Kapitel 48 – Krank
Kapitel 48 – Krank
Aurelie
Meine Augen öffneten sich gähnend. Müde und träge, wie ich war, dauerte es einen Moment, ehe ich die Haut direkt vor meiner Nase erkannte. Zudem mein Kopf von seinem Geruch vollkommen vernebelt war. Alles in mir schrie danach, mir endlich wieder sein Blut einzuverleiben. Kein grässliches Tierblut mehr. Aber zeitgleich konnte es für seine Heilung nicht förderlich sein, wenn er noch mehr Blut verlor, als schon durch seine Verletzung. Sie war immerhin noch keine vier Wochen her!
Bei meinem gestrigen Test hatte er nicht anders reagiert, als ich es erwartet hatte. Auch wenn es mir innerlich Schmerz bereitete, ihm absichtlich welchen zuzufügen, musste er doch merken, oder zumindest aufgezeigt bekommen, dass er noch nicht wieder so stark war, wie er sich das einbildete. Bestimmt ein gehöriger Schlag für sein unermessliches Ego.
Die Härchen auf seiner Brust flatterten unter meinem regelmäßigen, ruhigen Atem. Vermutlich sollte ich aufstehen und jagen gehen. Aber da lag sein Arm um meine Taille. Und ich bezweifelte, dass er noch lange schlafen würde, wenn ich mich regte. So schlecht ging es ihm auch nicht mehr.
Wenige Sekunden später nahm er einen tiefen Atemzug und drehte dann sein Gesicht zu mir. Der Arm legte sich noch etwas enger um mich und ein zartes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.
Ich konnte mir vorstellen, wie es ihm ergehen musste. „Macht dich mein Geruch auch so wuschig im Kopf?“, fragte ich flüsternd.
„Mein Kopf ist leer. Mein gesamtes Denkvermögen ist ein paar Regionen tiefer gewandert“, brummte er mit rauer, schlaftrunkener Stimme.
Ich gluckste belustigt. Langsam ließ ich meine Hand nach unten gleiten, unter das lange Oberteil, das er in Ermangelung einer Schlafhose trug, und griff dreist zwischen seine Beine.
Cyrus knurrte leise, während seine harte Männlichkeit erregt zuckte. „Erwarte aber keine geistreiche Konversation von meinem kleinen Mann. Er kann nur rein und raus.“
„Hm …“ Lasziv biss ich mir auf die Unterlippe und fuhr mit meiner Hand auf und ab. Dann hielt ich ein, nahm meine Hand zurück und grinste zu meinem Mann hoch. „Und im Bett liegen bleiben, so wie es sich für ihn gehört.“ Ich setzte mich auf, streckte ihm die Zunge raus und sah zu, dass ich Land gewann.
„Einverstanden, dann bleibe ich noch etwas liegen, Weib“, gab er zurück.
„Weib? Seit wann …“, nannte er mich so? Die Frage blieb mir im Hals stecken, denn mein Blick hing wie gebannt an seiner Hand, die sich rhythmisch auf und ab bewegte. Augenblicklich schossen meine Fänge hervor und Lust sammelte sich zwischen meinen Beinen.
Cyrus fixierte mich mit dem Blick, während seine Hand schneller wurde. Auch sein Atem beschleunigte sich ein wenig. Seine Augen wanderten über meinen Körper. Bald darauf begann er leise zu stöhnen.
Das wars. Mir reichte es. Ihm ging es gut genug, um mir etwas abzugeben! Ich begab mich leise fauchend zurück aufs Bett, platzierte mich zwischen seinen Beinen, packte sein linkes Knie und winkelte es so an, dass er mir seinen Oberschenkel darbot. Seine Hand befriedigte ihn noch immer. Langsam, genüsslich, und jeder weitere Blick von mir reizte ihn nur noch mehr.
Ich beugte mich zu seinem Oberschenkel hinab und fuhr mit meiner Zunge über die dünne Haut an der Bein-Innenseite, sodass er ein lautes Keuchen nicht unterdrücken konnte. Meine Fangzähne wurden länger und schließlich gab es kein Zurück mehr. Laut stöhnend vergrub ich meine Fänge in der salzig schmeckenden Haut und nährte mich von meinem Verbundenen. Endlich wieder. Kein Tierblut mehr. Sondern reinste Delikatesse.
Cyrus stöhnte laut, griff in meine Haare und zog daran. Zugleich drückte er mein Gesicht gegen seinen Oberschenkel.
Schon nach wenigen Schlucken wurde sein Stöhnen kehliger. „Stopp …! Warte!“, knurrte er. Doch schon im selben Moment spürte ich, dass er sich bereits ergoss und seinen Samen auf seinem unteren Bauch verteilte.
Noch immer strömte mir sein Blut entgegen. So willig und frei. Erst nach einigen weiteren Momenten ließ ich von ihm ab, zog meine Fänge vorsichtig aus seinem Fleisch und leckte gierig über die sich bereits schließende Wunde. Genießerisch fuhr ich mir mit der Zunge über die Lippen, fing somit auch den letzten Tropfen seines Blutes auf und kletterte dann zufrieden wieder aus dem Bett. Sex war ja was ganz Schönes … aber sein Blut war noch deutlich besser.
„Keine Jagd heute“, brachte ich mit breitem Grinsen über die Lippen.
„He, wo willst du hin? Komm, leg dich noch einen Augenblick zu mir.“ Er wischte seinen Erguss weg und hielt mir einladend eine Hand entgegen.
Meine Mitte pochte bei dem Angebot aufgeregt. Nur dass mir gerade tatsächlich nicht nach dergleichen Intimitäten war, wie mein Körper sich das vorstellte. Seufzend gesellte ich mich noch einmal ins Bett und kuschelte mich an ihn an. „Wieso muss ich bei dir liegen? Kann das Königlein sich nicht allein ausruhen? Braucht es eine Gutenachtgeschichte?“, stichelte ich.
Cyrus nickte, zog mich noch enger an sich und legte eine Hand an mein Kinn. „Eher eine Gute-Aufsteh-Geschichte.“ Im nächsten Moment legte er seine Lippen auf meinen Mund und begann mich erst sanft, dann immer leidenschaftlicher zu küssen.
Ich erwiderte den Kuss müde. Doch als er mit seiner Zunge in meinen Mund dringen wollte, brach ich ab. „Eine Gute-Aufsteh-Geschichte also“, sprach ich und verdeutlichte damit mein momentanes Desinteresse. Wieso es so war, konnte ich mir nicht erklären, aber vielleicht hatte Cyrus vor all der Zeit, als er mich damals abgelehnt hatte, ja recht gehabt. Mann hatte nun mal nicht immer Lust, auch wenn der Körper andere Signale sendete. Und Frau auch nicht.
Ich rappelte mich hoch, bis ich mich mit dem Rücken halb am Kopfende des Bettes anlehnen konnte und deutete auf meinen Bauch. „Also dann, leg dich hin und hör zu.“
Cyrus lächelte und legte sich ebenfalls zurecht. So, dass er den Kopf auf meinen Bauch legen und so den Herzschlag unseres Kindes noch deutlicher hören konnte.
Genießend schloss ich für einen Moment die Augen, blieb mitten im Getümmel stehen und atmete tief ein und aus. Der Geruch von frischem Fleisch, Erde und der Reinheit, die der Schnee in der Luft hinterlassen hatte, beglückte meine Nase. Zugleich stellte ich mir daraus eine kleine Aufgabe und versuchte auch die milderen Gerüche wahrzunehmen. Wie die wirklich nicht angenehm riechenden Ausdünstungen der Menschen. Obwohl das kaum als milde bezeichnet werden konnte.
„Elok, stell mir eine Aufgabe.“
„Aufgabe, Maj…“
„Naya.“
„Gut … was meint Ihr …“
„Du.“
Elok schnaubte. „Ich kann Euch doch nicht duzen!“
„Kannst du wohl“, gab ich entspannt zurück. „Sieh es als Befehl. Und jetzt stell mir eine Aufgabe, meine Sinne zu schärfen.“ Noch immer mit geschlossenen Augen, mitten auf dem Marktplatz des Dorfes stehend, kuschelte ich mich tiefer in den warmen Wintermantel ein, dessen Fell um meine Schultern mein unteres Kinn kitzelte.
„Die Sinne …“ Elok schnaufte kurz. „Wie viele Menschen stehen am Fleischstand?“
Irritiert zog ich die Augenbrauen hoch. „Woher soll ich das denn wissen?“, fragte ich überfordert. Dazu müsste ich vermutlich Geruchs- und Hörsinn kombinieren … um herauszufinden, wo der Fleischstand war und dann die Herzen zu hören. Denn die Gerüche vermischten sich. Ganz besonders die der Menschen.
Elok erklärte, welches Vorgehen ich einhalten sollte. Allein von der Erklärung brummte mir schon der Kopf. Aber ich war selbst schuld. Immerhin hatte ich darum gebeten.
Irgendwann, nach unzähligen Versuchen, gab ich es auf. Ich brummte: „Komm, bringen wir den Hirsch zur Fleischverkäuferin. Dir fällt sicher bald schon der Arm ab.“
„Das ist nicht das Problem.“ Er deutete auf die ungläubigen Blicke der Leute. „Gut, dass das Tier nicht ausgewachsen ist. Ein ausgewachsenes Exemplar würde locker das Doppelte von meinem eigenen Körpergewicht wiegen. Für uns nicht besonders schwer, aber ein Mensch würde das nicht mal eben auf der Schulter transportieren können.“
Wir setzten uns wieder in Bewegung. Elok tat nun sogar so, als würde er bald unter dem Gewicht des Tieres zusammenbrechen. Es sah zugegebenermaßen komisch aus, einen Grigoroi so schwächeln zu sehen. Selbst als wir bei der Frau des Jägers ankamen, zuckten meine Mundwinkel noch, während ich stets bemüht war, mich nicht dem nahenden Lachkrampf zu ergeben.
„Guten Tag, gnädige Frau. Ich möchte noch einmal danken, dafür, dass Ihr uns die Jagdhütte Eures Gatten überlassen habt. Und hier“, ich zeigte auf das von den Grigoroi erbeutete, nicht ganz ausgewachsene Wildschwein, „die Beute der Jagd.“ Vermutlich war es schon etwas blutleerer als gehabt, aber das würde sie wohl kaum stören. „Braucht Ihr Hilfe, es auszunehmen?“
„Oh, nicht doch Kindchen, das macht alles der Metzger! Könnt Ihr mir bitte das Tier direkt dorthin bringen?“ Strahlend lächelnd, strich sich eine Strähne hinter das Ohr. Weder das Alter noch die Müdigkeit war ihr anzusehen. „Ich schaffe das wohl nicht. Aber es ist nur zwei Häuser weiter.“
„Natürlich“, stimmte Elok sofort zu. „Zeigt uns bitte den Weg, gnädige Dame.“
Lachend hob sie die Hände. „Nein, nein, bitte nicht! Ich bin Nalin. Sparen wir uns doch diese Formalitäten.“
Freude überkam mich, als ich sprach: „Ich bin Naya!“ Nicht die Königin, nicht ihre Majestät, einfach nur ich.
Nalin brachte uns schnellen Schrittes zum Metzgerhäuschen. Darin stand ein wulstiger Mann, der irgendwie selbst an ein Schwein erinnerte. Das Gesicht in dauer-rotem Zustand, die Nase mollig – so wie auch der restliche Körper. Die roten Wangen schienen kurz davor, zu platzen, und das blutbesprenkelte Hemd um den Bauch spannte, als würde es jeden Moment reißen. Doch auch wenn sein Aussehen nicht das eines Höflings war, lachte er glücklich, als er uns mit der Beute herannahen sah, klatschte in die Hände und begrüßte Nalin zuvorkommend. „Und wen haben wir hier? Die Reisegruppe, die mit einer Schwangeren reist, nicht?“
Augenblicklich spürte ich, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. „Nun, das … ist korrekt“, stammelte ich. „Die Reisebegleiter meines Gemahls und mir haben gejagt. Elok wäre sicher dankbar, er könnte die Beute langsam ablegen.“ Menschen schätzten keine Frauen, die ohne Ehemann schwanger wurden, erinnerte ich mich.
„Oh, wie schön!“, meinte Nalin. „Und du bist ja auch noch so jung, Naya! Ist es dein erstes Kind?“
Derweil hängte Elok das erlegte Tier an einen Haken. Der Metzger half ihm dabei. „Bursche, hast du kalte Hände!“, rief er aus.
Elok sah kurz zu mir, dann räusperte er sich kurz. „Ist auch kalt draußen. Und das Tier die ganze Zeit auf der Schulter tragen …“
Der Metzger bezahlte uns großzügig, mit den Worten: Er freue sich schon auf die nächste Lieferung irgendwann nächste Woche – sollte uns das Jagdglück hold sein. Ich hatte keine Zweifel daran. Denn Vampire und damit auch Grigoroi waren zum Jagen geboren. Allein unsere Fangzähne waren Beweis genug dafür.
Mit dem erhaltenen Gold gingen wir unserer Wege. Fünfzig Kupferlinge, anders gesagt, ein Kupferstück hatten wir für unsere Beute bekommen. Erst hatte ich Sorge gehabt, das würde nicht reichen, denn Kupferlinge waren die kleinste Münze, die unser Zahlungssystem zu bieten hatte. Und in der Stadt wäre man damit wohl auch nicht weit gekommen. Doch hier brauchte es gar nicht so viel.
Mit voll bepackten Satteltaschen banden wir die Pferde los, stiegen auf und machten uns auf den Rückweg.
Bei der kleinen, aber heimeligen Hütte angekommen, wartete Cyrus schon im Schnee vor der Tür, ein keckes Grinsen im Gesicht. Kopfschüttelnd stieg ich vom Pferd.
„Hat alles geklappt?“, fragte er näher kommend. „Ich nehme mal an, sie wissen nicht, wen sie hier beherbergen, oder?“
„Absolut nicht.“ Ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen. „Elok hat sogar gelernt, mich zu duzen.“ Mit einem Sprung hüpfte ich vom Rücken des Pferdes und ging auf meinen Verbundenen zu, der mich sofort in seine Arme zog. Süchtig atmete ich seinen Geruch ein und legte meine Arme um seinen Körper. „Ich habe doch gesagt, du sollst noch im Bett bleiben“, nuschelte ich.
„Dort ist es langweilig ohne dich. Außerdem werde ich nicht gesund vom Liegen.“ Nur nebenbei merkte ich, dass Elok mit den Satteltaschen in der Hütte verschwand. „Weißt du“, raunte Cyrus leise, „es gefällt mir, wenn du so breitbeinig auf dem Pferd sitzt.“
Ich verdrehte die Augen. „Du denkst aber auch immer nur an das Eine, oder?“
„Häufig, nicht immer“, entgegnete er, sein Grinsen breiter werdend.
„Hm …“ Eine Weile standen wir einfach nur da. „Werde ich dann irgendwann auch wieder losgelassen?“, fragte ich dumpf an seine Brust. „Ich wollte eigentlich kochen.“
„Elok kann auch kochen.“ Cyrus stupste gegen meine Nase. „Im Übrigen habe ich Amaro und Stinan losgeschickt. Sie suchen nach der anderen Brücke. Ich denke, in ein paar Tagen sind sie mit guten Nachrichten zurück.“
„Ich will aber nicht, dass Elok kocht. Ich will selbst kochen“, murrte ich.
„Wirklich? Elok kann ganz ausgezeichnet kochen! Aber ich will dich nicht davon abhalten.“ Er drückte mit einen Kuss auf die Stirn. „Darf ich mir ein wenig die Beine vertreten, meine Königin?“
Ich hob das Kinn, den Mund gespitzt. „Es sei dir gestattet. Aber nur unter einer Bedingung.“ Seine rechte Augenbraue ging ein Stück nach oben. Ich streckte mich, stand auf meine Fußballen und näherte mich so gut wie möglich seinem Ohr an. Dann raunte ich: „Küss mich richtig, du Dummkopf!“
„Nein.“ Sein Grinsen wurde breiter. „Heute Morgen wollte ich, du hast es aber unterbrochen. Ich sollte dich also eher übers Knie dafür legen, dass du mich bewusst hast zappeln lassen.“
Bei der Vorstellung, von ihm übers Knie gelegt zu werden, wurde mir fürchterlich heiß. Lust sammelte sich in meiner Leibesmitte, die Spitzen meiner Brüste verhärteten sich und alles in mir zog sich in genüsslicher Erwartung zusammen. Schnell löste ich mich von meinem Gemahl und ging an ihm vorbei in die Hütte, in der inständigen Hoffnung, dass er nicht roch oder sah, was seine Drohung mit mir angestellt hatte. Im Vorbeigehen klopfte ich Cyrus auf die Schulter. „Viel Spaß bei deinem Spaziergang. Elok, bitte begleite ihn, nur für den Fall der Fälle.“
Elok hatte die Satteltaschen bereits ausgepackt, sodass ich nur noch entscheiden musste, was ich damit anstellen wollte. Meine Gedanken allerdings weigerten sich, über etwas so Banales wie Essen nachzudenken. Seit ich mit Grellos das Bett geteilt hatte, führten mich meine Gedanken immer wieder zu dieser einen Situation zurück. Die, in der ich für meinen Höhepunkt hatte betteln müssen. Wo er mich ge…geschlagen hatte … aber nicht so, dass es schmerzte.
Frustriert – und froh, dass ich Elok mit Cyrus mitgeschickt hatte und somit allein war – setzte ich mich aufs Sofa und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Das ist krank. Ich darf nicht solche Gedanken haben“, murmelte ich leise. Kam das alles vielleicht von Ashur? Verarbeitete mein Kopf meine früheren Erlebnisse als etwas sexuell erregendes? Um damit umgehen zu können?



























































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