Kapitel 21 – Vollziehen des Bundes
Kapitel 21 – Vollziehen des Bundes
Cyrus
Ich sah dabei zu, wie Aurelie ihre Hand gegen ihre Brust drückte. Der Geruch ihres Blutes stieg mir in die Nase und meine Fangzähne drückten sich schmerzhaft heraus. Schnell lenkte ich meine Konzentration ganz bewusst auf den Hohepriester, damit meine Blutgier keine Überhand nehmen konnte. Dieser schwenkte die Schale mit unserem Blut, drehte sich zum See und hob sie dabei hoch.
Aurelies Hand hörte nicht zu bluten auf. Wäre sie ein ausgereifter Vampir, hätte sich ihre Wunde schon geschlossen. Was mich an meinen nächsten Schwur erinnerte. Also nahm ich meinen silbernen Schal, ergriff ihre verletzte Hand und wickelte ihn um die Schnittwunde. Ich hatte gar nicht so tief schneiden wollen. Ein paar Tropfen Blut hätten gereicht. Aber Aurelie war unter den Schmerzen so heftig zusammengezuckt, dass das Messer verrutscht war. Während ich den notdürftigen Verband festzog, sprach ich meinen letzten Schwur: „Ich schwöre dir, dass ich deinen Geist und Körper formen werde, damit du unter meiner Anleitung eine starke Frau wirst und eine noch stärkere Königin.“ Ich würde sie meinen Wünschen entsprechend formen, aber das sprach ich nicht laut aus. Der Hohepriester erwartete schließlich von mir, dass ich der Prinzessin half. Und ich sollte ihn mir nicht zum Feind machen.
Der alte Vampir drehte sich wieder um und richtete seinen Blick auf die Prinzessin, während ich nur auf das Blut in der Schale starren konnte. „Nun sprecht Euren dritten Schwur, Prinzessin.“
Sichtlich unbehaglich räusperte sich Aurelie und setzte zum Sprechen an. Es war offensichtlich, dass sie zuvor noch keinen Gedanken an die Schwüre verschwendet hatte, und jetzt nicht wusste, was sie sagen sollte.
„Ich schwöre Euch“, fing sie zögerlich an, wobei sie den Blick in meine Augen mied, „dass ich Euch eine gute Königin sein werde, an Eurer Seite stehen und Euch unterstützen werde.“ Ihr Herz stolperte und überbrachte mir die Kunde ihrer Lüge. Meine Augen wurden schmal und mein auf sie gerichteter Blick feindselig. „So gut ich kann“, fügte sie schnell hinzu und dieses Mal blieb ihr Herz im Takt.
Ich starrte sie weiterhin an, aber sie senkte rasch den Blick. Ihr Herz schlug immer noch schnell vor Angst. Sie hatte es wirklich gewagt, bei einem der heiligen Schwüre zu lügen. Sie würde mich nicht unterstützen; vermutlich sogar Wege suchen, mich zu stürzen. Ihr nachgeschobener Satz war eine Farce. Sie wusste selbst, dass sie mich nicht unterstützen könnte, wollte von ihren wahren Plänen aber ablenken.
Natürlich ließ ich mir nichts anmerken und lächelte sogar kurz, wobei ich vorsichtig über ihre zarte, verletzte Hand streichelte. „Wir werden einander helfen, Aurelie“, sagte ich mit zuversichtlicher Stimme, aber ich war durch ihre Worte gewarnt. Denn ich durfte niemals vergessen, welchem Haus sie entstammte. Ihre ganze Familie war verdorben und ihr unschuldiges Gehabe würde sie nicht mehr lange aufrechterhalten können.
„Der Schwur ist gesprochen“, murmelte der Hohepriester mit monotoner Stimme und reichte mir die Schale mit dem Blut. „Trinkt nun, um euer Blut zu vereinen. Der heilige Bund, besiegelt durch Blut und Schwur, ist ein Geschenk der Götter. Ignis-Robur und Ora-Fides sind meine Zeugen, dass dieser Pakt rechtmäßig und freiwillig geschlossen wurde!“
Ich nahm dem Hohepriester die Schale ab, trank einen großen Schluck und leerte den Kelch dabei fast zur Gänze. Denn Aurelie war noch ein Kind. Tränke sie zu viel Blut, würde sie es erbrechen. Aber diese kleine Menge liesse sie gerade die Lippen befeuchten und den Geschmack auf der Zunge zu spüren.
Während das Blut meine Kehle hinunterlief, schloss ich die Augen. Ihr Blut roch nicht nur verdammt gut, es schmeckte sogar noch besser, als ich es für möglich gehalten hatte. Meine Männlichkeit regte sich und ich spürte das Verlangen, meine Zähne in ihren zarten Hals zu vergraben. Ein Kind!, mahnte ich mich. Es kostete mich eiserne Willenskraft, den Kelch an Aurelie weiterzureichen.
Wieder wurden ihre Augen groß und wieder schaute sie, erschrocken durch die Erkenntnis, dass sie es mir nun gleichtun müsste, zu mir auf. Dennoch nahm sie artig den Kelch und hob ihn an ihre noch kindlich formlosen Lippen. Ich bemerkte, wie sie tief einatmete. Und gleich darauf noch mal. Genüsslich schloss sie die Augen, wohingegen meine Stirn sich runzelte. Die Lust auf Blut sollte erst mit der Reife kommen. Zeitgleich mit ihren Reißzähnen.
Fassungslos sah ich dabei zu, wie sie den Kelch anhob und die verbliebenen Tropfen in sich aufnahm. Gierig schoss ihre Zunge heraus und leckte das Innere des Kelches aus. Als sie das Gefäss dem Hohepriester zurückgab, den Mund blutverschmiert, schaute auch er sie verwundert an. Bis zu dem Moment, in dem sie anfing, sich leicht zu krümmen, zu würgen und zu spucken. Als sie sich wieder aufgerichtet hatte, den Mund noch immer blutverschmiert, ihre Lippen zitternd, flüsterte sie leise: „Verzeiht. Ich glaube, ich kann noch nicht …“
Doch der Hohepriester winkte ab und beruhigte sie, sie solle sich keine Sorgen machen. Der Bund würde gelingen, es käme nur auf ein paar Tropfen an.
Ich bot Aurelie meinen Arm an. Nach kurzem Zögern hakte sie sich bei mir ein. Wieder leckte sie sich über die Lippen. Ihr Blick glitt jedoch an mir vorbei zum See. Die beiden Sterne standen hoch am Himmel, sodass ihr Licht senkrecht durch das Loch im Berg in den See hineinfiel und sich darin vermischte. Das Wasser erstrahlte in einer Mischung aus Rot und Silber. Es sah aus, als gäben die Götter dieser Verbindung ihren Segen.
Langsam führte ich Aurelie aus dem Untergrund und ging mit ihr die Stufen hoch. Ich hörte ihren Magen rumoren, aber sie musste sich kein weiteres Mal übergeben. Dennoch machte ich bewusst langsam. In der Hälfte der Strecke blieb ich stehen. Ich nahm den roten Schal und legte ihn um meinen Hals. Eigentlich hätte ich mehr rot tragen müssen, aber ein Akzent der Verbundenheit musste reichen. Aurelie nahm ich den silbernen Schal ab, den ich um ihre Hand gelegt hatte. Sofort stieg mir der Geruch ihres Blutes wieder in die Nase und ich atmete einmal tief durch, um nicht meine Beherrschung zu verlieren.
„Halt kurz still“, raunte ich ihr leise zu. Mein Blick fiel auf ihren Hals und ich sah ihre Halsschlagader verführerisch pochen. Gleichzeitig hielt mein Instinkt, der das Kind vor jeglicher Gefahr schützen wollte, rein gar nichts, von der Idee, meine Fangzähne in ihrer blassen, vernarbten Haut zu versenken. Ich schüttelte den Kopf. Bevor ich mich vergaß, legte ich ihr den blutigen Schal um den Hals. „Symbolik ist wichtig“, murmelte ich leise.
Sie nickte, auch wenn sie offensichtlich nicht verstand.
Schweigend gingen wir weiter. Nur wenige Menschen kamen uns entgegen. Diener, die ihr Schlafquartier aufsuchten, von der Arbeit zurückkamen oder gerade auf dem Weg zu dieser waren. Immer wieder glitt mein Blick kritisch über Aurelie, aber sie blieb gefasst. Keine Tränen, kein Schluchzen. Das würde sich bald ändern.
Ich öffnete die Tür zu meinen Gemächern und sah mich um. Die Tür zum Ruheraum war geschlossen, dennoch konnte ich dahinter die beiden Dienerinnen hören. Sie schliefen tief und fest, ihr Herzschlag ging gleichmäßig. Ohne zu stoppen, ging ich weiter, Aurelie vor mir herschiebend, bis ins Schlafzimmer, schloss die Tür hinter mir und blieb dann demonstrativ stehen. Ich nahm meinen Arm von der Türklinke und schob Aurelie weiter in den Raum hinein.
„Zieh dich aus“, verlangte ich und fixierte die Prinzessin. Wenn sie sich morgen vor aller Öffentlichkeit weigern sollte, mich zu ihrem König zu krönen, wäre mein Plan zerstört. Zerstört von einem Kind! Das würde ich nicht zulassen. Ich hatte zu viel Zeit und Mühen in meinen Plan gesteckt und würde mir das jetzt nicht ruinieren lassen!
Das Kind riss bide Augen auf. „A…aber Ihr könnt doch nicht verlangen …!“ Sie schluckte schwer. „Ich bin noch nicht durch die Reife!“, wimmerte sie leise; ihr Gesicht verzog sich zu einer angsterfüllten Fratze.
„Du hast soeben geschworen, dass du brav sein wirst!“ Ich hob mein Kinn, nahm den Schal von meinem Hals und begann damit, meinen Mantel aufzuknöpfen.
Indessen schluchzte sie einmal laut auf, ehe sie sich die Hand auf den Mund drückte. Ich konnte praktisch dabei zusehen, wie sie sich für ihren unüberlegten Schwur innerlich schollt, während sie die Augen fest aufeinanderpresste und mit jeder Sekunde einen stolpernden Schritt rückwärts ging. Ich zog den Mantel aus und warf ihn achtlos beiseite. Danach begann ich, meine Weste zu öffnen, die ich kurz darauf ebenfalls auf den Boden warf. Aurelies Blut lief an ihren Fingern entlang und tropfte zu Boden. Der Geruch machte mich fast wahnsinnig und ihr Gehabe machte es nicht besser!
„Worauf wartest du?“, herrschte ich sie an.
„Nein!“, schrie sie zurück, öffnete die Augen und starrte mir wütend entgegen. „Nein, nein! Ich will das nicht!“ Trotzig stampfte sie mit dem Fuß auf; eine so furchtbar kindliche Geste und doch war es mir in diesem Moment so egal. Ich musste sie gefügig machen, ganz gleich welches Alter sie hatte. Bald hatte ich sie so weit, dessen war ich mir sicher. Knurrend öffnete ich die Schnallen an meiner Tunika und zog sie aus, sodass ich mit nacktem Oberkörper vor ihr stand.
„Es interessiert mich nicht, was du willst. Du wirst mir gehorchen und brav sein! Oder willst du den heiligen Schwur brechen?“
Bei meinen Worten erstarrte sie zu einer unbeweglichen Eissäule. „Bitte nicht!“, wimmerte sie, ihre Stimme bebend. „Ich will das doch nicht! Es gibt zahlreiche andere in diesem Schloss! Bestimmt auch jemanden, der Euch willig ist!“
„Aber nur du trägst königliches Blut in dir. Nur du kannst mich zum König krönen“, entgegnete ich mit so wenig Emotion in meiner Stimme wie möglich. Noch suchte sie einen Ausweg. Die Phase, in der sie bat und bettelte, war bald vorbei. Dann käme die Flucht. Demonstrativ ging ich von der Tür weg und näherte mich dem Bett, während ich meine Schuhe auszog. „Hast du nicht auch geschworen, dass du an meiner Seite stehen und mich unterstützen würdest? Denkst du, ich habe die Lüge nicht bemerkt?“
„Das werde ich!“, rief sie und wieder stolperte ihr Herz.
Enttäuscht schüttelte ich den Kopf, wodurch ihr Herz nur noch schneller schlug. Kurz zuckte ihr Kopf tatsächlich zur Tür. Jetzt müsste sie es nur noch wagen, zu fliehen.
„Dann zieh dich endlich aus!“, verlangte ich etwas lauter, die Stimme streng. Als ich mich meiner Hose zuwandte, wandte ich mich von ihr ab. Meine Sinne waren geschärft. Ich wartete nur darauf, dass sie den Fehler machte und zur Tür rannte. Aus dem Augenwinkel konnte ich beobachten, wie ihr Kopf einen kurzen Moment von mir zur Tür und wieder zurück glitt, doch schließlich legte sie ihr Kinn auf ihrem Brustbein ab und schniefte laut.
„Wenn …“, ihre Lippen zitterten, so wie auch der Rest ihres Körpers, und machte ihre Stimme brüchtig, „das Euer … Begehr ist …“
Mein Kopf schoss zu ihr herum, doch sie beachtete mich gar nicht. Zitternd streifte sie sich den Umhang von den Schultern, welcher achtlos zu Boden fiel. Danach fasste sie sich an den Hals und entfernte langsam den silbernen Schal. Am ganzen Leib bebend, führte sie ihre gesunde Hand schließlich hinter ihren Rücken, um an die Knöpfe ihres Kleides zu kommen, während sie die blutende noch immer nah an ihrer Brust hielt und damit das ganze Kleid versaute. Ich konnte beobachten, wie ihr eine einzelne Träne langsam die Wange herunterrollte und zu Boden fiel, doch sie klagte und flehte nicht mehr.
Für einen Moment war ich wie erstarrt. Sie tat es wirklich?! Sie knöpfte sich das Kleid auf, sodass sie kurze Zeit später im Unterkleid vor mir stand. Als sie auch danach greifen wollte, stürmte ich auf sie zu und drückte sie gegen die nächste Wand. Meine Hand lag eng um ihren Hals, würgte sie aber nur minimal. Ich wollte ihr nicht wirklich weh tun. Sie war immer noch ein Kind! Aber dennoch musste ich sicherstellen, dass sie morgen nicht zögerte!
Wütend starrte ich ihr in die weit aufgerissenen Augen. Dabei war ich mehr wütend auf mich … oder auf sie? Wieso zog sie sich aus? Andererseits war es nicht genau das, was ich von ihr verlangt hatte? Ja … Aber das was ich von ihr gewollt hatte? Nein. Ich wollte ihr nur Angst machen! Ich würde doch nicht …! In meiner Wut drückte ich fester. Ihre Halsschlagader pulsierte protestierend unter meiner Hand, sodass sich meine Fänge herausdrückten. Sowieso war da schon die ganze Zeit dieses viele Blut! Wieso musste sie auch so stark bluten?! Meine Hände verschoben sich zu ihren Schultern, sodass ihr Hals frei lag. Unterbewusst legte sie den Kopf zur Seite – ein klares Zeichen ihrer Unterwerfung, aber gleichzeitig machte es mich noch hungriger! Und zwar nicht nur auf ihr Blut!
Ehe ich mich versah, beugte ich mein Gesicht in ihre offengelegte Halsbeuge und atmete tief ein. Meine Fänge pochten und drängten mich beinahe schon schmerzhaft fest dazu, sie durch die zarte Haut dringen zu lassen. Gleichzeitig hatte ich meine Hände zu ihren Hüften gleiten lassen und zog sie an mich. Meine erregte Mitte gegen ihre, wobei ihr ein ängstliches, kindliches Wimmern entfleuchte.
Das brachte mich zurück in die Realität. Schnell nahm ich meinen Kopf aus ihrer Halsbeuge, ließ den Griff um ihre Hüften aber bestehen. Sollte sie ruhig spüren, was sie mit ihrem Verhalten provoziert hatte.
„Bei allem, was mir heilig ist, wenn du mich morgen nicht krönst, wirst du das bereuen, hast du verstanden? Ich werde deine kleinen Freundinnen töten, direkt vor deinen Augen. Ich werde dich foltern lassen, bis du um den Tod bettelst und dann werde ich dich für den Rest deines Lebens neben deinem erbärmlichen Bruder einsperren und verrotten lassen.“ Ihr Atem kam nur unregelmäßig, dafür stoßweise. Ich spürte die warme Luft auf meiner Brust. Ihre Nähe machte mich verrückt. Und gleichzeitig ekelte ich mich vor mir selbst, wenn ich auch nur daran dachte, mich mit ihr zu vereinigen. „Schwöre es! Schwöre es auf dein Leben!“, knurrte ich ungeduldig. Ich musste mir dringend Erleichterung verschaffen und dafür müsste ich erst einmal Carina finden!
„Ich schwöre es“, hauchte sie zittrig, wobei ihr Herzschlag zwar konstant blieb, sie aber meinem Blick auswich und zu Boden sah. Ich ergriff ihr Kinn und zwang ihren Blick hoch zu mir.
„Wie war das?“
Sie schluckte hart, verdrängte die Tränen, die ihre Sicht verschwimmen mussten, und sah mir ergeben entgegen. „Ich schwöre bei meinem Leben, dass ich Euch morgen zu meinem König krönen werde.“ Als ich sie losliess und einige Schritte zurücktrat, flüsterte sie noch leise: „Nur bitte, bitte steckt mich nicht zu Ashur.“





































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