16 Tagebucheintrag Uriel

 

Liebes Tagebuch,
heute schreiben wir den 28.10.03-I-II und ich habe Balthasar wieder gesehen – jedoch nur kurz. Aber
dazu später.
Seit meinem Rücktritt von meinen Pflichten als Erzengel sind 3 Tage vergangen. In diesen drei Tagen
bin ich nach Kitary gezogen, um mich dort niederzulassen und mein Kind großzuziehen. Kitary mag
zwar ein kleines Dorf sein, aber gerade deswegen eignet es sich gut, um mein Kind großzuziehen. Die
Bewohner sind herzlich und man hält zusammen. Zudem hoffe ich, dass sich Balthasar hier öfters
blicken lässt. Schließlich sind wir erst durch Kitary auf die 10. Legion aufmerksam geworden und dort
wo die Zehnte ein und aus geht, kann ihr Versteck ja nicht weit sein, oder?
Meine Einschätzung erwies sich als richtig und ich bin tatsächlich Balthasar begegnet. Er rief mich zu
sich in die Küche per mentalen Netzwerk – Mariel war auch anwesend. Balthasar stellte mir Lilith,
seine Vertretung im Rat, vor und offenbarte ihre wahre Identität – Lilith ist Liriel, unsere gemeinsame
Tochter. Er ordnete an, dass unsere Tochter sich mit um unser noch ungeborenes Kind kümmern soll.
Dann wollte er sich auch schon auf den Weg machen, da er was zu erledigen hatte. Da ruft er mich zu
sich und außer Befehle höre ich nix von ihm – natürlich war ich sauer und ich warf meinen Hausschuh
nach ihm, doch dieser klatschte nur an die Wand. Balthasar hatte sich schon aus dem Staub gemacht.
Was hatte ich auch erwartet? Ist es so falsch, sich etwas mehr Aufmerksamkeit von ihm zu
wünschen? Ich hatte gedacht, dass es diesmal anders wird und ich Zeit mit ihm verbringen – ihn
endlich richtig kennenlernen kann. Aber anscheinend bin ich auch diesmal quasi alleinerziehend.
Vielleicht erwarte ich einfach zu viel von ihm. Ich habe mir wohl etwas vorgemacht. Zumindest ist
Liriel an meiner Seite und unterstützt mich. Es tut gut sie wieder bei mir zu haben. Wie ihr
Geschwisterchen wohl sein wird? Zumindest wird sie oder er eine tolle große Schwester haben, die
auf ihr Geschwisterchen aufpasst und Sachen beibringt. Liriel scheint sich schon sehr darauf zu




freuen, so sehr wie ihre Augen leuchten, wenn sie davon schwärmt, wie es sein wird. Ihre Vorfreude
ist etwas ansteckend und lenkt mich etwas von Balthasar ab. Ich werde sehen, was die Zukunft bringt.
Erst einmal heißt es, sich ein Leben in Kitary aufzubauen. Ich freue mich schon darauf Mariel zur Hand
zu gehen – Hausarbeit und Kochen entspannen die Nerven und geben mir etwas Sinnvolles zu tun.
Zudem ist Mariel eine ganz besondere Nachfahrin von Gabriel und mir. Sie ist eine wahrhaftige
Neunte und eine tolle Mutter dazu. Ihre Gesellschaft ist wirklich angenehm und auch wenn ich über
ihr im Rang stehe, so pflegt sie dennoch einen natürlichen Umgang mit mir – was mich an die
Angangszeit im Initium erinnert, als wir noch nur neun Mitglieder waren und die großen Städte nur
Fantasien. Es ist wirklich schön hier in Kitary und ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe
mein Kind außerhalb des Trubels der großen Städte aufzuziehen. Die Bewohner von Kitary waren
schon immer ein besonderes Völkchen und entsprechen noch immer der Gemeinschafft, die wir
damals gegründet haben. Auch wenn sich viel verändert hat und die Städte größer geworden sind –
Kitary bleibt Kitary und das ist auch gut so. Kitary erinnert mich an unsere Anfänge und an den
Zusammenhalt. Das heißt nicht, dass unserer Städte schlecht wären, nein, aber sie sind anders, nicht
so familiär. Gerade das Familiäre von damals vermisse ich und vielleicht liegt es daran, dass ich mir so
viel von Balthasar erhoffe. Wie gerne würde ich ihn öfters sehen und am Ende des Tages, nachdem
wir einander von unseren Tag erzählt haben, in seinen Armen einschlafen. Aber das ist bloßes
Wunschdenken und wird wahrscheinlich nicht in Erfüllung gehen. Ich glaube, ich kann nun verstehen,
warum sich Engel binden wollen. Liebe spielte für mich früher keine Rolle, denn es galt ein Volk
zugründen und Kinderbekommen war eine Pflicht, der ich nachkommen musste. Doch ich hatte mir
für mich und unser zweites Kind mehr erhofft – eine richtige Familie mit einem Vater, der mehr als
nur ein Erzeuger ist. Ich wüsste gerne mehr über die Liebe und wie es ist einen liebenden Partner an
meiner Seite zu haben. Wenn ich Duriel und Liriel zusammen sehe, werde ich neidisch, aber




gleichzeitig freue ich mich sehr für meine Tochter. Von den Beiden können Balthasar und ich noch
Einiges lernen. Was wohl Balthasar so über mich denkt? Bin ich nur die Mutter seiner Kinder oder bin
ich mehr für ihn? Ich weiß es nicht und solange sich Balthasar sich nicht mir und meinen Fragen stellt,
werde ich es auch nicht herausfinden können. Nun ja, genug für heute. Es wird Zeit schlafen zu gehen.
Schlaf ist wichtig, daher gute Nacht.

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