Kapitel 24
Die Ablenkung durch den Chatverlauf mit Thomas mildert Skylas Zorn und gibt Milan die Chance, heil aus der Sache rauszukommen. Kaum verlässt ihre Mutter die Küche, bewirft Skyla den Geisterjäger mit einigen Papierknäulen, die sie aus seinen Briefen formt. Die ersten Treffer landen sauber, den Rest fängt er gekonnt und zeigt gute Reflexe.
„Hey, ich habe mir viel Mühe gegeben!“
Seine Beschwerde kann sie bei seinem auffälligen Grinsen kaum ernst nehmen. Daher stiert sie unbeeindruckt hinüber. In der Hoffnung, er knickt unter ihrem Zorn ein und redet von allein. Aber statt Respekt zu zollen, belächelt er ihre Reaktion und schaut verschmitzt hinein.
Mit überkreuzten Armen lehnt sich Skyla zurück und fordert Antworten: „Erkläre es mir, Milan! Was soll das Theater?“
Freudig erhebt sich Milan und nimmt neben ihr Platz. Angewidert von seiner Nähe weicht sie zurück, aber er rückt immer näher.
„Machst du mir Frühstück, Skyla?“
Enttäuscht schnaubt sie. Sie hatte gehofft, er singt endlich, stattdessen folgen weitere dreiste Forderungen. Aber bei seinem widerlichen Brief ist ihr der Appetit eh vergangen. Daher schiebt sie ihren Teller zu ihm.
„Da, iss meins. Ich habe keinen Hunger mehr.“
Das Feuerwerk in seinen Augen bleibt ihr nicht verborgen und ist leider die Reaktion, die sie am glücklichsten macht. Strahlend ergreift er ihr belegtes Sandwich.
Bevor er hineinbeißt, erwähnt er flüchtig: „Wir teilen uns also dein Frühstück? Das wäre, wie ein indirekter Kuss.“
Skyla erhebt sich genervt, aber es ist bereits zu spät. Er beißt schon ab, also setzt sie sich brummend wieder hin. Ihre Reaktion bringt ihm zum Lachen und das mit vollem Mund, schnell verschluckt der Kerl sich. Ihm bleibt etwas im Hals stecken, woraufhin Skyla ein Glas organisiert und ihn frischgepressten Orangensaft einschüttet.
Kaum hat Milan einen Schluck getrunken hinterfragt sie: „Geht es wieder?“
Statt darauf zu antworten, folgt ein Lob. „Das ist so lecker.“
„Das ist nur ein Sandwich.“
Nichts Besonderes in ihren Augen.
„Ich komme jetzt jeden Tag bei dir Frühstücken.“
Dieser Kerl weiß ganz genau, wie er sie auf die Palme bringen kann. Skyla atmet genervt aus. „Nein! Schlage dir das aus dem Kopf!“
„Das ist so gut! Ich bin das Dosenfutter und die Fertigprodukte leid.“
„Dann gehe doch außerhalb von Zuhause essen“, schlägt Skyla verzweifelt vor.
„Ich bin nur ein armer Geisterjäger. Viel springt für die Jagd nie raus.“
Endlich wird das Gespräch vorangetrieben und Skyla hofft auf mehr Informationen.
„Wer bezahlt euch eigentlich?“
„Wenn du einen Geist einfängst und zu einer Hexe bringst, bezahlt sie dich gut. Auch die Auftraggeber oder Betroffenen zeigen sich auch gerne mal erkenntlich.“
Das klingt widersprüchlich, woraufhin sie schließt: „Aber es reicht einfach nicht oder?“
Milan schüttelt lächelnd den Kopf, als habe er sich mit Reichtum abgefunden.
Rückblickend hält sich Skyla all die Begegnungen der Unruhestifter vor Augen. Keinen der Geister würde sie freiwillig an sich nehmen wollen, sondern die Gefahr beseitigt wissen. Daher stellt sich ihr eine bedeutsame Frage.
„Und wofür sammeln Hexen Geister? Ist das nicht gefährlich?“
Milan nickt zustimmend, als verstehe er die Welt der Hexen ebenfalls nicht. Er seufzt laut und legt den Kopf in den Nacken. Nur kurz blickt er hinauf zur Decke, als spiele sich vor seinen inneren Augen Erinnerungsfragmente ab.
„Aus Neugier habe ich die eine und andere Hexe beobachtet und sobald die in ihren Wahn stecken, willst du sie am besten im hohen Bogen meiden. Kaum beginnt ihr Hokuspokus oder sie verkrümeln sich in ihrem Laboren fliegt gerne mal etwas in die Luft und bunter Rauch steigt auf. Sie arbeiten gern mit widerwärtigen Zutaten. Knochen von Tieren, manchmal auch Innereien…“
Unweigerlich verzieht Skyla angewidert den Mund, während Milan theatralisch vorspielt, in einen imaginären Hexenkessel umzurühren.
„Geister und Dämonen bestehen aus Energien. Rein und unreine Seelen. Ein kleiner Verstärker für schwierige Zauber.“
Ein fürchterlicher Gedanke. Denn macht sich eine Hexe auch Gedanken, um den Ursprung eines Geistes oder eines Dämons? Vielleicht versteckt sich dahinter eine traurige Geschichte und die arme Seele litt bereits als Sterblicher, um darauf auch noch geknechtet und geopfert zu werden?
Welch ungerechte Welt!
Ein Kälteschauer lässt Skyla frösteln. Unweigerlich verschränkt sie die Arme und empfindet Mitleid für all die gepeinigten Seelen. Ein Anblick, der seltsam aussehen muss, denn Milan wird plötzlich so still. Sein Starren mit offenem Mund wird ihr unangenehm, sodass sie ihm den Rücken kehrt. Ein Themawechsel muss her, daher erinnert sie sich angestrengt an die neuen Informationen.
„Woher beziehst du eigentlich deine Aufträge?“
Es ist mehr ein Nuscheln von ihrer Seite und da sie keine Antwort erhält, dreht sie sich um. Noch immer kleben seine Augen auf ihr. Mit einem Blick, der ihr nicht geheuer ist, denn seine Augen strahlen verdächtig. Den Grund dafür will ihr nicht einleuchten.
„Also?“ Kaum beugt sie sich vor, erwacht Milan aus seinen Tagträumen. Seine Augen weiten sich und er taumelt verdächtig auf dem Stuhl. „Pass auf! Nicht das du fällst!“
Das würde noch fehlen, dass er jetzt fällt und eine Gehirnerschütterung kassiert. Skyla ist nicht scharf darauf, zu spät zur Arbeit zu kommen. Aber zum Glück balanciert er sein Gewicht aus und setzt wieder das falsche Lächeln auf.
„Bitte entschuldige, aber ich habe deine letzten Worte nicht mitbekommen.“
Kaum gestanden kratzt er sich am Kinn und meidet den Blickkontakt, als sei ihm diese Tatsache unangenehm. Eine Tagträumerin wie sie kennt das Dilemma. In der Schulzeit oder auch unter Freunden tritt sie gern schnell weg. Immer aufs Neue wird es dann unangenehm, wenn sie daraufhin angesprochen wird.
„Woher weißt du eigentlich, wo sich die Geister und Dämonen tummeln? Hast du ein Gespür dafür oder wie geht ihr voran?“
In der Tat hegt Skyla großes Interesse an seinen Job. Er erlebt schließlich einige Abenteuer, auch wenn sie ihn nicht für den Job beneidet. Sie strebt lieber die Karriere als Köchin an, denn die wenigen Begegnungen mit der anderen Seite haben ihr schließlich gereicht.
Milan holt sein Handy hervor und berichtet stolz: „Ein Anruf und wir sind im Geschäft.“
Skyla legt den Kopf schief und kräuselt die Stirn. „Hä? Und woher haben die Auftraggeber eure Nummer?“
Milan lehnt sich lässig zurück und protzt: „Unser Ruf eilt uns voraus. Die Leute wissen einfach, an wen sie sich wenden müssen.“
Diese großkotzige Art lässt sich kaum aushalten. Skyla bereut schon fast, gefragt zu haben. Dennoch widerspricht sich etwas.
„Was bringt es euch, wenn ihr am Hungerlohn nagt?“
Milans Mundwinkel fallen hinab und nun kommen sie der Sache näher. „Naja, wir haben einen hohen Schuldenberg abzuarbeiten. Springt eine fette Beute raus, reicht das Geld nie lange zum Leben. Ohne Magie geht viel für Materialkosten drauf. Mit normalen Waffen lässt sich das Böse nicht bezwingen. Gesegnete Waffen sind selten und kaum bezahlbar…“
„Gesegnete Waffen?“
Doch Milan winkt ab. „Uninteressant. An den Segen eines Engels kommen selbst wir nicht dran. Meist werden solche Waffen in den Familien weitervererbt.“
„Und woher kommen die ganzen Schulden?“
„Materialkosten und offene Rechnung durch Vandalismus. So heißt es, aber auch nur, weil die Leute keine Ahnung haben, dass wir unseren Hintern für deren Wohl riskieren. Und hey, sag mal einen Dämon, er soll nicht so viel bei der Jagd nach dir zerstören!“
Sein Zorn ist berechtigt. Es klingt übel, und doch kichert Skyla erheitert, denn die Vorstellung ist einfach zu ulkig.
„Ich verstehe. Aber was machen denn Geisterjäger, die kein Ruf haben, der ihnen vorauseilt?“
Angestrengt überlegt Milan. „Gute Frage. Dank Justin mussten wir selten Aufträge suchen. Es gibt in manchen Läden einige schwarze Bretter, meist verkleidet als Dekorationsartikel. Ich glaube Justin erwähnte auch Gilden, die Aufträge sammeln. Ganz altmodisch wäre die Suche im Netz nach verrückten Meldungen.“
Erneut bringt er sie zum Lachen. „Im Internet? Unter all den Fakenews? Wäre eine Zeitung da nicht vertrauenserweckender?“
„Seltsam.“ Er betrachtet sie angestrengt. „Das hat Justin mir so ähnlich schon mal vor den Kopf geworfen.“
Skyla hat genug gehört, denn für sie steht fest, dass Milan ohne seinen Partner wahrlich aufgeschmissen wäre.
Daher hält Skyla bereits Ausschau nach seiner kleinen, frechen Partnerin. „Und wo ist deine Fee?“
Verwundert hebt er den Kopf. „Ich dachte, ihr könnt euch gegenseitig nicht leiden. Daher wartet sie draußen.“
Eine gute Entscheidung, denn Skyla ist gerade nicht in der Stimmung auch noch von dem kleinen Insekt geärgert zu werden.
Milan beweist sich in Plauderlaune, das kommt ihr gelegen. Die Geistersache ist das eine, viel interessanter ist der Mensch, der vor ihr sitzt.
„Wie lange bist du schon ein Geisterjäger?“
All die Fröhlichkeit nimmt sie ihm nur mit der einen Frage. Erneut beweist sich ihr gegenüber als geheimnisvoll. Eine verbotene Zone. Gefährlich für eine neugierige Seele wie sie. Eine ganze Weile sitzt Milan schweigend vor ihr. Die nächsten Worte sind sorgfältig gewählt und doch kommen sie nicht zum Einsatz, denn Milan erhebt sich mit gesengtem Kopf.
„Danke für das Frühstück. Ich warte dann draußen auf dich.“
Nicht die Reaktion, die sie sich erhoffte. Sein Verhalten beschäftigt sie so sehr, dass sie erst spät begreift, dass er weiterhin den Tag mit ihr verbringen mag. Seine Vergangenheit könnte der Schlüssel zur Freiheit sein, doch solch eine gemeine Karte mag sie gar nicht ausspielen wollen.
Der Blick ruht auf das halbaufgegessene Sandwich und so beschließt Skyla, es ihm einzupacken. Eile ist jedoch angesagt, denn sie hat die Uhr aus den Augen verloren. Auf dem Gehweg wartet Milan schweigend auf sie. Er wirkt so sehr in Gedanken versunken, dass sich hier die Chance bieten würde, einfach davon zu schleichen. Ihr gutes Herz überzeugt sie vom Gegenteil. Ihre Beine tragen sie zu ihm, sodass er die Pausenbrottüte in die Hand gedrückt bekommt. Ein flüchtiger Augenkontakt, bevor Skyla wie ein scheues Reh davon stürmt. Grund dafür ist aber ihr Pflichtbewusstsein. Es steht zu viel auf dem Spiel, um verspätet zur Arbeit zu kommen. Auch wenn Skyla ihn zu gern damit konfrontieren möchte, warum er die Flucht ergriffen hat, bleibt ihr hierfür keine Zeit. Es fällt dem Geisterjäger nun schwer, ihrem Tempo zu folgen. Am Betrieb verabschieden sie sich flüchtig, diesmal weicht sie seinem Abschiedskuss aus und verschwindet schnell hinter der Tür.
Genau richtig trifft sie in der Küche ein, denn ihr Ausbilder David wollte schon eine Vermisstenanzeige aufgeben. Schnell ist die Arbeitskleidung angelegt und der Stress geht los. Gerade am Wochenende ist der Laden ziemlich voll. Die Servicekraft Fiona sorgt jedoch mitten im Mittagsgeschäft für große Verwirrung, als sie mit einem kleinen Strauß Blumen und einer Pralinenschachtel in die Küche stolziert und diese zu Skyla bringt. Während Fiona ihr den Strauß aus Sonnenblumen, orangen Rosen und Bartnelken in eine Vase zur Seite stellt, widmet sich Skyla mit Furcht im Herzen dem Zettel auf ihrer Lieblingsschokolade – weiße Edelschokolade mit Erdbeerstücken.
Ob Milan dahinter steckt?
Aber woher soll er bitte wissen, was sie gerne nascht?
Zum Glück befindet sich die Botschaft nicht in Hieroglyphen. Die wunderschöne Handschrift gibt Entwarnung und lässt sie freudig zittern, denn einer ihr geliebter Patenonkel befindet sich vor Ort, wie die Nachricht zeigt.
Okay, du hast Recht. Ich war gemein zu dir und als dein einziger Patenonkel muss ich dich auch mal zwischendurch verwöhnen. Also gönn dir die Köstlichkeit.
Übrigens: Das Essen war grandios.
Ein Gruß an die Köchin. Ich bin ganz stolz auf dich.
Grüße Thomas.
PS: Lukas bestand auf den Blumenstrauß. Du arbeitest so hart und bist für meinen Sohn immer da. Deshalb wollen wir unserem Lieblingsmensch doch auch mal zeigen, wie gern wir dich haben und wie unersetzlich du für uns bist. Bleib so wie du bist, Skyla. Denn genau so haben wir dich lieb und schätzen, dass du an einem so schönen Sonntag an deinem Traum arbeitest, eine Meisterköchin zu werden.
Skyla hebt gerührt ihren Kopf und mit Davids Erlaubnis tritt sie eilig aus der Küche in den Gästebereich, um Lukas und seinen Vater aufzusuchen. Thomas hat wahrlich einen Riecher dafür, aufzutauchen, wenn es ihr dreckig geht. Lukas und sein Vater gehörten seit sie sich erinnern kann zur Familie und sind Skylas erste Anlaufstelle, wenn sie Trost sucht. Die dunklen Haare, die Lukas so sehr hasst, kommen von der mütterlichen Seite. Würde es nach ihrem besten Freund gehen, hätte er lieber das blonde Haar seines Vaters, das Skyla gerne mit einer Löwenmähne vergleicht. Dabei könnte sich Skyla seinen Sohn nicht mit hellem Haar vorstellen, obwohl er sicherlich nicht anders aussehen würde, wie eine jüngere Version von Thomas.
Als Baby hat sich Skyla immer in dem Wuschelkopf ihres Patenonkels festgekrallt und ihn nie hergegeben. Egal, wie schmerzhaft der Griff eines kleinen Kindes sein kann, hat Thomas immer betont, es zu genießen. Die Tochter, die er nie hatte, so bekommt Skyla dies immer wieder von ihm oder ihren Eltern zu hören. Lukas‘ Vater passt mit seinem schicken Anzug perfekt in das Bild eines gepflegten Bankkaufmannes. Die Krawatte sitzt makellos und selbst mit den süßen Falten im Gesicht wirkt er umso symphytischer. Allein in dem Moment, wo er seine Patentochter aus der Ferne erkennt, steckt sie sein strahlendes Lächeln an. Die Umarmung ihres Patenonkels ist so herzlich, dass sie sich gar nicht lösen möchte. Auch Lukas überlegt laut, sie einfach zu entführen, während sie in seinen Armen liegt. Ein Gedanke, der ihr gefallen würde. Wenn Skyla nur könnte, dann würde sie den Tag mit den beiden verbringen. Aber es wartet Arbeit auf sie und David zählt auf seine kleine Küchenfee. Also verabschiedet sich Skyla mit schweren Herzen und wird nur gehen mit einem Versprechen gelassen. Denn Thomas wünscht sich, dass sie bald vorbeischaut und mit ihm und Lukas etwas unternimmt. Einen Wunsch, den sie teilt. An ihrer Seite wird sie all den Trubel mit den Geistern kurz vergessen. Das ist sicher.
Der Überraschungsbesuch schenkt Skyla neuen Elan für ihre Arbeiten als Köchin. Der Blumenstrauß schmückt nun den Pausenraum, den mitzunehmen wäre daher Verschwendung. Schließlich verbringt Skyla die meiste Zeit auf der Arbeit und kann sich in ihren Pausen so an die prachtvollen Blumen erfreuen. Die Schokolade wartet als Nervennahrung im Spint und wird sicherlich nicht lang überleben. Thomas weiß einfach, dass er sie mit Schokolade am glücklichsten machen kann. Pünktlich zum Feierabend stolziert sie hinaus. Zufrieden mit ihrer heutigen Leistung. Gewärmt von Davids Lob und bereit, den Abend vor Freude zu umarmen. Der Schrecken ist groß, als sie stattdessen in Milans Arme stolpert. Erneut droht sie in seinem silbernen Seelenspiegel verloren zu gehen. Ihr verräterisches Herz schlägt auffällig laut, dass sie schon fürchtet, er könne es hören und missverstehen. Auch er betrachtet sie still und auffällig ernst, bis er die Fassung zurückerlangt und sein langes Grinsen alles ruiniert. Dabei hielt die Welt kurz den Atem an. Es wirkte, als gehöre der Moment nur ihnen. Skylas Verstand rügt das verräterische Herz, das Signale für falsche Hoffnung setzte. Hoffnung einer zum Scheitern verurteilten Romanze.
„Du hier!“ Skyla lacht ungehemmt und tritt kopfschüttelnd von ihm fern. „Hast du nichts Besseres zu tun?“
„Noch magst du mich verspotten, bis Justin ernst macht. Glaub mir, dass willst du nicht. Dich für unsere Sache zu gewinnen kommt uns allen zu Gute.“
Er wirkt überzeugt und brüstet sich mit Eigenstolz. Tatsächlich klingt er heldenhaft. Zu ihrem Nachteil, denn genau solche Sätze lassen ihr Nerdherz höher schlagen. Ihn wie einen ihrer geliebten Helden zu behandeln widerstrebt ihr jedoch, stattdessen tätschelt sie ihn am Kopf wie einen Hund. Ihre Art seine Heldenhaftigkeit runterzuschrauben. Denn so wirkt er eher wie ein kleiner Junge, der Gutes in der Welt bewirken will, aber noch am Anfang steht.
„Braver Junger. Du gibst dir ja so viel Mühe, da will ich dich doch mal belohnen.“
Ein Griff in ihre chaotische Tasche und sie zerrt an der Tüte. Eine kleine Überraschung mit Absprache der Küchenleitung. Ein paar Überreste, die für mehr als zwei Personen eine ordentliche Mahlzeit ausreichen. Denn die Gespräche mit dem Geisterjäger sorgten für Mitleid. Milans und Justins Jobs sind sicherlich nicht leicht zu bewerkstelligen und obwohl ihre Arbeit wichtig ist, wird kaum einer dies zu schätzen wissen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Skyla das ändert. Es mag für sie nur eine Kleinigkeit sein und doch ist Milan von der Geste zuerst fassungslos. Er zögert, als fürchte er einen miesen Trick hinter der Aktion.
„Ist nicht vergiftet.“ Skyla kichert erheitert bei dem Gedanken. „Kannst mir vertrauen. Sollte ich dir schaden wollen, dann nicht mit Lebensmitteln. Die haben einen ganz besonderen Stellenwert bei mir.“
Ganz vorsichtig nimmt er die große Tüte entgegen und lugt vorsichtig hinein. Seine Augen beginnen zu strahlen und ein ehrliches Lächeln zeichnet sich endlich in seinem Gesicht ab. Eins voller Wärme und Dankbarkeit. Atemberaubend schön und weniger künstlich als zuvor. Einen Anblick, den sie wahrlich genießt und sich öfter wünscht.
„Bist du sicher? Das ist unfassbar viel.“
„Mhm. So hat deine kleine Truppe länger etwas davon. Vielleicht besänftigt dies Justins Zorn.“
Am Ende sinken seine Mundwinkel hinab und er beginnt laut zu seufzen.
„Wäre es doch so einfach, Skyla. Leute wie du, die mit ihrer Macht allein stehen, können wir nicht einfach nicht ignorieren. Dir steht eine Grundausbildung zu. Justin ist das kleinere Übel, glaub mir. Wirst du von anderen Mächten entdeckt und beurteilt, könntest du auch anderweitig aus dem Verkehr gezogen werden.“
Verwirrt legt sie den Kopf schief. „Wie meinst du das?“
Doch Milan fixiert das Restaurant und winkt sie davon fort, als fürchte er Zuhörer.
Unterwegs nach Hause setzt Milan dann zu Erklärung an: „Nehmen wir mal an, du wirst mit den paranormalen Begegnungen selbst fertig, aber du hinterlässt Augenzeugen, wirst schlimmstenfalls gefilmt oder fotografiert, erzeugst du unnötiges Aufsehen. Dann könntest du die Aufmerksamkeit gefährlicher Leute auf dich ziehen. Es gibt Menschen, die würden dich jagen oder für ihre Zwecke begehren. Häufiger Gebrauch deiner Macht schwächt deine Gesundheit. Noch kennst du nicht dein Limit und all die Möglichkeiten. Die Welt ist viel größer und gefährlicher als du glaubst.“
Milan spricht interessante Punkte an und doch hält er sich mit den Details zurück. Dabei liegen ihr eine Menge Fragen auf der Seele.
„Sprichst du aus Erfahrung, Milan? Bist du diesen Jägern schon mal begegnet?“
Zuerst verlieren seine Schritte an Tempo und hängt ein gutes Stück zurück. Abrupt bleibt er stehen und die Sorge macht sich in seinem Blick breit.
„Schon. In meiner Branche erlebt man so Einiges. Ich bin ein Unbegabter, Skyla. Ich besitze keinerlei Fähigkeiten und nehme den Kampf gegen das Paranormal auf meine Art auf. Und doch habe ich Kontakt zu der anderen Seite. Einigen Leuten passt dies gar nicht. Sie behandeln uns wie einen Träger einer schlimmen Krankheit, weil sie das Unbekannte fürchten. Leute mit viel Einfluss und Macht. Aber ich sah auch Begabte, die leichte Beute in jemanden wie dich sehen würden. Deine Macht kann gestohlen werden oder es kommt zur Entführung und endet mit Sklaverei. Justin will nur helfen, auch wenn es nicht den Anschein macht. Nach seiner Ausbildung wirst du dich zu Wehr setzen können. Er schärft deine Instinkte und lehrt dich zu kämpfen. Also was spricht dagegen?“






















































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