Schuld bindet

Als ich einschlafe, beginnt ein Albtraum. Oder ist es mehr als das? Ich treffe mich mit jemandem, und diese Person verkehrt mit mir. Nein, es ist kein Traum. Ich kann mich nur nicht bewegen, meine Augen sind offen, und eine dichte Magie, ein starker Bann, liegt über meinem Zimmer! Jemand kommt wirklich und verkehrt mit mir. Ich kann ihn nicht erkennen, aber ich spüre, dass es der Tyrann ist. Es sind noch andere da, ich kann es spüren. Sie wechseln sich ab, einer nach dem anderen dringt in mich ein. Ich kann nichts tun, als es über mich ergehen zu lassen. Ein Gefühl von Lust ist da, aber auch das Gefühl, dass ich es nicht will. Sie ejakulieren über meinem Kopf, was sehr komisch ist und sich so anfühlt, als würde jedes Mal, wenn dies passiert, man mich verfluchen und zutiefst beschmutzen. Ich will mich wehren, doch es geht nicht. Ich weine innerlich. Was ist jetzt das wieder! In meinem eigenem Zuhause? Was ist das für eine Schlafparalyse? Ich werde von unmöglichen Richtungsweise genommen, was mich zutiefst traumatisierte!

Dieses Mal ist es nicht wie im Tempel, es waren Männer! Alles Männer! So beschämend ist es für mich!! Und trotzdem war ich erregt! Obwohl ich es eigentlich nicht sein will! Weil es nicht nach meiner Pfeife lief und es eher eine Beraubung war als ein Miteinander. Wie eine Puppe wurde ich gebraucht. Es fühlte sich mehr so an als ob man mich von etwas berauben würde, etwas unbezahlbares was nur geht Durch den intimen Weg! Es war schlimm den sie schlugen mich auch!

Sobald ich wieder zu mir komme, ist alles weg und ich schlafe ein als hätte man mir einen Schlafzauber unterlegt!  Am nächsten Morgen wache ich mit einem Gefühl der absoluten Leere auf. Mein Körper schmerzt, meine Seele ist wund. Ich fühle mich beschmutzt, benutzt, noch wertloser. Ich stehe auf und gehe ins Bad. Ich starre mich im Spiegel an, aber ich erkenne mich nicht wieder. Wer ist diese Frau, die mich da anblickt? Eine Hure? Ein Monster? 

Was passiert mit meinem Leben? 

Ich weiß es nicht. Ich dusche heiß, schrubbe meine Haut, als könnte ich die Berührungen der Männer abwaschen. Aber es gelingt mir nicht. Sie sind noch da, in meinen Gedanken, in meinem Körper, in meiner Seele. Ich ziehe mich an und gehe in die Küche. Ich will etwas essen, aber ich bringe keinen Bissen herunter. Ich setze mich an den Tisch und starre vor mich hin. Was soll ich tun? Wem kann ich mich anvertrauen? Danny? Nein, er würde mich nicht verstehen. Liliana? Vielleicht, aber ich habe Angst, ihr von meinen dunklen Gelüsten zu erzählen. Martian? Nein,sie ist zu gefährlich. Ich bin allein. Völlig allein. Plötzlich klopft es an der Tür. Ich zögere, dann gehe ich öffnen. Vor der Tür steht Amarena Maraquin. Ihr schwarzes Haar glänzt in der Sonne, ihre Augen funkeln.



„Und wie war es?“,
sagt sie mit einem diabolischen Lächeln

„Ich weiß, was du durchgemacht hast. Und ich kann dir helfen.“ 

Ich weiche zurück. „Lass mich in Ruhe!“, sage ich. 

„Ich will nichts von dir wissen!“
Aber Amarena Maraquin lacht nur.

„Du kannst mir nicht entkommen, du schuldest mir dein Körper dein Leben“, sagt sie. 

„Du gehörst mir. Und ich werde dich und was du anderen ausbeutest bekommen.“ 

Dann verschwindet sie, wie ein Schatten in der Nacht. Ich schließe die Tür und lehne mich dagegen. Mein Herz rast. Was will sie von mir? Und wie kann ich mich vor ihr schützen? Ich weiß es nicht. Ich bin gefangen. Gefangen in meinem eigenen Körper, gefangen in meinen eigenen Ängsten, gefangen in den Netzen der Nixe.
Wen kann ich fragen? Plötzlich viel mir jemand ein! Der Vampir an der Bar vom Galaxy! Ich zog mich nicht um. Mein Verlangen nach Antworten brannte stärker als jede Scham. Also lief ich los — im viel zu großen Pullover, grauer Jogginghose, Pantoffeln, das Haar ein chaotischer Sturm. Egal. Alles egal. Nur eines zählte: Miguel.

Ich stürmte durch das Portal direkt ins Galaxy. Musik, Lichter, Glitzer – alles verschwamm, als ich mich zur Bar schleppte, an jenen Ort, an dem er mir zum ersten Mal diesen prickelnden Zero Drink gemixt hatte. Und dann rief ich seinen Namen.
Einfach so. Laut. Klar.

„Miguel!“

Er hatte mir seinen Namen nie gesagt. Doch er reagierte, als hätte er es erwartet. Er drehte sich zu mir, schmunzelte müde — fast… wissend.

„Diese Familien…“, seufzte er ironisch, während seine Augen mich musterten.

„Was für ein Zauber ist das bitte, dass ihr einfach die Namen von Unsterblichen kennt? Das ist belästigend.“

Er lachte leise. Ein Scherz. Und doch… nicht ganz.
Dann musterte er mich erneut — von den Pantoffeln bis zum zerzausten Haar.

„Was möchtest du trinken?“

„Einen Erdbeershake“, flüsterte ich kaum hörbar.

Sein Gesicht verzog sich zu einem halb amüsierten, halb besorgten Ausdruck.

„Mädchen… bitte… du siehst ja furchtbar aus. Das ist nicht elegant. Das ist…“
Er machte eine dramatische Geste.
„…ein Zauberbruch gegen die Ästhetik! Was ist denn los mit dir?“

Ich wollte antworten, doch stattdessen füllten sich meine Augen mit Tränen. Meine Lippen zitterten. Mein Hals brannte. Miguel hob sofort die Hände.



„Nein, nein, nein — nicht hier! Ich hab seit Jahrhunderten kein Mädchen weinen sehen! Muss das jetzt wirklich sein?!“

Er sagte es halb scherzhaft, halb panisch.

„Komm. Los. Nicht an der Bar. Hier sind viel zu viele Leute.“

Er schnappte sich zwei Gläser, meinen Shaker und deutete mir, ihm zu folgen. Wir gingen hinaus auf seinen Balkon — ein ruhiger Ort über den glitzernden Lichtern der Galaxy. Die Luft draußen war kühl, frisch, und der Tumult der Musik wurde gedämpft. Er drückte mir den Erdbeershake in die Hand, stützte sich ans Geländer und sah mich ernst, aber weich an.

„So“, sagte er.

„Schieß los.“

Er gab mir das Gefühl, dass er wirklich bereit war zuzuhören — egal wie schwer meine Wahrheit war.
Ich hielt den Erdbeershake fest, als wäre er der letzte Halt in einer Welt, die unter meinen Füßen wegbrach. Miguel stand mir gegenüber, das Silber seiner Augen spiegelte die Galaxielichter, aber in ihnen lag eine Art uralte Müdigkeit… und ein Funken echter Aufmerksamkeit.

„Also?“ fragte er ruhig. „Schieß los.“

Ich atmete zitternd ein. Und dann brach es aus mir heraus — bruchstückhaft, beschämt, doch ehrlich.

„Ich… Miguel, ich habe Schlafparalysen. Seit Wochen. Da sind… Männer. Sie—“

Mein Hals schnürte sich zu.

„Es fühlt sich an, als würden sie mir durch diese… Intimität etwas rauben, etwas, das man eigentlich nicht rauben kann.“

Meine Hände zitterten.

„Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll. Zuhause passiert das. Zuhause! Aber das ist unmöglich… mein Portal ist versiegelt. Ein uraltes Siegel. Niemand kann hinein. Nicht mal Danny.“

Ich wagte nicht aufzusehen, als hätte allein meine Stimme etwas Beschmutzendes ausgesprochen.

„Und gestern…“

Ich atmete scharf ein, die Scham brannte wie Feuer.

„Ich hatte eine Astralreise. Und dort… waren Frauen. Es war, als wäre ich nicht ich gewesen. Als würde mich etwas steuern, benutzen. Ich bin im Krankenzimmer aufgewacht. Ich… ich habe Angst, Miguel. Ich weiß nicht, was mit mir los ist.“

Ich verschwieg den Tyrannen. Die Ahnen. Maraquin. Die Schande der Familie. Das war zu tief. Zu gefährlich. Zu heilig — oder zu schmutzig.
Miguel hörte zu, ohne zu zucken. Ohne auch nur den Versuch, überrascht zu wirken. Als wäre meine schlimmste Beichte nur ein Tropfen in seinem unendlichen Ozean.




Dann sagte er trocken:

„Ich bin ein Vampir, kein Kinderschänder.“
Er lehnte sich vor.

„Ich trinke lieber dein Blut.“
Ich erstarrte. Er grinste.

„Beruhig dich. War ein Scherz. Du Sterbliche seid so leicht zu erschrecken.“

Dann wurde er still. Sein Blick wurde tief, alt, schwerer als jedes Menschenleben.

„Ich lebe lange, Mädchen. Sehr lange. Du glaubst nicht, wie viele… Geschichten ich mir schon angehört habe.“

Er wandte den Blick kurz zum Sternenhimmel über dem Galaxy-Balkon.

„Die meisten erwarten von mir Antworten. Aber Unsterblichkeit macht niemanden allwissend.“

Er sah mich wieder an, diesmal mit einer Ernsthaftigkeit, die man nicht ignorieren konnte.

„Ihr seid verschieden. Und doch gleich. Manche tauchen ihre Wunden in den Spaß des Galaxy und verdrängen sie. Andere werden verrückt, wütend, neidisch. Manche rebellieren. Manche… sterben. Und manche sterben, weil ihre Zeit einfach um ist.“

Seine Stimme wurde rauer, poetisch fast:

„Zwischen Sterblichen und Unsterblichen gibt es Unterschiede. Große Unterschiede. Doch die Gesetze—“

Er tippte mir leicht gegen die Stirn.

„Die Prinzipien—“

Und dann auf seine Brust.

„…bleiben immer gleich.“

Er sagte nichts Direktes.
Aber die Schwere in seinem Blick sagte genug:

Schuld bindet. Egal, ob man weiß, woher sie kommt. Ich verstand es nicht. Oder… etwas ließ mich nicht verstehen. Miguel lächelte, als wollte er mir das nicht zum Vorwurf machen.

„Trink deinen Shake, Jemea. Und nimm dir eine Pause. Liliana wird das schon verstehen.“

Er zwinkerte.

„Und wenn sie fragt, sag ihr einfach: ‚Miguel will mein Blut.‘ Sie wird wissen, was es bedeutet.“

Er wandte sich ab, winkte in seiner lässigen, halb genervten, halb eleganten Art — und verschwand zurück an die Bar des Galaxy. Als hätte er sich in Lichtpartikel aufgelöst. Ich blieb auf dem Balkon stehen. Eine Weile. Still. Dann stellte ich das Glas auf den Boden, seufzte, schaute in den Himmel und murmelte:

„Sorry, Miguel…“

Und ließ den Shaker vom Geländer fallen.
Ich grinste schwach, drehte mich um und ging zurück zum Portal — heim, in mein Chaos, in meine Fragen, in meine Angst. Vielleicht hatte er recht. Vielleicht brauchte ich wirklich eine Auszeit!



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