Kapitel 31 – Eine ganz besondere Entdeckung

Kapitel 31 – Eine ganz besondere Entdeckung

 

Cyrus

Ich ignorierte, dass Aurelie zitterte und ihr Herzschlag völlig aus seinem Takt geraten war. Stärker noch als in den letzten Tagen. Wenn sie normalerweise schon Angst hatte, so war es nun eine echte Panik. Was mich nur noch vor weitere Rätsel stellte. Doch es wurde Zeit, dass ich endlich erfuhr, was hier gespielt wurde. Und wenn dafür ein Mensch sterben sollte, so konnte mir das nicht gleichgültiger sein. Irina eignete sich als Druckmittel. Aber ihr unmögliches Verhalten mir gegenüber hatte ihren Tod schon besiegelt.

„Ich höre!“, knurrte ich.

Die beiden Mädchen warfen sich aussagekräftige Blicke zu, ehe Irina schließlich seufzte und zu erzählen begann: „Ich habe sie darum gebeten, Euch darum zu bitten, mich zu verwandeln. Sie hat nein gesagt. Das war auch schon alles. Mehr gibt es da nicht.“

Ich wandte mich Aurelie zu und hob auffordernd die Augenbrauen. Diese nickte, deutlich unbehaglich fühlend. „Sie spricht die Wahrheit.“

„Gut. Und du bist nicht auf die Idee gekommen, zu fragen, warum sie das will, Aurelie?“ Ich verkniff es mir, genervt zu seufzen. Frauenprobleme. Gab es etwas Schlimmeres auf dieser Welt? Doch das Mädchen schaute nur schuldbewusst zu Boden und schüttelte den Kopf. Als hätte ich ihr die Leviten gelesen, dachte ich mir innerlich kopfschüttelnd.

Irina kaute indessen angespannt an ihren Nägeln herum. Als ich ihr einen auffordernden und gleichzeitig ungeduldigen Blick zuwarf, antwortete sie nur: „Ewiges Leben, was gibts Schöneres?“

„Dein Herz verrät dich, Mensch.“ Natürlich war das auch ein Grund, aber ich spürte ihre Unsicherheit. Ihr Herz kam aus dem Rhythmus.

„Morgen also erneut“, entschied ich, öffnete die Zelle und war im selben Augenblick drin, um Irina zu packen. Welch Verschwendung, sie zu töten. Sie hätte mir sicher noch ein paar angenehme Stunden schenken können. Aber ich hatte ja noch Carina und an willigen Frauen mangelte es mir nun wirklich nicht.

Die Menschenfrau schrie auf, schlug nach mir und versuchte, mich zu beißen. „Wirkt nicht, als ob du leben wolltest“, brummte ich. Geschweige denn ewig. Ich sperrte sie in die Zelle rechts daneben und schloss die Zellentür wieder.



„Nein!“ Aurelie lief auf die Zelle zu und rüttelte an den Stäben. „Du Monster!“, schrie sie und weinte.

„Willst du auch gleich hierbleiben?“, fragte ich mit hochgezogener Augenbraue. Einen Moment sah sie unsicher aus, versucht, ja zu sagen. Doch dann senkte sie den Kopf und weinte weiter stumm ihre Tränen. „Gut, wenn ich morgen mehr erfahre, wird Irina in dieser Zelle bleiben. Ansonsten wandert sie weiter.“ Ich nahm Aurelie wieder am Arm, wohl wissend, dass ich keine Bedingung nannte, Irina freizulassen. Ich zog das Mädchen aus dem Kerker, ließ die Metalltür zufallen und ging die Treppen wieder hoch. „Morgen möchte ich mehr über die besondere Beziehung zwischen dir und Ashur erfahren.“

Das Kind verspannte sich spürbar. „Da gibt es nichts zu erfahren, Majestät“, murmelte sie leise, aber ich ging nicht darauf ein. Morgen könnte sie diese Antwort nochmal überdenken.

Wir gingen wieder in den Gästetrakt. Dort führte ich sie zurück in die Gemächer. Vor der Tür stand Timmok. „Die Königin verbleibt heute in diesen Gemächern.“

„Sehr wohl, mein König.“

Wenn Blicke töten könnten … wäre ich noch quicklebendig. Denn das Mädchen ließ nach wie vor den Kopf hängen und trat mit zusammengesunkenen Schultern durch die Tür. Wahrscheinlich wäre es sogar niedlich, wenn sie mich böse angucken würde.

Timmok nickte mir zu und ich ging weiter. Ashur würde ich erst noch etwas leiden lassen, ehe ich ihn ausquetschte und tötete. Das hieß, ich hatte das erste Mal seit Tagen nichts furchtbar Dringendes zu tun. Gleich nach der Besprechung mit den Fürsten. Von Ashur müssten zwar noch ein oder zwei Grigoroi da draußen herumlaufen, aber heute Morgen war meine Verstärkung eingetroffen. Timm und noch einige wenige weitere Krieger, die nahe der Hauptstadt der Hauptstadt des Goldenen Reiches auf der Lauer gelegen hatten. Weitere Verstärkung war ebenfalls schon im Anmarsch. Doch vorerst hatte ich ein paar Leute. Sobald all meine Männer hier waren, wäre sowohl meine als auch Aurelies Sicherheit dauerhaft gewährleistet. Viel Freiraum würde sie dennoch nicht bekommen.

Dadurch, dass sie mir das Zepter bei der Zeremonie nicht in die Hand gedrückt, sondern es lediglich mit mir geteilt hatte, war auch sie in der Position, Befehle auszusprechen. Natürlich hatten meine Männer Anweisung nur auf mich zu hören, aber trotzdem konnte sie damit Schaden anrichten. Das Mädchen würde also schön ihre Zeit in unseren Gemächern verbringen. Später dann in ihren eigenen. Wer weiß, vielleicht konnte ich ihr später, wenn sich alles ein wenig eingependelt hatte, eine Leibwache zuweisen, die sie ganz genau im Auge behalten würde. Dann könnte sie möglicherweise auch etwas freier durchs Schloss gehen und den Schlossgärten von Zeit zu Zeit einen Besuch abstatten. Was Damen nun mal gerne so taten.



Fürstin Adaline, Andyrs Gemahlin, war bereits am frühen Morgen nach den Feierlichkeiten abgereist. Für ihr Verhalten hatte sich Andyr noch einmal in aller Form entschuldigt, wenngleich nur halbherzig. Die Worte seiner Gemahlin wären in der Vampirastisokratie nichts Verwerfliches gewesen, wären sie nicht an ein Kind gerichtet gewesen.

Halb belustigt, hab genervt kam ich im Arbeitszimmer des verstorbenen Königs an. Ich hatte am Vortag bereits damit begonnen, mich in die Finanzen einzulesen. Überdies hatte ich schon vor drei Jahren einen Grigoroi vom königlichen Schatzmeister auf meine Seite gezogen, der mir regelmäßig Abschriften zugesandt hatte. Auch die Namen der Minister waren mir bekannt. Inklusive ihrer dunkelsten und dreckigsten Geheimnisse. Wenn sie nicht freiwillig mit mir zusammenarbeiten würden, wäre es mir ein Leichtes, sie zu zerstören und gegen neue, fähigere Minister und Würdenträger zu ersetzen. Es würde nur länger dauern.

Ich holte einige Bögen Papier aus einer Schublade, nahm das Tintenfass sowie eine Feder und begann zu schreiben. Einladungen an die Minister zu einem Treffen, um über das Fortbestehen des Goldenen Reiches zu reden. Sie sollten mir Einblicke in ihre bisherige Arbeit verschaffen und einen Plan ausarbeiten, die Zustände in diesem Land zu verbessern.

Es war bereits Mittag, als ich die Feder beiseitelegte und aus dem Fenster sah. Die nächsten Tage würden unglaublich langweilig werden. Am schlimmsten war jedoch, dass die Minister darauf pochen würden, dass die Königin bei diesen Gesprächen dabei war. Alles nur, weil sie dieses beschissene Zepter nicht hatte loslassen wollen!

Mein Magen knurrte, weshalb ich mir etwas zu Essen bringen ließ. Im Anschluss besuchte ich die königlichen Gemächer, um mich über den Stand der Renovierungsarbeiten zu informieren. Die alten Möbel waren bereits verschwunden, und die Tapeten neu aufgezogen worden. Neue Vorhänge zierten die großen Fenster und wie erwartet, stand Carina im Gemach der alten Königin. Sie erteilte den Arbeitern Befehle und erklärte, wie das Deckenbild auszusehen hatte.

Als Carina mich entdeckte, eilte sie auf mich zu und ich schlang meine Arme um ihre Taille. Dabei hauchte ich ihr einen Kuss auf die Stirn.



„Es freut mich zu sehen, dass du dich hier so sehr einbringst“, murmelte ich und streichelte kurz ihren Rücken, bevor ich mich wieder von ihr löste.

Carina zeigte auf das leere Zimmer und erklärte mir, wie es aussehen sollte, wenn es fertig war. Ein großes Himmelbett, eine Frisierkommode, ein Schreibtisch, ein großer Divan vor dem Fenster zum Balkon, eine gemütliche Sitzecke vor dem Bett …

Ich hörte schon gar nicht mehr zu, denn ich wusste, dass Carina Geschmack hatte. Dieses Zimmer würde großartig aussehen, wenn es erst mal fertig war.

Nur kurz inspizierte ich noch die anderen Zimmer. Das Bad, das Ankleidezimmer, einen Frühstückssalon, einen Ruheraum und angrenzend ein weiteres Schlafzimmer für die Zofen. Vom Schlafzimmer aus führte eine schmale, unscheinbare Tür direkt in das Schlafzimmer des Königs. Hier wollte ich bloß das Bett ausgetauscht haben. Der Rest war zweckmäßig, und ich sah keinen Grund, Möbel wegzuwerfen, die noch intakt waren.

Carina, die mir gefolgt war, legte von hinten ihre Hände um mich, fuhr über meine Brustmuskeln und seufzte dabei leise. „Ich habe überlegt, ob es vermessen wäre, wenn ich für die neue Königin die Rolle der Lehrerin und Anstandsdame übernehme.“

Der Gedanke brachte mich fast zum Lachen, denn Carina hatte alles, nur keinen Anstand. Allerdings wusste sie durchaus, was sich gehörte und wie sie sich in den gehobenen Kreisen zu bewegen hatte. Zudem würde ich auf diesem Weg kontrollieren können, was Aurelie lernte. Und was nicht! Verführungskünste, die Aurelie scheinbar schon erlernt hatte, gehörten definitiv zu den Dingen, die die Königin nicht können musste! Weder vor noch nach der Reife!

„Einverstanden. Darüber hinaus möchte ich wissen, was die Königin den ganzen Tag über treibt. Allerdings wirst du die Finger von ihren menschlichen … Dienern lassen.“ Jetzt hätte ich doch beinahe Freundinnen gesagt, denn mir war längst bewusst, dass Aurelie durch ihr kindliches Naturell nach Gleichgesinnten und Vertrauten suchte, nicht nach Untergebenen. „Und beschränke deine Besuche auf eine Stunde am Tag. Vorerst. Ich will sie nicht überfordern.“

„Oh, das würde ich niemals tun“, beteuerte Carina und bewies mit ihrem Lächeln, dass sie im Grunde genau das geplant hatte. Aber sie würde sich zusammenreißen, mir zuliebe.



 

Nachdem ich die Zimmer im Trakt der Königsfamilie inspiziert hatte, entschied ich mich dafür, das alte Zimmer des Kronprinzen an Carina zu vergeben. Es war in direkter Nähe zu meinen künftigen Gemächern und so würde ich Carina nachts einfacher aufsuchen können. Zudem wäre sie auch näher bei der Königin und könnte dieser auf diese Weise unauffällig Kontrollbesuche abstatten. Die Zimmer der Zwillinge ließ ich ausräumen. Auch, wenn ich geneigt war, die alten Möbel von Aurelie ins Zimmer der Königin bringen zu lassen. Aber sie war nun keine Prinzessin mehr, sondern eine Königin. Vielleicht könnte eines dieser Zimmer, in einigen Jahrzehnten, zu einem Kinderzimmer umgebaut werden …

Ich machte mich gerade auf den Weg zurück zum Arbeitszimmer des Königs, blieb aber auf halber Strecke stehen, weil Lee mitten im Flur stand und mit den Händen die Wand abklopfte.

„Was machst du?“, fragte ich irritiert und trat näher.

„Auf dem Bauplan befindet sich hier irgendwo eine Tür, die zu einem geheimen Trakt führt. Direkt unter den Gemächern des Königs.“

Überrascht hob ich die Augenbrauen und konnte ein Lächeln nicht verbergen. „Des Königs ganz privaten Folterräume? Meinst du, es gibt noch Gefangene? Vielleicht Verräter, die ich nun auf meine Seite ziehen kann?“

Lee hob unschlüssig die Schultern. „Wäre naheliegend. Laut den Plänen sind es auch nur sechs Räume.“

Ich ging ein paar Schritte zurück und musterte die Wand. Langsam schritt ich an der Wand entlang, meine Augen auf die Mauer fokussiert. Und dann sah ich eine leichte Unebenheit in der Mauer. Absolut unauffällig und hätte ich nicht von Lee erfahren, dass hier etwas verborgen sein musste, wäre ich jahrelang an dieser Wand vorbeigegangen, ohne auch nur zu ahnen, dass es diese Räume gab. „Seltsam, dass geheime Räume auf Karten eingezeichnet sind.“

Leeander gab eine Mischung aus Kopfschütteln und Nicken von sich. Nicht die Schlosskarten. Ich habe sie im privaten Arbeitszimmer seiner ehemaligen Majestät gefunden.“

Einige Minuten waren wir damit beschäftigt, den Öffnungsmechanismus zu finden – dann eröffnete sich vor uns eine schmale, stählerneWendeltreppe. Es handelte sich um einen Anbau, der nachträglich ins Schloss eingebaut wurde, wie an der veränderten Beschaffenheit der Wände hier deutlich wurde.



Achtsam gingen wir die Stufen hinunter zu einer weiteren Tür. Diese war mit einem Schloss von außen gesichert. Ich nahm es in die Hand und nach einigen Kraftanstrengungen gelang es mir, es zu zerstören. Die Tür war beinahe ebenso schwer wie die Tür zum Kerker. Vermutlich sollte sie verhindern, dass Geräusche nach aussen drangen. Ein weiteres Indiz dafür, dass der König hier seine eigenen Gefangenen hielt. Eine Art sadistisches Spielzimmer. Eine kranke Aufregung machte sich in mir breit, als ich darüber nachsann, was wir hier entdecken könnten.

Neugierig ging ich durch die Tür, ein schmaler Flur folgte, bis ich zu einem … Wohnzimmer kam. Eine große Sofalandschaft erstreckte sich über die eine Hälfte des Raumes. Ein ausadender Tisch stand in der Mitte, auf dem Stoffe und Nähzeug lagen. Es war still. Zu still. Ich nahm jedoch einen Geruch wahr. Nein … Meine Stirn runzelte sich. Mehrere Gerüche. Hier lebte mehr als eine Person.

Lee zeigte auf den Türbogen ganz links. Das letzte von fünf Zimmern ohne Tür. Gardinen hingen davor, als sollten diese ein wenig Privatsphäre bieten.

Also ein Folterraum war das hier gewiss nicht, dachte ich, mit einem Anflug von Enttäuschung. Zusammen mit Lee ging ich zum linken Bogen, zog den Vorhang bei Seite und erstarrte mitten in der Bewegung. Lee pfiff leise neben mir.

Fünf junge Frauen saßen auf einem Bett und starrten mich mit großen Augen an. Zwei von ihnen hatten Kinder auf dem Schoß sitzen. Ein drittes Kind versteckte sich hinter einer anderen Frau.

„Was ist das hier?“, fragte ich und trat einen Schritt in das Schlafzimmer hinein.

Stille. Aber ich roch die Angst der Frauen und Kinder. Vampire, wie ich an den langsamen, leisen Herzschlägen erkannte. Und die Kinder waren demnach Vampirkinder. Aber von wem? Warum waren diese Frauen hier? Waren sie Gefangene des alten Königs gewesen? Gattinnen und Kinder von wichtigen Adligen, die der König auf diese Weise erpressen wollte?

„Bitte nicht gleich alle auf einmal …“, brummte ich unzufrieden und blieb am Eingang stehen.

„Ist … Wo ist König Alaric?“, fragte eine der Frauen. Sie war offensichtlich die Jüngste, hatte langes, schwarzes Haar und himmelblaue Augen.




„König Alaric ist tot. Ich bin der neue König“, erklärte ich knapp.

Zwei Frauen schrien auf, eine versteckte das ältere Kind noch mehr hinter sich. Eine andere Frau fing an zu weinen. Nur die Jüngste und die Frau neben ihr blieben relativ gefasst. Aber auch ihnen war der Schock ins Gesicht geschrieben. Wobei die Jüngste – gar erleichtert schien.

„Dann lasst uns bitte frei, mein König“, bat sie, stand langsam vom Bett auf und fiel in einen tiefen Knicks. Wie die anderen Frauen trug auch sie ein billiges, aber definitiv aufreizendes Kleid. Diese Kleider hätten eher zu menschlichen Huren gepasst, nicht aber zu Vampirinnen.

„Erst will ich wissen, was das hier ist!“, donnerte ich laut, sodass die Frauen wieder zusammenzuckten.

„Nur, wenn Ihr uns Euer Wort gebt, dass uns und den Kindern kein Leid geschieht!“, verlangte die Frau, die das etwas ältere Kind hinter sich versteckt hielt. Sie hatte braunes, lockiges Haar und braune Augen. Nicht übermäßig hübsch, wie die anderen Frauen, aber eine äußerst ansprechende Figur.

Beim Anblick der Frauen stieg langsam, aber sicher meine Erregung. Und mit ihr meine Erkenntnis. Bisher hatte ich den Gerüchten nicht geglaubt. Der König würde über einen eigenen Harem verfügen. Ich hatte es als Klatsch abgetan. Wir Vampire hatten kein Problem damit, wechselnde Partner im Bett zu haben. Wir waren nicht so prüde wie die Menschen. Aber auf diese Weise ließ sich nie sagen, von wem ein Kind war – wenn eine Vampirin denn einmal eins unter dem Herzen trug. Aus diesem Grund hatte der König angeblich Frauen eingesperrt, die nur ihm zu Willen waren. Und die Kinder dieser Frauen waren folglich seine. Damit er seine Nachfolge sichern konnte und das Blut nicht weiter verdünnt wurde, wie es in Vampirkreisen verpönt, in seiner eigenen Familie aber geschehen war. Die Königin hatte einst den Samen eines Menschen empfangen. Und hatte daraufhin die Zwillinge zur Welt gebracht. Alexander und Aurelie. Der König hätte die Kinder nicht anerkennen müssen. Aber er wollte wohl Alexander … und so musste auch Aurelie anerkennen. Vielleicht war es aber auch umgekehrt gewesen. Vielleicht hatte er Aurelie anerkannt, um sie später mit Ashur vermählen zu können. Hier, bei diesen Frauen jedoch, konnte er mit Gewissheit sagen, dass es seine eigenen Kinder waren. Reinrassig noch dazu, weil es Vampirinnen waren, keine Menschen, mit denen er sich vergnügte.



„Lee, sorge dafür, dass sie Nahrung bekommen. Und Blut. Danach sperrst du sie wieder ein.“ Meine Kehle war rau und so klang auch meine Stimme.

„Sehr wohl, mein König.“

Um dieses Problem würde ich mich nicht heute kümmern. Denn ich wusste, worauf es hinauslaufen musste, und dazu war ich noch nicht bereit.

Wir verließen den Harem; Lee verriegelte mit einer Eisenstange die schwere Tür und würde zeitnah ein neues Schloss anbringen. Zurück im Flur verschlossen wir die beinahe unsichtbare Tür und ich blieb einen Moment lang stehen. Völlig überfordert mit dieser neuen Situation.

„Versuche sie zum Reden zu bringen, wenn du ihnen Nahrung gibst.“ Mir war sehr wohl bewusst, dass ich das Problem damit nur aufschob. Und ich erkannte zudem ein weiteres Problem: Aurelie. Wenn sie in ihre Reife hinter sich hatte, würde auch sie früher oder später unweigerlich für fremde Männer die Beine breit machen, wenn die Lust sie überkam. Und das bedeutete, dass ich mir nicht sicher sein könnte, ob sie mit meinem Kind schwanger wäre, wenn es erst einmal so weit war. Sie war bereits ein Mischling. Halb Mensch, halb Vampir. Sollte sie von einem Menschen schwanger werden, würde das die königliche Linie noch weiter verwässern. Ganz abgesehen von all dem Spott und Hohn, der uns so ein Kind brächte. Nein, ich musste dafür sorgen, dass das erste Kind, das Aurelie austrug, das meinige war. Das Geschlecht war egal, aber ein Sohn wäre natürlich vorteilhaft. Auch, wenn der Thron auch an ein Mädchen weitergegeben werden konnte. Ein Sohn war, gerade bei den traditionellen und konservativen Vampiren, der perfekte Erbe.

 

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