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„Hey Alex! Schön dich wiederzusehen. Ich wusste, dass du dich dafür entscheiden würdest hier zu bleiben.“ Begrüßte mich Sasha. Er strotzte vor Stolz und Selbstbewusstsein. Kopfschüttelnd zog ich die Haustür hinter mir zu und drehte mich zu ihm “Freut mich auch dich wiederzusehen.”, während meine Augen seine Haltung genauestens studierten verschränkte ich die Arme vor der Brust “Du siehst aus, als hättest du einen großen Teil zu meiner Entscheidung beigetragen, jedoch ist es nur ein ganz kleiner.” sagte ich grinsend und hob herausfordernd die Augenbrauen.
Sasha wechselte den Gesichtsausdruck und schaute mich gekränkt an “Mir ist ja bewusst, dass wir uns noch nicht so lange kennen, aber musst du mir gleich ein Messer in die Brust rammen?” fragte er und versuchte ernsthaft verletzt zu wirken, seine Augen verrieten mir jedoch was anderes. Er hatte Mühe nicht zu Lachen, aber bevor ich es ansprechen konnte, gab er nach und ließ endlich die brüchige Maske fallen “Ich bin ein schlechter Schauspieler..” musste er enttäuscht feststellen “Durchaus.” stimmte ich ihm zu, im selben Augenblick öffnete er die Beifahrertür und forderte mich mit einer Handbewegung auf einzusteigen.
Ich schmiss zuerst meine Tasche in den Fußraum, bevor ich mich auf das Leder fallen ließ und hoch zu meinem neuen Freund sah. Er lehnte sich nach vorne und stützte einen Arm auf der Autotür ab, um nicht nach vorne zu fallen. Dann zuckte er mit den Schultern „Du bist echt fies. Pass lieber auf, viele stehen auf Frauen die gerne ihre Zähne zeigen.“ Ich streckte ihm die Zunge entgegen, ehe er lachend die Tür schloss, ums Auto lief und dann neben mir Platz nahm. Wenige Minuten später befanden wir uns schon auf der Hauptstraße inmitten des täglichen Verkehrschaos.
„Hast du dich halbwegs gut eingelebt?“ hielt er die Konversation ab Leben. Ich schüttelte den Kopf „Je nachdem, was du damit meinst. Meine Wohnung fühlt sich noch nicht nach Zuhause an. Vor allem jetzt wo meine Eltern nicht mehr da sind und ich keine Bezugsperson habe, fühlt es sich noch leerer an.“ gestand ich. Sasha warf für eine Sekunde den Blick in meine Richtung, ehe er den Schaltknüppel umfasste und diesen in den dritten Gang schob.
„Ich kann es nachvollziehen, wie es sich anfühlt. Aber du bist hier nicht alleine. Wenn wir dir bei irgendwas helfen können, dann sag Bescheid. Die ersten Wochen werden vermutlich noch sehr viel von dir abverlangen.“ bereitete er mich seelisch darauf vor, dass ich die Bergspitze noch lange nicht erreicht hatte. Bis dahin musste ich noch eine ganze Menge schuften. Auch wenn es mir klar war, dass es alles andere als einfach werden würde, hätte ich mich über einen kleinen Lichtblick durchaus gefreut. Verzweifelt seufzte ich „Du hast vermutlich Recht, aber ich versuche es nicht allzu negativ zu sehen. Ich habe mich immerhin für dieses Leben entschieden.“ Diesen Satz musste ich auch mir selbst nochmal sagen. Niemand anderes war verantwortlich für das, was ich hier schultern musste. Ich entschied mich dafür.
Während des Gespräches mit meinem Freund, vibrierte mein Handy in der Tasche und ich wühlte es aus dem Chaos hervor. Mein Vater hinterließ eine Nachricht zu ihrem aktuellen Stand. Wenn ich nicht falsch lag, mussten sie gerade im Flugzeug sitzen. Das bestätigte mir auch die Nachricht, als ich den Chatverlauf öffnete.
Guten Morgen Schatz,
wir wünschen dir einen schönen Tag heute! Deine Mutter und ich sitzen wieder in der Sardinenbüchse. Laut dem Display vor uns landen wir gegen um eins. Wir geben dir nochmal Bescheid, sobald wir deutschen Boden berühren. Bis dann!
Das Lächeln auf meinen Lippen verschwand.
Meine Eltern sind bald wirklich weg, tausende Kilometer lagen dann zwischen uns. Insgeheim hatte ich von Anfang an die Hoffnung, dass mein Leben hier auch irgendwann so war wie daheim in Deutschland. Das konnte jedoch noch einige Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, bis ich hier vollständig ankomme. Voller Zweifel begann ich auf meiner Lippe herum zu beißen und starrte nur regungslos auf mein Handy, ehe ich es in Zeitlupe sperrte und es mir aus der Hand auf meinen Schoß fallen ließ. Sasha bemerkte sofort die Veränderung in meiner Stimmung „Haben deine Eltern geschrieben? Wo sind sie gerade?“ Ich schätzte seine Aufmerksamkeitsgabe und Bemühungen, meine Gedankenwelt nachvollziehen zu wollen „Ja, sie sitzen im Flieger und sind jeden Moment auf dem Rückweg.“ fasste ich Papas Nachricht kurzerhand zusammen. Für einige Sekunden, die sich wie Stunden anfühlten, breitete sich eine Stille im Wageninneren aus, die mir noch mehr auf die Seele drückte.
Ich seufzte und richtete mich auf. Mein Handy landete wieder in der Tasche und ich schlug die Beine übereinander. „Gibt es was Neues von Arbeit? Ein bisschen Gossip?“ wechselte ich das Thema und brachte damit neuen Schwung in die Atmosphäre. Sasha fackelte nicht lange „Ohja, viele haben sich persönlich beim Chef beschwert, dass du nun wirklich hier anfängst. Alexej aber hat sie schnell zum Schweigen gebracht. Das ist typisch für ihn, wer seiner Entscheidung misstraut, der muss mit den Konsequenzen rechnen.“, still nickte ich und leckte mir kurz über die Unterlippe „Und hat er mal verlauten lassen, wann er mich allein zur Arbeit gehen lässt, ohne jeden meiner Schritte überwachen zu lassen?“ fragte ich und drehte den Kopf in Sashas Richtung. Sein Kehlkopf hüpfte nach oben und er öffnete den Mund, aber ich kam ihm zuvor „Du musst es nicht leugnen, ich weiß das du dich hinter meinem Rücken mit ihm austauschst. Ich bin immerhin nicht blöd und weiß, wenn mich jemand an der Nase herumführen möchte. Es ist kein Zufall, dass du mir zugeteilt wurdest unter dem Deckmantel der vermeintlichen Sicherheit.“ Damit machte ich Sasha endgültig Mundtot und er konnte sich nicht mehr dazu äußern. Beziehungsweise versuchte er es, aber keine einzige Erklärung konnte das rechtfertigen, was ich aufdeckte. Meine Beobachtungsgabe war schon immer ausgezeichnet und ich merkte in 90% der Fälle, wenn etwas nicht stimmte. In solchen Angelegenheiten konnte man auch eins und eins zusammenzählen, dafür musste man wirklich kein Detektiv sein.
Wir schwiegen uns den restlichen Weg an und ich stieg ohne etwas zu sagen aus, sobald er den Wagen zum Stehen brachte. Alexej wartete wieder vor dem Eingang auf mich. Wie schon am Anfang hatte er die freundliche Maske gegen die Seriöse ausgetauscht. Seine schwarzen Haare glänzten wieder vom ganzen Haargel und Spray. Er trug einen schlichten grauen Anzug, aber diesmal ein schwarzes Hemd darunter. Seine Hände waren hinter dem Rücken verschränkt, seine Haltung aufrecht und die Augen kalt.
Eine neue Welle von Wut rollte über mich, aber ich hielt dagegen an und stieg ihm erhobenen Hauptes entgegen. „Guten Morgen Mrs. Hofmann. Folgen Sie mir bitte.“ Sagte er monoton und streng, machte auf dem Absatz kehrt und schritt zügig den Fahrstühlen entgegen. Genervt flitzte ich ihm nach, sein schneller Schritt war mehr als unnötig und enorm unvorteilhaft meinen kurzen Beinen gegenüber.
Gemeinsam fuhren wir wieder in den dritten Stock, aber mich wunderte, dass wir an den separaten Büroräumen vorbei gingen zu seinem Büro „Bin ich nicht bei den anderen mit? Immerhin habe ich eine Festeinstellung und sollte mit den anderen arbeiten.“ Wollte ich verwundert wissen und zog beide Augenbrauen hoch, während ich auf eine Antwort wartete. Alexej öffnete die Tür zu seinem Büro und trat beiseite, um mir Einlass zu gewähren. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen und blickte über die Schulter nach hinten in den langen Flur, bevor er die Tür ins Schloss fallen ließ und uns damit von den anderen abschirmte. Als ich den Blick nach vorne schweifen ließ, erkannte ich den Schreibtisch vom Probetag immer noch an demselben Platz.
Mein Vorgesetzter ließ sich auf seinem Stuhl nieder, überschlug die Beine und lehnte sich nach hinten. Arrogant musterte er mich und setzte eine amüsierte Miene auf „Haben Sie sich von unserer Begegnung erholt?“ begann er mit einem ganz anderen Thema. Sauer verschränkte ich die Arme „Ich habe Ihnen zuerst eine Frage gestellt. Beantworten Sie diese Bitte.“ Versuchte ich freundlich und respektvoll zu bleiben. Alexej nickte in Richtung des zweiten Schreibtischs „Sie bleiben hier. Für die ersten Monate schaue ich Ihnen über die Finger. Sie sind noch nicht bereit um allein zu arbeiten, außer Sie haben innerhalb der letzten Tage meine Sprache perfektioniert.“ begann er und sprach einen validen Punkt an. Angegriffen von seiner Aussage nahm ich eine defensive Haltung ein und zog die Augenbrauen so weit runter, dass es schon schmerzte. „Sie müssen sich mit dem System vertraut machen und gleichzeitig russisch lernen. Das wird eine harte Aufgabe und deshalb bin ich hier. Sein Sie lieber dankbar und kein trotziges Kleinkind, was seinen Willen nicht bekommt.“ Ich funkelte ihn wütend an, ohne einen passenden Konter parat zu haben.
Der Klügere gibt nach Alex…
Fluchend ging ich zu meinem Arbeitsplatz und setzte mich hin, um mit der Arbeit anzufangen. In meinem Rücken brannte der triumphierende Blick von Alexej, der sich bestimmt gerade freute wie ein kleiner Junge, der ein zum ersten Mal mit auf ein Fußballspiel durfte und gleich ein T-Shirt geschenkt bekam um vor seinen Mitschülern und anderen Kindern richtig angeben zu können.
1:0 für dich Alexej, aber dieser Punktestand wird nicht dauerhaft so bleiben.
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Die Aufgaben lenkten mich gut ab und ich fühlte mich immer wohler in meiner Arbeit. Mit jedem Fehler den ich überschrieb, verflog meine tiefsitzende Wut von heute morgen Stück für Stück und ich beachtete meinen Vorgesetzten nicht einmal seitdem.
So verflog die Zeit überraschend schnell und es war schon kurz vor um zwölf, als mich Alexej fast aus dem Konzept brachte „Mrs. Hofmann, sein Sie so nett und bringen Sie mir einen Kaffee.“ Empört stoppte ich meine Arbeit und drehte mich rum „Sie haben zwei gesunde Beine. Ich bin mir sicher, Sie können sich den selbst holen.“ zischte ich angesäuert und vermisste jetzt schon die mühsam gefertigte Blase, in der ich eben noch steckte.
Alexej hob den Blick, ehe er weiter tippte „Ich bin beschäftigt und es war keine Bitte.“ zog er erneut das Ass aus dem Ärmel, dass er in der Position stand, mich herumkommandieren zu können. „Es wird Sie wundern, aber auch ich bin gerade am Arbeiten.“ wies ich ihn auf das Offensichtliche hin und unterstützte mit einer Handgeste meine Worte, falls mich mein Vorgesetzter nicht ernst nehmen wollte. „Gehen Sie schon, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit und ohne Koffein, kann ich mich nicht konzentrieren. Schwarz, ohne alles.“ überging er einfach meine Aussage. Ich knurrte, ballte die Fäuste und stand auf. Am liebsten hätte ich ihm jetzt meinen Mittelfinger gezeigt. „Wie sagt man?“ fragte ich fordernd und wartete mit verschränkten Armen mitten im Raum. Alexej seufzte „Erwarten Sie jetzt kein Bitte von mir. Ich befehle etwas und Sie führen es aus. So einfach ist das.“ weigerte er sich weiter, mir seine guten Manieren zu beweisen. Anscheinend setzte ich zu viel Hoffnung in seine Hilfe neulich. In dem Laden hatte mir jemand anderes geholfen, jemand dem ich gerne eine neue Chance gegeben hätte und der nicht so war wie er sich den Großteil der Zeit gab. Das war jedoch nur ein Fremder oder eine Persönlichkeit, die er noch am selben Abend ermordete und vergrub. Für mich kam es so rüber, als bereute er seine Nettigkeit und tut nun alles, um dieses Bild aus meinem Kopf zu löschen. Wenn das sein Plan war dann machte er eine verdammt gute Arbeit.
Solange ich noch von ihm abhängig war, konnte ich mich nicht gegen seine Handlungen wehren. In der Probezeit jetzt irgendwas zu riskieren wäre leichtsinnig. Eher nutzte ich zukünftige Gelegenheiten, um ihm legal eine reinwürgen zu können. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als all diese kleinen Zwischenfälle zu sammeln, bis ich ihm jede Unverschämtheit doppelt zurückzahlen konnte.
Zähneknirschend holte ich ihm seinen schwarzen Kaffee aus dem Pausenraum. Als ich zurück ins Büro kam, lehnte Alexej an der kurzen Kante seines Schreibtisches. Wartend tippte er mit dem Finger gegen seinen Oberarm und verfolgte jeden Schritt den ich tat. Am liebsten hätte ich ihm in diesem Moment meine Schlagkraft bewiesen, aber ich vermied einfach jeglichen Augenkontakt, damit meine Wut nicht höher kochte.
Ich ging auf ihn zu, balancierte dabei den Inhalt der Tasse aus, sodass er nicht überschwappte. Leider übersah ich in meiner Konzentration die Erhöhung vor seinem Schreibtisch. Ich blieb mit dem Schuh hängen und fiel nach vorne. Die Tasse flog aus meiner Hand. Ich landete mit den Knien auf dem Boden und konnte mich noch gerade so mit den Händen abfangen. Wenige Sekunden später hörte ich ein aggressives Fluchen auf einer anderen Sprache, gleichzeitig ertönte das Geräusch von zerspringendem Porzellan und wie eine Flüssigkeit auf dem Boden landete.
Langsam hob ich den Kopf und richtete mich auf, dabei erkannte ich die Tasse in Scherben auf dem Boden. Drumherum einige glänzende Flecken, die den Kaffee darstellten. Die Hose meines Vorgesetzten wies kleine Spritzer auf. Je höher meine Augen wanderten, desto mehr erkannte ich, wie größer die Flecken wurden. Alexej hatte das Jackett schon ausgezogen, auf den Schreibtisch geschmissen und öffnete gerade die Knöpfe seines Hemdes.
Immer mehr nackte Haut kam zum Vorschein. Seine definierte Brust zeigte sich mir. Alexej riss das Hemd aus seinem Hosenbund und öffnete die letzten Knöpfe, ehe der Stoff von seinen Schultern rutschte und er die Arme rauszog. Er schmiss es auf sein Jackett und als er entblößt vor mir stand, sah ich den feuerroten Fleck auf seiner Brust der sich bis zum oberen Rand seines Bauches zog.
Er sah an sich hinab und berührte sanft die roten Stellen, bevor er schmerzvoll das Gesicht verzog. Dann traf sein wütender Blick auf meinen „Sieh dir an was du getan hast! Das tat scheiße weh!“ Er zeigte auf seine Brust „Du hast mich halb verbrannt!“ knurrte er mit rotem Kopf und glasigen Augen. Ich erstarrte für einen Moment bei seinem Anblick. Ich wusste nicht, ob schmachten oder Mitleid zeigen angebracht war. Seine nackte Haut warf mich vollkommen aus dem Konzept.
Schnell schüttelte ich den Kopf und eilte zu meinem Platz. Aus der vorderen schmalen Tasche kramte ich eine ziemlich mitgenommene Salbe heraus. Mit der Tube in der Hand ging ich wieder zu ihm und stellte mich nah vor ihn „Setz dich.“ Ich zeigte auf seinen Bürostuhl. Alexej funkelte mich an, aber ich hielt seinem Blick eisern stand und seine Augen wurden weicher. Widerwillig ging er zu seinem Stuhl und ließ sich nieder. Ich stieg über die dampfende Pfütze, während er sich zu mir drehte „Was hast du dir dabei gedacht? Ist das dein fieser Konter?“ stellte er mich zur Rede. Ich näherte mich ihm, öffnete die Tube und drückte eine großzügige Menge vom Inhalt auf meine Fingerkuppe. „Denkst du wirklich, ich habe das mit Absicht gemacht? Ich bin keine Sadistin.“ Sagte ich empört und schüttelte den Kopf, währenddessen kam meine Hand seiner Brust näher und er wechselte verwirrt den Blick zwischen mir und meinem Arm. Dann ergriff er mein Handgelenk und stoppte meine Bewegung „Was machst du da?“ fragte er skeptisch. Ich seufzte „Das ist eine Creme, die kühlt. Verbrennungen muss man sofort kühlen, um die Blasenbildung zu verhindern. Stell dich jetzt nicht so an und lass mich dir helfen.“ sagte ich streng und sah ihn intensiv an.
Er schien kurz zu überlegen, seine Hand umschloss mein Handgelenk fester, ehe er mich losließ und zur Seite sah. Ich führte mein Vorhaben weiter. Als mein Finger seine Haut berührte, zuckte er kurz zusammen und zischte mit einem murmelnden Fluchen auf seiner Sprache. Die Stelle war sehr warm und es tat mir fast ein bisschen Leid, ihn so zugerichtet zu haben, jedoch hielt sich mein Mitgefühl in Grenzen nach seinen unsensiblen und arroganten Aussagen von vorhin.
Vorsichtig bedeckte ich alle roten Stellen mit der Salbe und ließ mir dabei sehr viel Zeit. Ich spürte den Unterschied zwischen den verbrannten Stellen und der normalen Haut. Konzentrierte mich auf seine Reaktionen, um ihm nicht allzu große Schmerzen zu bereiten. Am liebsten hätte ich mich zwischen seine Beine gestellt, damit ich besseren Handlungsspielraum hatte, aber am Ende würde er das wieder als gefundenes Fressen ansehen um mich wieder damit aufzuziehen. Um meinen eigenen Frieden zu schützen, hielt ich mich zurück und ging mit der Situation eher professionell um, als eine persönliche oder intime Sache draus zu machen.
Sein Atem bewegte seinen Brustkorb auf und ab. Die Muskeln unter seiner Haut tanzten bei jeder kleinsten Bewegung. Ich war mir fast sicher, eine geladene Spur zu hinterlassen. Auch ich spürte das Kribbeln bis hoch zu den Wangen, aber ich schluckte dieses Gefühl hinunter. Alexej seine Kiefermuskeln spannten sich an, mit jeder Berührung mehr, aber seine Augen waren eisern zur Seite auf das Wandregal gerichtet, ohne an eine spezifische Stelle zu sehen, sein Blick bohrte sich einfach durch all das Material hinein in eine andere Welt.
Zügig beendete ich meine erste Hilfe und baute wieder etwas Abstand zwischen uns auf „Gut, fürs erste sollte es reichen, aber Sie müssen es auf jeden Fall regelmäßig kühlen und ich empfehle, zu einem Arzt zu gehen.“ erklärte ich ihm die weiteren Schritte, schraubte den Deckel wieder auf meine Creme und brachte alles zurück zu meiner Tasche. „Danke…“ murmelte er, nahm seine Sachen und stand auf. „Räum das Chaos hier auf, ich gehe mir was anderes anziehen.“ ordnete er an, seine Stimme klang ein bisschen ruhiger, aber nur weil er seine Wut versuchte zu unterdrücken. „Mach ich.“, in dem Moment hörte ich Schritte und ich drehte mich nochmal zu ihm um „Alexej es tut mir wirklich leid.“ wiederholte ich und knetete meine Hände nervös. Er blieb kurz stehen und sah zu mir. Sein Blick war immer noch voller Hass, aber er galt nicht mir. Mit jeder weiteren Sekunde, die er mich weiter ansah, wurde sein Blick weicher.
Plötzlich hob er einen Mundwinkel „Du hättest auch einfach sagen können, dass du mich nackt sehen willst. Kein Grund mich gleich zu brandmarken.“ scherzte er plötzlich und hob die Augenbrauen verführerisch. Ich starrte ihn einfach ungläubig an und ließ die Arme fallen. Seine Sprüche in den unpassendsten Situationen gingen mir gehörig gegen den Strich, denn er wusste, dass es nicht meine Intention dahinter war. „Verschwinde schon, ich will in Ruhe aufräumen.“ Brummte ich und unterstützte meine Aussage mit einer Handgeste, damit er sich endlich was anderes anziehen ging. Er verließ leicht lachend das Büro, während ich mit meinen Gedanken zurückblieb. Ich verstand nicht, warum er seine Laune plötzlich änderte. Seine Wut konnte ich nachvollziehen, vermutlich hätte ich nicht anders reagiert, aber dass er eben schon wieder anfing, sich über mich lustig zu machen.
Kopfschüttelnd kümmerte ich mich einfach um die Unordnung und entfernte alles sorgfältig, dann setzte ich meine Arbeit weiter fort. Alexej und ich wechselten keine weiteren Worte mehr über das Geschehene. Er kam eine Stunde später wieder ins Büro und trug eine schwarze Hose mit einem lockeren weißen Hemd, was sehr casual aussah, obwohl er ständig im Anzug herkam. Ich fragte mich, ob ihm das sauer aufstieß, dass er von den anderen Mitarbeitern so normal gesehen wurde. Sicherlich hatte er Angst, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Jedoch bestätigte sich meine Vermutung nicht, er machte keinen anderen Eindruck als vorher.
Pünktlich halb vier ging ich nach Hause, beziehungsweise wurde ich von Sasha wieder nach Hause gebracht und wir unterhielten uns über den heutigen Arbeitstag. Das Geschehene ließ ich aus, keine Ahnung wie andere reagieren würden, wenn sie davon erfahren, was Alexej und ich allein in seinem Büro getrieben hatten. Vielleicht ist es auch besser, wenn diese Sache hinter verschlossenen Türen bleibt. Hoffentlich hatte mein Vorgesetzter alles geklärt mit den Leuten die sich fragten, warum er halb nackt und verbrannt nach draußen stürmte.
Den restlichen Tag machte ich nicht mehr viel. Hauptsächlich plante ich meine Dekoration weiter und machte mir eine Liste mit allem, was ich zukünftig besorgen wollte. Später machte ich mir noch was zu essen und ließ den Abend über einer guten Serie ausklingen.











































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