden Grigoroi auf meine Seite ziehen. So viele brauchte ich schlicht und einfach nicht. Zudem wollte ich mich nicht dermaßen verausgaben, denn das Gift des Königs setzte mir noch immer zu.
„Verlasst diesen Saal, sucht die restlichen Grigoroi und erzählt ihnen, dass sie nicht sterben müssen. Sie können mich hier im Thronsaal darum bitten, dass ich das Band zu ihrem Erschaffer löse.“
Und so verließen die meisten der Grigoroi den Saal. Einige blieben und baten um ihr Leben. Meine Erschöpfung unterdrückend, nahm ich mir die Zeit, und hörte sie an.
Erschöpft rieb ich mir die Schläfen. Ich hatte auf dem Thron Platz genommen. Das Gift nahm mich mit. Aber einen Seitenblick auf Andyr und Kretos werfend, stellte ich fest, dass sie nicht minder erschöpft aussahen. Carina hatte sich hinter mir aufgestellt und nutzte die kurze Pause, um mich mit einer Nackenmassage zu verwöhnen.
„Mein König?“ Leeander trat an mich heran.
Ich nickte müde. „Ja. Die Sklaven noch.“
„Zu Befehl.“
Kurz darauf betrat eine schiere Unmenge an Sklaven eingeschüchtert den Saal. Verängstigt setzten sie einen Schritt vor den anderen, den Blick starr zu Boden gerichtet.
Ich seufzte leise, erhob mich und trat vor die Menge. „Heute“, sprach ich laut, „ ist der König von den Fürsten der drei Fürstentümer abgesetzt worden und ich, Cyrus, Fürst des Ostens, zukünftiger König des Goldenen Reiches, schenke jedem Sklaven hiermit die Freiheit. Ihr könnt gehen, wenn es euch beliebt. Doch bedenkt, dass jeder, der sich dazu entschließt, für mich zu arbeiten, ab sofort bezahlt und fair behandelt wird.“ Ich machte eine kurze Pause und sah, dass einige Sklaven argwöhnisch den Kopf hoben. Sie trauten der Sache nicht. Verständlich. Sie kannten nur Angst und Schrecken in diesen Gemäuern. Und während ich jeden Sklaven genauer musterte, sprach ich weiter: „Jeder Mensch ist ab dem heutigen Tage frei. Ihr dürft also gehen oder bleiben. Bitte teilt dies auch den anderen Menschen mit, die sich gewiss noch hier irgendwo verstecken.“ Mein Blick glitt über die Menschen. Die Sklavin mit den weißblonden Haaren, die ich beim Bankett gesehen hatte, war nicht unter ihnen. Also würde ich später nach ihr suchen lassen müssen. Noch einmal wandte ich mich an die Sklaven: „Ihr dürft gehen“, erklärte ich mit einem freundlichen Lächeln.
Während die Sklaven leise murmelnd den Saal verließen, winkte ich Leeander herbei. Ich ging ihm ein paar Schritte entgegen und beugte mich leicht zu ihm vor. „Geh zum Hohepriester und hole ihn unverzüglich ins Schloss. Sorge dafür, dass er ein Zimmer bekommt und von zwei meiner Getreuen auf Schritt und Tritt begleitet wird. Er darf unter keinen Umständen mit einem Menschen reden.“ Auch wenn ich Kretos’ Vision immer weniger glauben konnte. Leeander nickte knapp und verschwand.
Danach wandte ich mich den Fürsten zu. „Es ist spät. Ich würde vorschlagen, dass wir uns morgen früh erneut treffen, um weitere Schritte zu besprechen.“
Fürst Andyr sah mich längere Zeit schweigend an, denn mit ihm hatte ich bisher nicht über meine Gabe gesprochen. Lediglich Kretos wusste, wozu ich in der Lage war, weil dieser auf mich zugekommen und bei mir um Rat, seiner Visionen wegen, gebeten hatte. Ich erkannte die stumme Frage Fürst Andyrs in seinem Blick. Hatte ich auch einen seiner Grigoroi vom Erschafferband gelöst? Nun, die Wahrheit würde er wohl nie erfahren, wenngleich er sie sich sicherlich denken konnte.
Die Fürsten gingen und nur Carina blieb noch an meiner Seite. Sie legte eine Hand auf meine Schulter und lächelte mich an. „Cyrus, Liebster, du mutest dir zu viel zu. Lass die Grigoroi doch einfach sterben.“
„Nein, ich möchte noch zwei, drei Grigoroi, die der Königin und welche, die den Prinzen gedient haben. Aber du kannst mir einen Gefallen tun.“
„Sofort, Cyrus. Wie kann ich dir helfen?“
Ich lächelte sanft. „Es gibt eine Sklavin mit hellblonden Haaren. Finde sie. Nimm einfach jede Sklavin gefangen, die weißblondes Haar hat, und sperre sie in den Kerker. Weit entfernt von der Zelle des Kronprinzen.“
Carina hob irritiert die Augenbrauen, nickte allerdings ergeben und machte sich sofort auf, um meinen Wunsch zu erfüllen. Zu viele Sklaven konnten das Schloss noch nicht verlassen haben.


































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