Kapitel 30 – Ein Kuss

Kapitel 30 – Ein Kuss

 

Aurelie

Essen hier, Essen da, Essen dort. Aurillia machte mich wahnsinnig!

„Jetzt probier doch, Nayara! Es ist wirklich gut!“

Und selbst wenn. Nach diesem Gespräch mit Irina, dem Anblick der Leiche von heute Nacht … da brachte ich keinen Bissen runter. Ich hatte … zugestochen. Ich hatte zugestochen! Er war tot! Ich roch das Blut in den ganzen Gemächern! Selbst noch als Leeander die Leiche hinausgeschafft hatte – den Geruch konnte er schlecht mitnehmen! Und genauso wenig meine Erinnerungen.

Bei diesem Gedanken blickte ich wieder hinab auf meine Hände. Ich sah sie, blutbesudelt und zitternd. Auch wenn sie mittlerweile sauber waren. Ich schluckte. „Ich muss hier raus“, hauchte ich panisch, stand auf und rannte auf den Balkon zu.

„Warte! Nayara!“ Emili lief mir hinterher und donnerte direkt in mich herein. Ich war zum Stehen gekommen. Direkt vor dem Bett. Da war noch immer diese Blutlache. Die Tür zum Balkon dahinter. Meine Augen rissen weit auf, als sich wieder das Bild von gestern Nacht vor mein inneres Auge schob. Ich schlug mir die Hand vor Mund und Nase, nicht, weil ich mich wieder übergeben müsste, nein. Ich bezweifelte, dass ich überhaupt noch etwas im Magen hatte, was ich hätte erbrechen können. Aber der Blutgeruch schlug mir mit einer Wucht entgegen, mit der ich nicht gerechnet hatte.

Ich machte kehrt und sah mich direkt einer äußerst besorgten Emili gegenüber. Ich wollte sie zur Seite schieben, aber sie nutzte die Gelegenheit und legte beruhigend ihre Hand auf meine Schulter.

„Nayara. Ist alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt und zog leicht die Augenbrauen zusammen. „Ich mache mir Sorgen um dich. Und Aurillia auch, auch wenn sie es nicht so gut zeigen kann.“ Ich schüttelte nur den Kopf und blieb stumm. Erneut versuchte ich mich an ihr vorbeizudrängen, aber wieder stellte sie sich mir in den Weg. „Naya.“

Ich sah auf. Der Name bewegte etwas in mir. Ich fand ihn schön. Aber gleichzeitig war das so unwichtig. Es war jemand gestorben. Durch meine Hand. Meine Brüder, meine ganze Familie, jeder meiner Lehrer, hatte mir immerzu gesagt, Grigoroi wären nichts wert.

Zeige allen, dass du besser bist. Du bist kein gewöhnlicher Vampir. Begib dich niemals mit ihnen auf eine Ebene. Wir sind besser als alle anderen.



Es war egal, wessen Worte ich hörte. Es war immer der gleiche Inhalt. Ich, die königliche Familie, stand über allem und jedem.

Merk dir das!

Ich hörte, wie Ashur mir die Worte zuraunte, wenn ich wieder einmal freundlich zu einem Grigoroi oder Sklaven sein wollte. Ich hatte nie in diese Familie gepasst. Alle, ausnahmslos, hatten es gemocht, andere unter sich zu wissen. Nur ich nicht. Ich hatte es immer verabscheut. Ich konnte niemals Freude daran finden. Wie auch? Wieso sollte es mir Freude bereiten, andere leiden zu sehen?

„Nayara!“ Emili holte mich mit ihrer sonst so lieblichen, jetzt überraschend eindringlichen Stimme zurück.

„Was?“, fragte ich verwirrt. Ich war in Gedanken noch … weg.

„Du isst jetzt etwas. Anschließend kleiden wir dich ein.“

Abwesend nickte ich und lief ihr hinterher. Wir frühstückten, wobei ich nur an einem Stück Brot herum nagte, welches zum Schluss hin gänzlich unangetastet, aber immerhin angefeuchtet, auf meinem Teller liegen blieb. Doch die beiden Mädchen bemerkten es nicht. Viel zu groß war ihre Aufregung über die Situation. Im Anschluss kleideten sie mich an. Ich gehorchte nur und versuchte nicht weiter an die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu denken. Ich wollte zu Irina. Doch sie war aus dem Zimmer gestürmt. Ich brauchte ihre Umarmung. Ihre Nähe. Ich wollte jetzt zu meiner Freundin! Der Einzigen, die mir blieb!

 

„Meine Königin, Ihr dürft die Gemächer nicht verlassen.“ Mein Kopf ruckte herum. Da stand ein Grigoroi. Aber ich kannte ihn nicht. Scheinbar einer meines Gemahls. Als er mein Gesicht sah, schien er erst erschrocken, näherte sich mir dann aber vorsichtig. Vermutlich war es aufgrund der vielen Tränen rot und angeschwollen. „Meine Königin, Ihr müsst zurück ins Gemach.“

Ich sah ihn nur an. Er war groß, blond und hatte veilchenblaue Augen. Und er schien mir deutlich freundlicher als sonst irgendein Grigoroi in den letzten drei Jahren. „Ich möchte zu Irina“, gab ich kleinlaut von mir.

Er hob die Schultern. „Ich bin erst vorhin hierher beordert worden. Ich werde Leeander oder Ulras bitten, diese edle Dame für Euch zu holen, Majestät.“

„Nein!“, sagte ich schnell. „Ich werde sie selbst suchen. Sie kann noch nicht weit sein!“



„Dann muss ich Euch begleiten, meine Königin“, entschied er und machte mir etwas Platz. „Bitte. Nach Euch.“

Unbehaglich lief ich neben dem Grigoroi her. Keiner sprach ein Wort. Es war nicht auszuhalten.

„Eh, was … wie lange stehst du schon im Dienste des Königs?“ Ein verzweifelter Versuch, die Stille zu durchbrechen.

„Seit beinahe dreihundert Jahren. Ich bin der erste Grigoroi, den mein Herr erschaffen hat“, antwortete er mit einer gewissen Portion Stolz in der Stimme.

„Oh.“ Ich hatte keine Ahnung wie ich darauf antworten sollte. „Du … arbeitest gern für ihn?“

„Ja, mein Herr hat in mir mehr gesehen als nur einen Schmied. Es ist eine Ehre, ihm zu dienen.“ Der Grigoroi schwieg kurz, schien aber in Plauderlaune zu sein. „Natürlich bin ich nicht zu vergleichen mit Leeander. Wobei der von seinem Vater erschaffen wurde. Mein Herr hat ihn nur übernommen.“

Wir bogen um eine Ecke. Vor uns lag der Zugang zum Kerker. Weiter geradeaus führte der Flur zu den Sklavenquartieren. Vielleicht hatte Irina sich in unsere ehemalige Unterbringung zurückgezogen?

Gerade als ich den Weg zu den Sklavenquartieren einschlagen wollte, hörte ich schwere Schritte von der Kerkertreppe her auf mich zukommen. Im selben Moment nahm ich seinen ganz eigenen, dominanten Geruch wahr und blieb wie angewurzelt stehen. Der Grigoroi hielt ebenfalls inne und wandte sich den Stufen zu. Als der König in Sicht kam, neigte er sein Haupt. „Mein König.“

„Timmok“, erwiderte dieser schlicht, dann erblickte er mich und sein Gesicht verhärtete sich. „Aurelie. Was machst du hier?“

„Ich suche Irina …“, murmelte ich leise und senkte den Blick. Er war wieder unzufrieden. Immer wenn ich das Gefühl hatte, wir würden Fortschritte machen, war er plötzlich wieder wütend.

„Du kannst gehen, Timm, danke“, verkündete der König, ging die letzten Stufen hoch und blieb vor mir stehen. Der Grigoroi verneigte sich kurz und entfernte sich ohne ein weiteres Wort.

Ich wollte gerade zum Sprechen ansetzen, da unterbrach er mich.

„Sag mir, Aurelie, was verheimlichst du mir alles? Wer ist Irina? Wer war Isidor? Und warum muss ich in meinem eigenen Schlafzimmer mit ansehen, wie mein Eheweib, das noch ein Kind ist, einen Grigoroi dazu einlädt, sie zu küssen?“, fragte er gefährlich leise und näherte sie mir, wobei er mich die ganze Zeit über ansah.



„I…ich habe nur … ich verheimliche Euch nichts!“ Tränen brannten mir in den Augen. Seine Anschuldigungen waren so ungerecht! „Ich … Ich habe doch nur versucht …!“

„Was hast du versucht? Einen Grigoroi zu verführen? Sind das die Dinge, die Irina dir beigebracht hat?“ Er kam immer näher und ich wich instinktiv zurück, bis ich mit dem Rücken gegen die Wand stieß. Trotzdem näherte sich mein Gemahl weiter, platzierte beide Hände rechts und links neben meinen Kopf und versperrte mir so jeden Fluchtweg.

Bei seiner Anschuldigung riss ich die Augen auf. „Nein! Sie hat mich immer beschützt!“

„Und wovor? Wovor sollte eine Sklavin denn bitte eine Vampirin beschützen?“, bohrte er nach und legte zeitgleich einen Finger auf meine Lippen, als würde er mich zum Schweigen bringen wollen. „Sag mir, was soll ich mit dir tun, Kleines?“

Meine Lippen zitterten, aber es kam kein Wort heraus. Seine Augen waren so kalt. So herzlos. Genauso wie man mir immer gesagt hatte. Ich sah nur flehend zu ihm empor. Er sollte mich einfach loslassen und weiter nach Irina suchen lassen!

Lange sah er mir einfach nur in die Augen und stünde er nicht so nahe bei mir, hätten meine Beine schon längst nachgegeben. Sein Blick fiel auf meine Lippen und er zog die Augenbrauen zusammen. Im nächsten Moment lagen seine Lippen auf meinen.

Ich erstarrte. Kalter Schock durchfuhr meine Adern; eisiger Stress mein Gefühl. Aber es verging keine Sekunde, da erinnerte ich mich an den Schmerz, der kommen würde, wenn ich es nicht tat – also kniff ich meine Augen zusammen und erwiderte. Es fühlte sich falsch an. Genauso schrecklich wie bei den Grigoroi, die mich dazu gezwungen hatten. Aber alles war besser, als Ashur Gesellschaft leisten zu müssen. Seine Küsse waren immerzu brutal gewesen. So voller Lust, die ich weder erwidern konnte noch wollte. Der Kuss meines Königs hingegen war vorsichtig, beinahe zärtlich. Seine Lippen bewegten sich langsam. Irgendwann, ganz vorsichtig nur, stupste seine Zunge gegen meine Unterlippe und ich verstand die stumme Aufforderung sofort. Pflichtbewusst öffnete ich meinen Mund und verschaffte ihm so den Zutritt, den er sich gewünscht hatte. Dennoch blieb er vorsichtig. Zurückhaltend. Er drang mit seiner Zunge nicht gleich in meinen Mund, sondern umschmeichelte damit erst zärtlich meine Lippen.



„Erwidern heißt auch mitmachen, Asha.“ Isodors leise flüsternde Stimme drang in meinen Kopf und erinnerte mich an die Lektionen der letzten drei Jahre. Also tastete ich mich mit meiner eigenen Zunge langsam vor, bis ich seine Lippen passiert hatte und die seine mehr als deutlich an meiner fühlen konnte. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken hinab. Wie ging es weiter? Ich erinnerte mich nicht mehr. Normalerweise war das der Punkt gewesen, wo Irina auf sich aufmerksam gemacht hatte, oder in dem ich unsanft auf meine Knie gedrückt wurde. Sollte ich … wollte er jetzt von mir …?

In mir spannte sich alles an. Bitte nicht!, schrie ich flehend, jedoch stumm, und dachte an meine Göttin, die mich doch scheinbar mehr als alles andere hasste. Doch im Endeffekt bliebe mir nichts anderes übrig, als ihm zu gehorchen. Und anstatt später die Schmerzen zu ertragen …, konnte ich genauso gut tun, was er von mir wollte. Also legte ich meine Hände auf seine Brust – so wie man es mir gezeigt hatte – und fuhr damit langsam mit zitternden Fingern über seinen Waschbrettbauch, hinab in Richtung seines Gürtels. Dort angekommen, ergriff ich ihn, doch da trat er plötzlich einen Schritt zurück. Ich verlor meinen Halt, stolperte, riss meine Augen auf und suchte mit meinen Händen nach Halt. Schlussendlich klammerte ich mich an seinem Hemd, auf Höhe seiner Brust, fest.

In seinem Blick lagen Unglaube und … Ekel. „Warum hast du das getan?“, fragte er mit belegter Stimme.

„Weil …“ War das jetzt falsch?, ging es mir panisch durch den Kopf. „Ihr habt mich geküsst!“

„Ich wollte sehen, was passiert! Denn mir kam es so vor, als hättest du bereits Erfahrungen gesammelt, was sich auch bestätigt hat!“ Sein Ton war bitter. Er schubste mich von sich und ging einen Schritt beiseite, während ich mich an der Wand abstützte. Aufgebracht strich er sich durch die Haare. „Bist du schon durch deine Reife?“, fragte er, schüttelte aber im selben Moment den Kopf und gab sich selbst die Antwort: „Nein, du kannst noch kein Blut bei dir halten und deine Fänge haben sich noch nicht entwickelt. Und du hast noch kein eigenes Gift. Trotzdem reagierst du auf Blut und versuchst es schon zu trinken! Der König ging einmal vor mir auf und ab, dann blieb er stehen und wandte sich mir zu. „Du hast versucht, so zu tun, als wärst du schon durch die Reife! Du hast geküsst und sexuelles Verlangen vorgetäuscht, ebenso wie den Genuss von Blut!“



Mir stand der Mund offen. Er nannte eine Reihe an Tatsachen und spann völlig wirre Begründungen drumherum. Ich wusste nicht, wieso ich so auf Blut reagierte. Zweimal hatte ich es probiert und zweimal hatte ich es wieder hochgewürgt. Aber es hatte mir geschmeckt. Und was er zum Küssen gesagt hatte … „Heißt das, das war falsch? Sollte ich nicht erwidern? Ich verstehe das nicht! Was muss ich denn tun? Was erwartet Ihr von mir?“ Bittere Unsicherheit breitete sich in mir aus. Angst folgte kurz darauf. Es hatte ihm nicht gefallen.

„Natürlich solltest du nicht erwidern! Du bist noch ein Kind und jede Intimität mit dir ist verboten! Schon allein die Tatsache, dass dieser Isodor auf deine Versuche, ihn zu verführen, angesprungen ist, rechtfertigte es, ihm den Kopf abzureißen!“ Er holte tief Luft. Kurz dachte ich, ein Zittern in seinen Händen gesehen zu haben, doch dann verschränkte er seine Arme vor der Brust und trat wieder auf mich zu. „Wer genau ist Irina? Warum hat sie dich zur Zeremonie begleitet? Warum hast du dich heute früh mit ihr gestritten?“

„Irina ist … in den letzten drei Jahren zu so etwas wie einer Mutter für mich geworden …“, gestand ich leise. „Sie hat mich, so gut sie konnte, beschützt, manchmal wurde sie deswegen sogar in den Kerker gesperrt.“ Ich schämte mich. Ich war der Vampir. Eigentlich hätte ich stärker sein und sie schützen müssen. Stattdessen war ich immer nur froh, wenn ich dem entkommen konnte, was sie für mich auf sich genommen hatte. „Zur Zeremonie hat sie mich begleitet, weil Emili und Aurillia meinten, dass man bei einer Hochzeit als Frau eigentlich übergeben wird und das von einem Elternteil, also …“ Ich schaute herab auf meine Hände. Meine Nägel waren auf einmal furchtbar interessant.

„Wovor hat sie dich beschützt?“, hakte er nach und trat wieder näher. Eine Armlänge von mir entfernt blieb er stehen.

Ich zuckte zusammen, antwortete aber gewissenhaft: „Vor den Grigoroi. Und vor dem Kronprinzen.“

Der König holte tief Luft und ich befürchtete schon, dass er weiter nachfragen wollte. Ich wusste nicht, ob ich darüber sprechen konnte. Allerdings stellte er keine weiteren Fragen, sondern packte meinen Arm und zog mich zur Treppe hin, die geradewegs in den Kerker führte.



Als ich realisierte, was er vorhatte, fing ich an, mich gegen ihn zu stemmen. „Nein!“, schrie ich, mein Herz rasend. Als das nichts brachte, begann ich, um mich zu schlagen. „Ich will nicht! Bitte! Ich war ehrlich! Ich war brav!“ Über meine Wangen kullerten dicke Tränen, aber er ignorierte mich, genauso wie meine erbärmlichen Versuche, mich von ihm loszumachen. Er ging einfach immer weiter, die Treppe hinunter und zog mich unerbittlich weiter. Als er die schwere, metallene Tür zu den Zellen öffnete, verstummte ich und vergaß meine Gegenwehr völlig. Erinnerungen an die Folter durch Ashur ließen meine Stimmbänder verkümmern.

Mein Gatte, der mir doch geschworen hatte, mich zu beschützen, zog mich weiter die Zellen entlang. Vor einer Tür blieb er stehen. Meine Augen waren voller Tränen und verschleierten meine Sicht. Aber ich musste nichts sehen, denn ich hörte eine Stimme, die mich erleichtert und zutiefst besorgt aufschluchzen ließ.

„Nayara“, flüsterte Irina und näherte sich mir mit leisen Schritten.

Noch bevor ich reagieren konnte, sprach Cyrus: „Gut. Reden wir. Ich will verdammt noch mal wissen, was hier los ist! Ich von dir erfahren, was hier in den letzten Monaten und Jahren mit dir passiert ist. Ansonsten wandert Irina jeden Tag eine Zelle nach rechts.“

Mein Blick glitt vorsichtig nach rechts, aber in dieser Dunkelheit konnte ich nichts erkennen. Also blickte ich Hilfe suchend zu Irina, die wohl aber auch nichts Weiteres wusste. „Aber ich war doch ehrlich“, hauchte ich. „Wieso sperrst du sie hier ein?“

„Ehrlich sein bedeutet nicht, dass ich dir alle Informationen mühsam aus der Nase ziehen muss.“ Mein Gemahl zog mich weiter nach rechts, bis wir an der hintersten Zelle ankamen. Dort biss er sich in den Daumenballen und ließ das Blut außerhalb der Zelle auf den Boden tropfen.

Im selben Moment hörte ich ein tiefes, animalisches Knurren. Mein Herz setzte aus. Ich wollte gar nicht wissen, was da drin war. Und doch konnte ich es riechen. Ihn riechen. Ironischerweise kam mir nichts Besseres in den Sinn als mich hinter meinem König zu verstecken. Ich hatte die Luft angehalten und mein Herz hörte sogar ich, so schnell und laut schlug es in meiner Brust. Meine Hände klammerte ich ängstlich in das Leinenhemd meines Gemahls, wo ich auch mein Gesicht hineindrückte. Er würde mich nicht sehen. Nein. Nein, er würde mich nicht sehen. Ich war nicht hier. Ich war nicht …



„Asha …“, raunte der Kronprinz leise, mit unmenschlicher Stimme. Zu meinem Entsetzen nahm der König eine Fackel von der Wand und hielt sie näher an der Zelle, sodass ich das Gesicht meines Bruders und Folterknechts sehen konnte. Ashurs Augen waren blutunterlaufen und lagen tief in ihren Höhlen. Seine Haut war bleich und ich konnte die blauen Adern unter seiner Haut erkennen. Selbst seine Haare sahen lichter aus. „Asha …!“

Ich wimmerte lediglich und drückte mein Gesicht fester in den Rücken meines Gemahls. Vor meinem Auge blitzen Bilder auf. Bilder, die ich versucht hatte, zu verdrängen. Aber nun nahmen sie nur zu deutlich wieder Gestalt an. Zum Glück wurde die Fackel irgendwann wieder an die Wand gehängt und mein Gemahl schob mich zurück zu Irina. Dort trat er näher an das Gitter heran und ich stellte mich links von ihm hin. Möglichst weit weg von Ashur.

„Also“, knurrte er, „was genau ist heute Morgen passiert?“

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