Kapitel 36
Fehlendes Feindgefühl und ein starker Kontrollzwang zeichnen Justin erneut aus. Milans ungenießbarer Mitbewohner überwältigt Skyla und drückt sie gewaltsam an den Schultern hinab, sodass ihr Hintern auf das Sitzkissen donnert. Der Schock steht ihr noch ins Gesicht geschrieben und versüßt der Brillenschlange den Tag, wie das Zucken seiner Mundwinkel verrät. Es fühlt sich fast wie eine Demonstration seiner Macht an. Etwas, was ihr deutlich machen soll, besser alles stillschweigend hinzunehmen, da er das Sagen hier hat. Doch Skyla ist niemand, die sich einfach unterwirft. Mit ihr wird dieser Kerl noch seinen Spaß bekommen. Wo es auch möglich ist, wird sie zum Konter ausholen.
Sicherlich zur Einschüchterung setzt sich Justin nah neben Skyla und greift grob nach ihrem Kinn. Ungeduldig dreht er ihren Kopf zum Kotatsu, wo plötzlich auf der Tischplatte ein schwarzer Ring herausblickt. Mit seiner freien Hand ergreift der widerliche Kerl diesen. Skyla vermutet dort eins von Mias Portalen. Umso größer ist die Enttäuschung, als ein Vogelkäfig aus dem Tisch hervorgezogen wird. Statt eines singenden Vogels schmollt dort der dämonische Bär.
Lichtscheu kneift das Übel kurz die Augen zu und faucht bedrohlich. Sein Fell sträubt sich. Ein Fingerschnippen seitens Justin gegen den Käfig und weißleuchtende Runden in Form von durchgestrichenen Musiknoten blinken kurz auf. Diese bilde Ringe um das Gefängnis.
„Ein Schutzzauber.“ Milan nähert sich. „Erschaffen von einer Hexe und zu unserem Schutz.“
Eine wichtige Information, die Skyla am liebsten hinterfragen mag, aber Justin funkelt seinen Mitbewohner missmutig an, als gäbe dieser zu viele Informationen preis.
Mit gebleckten Zähnen blickt der Dämon auf und seine Worte sind zuerst an Justin gerichtet: „Ich habe euch gesagt, lasst mich in Ruhe! Ich habe euch nichts zu sagen!“
Nun aber bemerkt er Skyla, die Justins Hand von ihrem Kinn löst.
„Da bist du ja, meine Schönheit! Ich habe sehnsüchtig auf unser schicksalhaftes Treffen gewartet!“
Die Höllenbrut hat sie tatsächlich nicht bemerkt. Trotz lautstarker Auseinandersetzung mit Justin. Selbst die Fensterscheibe ging zu Bruch. Daher vermutet Skyla, dass der Zauber um den Käfig für einen Lärmschutz sorgt. Kein Laut wird zu dem Käfig durchdringen, bis die Schutzmaßnahme nicht aufgehoben wird. Sicherlich gilt dies auch umgekehrt. Wenn der Dämon tobt, bekommen die Geisterjäger wenig davon mit. So die These.
Hoffnung blickt Skyla entgegen. Hoffnung auf Freiheit. Hoffnung auf Manipulation. Widerliches Süßholzraspeln. Ein abartiges Spiel. Eine Maske. Die dunklen Augen des Dämons haften unentbehrlich auf ihr. Das Wesen scheint zu vergessen, in welcher Hülle es steckt, denn das heimliche Zwinkern und der zugeworfene Luftkuss machen die Situation mehr als bizarr. Geekelt wendet sich Skyla von dem Übel ab.
„Nein, kommt nicht in Frage! Ich will diesen Dämon nicht!“
Die Panik macht sich bei dem Bären breit. Die Augen weiten sich und mit Schnappatmung umfassen die kleinen Klauen die Gitterstäbe. „Aber, mein Herzblatt! Das kannst du doch nicht bringen! Lass uns doch erst mal miteinander reden.“
Dieses Gespräch dauert keine Minute an und schon wendet sich das Medium schnaubend ab.
„Ich verzichte!“
„Rede erst mal mit dem Bären.“
Justins glühender Blick ist wahrlich beängstigend. Zu allem Übel ist sein Vorschlag vernünftiger als ihre alberne Reaktion. Skyla mag sich ohrfeigen, denn viele Alternativen bleiben ihr nicht. Allein kann sie gegen die paranormalen Erscheinungen nicht angehen. Genervt atmet sie aus und blickt von Justin zum Bären, der frech grinsen muss und ihr erneut einen Luftkuss zuwirft. Kai – die dämonische Plüschwatte lehnt sich gelassen an die Käfigwand und verstellt seine Stimme. Ein elender Versuch, verführerisch zu klingen.
„Erkennst du denn nicht, dass unser Treffen Schicksal ist, mein Herzblatt? Ich bin dein heißgeliebter Partner und ich freue mich auf eine Zukunft mit dir. Besiegeln wir unseren Vertrag mit einem feurigen Kuss.,
Der Dämon treibt es wahrlich auf die Spitze. Wütend greift Skyla nach dem Filzstift, denn sie ist Feuer und Flamme dem Bären einen neuen Look zu verpassen.
Mit dem Zeigefinger winkt sie ihn näher und droht ihm: „Rede nur weiter, dann bemale ich dich mit diesem Stift hier!“
Nichts, was diesem Widerling beeindruckt. Statt Furcht, zieht sich sein Grinsen teuflisch in die Länge.
Mia landet kichernd neben Käfig. „Der passt doch gut zu dir.“
Auf die Nähe einer Fee reagiert der Bär empfindlich. Wut kocht in dem Dämon hoch. Animalische Gesichtszüge brechen durch. Kaum fletscht das Wesen die Fangzähne, wirkt der Verstand fern und primitive Instinkte scheinen die Kontrolle zu übernehmen. Mit seinen kleinen Bärenarmen versucht das Watteding nach der Fee zu greifen, dabei glühen seine Augen wie die Pforten zur Hölle.
„Komm her, du kleines Miststück!“, brummt er.
„Hihi! Stimmt etwas nicht?“, macht sich die Fee über den Bären lustig.
„Hey, Dämon. Kannst du Portale öffnen, wie die Fee hier?“, möchte Skyla in Erfahrung bringen.
Tatsächlich erlangt der Angesprochene die Fassung zurück. Den Zorn schluckt er hinab und wendet den Blick von Mia ab.
„Nein, aber …“
Der Bär nimmt vom Gitter Abstand und versucht, wieder cool zu wirken. Er streicht sich lässig durchs Fell und sein Schlafzimmerblick verursacht eine schreckliche Gänsehaut bei Skyla.
Das Medium schüttelt ihren Kopf und hebt ablehnend die Hand hoch. „Dann habe ich keine Verwendung für dich.“
„Warte! Ich kann Gegenstände zu Leben erwecken und ich kann kämpfen! Ich bin ein Kriegerbär!“
Sein elender Versuch der Überredekunst bringt Skyla zum Lachen. All diese Informationen sind ihr bereits bekannt. Sie sah seine Nahkampftechnik und bekam die fliegenden Gegenstände im Kampf gegen ihn zu spüren. Dinge, die sie mehr erzürnen, statt zu beeindrucken. Für eine Partnerschaft muss er schon bessere Karten legen. Denn sie hofft, er habe viel mehr zu bieten.
Vielleicht eine Taktik oder vielleicht ein offenes Geständnis, Fakt ist, dass auch in Justin Enttäuschung wurzelt, als er genervt ausatmet. „Du bist ein schwacher Dämon. Einfach nutzlos.“
Der Bär zuckt augenblicklich zusammen und sinkt hinab. Er legt seine Bärentatze auf die Stelle seines Herzens und schluckt hörbar.
Schließlich beschwert er sich: „Wie könnt ihr es wagen, so über mich zu spotten? Ihr unterschätzt mich! Ich bin nicht schwach! Ich bin der mutige und starke Kai! Und ich habe eine Schwäche für schöne Frauen!“
Stolz hebt der Bär seine Bärenklaue.
Irgendwie niedlich, das muss Skyla gestehen. Auch wenn er das letzte Detail besser wegelasse hätte. Sie betrachtet das böse Geschöpf neugierig. Mit einem gutgelaunten Lächeln sieht sie zu Milan, der noch immer verärgert blickt. Doch kaum sieht sie ihn an, füllt sich sein Blick mit Verwunderung.
„Was macht ihr jetzt mit diesem niederen Dämon?“, fragt sie ihn.
„Ihn an eine Hexe verkaufen“, grummelt Milan nachdenklich, „die Frage ist nur, ob wir für den überhaupt etwas bekommen.“
Der Bär ergreift verzweifelt die Gitterstäbe des Käfigs und gibt preis: „Ich bin schnell und ich habe Honig. Damit kleben eure Feinde solange fest, wie ich es möchte. Sie kommen aus der misslichen Lage nicht raus.“
Mia traut der Sache nicht. „Ja klar. Warum hast du das Zeug dann nicht bei uns eingesetzt?“
„Weil mich Collin gar nicht mehr gehen gelassen hat. Wenn ich nachts auf Wanderschaft gehen wollte, hat sie mich selbst mit geschlossenen Augen eingefangen. Ich hatte irgendwann aufgegeben, schließlich brauchte ich das Zeug ja nicht an ihrer Seite“, erklärt sich Kai.
„Wir können den Bären immer noch verkaufen. Aber fürs Erste kann Skyla ihn auf Probezeit einstellen. Sagen wir sechs Monate, bis dahin können wir immer noch Ersatz finden. Aber so ist sie wenigstens schon einmal in Begleitung eines Schutzgeistes“, schlägt Justin nachdenklich vor.
Milan ist dagegen: „Nein, damit bestrafe ich Skyla nicht. Dieser Dämon ist wirklich abartig!“
„Wo willst du auf die Schnelle einen Schutzgeist herbekommen?“
Milan wirft seinen Kopf zurück und blickt für einen Moment hinauf zur Decke.
Solange bis Kai ihn anspricht: „Hey du! Bist du eingeschlafen? Tu dir nicht weh beim Denken!“
Gekonnt wird die Höllenbrut vom Geisterjäger ignoriert. Etwas, wofür Skyla ihn bewundert. Denn würde es nach ihr gehen, würde sie das Maul der Kreatur mit Klebeband versiegeln. Jedes einzelne Wort ist wie Gift für sie und bringt Skylas Blutdruck auf hundertachtzig.
Milan fällt zum Glück etwas ein: „Bald sollte eine Auktion stattfinden. Zur Not gehen wir in den Untergrund. Ich kann Vanessa mal fragen, ob sie uns hineinmogelt.“
Vanessa?
Es ist die Angst, die Skyla plagt, wenn sie auf Milans mögliche Bekanntschaften trifft und nicht versichern kann, cool zu bleiben. Die Sorge ist groß, sie verliere Milan an eine andere. Die Eifersucht auf jene, die vor ihr an der süßen Frucht des Geisterjägers kosten konnten. Ihr schlechtes Gewissen meldet sich, denn womöglich ist sie einen Schritt gegangen zu sein, den sie am Ende bereut.
„Die Auktion findet erst Mitte nächsten Monat statt. Dann soll sie diesen Bären wenigstens bis dahin auf Probezeit bei sich haben“, besteht Justin darauf.
Milans Blick spricht Bände und doch gibt er nach. Er nickt, wobei er seinen Blick von ihnen abwendet. Skyla atmet genervt aus. So oder so wird sie sich mit diesen Bären anfreunden müssen. Also kann sie sich jetzt mit ihrem Gezicke zum Affenmachen oder sie verhält sich erwachsen und akzeptiert die Lage. Für einen Moment starrt sie den Bären an, der sie erwartungsvoll betrachtet. Sein fieses Grinsen verrät, dass er ahnt, wie es endet.
Skyla gibt widerwillig nach und doch besteht sie auf eine Sache: „Ich werde dich nicht küssen, Dämon!“
Beleidigt dreht sich Kai zur Seite. „Dann bin ich nicht gewillt, dir zu helfen.“
Skyla sieht nun schulterzuckend zu Milan. „Ich habe es versucht, an mir liegt es nun nicht mehr.“
Justin scheint dafür kein Verständnis zu haben. „Was ist schon dabei, einen Teddybären zu küssen?“
„Er mag zwar die Gestalt eines Plüschbären haben und doch ist das Ding ein Dämon!“, erinnert Skyla ihn.
Auf Verständnis zu hoffen war ein großer Irrtum. Vielleicht unterschätzt Justin das kleine Ungetüm. Doch Skyla traut dem Braten nicht. Nur legt Justin wenig Wert auf ihre Meinung.
„Küss den Bären!“, fordert die Bohnenstange.
„Nein!“
„Soll ich ihn für dich küssen?“, bietet Justin ihr nun an.
„Meinst du das ernst?“
„Ich werde ihn küssen, wenn du dich danach überwindest und den Pakt mit einem Kuss besiegelst“, bietet Justin ihr an.
Kai ist alles andere als begeistert. „Moment! Nein! Behalte deine Spucke gefälligst bei dir, Kerl!“
Was hätte Justin davon? Vielleicht will er ihr vor Augen führen, wie harmlos die Aktion sein mag. Aber vielleicht bietet sich somit die Chance auf Beweismaterial, das zukünftigen Spott lindern kann. Bevor ihr irgendjemand an den Kopf wirft, sie habe einen Dämon geküsst, kann sie mit einem Foto kontern, dass auch Justin sich darauf eingelassen hätte. Laut Milans Erzählungen scheint Justin ein Image in der Welt der Magie zu vertreten. Und so wie der Kerl blickt, scheint er auf seinen Ruf wenig Wert zu legen. Daher könnte Skyla mit einem Beweisbild möglichen Spott im Keim ersticken. Denn sollte es wahr sein und Justin erntet Respekt, dann werden sich vielleicht nur die wenigsten Leute darüber lustig machen. Und so ließe sich verhindern, dass Skyla ständig aus der Haut fahren würde, wenn ihr dieser Vertragsabschluss mit dem kleinen Dämon vor die Nase gehalten wird.
„Ich wäre einverstanden, wenn ich diesen Moment mit einem Foto verewigen darf“, verhandelt Skyla mit Justin.
„Wirst du das Foto veröffentlichen?“
Anscheinend traut er der Sache nicht.
Ein berechtigter Einwand, doch Skyla zeigt viel Verständnis für ihre Lage. Milan war schließlich offen und ehrlich. Sie hat ein gutes Bild über die Bedrohung erhalten. Dieses Bild dient mehr zu ihrer Absicherung gegen möglichen Spott.
„Nein, ich kenne eure Lage. Ist wohl besser, wenn diese komischen Leute euch nicht finden.“
„Schwöre es mir, dass du das Foto nur für private Zwecke nutzen wirst!“, pocht Justin darauf.
„Nein, Freundchen! Ich will keinen Kuss von dir!“
Der Bär wird jedoch völlig ignoriert, denn Skyla blickt Justin entschlossen in die Augen.
„Ich schwöre, dass ich dir mit dem Foto nicht schaden werde. Das Foto dient allein zu meiner Unterhaltung und Absicherung gegen möglichen Spott.“
„Dann darf auch ich dich fotografieren?“
Seine Frage sollte nicht überraschen und wäre eigentlich vorhersehbar gewesen, dennoch plante Skyla diesen Wandel nicht ein und blinzelt verdattert.
„Das ist gemein! Das war nicht vereinbart!“
Justin lächelt fies. „Die Verhandlungen sind ja noch nicht abgeschlossen.“
Skyla unterschätzt ihn. Fatal. Aber seine Bedingung klingt eigentlich nur gerecht. Da noch keine Einigung zu Stande kam, will sie sich dies auch zu Nutze machen.
„Gut, aber nur, wenn du mich nun bei meinem Namen nennst und mich nicht immer an den Herd schicken willst! Wenn du wirklich willst, dass ich für euch koche, dann frage mich höflich und erteile mir nicht sofort einen Befehl!“
Justin wirft seinem Mitbewohner einen amüsierten Blick zu und gesteht: „Jetzt verstehe ich, was dich an ihr reizt. Ich mag sie.“
Milan fletscht die Zähne. „Und ich mag es nicht, wie du sie ansiehst! Lass die Finger von ihr!“
Justin sieht beeindruckt zu Skyla und beschließt: „Einverstanden, Skyla.“
Sie macht große Augen. Wieder einmal fragt sie sich, ob sie diesen Moment nur träumt oder ob die beiden ihr nur etwas vorspielen. Sie kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Justin Gefallen an ihr findet. Schließlich hatten sie einen ganz schlechten Start.
Justin reißt sie jedoch mit einer Ankündigung aus den Gedanken: „Dann nimm mal dein Handy in die Hand und mach dein Foto, denn ich küsse jetzt diesen Bären. Wenn du vor dich hinträumst ist das nicht meine Schuld.“
Immer noch ganz verdattert holt sie ihr Handy hervor, während Justin den Käfig aufschließt und den Bären herausholt. Erst jetzt fällt Skyla die Fußfessel auf, woran ein Kettenband hängt, das mit dem Gittergestell verbunden ist.
Das Rumgefuchtel des Bären wird gekonnt von Justin ignoriert. Sowie die verzweifelten Warnungen. Die Schimpfparade des Dämons ändert sich wenig später auf eine andere Sprache.
„Putida caro! Praeter speciem stultus est. Humanum quis sustulit Verionis palliolum sive res illius…“
Noch ehe Skyla dies hinterfragen kann, bestätigt Milan ihr: „Latein wird von gern von Dämonen und Geister genutzt.“
„Verstehst du ihn?“
„Jedes Wort.“
Seine Antwort ist kühl. Fast distanziert.
„Was sagt er?“
„Angriffe auf Justins Blutlinie und wie erbärmlich wir Menschen doch sind.“
„Freu dich, Latein ist eine von vielen Sprachen, die du lernen wirst“, ärgert Mia sie.
Ihr Partner bestätigt dies mit einem Nicken und fügt eine Erklärung hinzu: „Wir befassen uns oft mit alten Schriftzügen, deren Übersetzung uns Stunden kosten kann.“
Skyla seufzt bei den Aussichten. Wäre ihre Lehre doch schon abgeschlossen. Bald stehen die Prüfungen vor der Tür. Noch ist ihr nicht klar, wie sie all das unter einem Hut kriegen soll. Ein Blick zu Justin zeigt, dass er den Bären auf Augenhöhe hält. Die blanke Panik steht dem Dämon ins Gesicht geschrieben. Die Höllenbrut beginnt zu schwitzen und fährt die Krallen aus. Drei Erfolge gehören ihm, Justin den Mund zuzuhalten. Aber Justin bleibt verbissen und selbst auf solch eine Kreatur einschüchternd. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre die Plüschwatte bereits erdolcht. Mit einer List und dem entsprechenden Timing wird der Dämon überlistet. Justin spielt vor, aufzugeben, und senkt bereits seine Arme. Kai kauft ihm die Finte tatsächlich ab, umso größer sitzt der Schrecken, als der Geistjäger dann doch Erfolg erzielt. Skyla verewigt den Kuss zwischen dem Dämon und Justin. Skyla hielt es nicht für möglich, aber das kleine Wesen kann noch lauter und nerviger werden. Denn Kai kreischt, als wäre er von einer Tarantel gebissen. Verzweifelt drückt er seine Bärenpfoten in Justins Gesicht und kämpft um Distanz.
Ungeachtet von den Beschwerden hält Justin den Bären nun zu Skyla.
Seine Worte sind jedoch an Kai gerichtet: „Der Vertragsschwur, Dämon.“
Kai funkelt ihn finster an, schließlich räuspert er sich und sein Blick fixiert Skyla.
„Meine wunderschöne Göttin. Eine Königin wie sie im Buche steht. Gewiss lege ich mein Leben vorübergehend in Eure Hände.“
Das Medium verdreht genervt ihre Augen, als der Bär mal wieder völlig übertreibt. Das scheint Kai nicht zu stören, denn er ist Feuer und Flamme bei dem Vertragsschwur.
„Ich, Kai, der vor allem gefürchtete Krieger mit einem überaus großen Herzen, lasse nicht zu, dass man Eurem wunderschönen Körper schadet. Ich bin Euer Schild, erst muss man an mir vorbei…“
„Stopp!“ Justin schüttelt verärgert den Kopf. „Du bringst deinen Besitzer hiermit in Gefahr! Skyla darf nicht als Medium erkannt werden! Du kannst nicht einfach ins Bild treten, wenn sie in Ärger verwickelt wird!“
„Ein Dämon mit einem großen Herz“, wiederholt Skyla ihn und muss darüber laut lachen. „Das ist voll gelogen, Bär!“
Empört für die Unterbrechung starrt der kleine Dämon sie zornig an, woraufhin Justin ihn wie eine flackernde Taschenlampe zu schütteln beginnt.
„Ist ja gut! Ich habe es verstanden!“, brummt Kai lautstark.
„Ich hoffe es für dich!“, knurrt Justin.
Der Dämon braucht einen kurzen Moment, um sich zu fassen, um schließlich fortzuführen:
„Also gut. Aufs Neue! Meine grausame Gebieterin. Mein Leben ist Euers. Ich diene Euch mit Feuer und Flamme. Euer Ruf bleibt niemals unerhört. Sobald der Kampf naht und Ihr einen Verbündeten braucht, bin ich sofort zur Stelle. Zählt auf mich. Gemeinsam erreichen wir Großes. Ich bin mir die Folgen bei einem Vertragsbruch bewusst. Sollte ich gegen Eure Befehle verstoßen, dann werde ich mit ewiger Gefangenschaft bestraft. Ich lege mein Leben vorübergehend in Eure Hände und erhoffe mir, Euch beeindrucken zu können. Lasst uns unsere Zusammenarbeit mit einem Kuss besiegeln.“
Skyla atmet genervt aus, denn es kostet sie wirklich viel Überwindung den Bären in die Hand zu nehmen. Noch hält sie ihn von sich fern, obwohl das kleine Monster bereits seine Lippen spitzt. Justin hat sein Handy auch schon auf sie gerichtet. Skyla wirft jedoch einen verzweifelten Blick zu dem ernstblickenden Milan. Verständlich, dass er die Lage nicht gutheißen kann. Skyla zweifelt im Moment der Wahrheit an ihrem Verstand. Hoffentlich liegt Justin richtig und diese Aktion kommt ihr nicht teuer zu stehen.
Kai ist das Warten leid, er ergreift Skylas Kopf und dreht diesen zu sich. Bevor sie handeln kann, drückt er seine auf ihre Lippen. Verzweifelt reißt sich Skyla los und donnert den Bären zurück in den Käfig. Im nächsten Moment schnellt sie schweratmend hinauf und betrachtet das Biest mit schmalen Augen.
„Was erlaubst du dir eigentlich, Dämon?“, wird das Medium laut.
Sein freches Grinsen lässt bei ihr alle Sicherungen durchbrennen. Mit ihrer rechten Hand spielt sie ihn vor, ihre imaginäre Getränkedose zerdrücken. Auf diese Handbewegung reagieren ihre besonderen Fähigkeiten, denn mit einem Schlag wird der Käfig so bearbeitet, dass Kai nur wenig Platz in der Mitte bleibt. Die Gitterstäbe geben nach und knicken bedrohlich ein. Der Dämon keucht und drückt schützend gegen die Gitter. Zur Abwechslung wird die kleine Höllenbrut mal still.
Kaum kommen die Kräfte ins Spiel, erhebt sich Milan eilig. Bevor er jedoch handeln kann, rüttelt Justin sie wach.
Er beschwert sich bei ihr: „Hey, du sollst ihn nicht zerquetschen wie eine Fliege! Den Bären wirst du fürs Erste noch brauchen. Solange, bis wir für Ersatz gesorgt haben! Hast du mich verstanden?“
Unglaublich, aber wahr, trotz Rage dringt jemand anderes als Lukas zu ihr durch. Der Zorn flammt ab und doch atmet Skyla noch schwer. Die Lippen brennen wie Feuer und die Galle steht bis oben. Der Blick mag noch auf das widerliche Ding gerichtet sein, als erhoffe sie, ihr Blick erdolche das Wesen. Doch um ihre Nerven zu beruhigen, nimmt Skyla mit bebenden Schritten Abstand.
„Entschuldigt, aber dieser Dämon macht mich wahnsinnig.“
Eine Tatsache und ein Szenario, das sicherlich häufig noch eintreffen wird. Skyla zweifelt immer stärker an ihrer Entscheidung. Doch das Geschehen lässt sich nicht rückgängig machen und nun muss sie lernen, mit den Folgen zu leben.



























































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