Kapitel 60 – Ein Finger, mehrere Anwendungsmöglichkeiten
Kapitel 60 – Ein Finger, mehrere Anwendungsmöglichkeiten
Aurelie
Schwer atmend kam ich im Badezimmer an, schlug die Tür hinter mir zu und ließ mich mit dem Rücken daran hinuntergleiten.
Götter, was war das für ein Traum gewesen?! Ich hatte … Sex. Mit Cyrus. Und war dabei unglaublich willig, ja regelrecht bedürftig gewesen! Erst liegend und dann mit dem Rücken an der Wand und … was malte sich mein Verstand da eigentlich aus? War das ein unterbewusster Wunsch? Auf jeden Fall … Schluckend sah ich zu der Hand in meinem Schritt, die bereits langsame Kreise zog. Es prickelte in mir. Dieser Traum … Ich musste … brauchte Befriedigung! Und ich würde ganz sicher nicht den König darum bitten!
Oh, Mist, er wartete doch jetzt nicht etwa im Schlafzimmer? Aber andererseits war es auch völlig gleich. Meine Finger wurden schneller, meine Perle immer gereizter und mein Atem hektischer, auch wenn ich versuchte, ihn ruhig zu halten. Dann war es ganz schnell vorbei. Eine Welle der Lust durchströmte mich, hob mich hoch in die Wolken und legte mich nach einigen Wirbeln sanft wieder auf dem Badezimmerboden ab.
Mein Atem ging noch schwer, aber wieder langsamer. Dasselbe meinen Herzschlag betreffend. Mit meinem Kopf befand ich mich noch halb in den Wolken, bis ich mich daran erinnerte, dass mein Gemahl in meinem Schlafzimmer stand und ich nicht wusste, was er wollte. Ich war einfach weggerannt! Oh, verflucht, hoffentlich hatte er nichts gehört! War ich laut gewesen? Bitte nicht! Oh bitte, bitte, nicht! Immerhin hatte er nichts gesagt und nicht nach mir gerufen … vielleicht war er also auch schon wieder gegangen. Ja, so würde es sein.
Ich rappelte mich auf, wusch mir schnell die Hände und trocknete mich auch zwischen den Beinen ab. Götter, ich hatte ja keine Ahnung, dass ich da so nass werden konnte! Aber … Ich streckte vorsichtig einen Finger hinein, nahm ihn wieder heraus und hielt ihn mir vors Gesicht. Nein, es blutete nicht. Zum Glück.
Wenn er doch noch da sein sollte …, dann sagte ich einfach, ich hätte schnell auf den Abort gemusst. Ja, genau.
Ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel, wandte ihn bei meinem Anblick aber schnell wieder ab. Wie hatte ich in nur einer Woche so sehr abmagern können? Oder hatte es schon vorher begonnen? Die Entführung? Aber auch der Prozess der Reife konnte einem Energie abverlangen. Ganz zu schweigen vom Fieber. Während dieser Zeit hatte ich absolut keinen Hunger verspürt. Nur heiß … Langsam fragte ich mich, ob Cyrus vielleicht auch in eine Art Fieber gefallen war, ehe er seine Kräfte entdeckt hatte. Denn Vampire wurden nicht so schnell krank.
Ich atmete tief aus, beruhigte mich nochmal und öffnete dann die Tür. Meine Beine brachten mich schnell zurück ins Schlafzimmer.
Mein Gemahl stand neben meinem Bett, auf dem er das Tablett mit dem Frühstück abgestellt hatte. Seine Hände hatte er locker auf den Rücken gelegt und musterte mich von oben bis unten. „Alles in Ordnung?“
Schnell nickte ich. „Ja. Ich musste nur schnell …“ Er hört es, wenn ich log, fiel mir siedend heiß ein, „ins Badezimmer.“ Das war nicht gelogen.
„Du hast …“ Er unterbrach sich kurz und räusperte sich. „Ihr habt Euch nicht übergeben. Habt Ihr Hunger?“
Mein Blick fiel auf das Tablett. Wie von selbst begann ich, zu lächeln. „Ein wenig. Wollen wir ins Wohnzimmer?“ Oder wollte er etwa mit mir im Bett essen? Nein, völlig undenkbar! Nicht nach diesem Traum!
„Wo immer Ihr wünscht“, meinte er, setzte sich allerdings auf das Fußende des Bettes, nahm die Kanne mit dem Tee und goss zwei Tassen ein. „Wie habt Ihr geschlafen?“
Langsam und bedacht atmete ich aus. „Wo immer ich wünsche. Natürlich“, murmelte ich ganz leise und setzte mich mit dem Rücken an die Kopfstütze gelehnt hin. Da fiel mein Blick plötzlich auf einen teils weißen, teils nassen Fleck mitten auf dem Laken. Bei den Göttern, das war jetzt aber nicht das, was ich dachte?! Hastig legte ich die Decke über die Stelle. Ehe mir wieder einfiel, dass noch eine Frage im Raum stand. „Ganz“, ich schluckte, „passabel, denke ich.“ Ich versank kurz in Gedanken an diesen äußerst schmutzigen Traum. „U…und Ihr?“
„Erstaunlich gut.“ Seine Mundwinkel zuckten, ehe er mir eine Tasse reichte. „Meint Ihr, wir können heute noch einmal zusammen üben?“
„Ich weiß nicht“, gestand ich zögerlich und griff mit kleinem Hunger ebenfalls nach einer Scheibe Brot, beschmierte sie allerdings mit Butter und Konfitüre. „Ich finde Stehen in letzter Zeit ziemlich anstrengend.“ Eine unsichtbare Welle der Enttäuschung schwappte über mich, wobei ich nicht sagen konnte, ob sie von mir oder ihm kam. Ich sah allerdings auch nicht auf. Denn da wäre nur wieder dieser kalte Blick. Leise murmelte ich: „Aber wir können es versuchen …“
„Heute Mittag? Oder am Abend? Was ist dir lieber?“
Ich starrte so lange auf mein Brot, bis sich Cyrus zweifelsohne fragen musste, ob ich überhaupt noch antworten würde. Irgendwann gab er ein fragendes ‚Hm?‘ von sich und setzte sich leicht um.
„Habe ich denn überhaupt etwas anderes zu tun? Ich habe keine Arbeit mehr“, stellte ich leise fest. „Das war mein Alltag. Ich habe gearbeitet; hatte Termine, Ratssitzungen, Aufständische, Verhöre, Finanzbesprechungen, Training, die Suche nach dieser verdammten Schatzkammer, die Verfolgung von Seiblings Transaktionen …“ Ich hielt inne, dann sah ich langsam auf. „Vergiss es. Es ist mir gleich. Es spielt keine Rolle.“ Mittlerweile lustlos biss ich in das Marmeladenbrot.
„Ihr könnt mir Gesellschaft leisten. Aber ich gehe davon aus, dass Ihr Euch dann doch lieber langweilt.“
„Euch … beim Arbeiten zuschauen?“, fragte ich ungläubig, sobald ich fertig gekaut und geschluckt hatte.
Der König nickte, biss von seinem Brot ab und trank einen Schluck Tee. „Natürlich. Dann könnt Ihr mir mehr über Seibling erzählen. Immerhin habt Ihr seinen Sohn als…“ Er stockte und sah mich an. „Als Gast hierhergeholt.“
Ich wurde angespannt. Was wusste er? „Ja … Nun, zuerst wollte ich ihn überwachen. Allerdings hat er sich als vertrauenswürdig und ausgesprochen gebildet herausgestellt. Er hat mich zeitweise beraten.“ In so manchen Dingen, und nicht alle waren für die Augen von Kindern bestimmt. Schnell fügte ich hinzu: „Und zu Seibling gäbe es tatsächlich noch das eine oder andere, worüber ich Euch noch nicht in Kenntnis setzen konnte.“
„Nur zu“, entgegnete Cyrus, nippte an seinem Tee und sah mich über den Rand der Tasse hinweg an.
Auch ich hatte soeben die Tasse an meine Lippen geführt und verschluckte mich prompt. Jetzt? „Äh, natürlich, Majestät.“ Ich stellte die Tasse wieder ab und dachte an die Folterung. Viel hatte ich nicht machen müssen. Nur … das kleine, verzogene und absolut wahnsinnige Mädchen spielen. „Was ich herausgefunden habe, war, dass er mit meinem Onkel eine Abmachung hatte. Während Alaric immer Unmengen von Gold verschwinden ließ, hat Seibling das auf dem Pergament verschleiert und dafür selbst einen nicht ganz unansehnlichen Lohn bekommen. Alaric hat das Gold versteckt. Wofür und wo genau, konnte mir Seibling nicht sagen. Vielleicht wollte er es auch nur nicht. Es war nicht so leicht, ihn zum Reden zu bekommen.“ Und ich war, in dem ich seine Familie involviert hatte, ziemlich weit gegangen. Worauf ich keineswegs stolz war. „Einen Teil von dem, was Seibling abgezweigt hat, bezahlt nun unsere Diener und die Organisation der Stadt.“ Ich wollte nicht darauf zu sprechen kommen, dass Seibling mit Cyrus eine Abmachung hatte und wo das restliche Gold hin war. Ich wusste es immerhin. Und er auch.
„Gibt es Hinweise auf die geheime Schatzkammer?“, fragte er.
Niedergeschlagen schüttelte ich den Kopf. „Ich wollte mich eigentlich in den Gängen danach umsehen, habe aber kaum freie Zeit gefunden.“
„Die hättet Ihr jetzt. Zumindest, bis Ihr Euch erholt habt.“
Weil er mich danach wieder in seinem Bett wissen wollte. „Natürlich. Insofern ich Zeit außerhalb Eurer Sichtweite verbringen darf?“ Um lange in den Gängen herumzustreunen, war ich noch viel zu schwach auf den Beinen. Aber wenn die Hundeleine dadurch lockerer wurde? Ich biss wieder in mein Brot, wobei ich bemerkte, dass er längst fertig gegessen hatte. Und ich erst den zweiten Biss nahm. Aber in Anbetracht der Umstände war das wohl als Fortschritt zu werten. Ich schluckte und sah zu ihm auf. Ich erwartete eigentlich noch eine Antwort, eine Erlaubnis, oder einfach die Aussage, dass es ihm gleichgültig wäre, solange ich nur von Nutzen war. Stattdessen aber zuckten seine Mundwinkel amüsiert.
„Du hast…“, er unterbrach sich. Vermutlich, weil er wieder ins vertraute Du abrutschte. „Am Kinn“, meinte er kurz angebunden.
Verwirrt führte ich meine Hand zu meinem Kinn hin und wischte mit den Fingerspitzen darüber. Klebrige, rote Marmelade blieb an meinem Zeigefinger hängen und ließ mein Gesicht die Farbe der Marmelade nachahmen. „Oh.“ Beschämt blickte ich zur Bettdecke und wollte gerade den Finger in den Mund nehmen, als Cyrus sanft nach meinem Handgelenk griff und meinen Finger stattdessen zu seinen Lippen führte. Ich starrte ihn an, als käme er von einem anderen Planeten. Was machte er da?
Seine Augen funkelten schelmisch, als er seine Lippen leicht öffnete und meine willenlose Hand so dirigierte, dass ich ihm meinen marmeladenbeschmierten Finger direkt in den Mund steckte.
„C…cyrus?“
Er legte seine Lippen um meinen Finger, kurz darauf begann er daran zu saugen. Seine Augen blitzten auf. Sofort begann seine Zunge, meinen Finger zu umspielen. Meine Oberschenkel drückten sich augenblicklich zusammen. Was passierte hier? Wieso saugte er an meinem Finger? Und wieso fand ich das … gut? Irgendwie. Dieser Blick in seinen Augen, das …
„Was … was machst du da?“, fragte ich atemlos.
Er nahm meine Hand und ließ zeitgleich meinen Finger frei. Allerdings roch er nun daran und sein Blick glitt genau dorthin, wo ich die Decke darüber gelegt hatte. Bevor ich reagieren konnte, war mein Finger schon wieder in seinem Mund verschwunden. Diesmal schloss er dabei die Augen und stöhnte leise.
Bei diesem Geräusch durchfuhr ein kleiner, aber verdammt intensiver Blitz meine Leibesmitte. Nein, nein, nein!, schimpfte ich. Wieso reagierte mein Körper so? Böser Körper! Er hat uns weh getan! Böser, böser …! Ein erregtes Keuchen verließ meinen Mund und unterband meine Gedanken.
Cyrus ließ meinen Finger frei, rutschte ein Stück nach hinten und leerte seine Tasse. „Komm rüber, wenn dir danach ist oder erkunde die Gänge.“ Er stand auf und hatte es plötzlich eilig, zu gehen. „Tanzen heute Nachmittag im Ballsaal.“ Und schon war er weg. Und ließ mich allein in meinen Gemächern zurück. Erregt. Ich war verdammt noch mal erregt!
Frustriert stieß ich die Luft aus, stand auf, ging ein paar Schritte und setzte mich wieder. Zu Kräften kommen. Essen. Das war es, was ich tun musste. Ich hatte Lyssa immerhin versprochen, sie da herauszuholen. Ich musste das alles irgendwie wieder in Ordnung bringen!
Ich griff nach dem angefangenen Marmeladenbrot, von dem ich bis eben gerade mal zwei Bisse geschafft hatte und aß. Doch nach diesem einen Brot beschloss ich, aufzuhören. Ich wollte es nicht gleich übertreiben und mein Hunger war gesättigt. Zumindest der meines Magens …, dachte ich frustriert.































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