55 Die Versammlung Teil 2

Und dann ist es endlich so weit: Gabriel breitet die Arme aus und gebietet der Menge damit Schweigen und von jetzt auf gleich ist es so still, dass man eine Schneeflocke fallen hören könnte. Schließlich beginnt Gabriel zu sprechen und seine mächtige Stimme donnert über den Platz:

„Engel, Dämonen, werte Mitglieder des Erzengelrates, Bewohnerinnen und Bewohner des Initiums – ich heiße euch alle herzlich willkommen. Heute ist ein Tag, an dem unsere Herzen schwer und zugleich voller Erwartung schlagen. Ein Tag, der in die Annalen unserer Welt eingehen wird.

Wir stehen hier nicht nur vor dieser ehrwürdigen Kathedrale, dem ersten Gebäude, sondern überall im Initium und in den Legionen: in jeder Stadt, jedem Dorf, wo Augen und Ohren heute auf dasselbe Ziel gerichtet sind. Heute wird ein bedeutendes Kapitel unserer Geschichte geschrieben – ein Moment, der unsere Gemeinschaft prägen wird.

Denn heute hören wir die Stimme des Volkes. Eine Stimme, die darüber entschieden hat, ob die Dämonen in die Gemeinschaft der Legionen aufgenommen werden. Diese Entscheidung ist nicht leicht gefallen, sie ist weitreichend, und sie verlangt Weisheit, Geduld und Respekt von uns allen.

Vor diesem historischen Moment möchte ich den Erzengelrat vereidigen: Ihr, die Hüter von Ordnung und Verantwortung, verpflichtet euch heute, das Ergebnis der Volksabstimmung zu achten und umzusetzen – gleich, wie es ausfällt. Denn es ist die Stimme der Gemeinschaft, die wir ehren müssen, nicht nur unsere eigenen Ansichten.”

Nun wendet der Kardinal sich um zu den Erzengeln, schaut sie erwartungsvoll an und es vergeht ein Moment, bis auch Uriel aufgestanden ist und die rechte Hand erhoben hat, bevor es von dem gesamten Rat wie aus einem Munde über den Platz hallt: “So sei es!”. Als die Erzengel wieder Platz nehmen, wendet sich Gabriel wieder der Menge zu.

“Mögen uns Weisheit, Mut und Gerechtigkeit leiten. Ich bete, dass die Entscheidung, die wir gleich hören, uns nicht trennen möge, sondern die Wege öffnen, auf denen wir gemeinsam wachsen können – Engel und Dämonen, Seite an Seite. Und nun, da der Moment gekommen ist, bitte ich Ophio, den Herold persönlich, vorzutreten und das Ergebnis der Volksabstimmung zu verkünden.“



Ophio tritt in seiner menschlichen Gestalt vor, in seiner Hand ein weißer Umschlag.
“Hallo, ich bin Ophio. Viele kennen mich als den kleinen Drachen, der gerne mal wichtige Briefe überbringt und der Brief, den ich heute überbringe, ist besonders wichtig. Denn er enthält das Ergebnis, worauf Ihr schon gespannt wartet. Aber genug der Worte, ich will Euch nicht weiter auf die Folter spannen.”

Ophio bricht das Siegel des weißen Umschlages und liest vor:
“Das Ergebnis der Briefwahl vom 12.02.04-I-I lautet, dass die Mehrheit der Engel die Dämonen in die Gemeinschaft aufnehmen will.” Sein Blick wandert kurz zu den Dämonen und man könnte meinen, seine Mundwinkel würden kurz zucken, bevor er ein kurzes, fast beiläufig erscheinendes “Glückwunsch!” hinzufügt.

Eine Sekunde lang ist es weiterhin still – und dann scheint die Seite des Platzes, auf der sich die Dämonen befinden, in Gejubel zu explodieren. Ich sehe Dämonen, die sich in den Armen liegen, andere hüpfen, klatschen oder scheinen sich heiser schreien zu wollen – es ist ein Bild die wahre Freude zum Ausdruck bringt. Ophio hingegen scheint Mühe zu haben, sich bemerkbar zu machen – und mit Blick auf die Uhr, es dauert tatsächlich 5 Minuten, bis langsam wieder Ruhe einkehrt und Ophio sich erneut Gehör verschaffen kann.

“Kommen wir nun zur genauen Statistik für euch:

 

Legion Pro in % Kontra in % Ungültig
1 91,25 7,44 1,31
2 85,12 14,45 0,43
3 92,64 6,61 0,75
4 86,61 11,53 1,86
5 97,31 1,98 0,71
6 94,52 3,53 1,95
7 90,23 9,32 0,45
8 94,81 4,56 0,63
9 87,42 10,83 1,75
Durchschnitt 91,10 7,81 1,09

Damit ist meine Aufgabe hiermit getan und ich gebe das Wort an Onkelchen Gabriel zurück, ähm, ich meine natürlich Erzkardinal Gabriel.”
Ophio winkt noch mal in die Menge, verwandelt sich in seine Drachengestalt und setzt sich auf die Lehne des leeren Throns. Gabriel will gerade das Wort ergreifen, als erneuter Applaus die Aufmerksamkeit auf die Dämonen lenkt.

Fortsetzung folgt…

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