Adora-Kapitel 16

Rayan erwachte am Morgen ausgeruht und voller Tatendrang. Er streckte sich, als die Sonne sein Gesicht kitzelte und bemerkte dabei, dass auf seiner Brust etwas lag.

Irritiert blickte er hinab und war zuerst ein wenig verwirrt. Er erkannte seidiges, braunes Haar. Das war definitiv nicht seine Ehefrau!

Er sah sich um und bemerkte, dass er in seinem Zimmer lag. Wie war er hierhergekommen? Er erinnerte sich nur noch daran, wie er mit Rosalia die Ehe vollzogen hatte. Es war nicht gerade das Beste gewesen, was er mit einer Frau erlebt hatte, doch es würde hoffentlich für einen Erben reichen.

Rayan legte eine Hand auf den Kopf und strich ihr durch die Haare. Das ließ ihn lächeln. Diese Haare. Das konnte nur Adora sein, doch warum lag sie in einem Bett?

Er sah sich um, sah aber keine Kleider am Boden. Gleichzeitig wollte er die Decke aber auch nicht wegnehmen, um zu sehen, ob sie nackt war.

Bisher hatte er sich mit seinen Bedürfnissen zurückgehalten, da er sie nicht verschrecken wollte, doch gestern hatte er sehr viel getrunken, um sich vorzubereiten.

Rosalia war eine nette, junge Frau und auch anziehend, doch nicht das, was sein Körper wollte. Er hatte also ein wenig mehr Alkohol gebracht als sonst, um sich ihr hingeben zu können. Hatte er es vielleicht übertrieben und war danach über Adora hergefallen?

Das würde er sich nicht verzeihen, denn es lag ihm fern eine Frau gegen ihren Willen zu nehmen.

„Adora?“, fragte er vorsichtig und sanft. Dabei bemerkte er, wie sie sich bewegte. Unter anderem streckte sie einen Arm, der noch immer in einem Kleid steckte.

Ein Stein fiel ihm vom Herzen. Wenn sie angezogen war, dann war sicherlich nicht viel passiert.

Rayan wusste nicht wieso, doch Adora war eine Art von Frau, die er mit allen Mitteln hierbehalten wollte. Ihre bloße Anwesenheit war eine Wohltat. Sie jemals so im Bett zu haben, hatte er sich bisher nur erträumt.

Die junge Frau grummelte leise, bevor sie sogar herzhaft gähnte. Dann erst öffnete sie die Augen und sah zu ihm auf. Sie wirkte ähnlich irritiert wie er. Das ließ ihn leise lachen. „Guten Morgen. Habt Ihr gut geschlafen?“, fragte er belustigt. Obwohl er es verstecken wollte, so konnte er es doch nicht.



Adora sah sich sichtbar verwirrt um, bevor sie sich langsam aufsetzte. Sie trug noch immer ihr Kleid. Es war vom Schlafen etwas zerknittert. „Ja, seltsamerweise schon“, gab sie zu, klang aber noch reichlich verschlafen.

Rayan lächelte, als er sich ebenfalls aufsetzte und sie kurz in seine Arme zog. „Ich danke Euch. Ich habe mich schon lange nicht mehr so ausgeruht gefühlt“, gestand er und küsste ihren Nacken.

Adora keuchte leise. Rayan schmunzelte an die Stelle, von der sich eine Gänsehaut über ihren Körper ausbreitete.

Das hier war nicht richtig, auch wenn es sich sehr gut anfühlte. Rayan war verheiratet. Als König konnte er sich zwar Mätressen nehmen, doch das hieß nicht, dass Adora das mit ihrer Moral vereinbaren konnte. Wahrscheinlich wollte sie ihm auch nicht die Ruhe nehmen, die er so brauchte. Rayan hatte durchaus verstanden, wie sie manchmal dachte.

„Ihr saht gestern sehr erschöpft aus“, bemerkte Adora, um das Thema zu wechseln. „Ich hoffe, es geht Euch heute besser“, sagte sie lächelnd, bevor sie sich ihm langsam entwand.

„Das geht es tatsächlich“, sagte Rayan, der sich leise räusperte. „Es tut mir leid, wenn ich Euch überfallen habe“, sagte er, wobei er schuldbewusst klang.

Adora erhob sich aus dem Bett und schenkte ihm ein Lächeln. „Das habt Ihr nicht“, versicherte sie. „Aber der Tag hat begonnen und Ihr einen strammen Zeitplan.“

Wie sie es gelernt hatte, half sie Rayan dabei, in den Tag zu starten. Es ging weniger darum, das Wasser für die Morgenwäsche oder seine Kleider zu besorgen. Sie kümmerte sich darum, dass die Dienstmädchen angewiesen wurden, dies zu tun.

Rayan genoss gerade ein Bad, als es klopfte und Amato in den Vorraum trat. Er blickte direkt zu Adora. „Ist Prinz Rayan bereits abkömmlich? Nil hat eine Entdeckung gemacht, von der er zeitnah erfahren muss.“

Adora hörte in seiner Stimme, dass es wichtig war. „Ich werde es ihm mitteilen“, sagte sie und deutete ihm an, dass er draußen warten sollte. Rayan mochte es nicht, wenn zu viele Leute bei ihm in den privaten Gemächern ein und aus gingen. Daher hatte Adora auch dafür gesorgt, dass er es nicht mitbekam. Sie regelte alles so, dass er die Morgenstunden genießen konnte, ohne sich mit Dienern oder übereifrigen Beamten herumzuschlagen.



Sie konnte allerdings wichtige Dinge nicht vor ihm fernhalten, weshalb sie zur Tür des Bades ging und klopfte. „Amato war hier. Nil scheint einen Fund gemacht zu haben, der ihn nervös macht“, erklärte sie. Da Amato der Hauptmann der Wache war, musste es etwas sehr Ernstes sein. Sonst wäre er nicht so nervös.

Adora hörte, wie sich Rayan im Wasser bewegte und wohl erhob.

Sie hörte auch, wie er aus dem Waschzuber stieg. Seine nackten, nassen Füße tappten auf dem Boden.

Kurz darauf kam er, in ein Handtuch gewickelt, in den Raum.

Auf dem Bett lagen seine Kleider bereit.

Palmira hatte ihr eigentlich gezeigt, wie sie ihn in diese helfen musste, doch Rayan zog sich lieber selbst an. Nur bei einigen, komplizierten Stücken brauchte er Hilfe. Etwas, was die alte Haremsdame wohl schockiert hätte.

„Ich werde ihn gleich zum Frühstück im Salon empfangen“, meinte Rayan.

Adora knickste, denn sie wusste, dass es ihre Aufgabe war, sich darum zu kümmern.

Sie trat auf die Tür zu und verließ den Raum, um in den Flur zu treten. Dort standen immer Diener bereit, die sie nun anwies, sich darum zu kümmern.

Adora verstand ihre Rolle als enge Dienerin, aber auch als Schild, damit der junge Prinz ein bisschen Freiraum hatte. Diesen konnte er nicht allein haben, denn ein Prinz war niemals allein, allerdings schien er sie zu akzeptieren. Er wirkte entspannter als zu der Zeit, in der Palmira sie eingelernt hatte.

Als sie alles weitergegeben hatte und auch sicher war, dass die Diener sich um alles kümmerten, kehrte sie zu Rayan zurück und goss ihm ein Glas Wasser ein, das sie ihm reichte, als er sich angezogen hatte.

Der Prinz schenkte ihr ein schiefes Lächeln. „Ihr macht das wirklich gut“, sagte er, bevor er das Glas leer trank.

„Ich muss mich irgendwie erkenntlich zeigen, dass Ihr mich aufgenommen habt“, sagte sie. Immerhin war sie hier einfach so aufgetaucht und er hatte nichts mit ihr zu schaffen. Er hätte sie auch einfach wieder in den Wald bringen und sie liegen lassen können.

Obwohl die Lichtung schön gewesen war, wusste Adora, dass sie dort nicht überlebt hätte. Es war ein Ort zum Entspannen und Ausruhen, aber nicht, um dort zu leben. Wo sie ohne ihn hätte hingehen sollen, wusste sie nicht. Das Leben wäre sicher nicht so angenehm gewesen.



Rayan erhob sich. „Ich bin bereit“, sagte er, bevor er sie musterte.

„Ich werde mich fertig machen und Euch nach der Unterhaltung wieder beiwohnen“, sagte sie, denn sie selbst trug noch immer das Kleid, in dem sie geschlafen hatte.

„Ich möchte, dass Ihr mich begleitet. Zieht Euch also um und trefft mich im Salon“, wies er Adora an, die erneut knickste.

„Wie Ihr wünscht.“

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