Ungestillt

Wir müssen zur Schule, wir frühstücken zusammen, was ich eigentlich nie tue, und schauen uns sehr verliebt an. Ich träume ja fast.
Danny sagt, er wird schon mal duschen gehen.
Als er ins Bad geht, ergreift mich ein Gefühl.
Ein Gefühl der Unersättlichkeit und Verlangen nach mehr. Ich fühle mich erregt, aber so richtig. Das ist nicht normal, ich hatte doch was ich wollte. Unanständige Gedanken von letzter Nacht fließen wie ein gezwungener Film durch meinen Kopf.
Ich fasse mich selbst an, was ich auch nie tat… wie merkwürdig, warum fand ich das gut?! Ich tue es mir selbst zum ersten Mal, und ich empfinde irgendwie Riesen großen Scham… Ich denke auch daran, wie damals Martina mich im Galaxy gefragt hatte, ob ich es mir selbst mache….ich muss an all die Bilder und Videos denken, die sie mir auf ihrem Laptop gezeigt hatte. Als wäre es ein Samen gewesen, der langsam bittere Frucht bringt.
Wie eklig, wie peinlich! Was geschieht mit mir.
Ich wollte es unbedingt es war so zwanghaft…ich wollte keine Zeit nehmen, meine Moral zu überdenken, und laufe ins Bad auf Danny zu.
Ich ziehe mich aus und gehe unter die Dusche, wo Danny ist. Ich will ihm direkt sagen, dass ich Sex will. Als wäre ich gesteuert.
Danny erschrickt, als ich in die Dusche komme, er errötet und fragt mich: ‚Jemea, was machst du da?‘
Ich sage ihm: ‚Ich will, dass du mich flachlegst! Jetzt gleich.‘
In meinen Gedanke sagte ich mir aber selbst was für eine peinliche Version von mir dies nun ist sowas zu sagen! Als wäre es ein Befehl.
Danny fragt mich: ‚Unter der Dusche?‘
Ich sage: ‚Jetzt gleich‘, so sehr will ich es.
Danny fragt nicht noch einmal wir verkehrten unter der Dusche. Das heiße Wasser prasselt auf uns herab, vermischt sich mit unseren Schweißperlen. Dannys Hände gleiten über meinen Körper, das Gefühl nach dem ich mich sehnte. Ich schlinge meine Beine um seine Hüften und drücke mich fester an ihn als währe er mein Eigentum. Es ist wild, ungestüm und unglaublich aufregend. Dachte ich und fühlte ich zumindest in dem Moment. Ich lasse mich fallen, ganz der Lust hingebend, die mich übermannt, während wir uns leidenschaftlich küssen. Ich spüre Dannys Hände, und ich klammere mich an ihn, während die Ekstase mich überrollt. Es ist, als ob ich die Kontrolle verliere, als ob eine dunkle Macht von mir Besitz ergriffen hat. Aber in diesem Moment ist war es mir egal. Ich will nur fühlen, ich will nur genießen. Als wir fertig sind, lehnen wir erschöpft an der Duschwand. Danny küsst meinen Hals und flüstert: ‚Wir müssen jetzt richtig Duschen.‘
Ich lächle, aber in meinem Herzen ist immer noch diese nagende Unruhe. Was ist mit mir nur los? Warum bin ich plötzlich so anders? Ich fand es nicht mehr so toll das wir dies taten.
Ein Nachgeschmack von bitterem scham überrollte mich.
Ich weiß, dass ich die Antwort finden muss, bevor es zu spät ist. Aber jetzt, mit Danny will ich einfach nur den Moment genießen, die Wärme seiner Nähe spüren und die dunklen Gedanken für einen Augenblick vergessen. Wir waschen uns und machen uns fertig für die Schule. Beim Verlassen des Badezimmers fällt mein Blick auf den Spiegel. Ich starre mein Spiegelbild an und entdecke etwas, das vorher nicht da war. Meine Augen haben sich verändert. Sie sind dunkler, intensiver, fast schon unheimlich. Ich spüre, wie eine kalte Schauer meinen Rücken hinunterläuft. Wer bin ich geworden? Danny schaut mich mit einem verliebten Blick an, während er vor dem Portal steht.
„Alles easy ?“, fragt er mit einem schiefen Lächeln.
Ich schüttele den Kopf. „Nein… aber reden wir später. Gehen wir.“
Unsere Finger verschränken sich, und gemeinsam treten wir durch das Portal zur Schule. Ich weiß, dass Martina nichts von letzter Nacht ahnt.
Sie wartet sicher wie immer vor meinem Portal – geduldig, heuchlerisch, mit diesem süß-giftigen Lächeln, das mir den Magen umdreht.
Danny lehnt sich leicht zu mir.
„Du weißt schon, dass wir sie gestern einfach sitzen gelassen haben, oder?“
Ich zucke mit den Schultern. „Soll sie. Sie hat mich zum Weinen gebracht, also gleicht sich das aus. Ich dachte beschämt an den Abend mit ihr im Galaxy als sie mir diese..
„empörend schamlose, dreist bis zur Überheblichkeit verwegene Videos“
zeigte and dem ich nicht aufhören kann zu denken.
Wollen wir wetten, dass sie heute wieder so tut, als wäre nichts gewesen?
Danny lacht leise. „Dein Ernst? Warum seid ihr überhaupt Freunde?“
Ich antworte nicht – ich weiß es selbst nicht.
Er muss in einen anderen Unterricht und zieht mich sanft in seine Arme.
„Wir sehen uns nachher, ja?“
Wir küssen uns – es sollte nur ein kurzer Abschiedskuss sein. Doch als sich unsere Lippen berühren, durchfährt mich ein elektrischer Schauer. Mein ganzer Körper brennt vor Verlangen. Ich will ihn nicht loslassen, halte ihn fester, als hätte ich Angst, dass er sich in Luft auflöst. Danny flüstert mir ins Ohr, seine Stimme tief und rau:
„Jemea… nicht hier. Wir sind mitten auf dem Campus.“
Er lächelt und neckt mich spielerisch.
„Du bist ein freches Mädchen. Reiß dich zusammen – nach der Schule kannst du mit mir machen, was du willst.“
Seine Worte lodern in mir wie Feuer.
Ich sehe ihm nach, wie er im Menschengewimmel verschwindet, und meine Knie zittern. Ich muss tief durchatmen, um mich zu fassen. Mein Herz rast, mein Körper verlangt nach ihm – nach seiner Nähe, seiner Wärme. Früher kam ich alleine klar, was ist dieses Gefühl was ich habe nicht ohne Danny sein zu wollen. Was passiert nur mit mir? Ich erkenne mich selbst kaum wieder. Es ist, als hätte jemand meine Sinne vernebelt, als würde ein dunkler Schleier über meiner Seele liegen.
Ich spüre, dass etwas in mir erwacht ist – etwas, das ich nicht verstehe. Mit schwankenden Schritten gehe ich auf das Portal zu, wo – wie erwartet – Martina steht. Sie lächelt mich an, als wäre nichts gewesen. Dieses Lächeln. Es ist so falsch, so glatt, so leer.
„Hey, Jemea! Alles okay bei dir? Du siehst ein bisschen krank aus“, sagt sie mit übertriebener Fürsorge.
Ich zwinge mich zu einem Lächeln. „Ja… alles gut. Nur ein bisschen müde.“
Martina hakt sich sofort bei mir ein, als wäre sie meine Schattenfigur. Ihre Nähe fühlt sich an wie kalter Nebel auf meiner Haut. Ich spüre ihren Blick auf mir ruhen, zu lang, zu still.
Weiß sie etwas? Hat sie etwas mit dieser seltsamen Veränderung in mir zu tun? Ich beschließe, sie zu beobachten – ganz genau. Denn eines ist sicher: Ich kann niemandem mehr trauen.
Nicht Danny.
Nicht Martina.
Nicht einmal mir selbst.
Je näher wir der Schule kommen, desto dichter wird die Luft. Die Farben um uns scheinen zu flirren, als würde sich die Realität selbst verschieben. Ein Schauder läuft mir über den Rücken. Martina klammert sich wieder an meinen Arm, doch ich reiße mich abrupt los. Ihr Blick huscht irritiert über mein Gesicht, als hätte sie in meinen Augen etwas gesehen, das ihr Angst macht.
„Ich… ich habe heute Morgen nicht geduscht“, lüge ich hastig. „Halte lieber ein bisschen Abstand.“
Doch der wahre Grund ist ein anderer. Jeder Blick, jede zufällige Berührung der anderen Schüler löst eine Welle der Erregung in mir aus. Nackte Beine, Mädchen ohne BHs, tief ausgeschnittene Blusen, Jungs mit hochgekrempelten Ärmeln – alles verschwimmt zu einem Meer aus Reizen.
Doch ich nehme keine magische Pilze..was ist los?Jedes Lachen, jede Bewegung scheint elektrisiert.
Etwas stimmt nicht mit mir! Ganz und gar nicht.
Im Unterricht bin ich kaum anwesend. Die Lektion ist nur Wiederholung, und ich bin dankbar dafür – denn Konzentration ist unmöglich.
Geschlechtsverkehr kenne ich seit meiner Kindheit. Also aufgezwungen gegenüber mir.
Man sagte mir das muss sein, gehört zum Familien und Austauschritual. Ich hasste es aber konnte dem nicht entkommen. Wehren brachte mich zum ertrinken, diese scheiss Nixen. Also lies ich es über mich ergehen. Es war nicht aus Liebe, nicht aus Zuneigung. Sondern aus Zwang – durch den Tyrannen, durch die Götter, die meinen Körper nahmen, wann immer sie wollten.
Ich habe es gehasst.
Ich habe sie gehasst.
Doch gestern… Gestern wollte ich es.
Und heute? Heute auch aber zwanghaft anders.
Ich denke an Danny. Seine Hände.
Seine Wärme.
Seine Stimme.
Aber was ich fühle, ist mehr. Mehr als bloß Begehren. Mehr als bloß verliebt sein.
Es ist Macht. Ich will ihn kontrollieren.
Ich will, dass er sich nach mir sehnt, dass er sich verliert – so, wie ich es tue. Ein Schwall aus Scham und Lust schießt mir heiß durch die Adern.
Ich verstehe mich selbst nicht mehr. So tief in meinen Gedanken gefangen, bemerke ich kaum, wie der Unterricht zu Ende geht.
„Jemea! Gehen wir, der Unterricht ist vorbei“, ruft Martina plötzlich.
Ich zucke zusammen, als hätte man mich aus einem Traum gerissen. „Erschreck mich nicht so!“, fauche ich, zu laut, zu heftig. Sie schaut mich überrascht an. Ich spüre, wie sich mein Herz überschlägt.
„Ich muss zu Danny“, sage ich schnell, den Blick abgewandt. Es klingt wie eine Entschuldigung, obwohl ich ihr keine schulde. Meine Hände ballen sich zu Fäusten. Eine unruhige Energie durchströmt mich, drängt mich vorwärts.
Ich fühle mich beobachtet – als würde eine unsichtbare Macht meine Gedanken lesen, meine Begierden nähren, mich leiten. Jeder Blick, der mich trifft, brennt auf meiner Haut, schneidet sich in meine Seele. Die rosa Strähnen fallen mir ins Gesicht, während ich unruhig von einem Fuß auf den anderen trete. Ich kann die bohrenden Augen der anderen kaum ertragen. Ich bin wie ein Tier im Käfig, gefangen in einem Netz aus Erwartungen, Schuld und Verlangen.
Der Gedanke an Dannys Nähe ist wie ein süßes, giftiges Versprechen, das in meinen Adern pocht.
Ich will ihn sehen. Ich muss ihn sehen. Nur seine Berührung kann diesen Sturm in mir stillen.
Doch tief in mir – hinter all dem Rauschen – flüstert etwas:
Etwas stimmt nicht mit dir, Jemea.
Etwas in dir gehört dir nicht mehr.
Ich verschränke die Arme vor der Brust und starre in die Menge, suche ihn. Mein Herz rast. Ich will niemanden spüren, niemanden sehen.
Martina steht noch immer neben mir, schweigend, beobachtend – wie ein Schatten, der nicht weichen will. Ihr bloßes Dasein macht mich nervös.
Begreift sie denn nicht, dass ich sie gerade nicht in meiner Nähe haben will?
Ich sehe ihn. Danny!
Er steht noch am Ende des Flurs, das Sonnenlicht fällt durch die hohen Glasfenster und taucht ihn in ein fast heiliges Leuchten. Für einen Moment bleibt die Welt stehen. Alles, was ich höre, ist das Pochen meines eigenen Herzens. Meine Schritte werden schneller, bis ich beinahe renne. Er dreht sich um, als hätte er meine Gedanken gespürt – und lächelt. Dieses Lächeln! Es ist wie ein Versprechen, wie eine Erinnerung daran, dass ich noch atme.
„Da bist du ja“, sagt er sanft.
Seine Stimme ist ruhig, aber seine Augen suchen in meinem Blick nach etwas. Vielleicht nach einer Antwort. Vielleicht nach mir. Ich bleibe stehen, nur wenige Schritte von ihm entfernt. Die Luft zwischen uns ist elektrisch, erfüllt von etwas Unsichtbarem, Unaussprechlichem. Etwas, das mich anzieht wie eine Macht, die nicht von meiner Welt ist. Mein Herz rast. Ich spüre meine Finger zittern. Ich will ihn – aber ich fürchte mich auch davor.
„Danny…“, flüstere ich, und mein Hals ist trocken.
Er lächelt wieder, doch diesmal wirkt es unsicher.
„Alles okay mit dir? Du wirkst so… anders.“
Anders!
Dieses Wort schneidet tiefer, als er ahnt. Ich will antworten, doch meine Stimme gehorcht mir nicht. Plötzlich höre ich wieder das leise Rauschen wie Wasser. Ein ferner Klang, der in meinem Kopf widerhallt.
Ein Flüstern.
„Er gehört dir nicht, er gehört jetz mir.“
Es ist Amarenas Stimme.
Ich zucke zusammen, doch Danny bemerkt es nicht.
„Mir ist gerade heiß“, sage ich, und meine Lippen zittern.
„Vielleicht… sollten wir kurz rausgehen.“
Er nickt, wir ließen Martina wieder stehen er nimmt meine Hand, und die Welt um uns verschwimmt. Seine Berührung ist warm, echt – aber in mir brodelt etwas Dunkles, Unruhiges.
Ein Verlangen, das nicht nur aus Liebe kommt. Etwas in mir flüstert, dass ich seine Nähe nicht suche, um mich zu trösten – sondern um ihn zu besitzen. Wir gehen durch den Garten des Campus, zwischen alten Statuen und wehenden Blättern. Die Sonne brennt auf meine Haut, aber mir ist kalt. Ich spüre, wie sich das Wasserrauschen in meinem Kopf verstärkt, leise und hypnotisch. Mein Atem geht flach.
Ich bleibe stehen.
„Danny“, sage ich mit zitternder Stimme.
Er dreht sich zu mir, überrascht.
„Ich mag dich“, flüstere ich.
Es ist kaum hörbar, aber die Worte tragen eine Schwere, die ich selbst nicht begreife.
Er lächelt – dieses ehrliche, liebevolle Lächeln, das ich so sehr brauche.
„Ich mag dich auch, Jemea.“
Seine Hand streicht über meine Wange. Ein Funke springt über, real, spürbar – und ich spüre, wie meine Welt für einen Augenblick stillsteht.
Ich neige mich vor, bis unsere Stirnen sich berühren. Mein Herz hämmert gegen seine Brust.
Dann, ohne zu denken, küsse ich ihn.
Es ist kein zögerlicher Kuss. Es ist ein Bekenntnis und ein Fluch zugleich. Die Zeit dehnt sich.
Die Vögel verstummen. Ich spüre sein Herz, seinen Atem, sein Leben – und tief in mir spüre ich Amarena lächeln.
Unsichtbar.
Zufrieden.
Ich löse mich keuchend, sehe in Dannys Augen und weiß: Etwas hat begonnen. Etwas, das sich nicht mehr aufhalten lässt.



































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