Ascardia-Kapitel 11

~Ascardia~

Ich starrte in die wunderschönen, grünen Augen des Tieres und fragte mich, was es hier zu suchen hatte. War es der Grund, warum mir plötzlich nicht mehr kalt war?
»Bist du auch ein Tiger?«, fragte ich neugierig.
Da waren, neben der tiefschwarzen Farbe, feine Unterschiede, die mir nicht entgingen.
Der schwarze Tiger trat unruhig von einer Pfote auf die nächste, während er mich ansah, als wüsste er nicht, ob er wegrennen sollte.
Ich setzte mich bequem hin, bewegte mich dabei aber vorsichtig. »Tut mir leid, ich wollte dir keine Angst machen«, sagte ich und hob meine Hand, damit er daran schnuppern konnte.
Unschlüssig starrte er meine Hand an, als wüsste er nicht, was ich damit wollte.
Seine Reaktion war so ganz anders als die des Tigers, dabei strahlte er eine ähnliche Eleganz und Macht aus.
»Darf ich … dich berühren?«, fragte ich, ohne mir Gedanken darüber zu machen, gerade Selbstgespräche zu führen.
Ob er mir nicht antworten konnte? Oder wollte er vielleicht nicht?
Vorsichtig neigte das Wesen seinen Kopf. »Ich bin ein Panther«, antwortete er, während ich mich noch fragte, ob sein Kopfneigen eine Einladung war.
Ich entschied mich dazu, dass es eine war und legte meine Hand vorsichtig in sein Fell.
Es war weich, aber Kühler als das des Tigers. Trotzdem spürte ich den Drang, mich hineinzukuscheln.
»Danke, dass du mich gewärmt hast«, flüsterte och, bevor ich dem Drang nachgab und meine Arme um seinen Hals schlang.
Ich spürte, wie er sofort einen unsicheren Schritt zurück machte.
Schnell löste ich mich. »Tut mir leid«, stieß ich hervor, hatte ich doch nicht erwartet, dass es ihm nicht gefiel.
»Das …«, setzte er an, verspannte sich aber plötzlich und starrte auf die Tür.
Ich folgte überrascht seinen Blick.
Eine sanfte, warme Brise streifte meine Sinne, bevor sich die Tür geräuschlos öffnete.
Der Panther machte einige Schritte zurück, als der Tiger eintrat.
Groß, majestätisch und umhüllt von einer warmen Aura.
Als sein Blick jedoch auf den Panther traf, spürte ich die Veränderung im Raum.
Ich hatte etwas ähnliches bereits bei einem Kampf zwischen Alphas beobachtet und doch war es so ganz anders.
Die angenehme Wärme traf auf die sanfte Kühle, mischte sich jedoch nicht. Sie prallte aufeinander, wirbelte herum und ließ meine Nackenhaare zu Berge stehen.




Ein tiefes Knurren verließ die Kehle des Tigers, was den Panther zusammenzucken ließ.
Hier herrschte eine ganz klare Hierarchie. Der Tiger hatte das Sagen, das war mir klar.
»Raus«, knurrte er.
Es war, als würde die Kraft im Raum immer stärker wirbeln und schließlich sogar nach mir schlagen.
»Hört auf!!«, rief ich frustriert darüber, dass sich beide auf einer solchen Ebene bekämpften. Das war nicht fair. »Es gibt keinen Grund zu streiten.« Mit diesen Worten stellte ich mich vor dem Panther, der eindeutig im Nachteil war.
Die Magie im Raum hielt einen Moment inne, bevor die Wirbel zu ruhigeren Wellen wurden.
Die Überraschung, die daraufhin über das Gesicht des Tigers glitt, ließ mich leise lachen.
»Bitte verzeiht«, murmelte der Panther, der langsam an mir vorbei trottete. Sein Kopf war gesenkt und er hielt so viel Abstand wie der Raum zuließ, als er auf die Tür zutrat.
»Warte. Ich konnte dir doch noch gar nicht danken«, rief ich, immerhin hatte er mich gewärmt und mir Gesellschaft geleistet.
Der Tiger brummte, als er auf mich zu getrottet kam und sich schließlich direkt neben mich legte. Ich konnte einen Moment ein Knistern wahrnehmen. Es ging wie ein Funken von einem Tier zum anderen.
Der Panther zögerte und starrte den Tiger ungläubig an. Die Tür schloss sich leise wieder, ohne dass der Panther den Raum verlassen hatte.
Stille kehrte ein. Selbst in die Magie, die sich langsam legte.
Ein warmer Mantel und eine kühle Brise. War für ein angenehmes Gefühl.
Instinktiv wanderte meine Hand in den Nacken des Tigers, wo ich begann, ihn zu kraulen. »Komm her«, bat ich an den Panther gewandt. Immerhin musste ich mich noch richtig bedanken.
Er zögerte und tapste erneut von einer Pfote auf die nächste. »Ich tu dir nichts«, versprach ich erneut, woraufhin der Tiger einen schnaubenden Ton ausstieß.
Als wäre das ein Zeichen, setzte sich der Panther endlich in Bewegung und gesellte sich zu meiner anderen Seite.
Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen, als ich such meine andere Hand in das weiche Fell legte.
»Das muss ein Traum sein«, murmelte ich zu mir, konnte ich das doch kaum fassen.
Vielleicht war ich hier eine Gefangene, aber bis jetzt war mir hier nur gutes widerfahren.




Nicht genug, dass ich meine Vorsicht ablegen würde, doch genug, um mich entspannt zu fühlen. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, wenn jemand anderes auf einen aufpasste.

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