Ascardia-Kapitel 16
~Ascardia~
Wärme umfing mich und eine leichte bittere Note umspielte meine Nase.
War das der Duft des Schwarztees? Bildete sich mir das ein?
Obwohl ich mich federleicht fühlte, gelang es mir doch nicht, meine Arme oder Beine zu bewegen. Nicht einmal meine Augen wollten sich öffnen.
Etwas Weiches lag in der Rücken und eine Decke wärmte meinen Körper.
Wo war ich?
»Warum hast du das getan? Das ist Wahnsinn!«
War das Ayden? Warum klang er so verärgert? War er wütend auf mich, weil ich einen Teil betreten hatte, den ich nicht durfte?
Er hätte mich ja warnen können!
»Das Wasserlicht darf nicht frei kommen. In mir wird es nicht fliehen können.«
Das war eindeutig Cayden. Seine Stimme so ruhig und bedacht, dass mich Erleichterung durchfuhr.
War er nicht mehr böse auf mich? Ich konnte keine Wut mehr hören.
Aber was hatte er da gesagt? Das Wasserlicht war gefährlich?
Die Erinnerung wie es mich zum See geführt und dann hineingeschubst hatte, ließ meinen Hals schmerzen.
Ja. Es war gefährlich. Aber was meinte er mit seinen letzten Worten? In ihm?
»Nicht nur hast du es aus ihr gezogen, du hast es aufgenommen!«, schrie Ayden und mir wurde klar, dass er gar nicht mich meinte. Er schrie Cayden an. War er denn lebensmüde?
Ich wollte mich aufsetzen und entschuldigen, doch es gelang mir noch immer nicht. »Es wird Jahre brauchen, bis du es unter Kontrolle hast. Wenn wir jetzt angegriffen werden …«
Seine Stimme verstummte und ich konnte mir gut vorstellen, wie eine Bewegung von Cayden dafür gesorgt hatte.
Das ließ mich fast schmunzeln. Allerdings wehrte der Moment nur kurz.
Hatte er mich gerettet? Cayden?
War er dadurch jetzt geschwächt? Warum machte er das?
»Das Wasserlicht ist eine viel größere Gefahr«, behaarte Cayden mit ruhiger Stimme, als würde Aydens Wut ihn kaum interessieren. Ich glaubte jedoch einen Unterton wahrzunehmen, den ich nicht verstand. Könnte das Erschöpfung sein?
»Du hättest es mit ihr sterben lassen sollen!«
Was?
Was hatte Ayden da gesagt?
Er hätte mich sterben lassen?
Ich spürte einen unerwarteten Stich uns fragte mich, ob ich ihm zu sehr vertraut hatte. Zu sehr vertraut hatte, das mich jemand retten kam.
Aber wieso? Woher kam dieses Gefühl?
»Es hätte sich nur an ihrer Kraft gelabt und wäre dann zum nächsten Wirt weiter«, erklärte Cayden, als würde er über etwas völlig Belangloses sprechen.
»Warum hast du sie dann nicht einfach mit dem Wasserlicht versiegelt. So wie beim letzten Mal.«
In mir tobten die Gefühle, während ich dem Gespräch der beiden Männer lauschte.
Warum nahmen mich Aydens Worte so mit? Weil ich etwas anderes erwartet hatte?
»Das hier ist anders«, sagte Cayden entschieden, womit das Gespräch beendet wurde.
In diesem Moment spürte ich, wie mein Körper wieder reagierte. Meine Finger zuckten uns ich schlug die Augen auf.
Blinzelnd versuchte ich die Farben zu verstehen.
Sie malen das Bild eines großen Drachens, der durch den Himmel glitt.
Ein Gemälde an der Decke?
Irritiert davon drehte ich meinen Kopf und entdeckte die beiden Männer.
Ayden lief unruhig auf und ab, während Cayden scheinbar gelassen in einem gepolsterten Stuhl saß.
Sein Blick irgendwie kalt, statt müde.
»Aber musstest du ihr wirklich einen Teil…«, setzte Ayden aufgebracht an, doch ein Zischen seitens Cayden ließ ihn sofort verstummen.
»Sie ist aufgewacht.«
Eine einfache Feststellung in meine Richtung, die Ayden sofort herumwirbeln ließ.
Sein Blick ungläubig, während er mich genau betrachtete. Als hätte er erwartet, dass ich nicht wieder zu mir kam.
»Unmöglich«, protestierte er mit atemloser Stimme.
Unwohl, weil beide mich seltsam anstarrten, setzte ich mich langsam auf.
Was sollte ich tun, um mich zu entschuldigen und zu bedanken? Was war angemessen? Was sagte man in so einer Situation?
»Wie fühlst du dich? Tut dir etwas weh? Siehst du richtig?«, fragte Ayden so schnell, dass ich kaum hinterherkam.
»Äh … Ich kann richtig sehen. Mir tut nichts weh«, sagte ich, weil das die einzigen Fragen waren, auf die ich gerade antworten konnte.
Ayden stieß die Luft aus und fuhr sich dann in einer abgehackten Bewegung durch seine Haare. Dann fluchte er und wandte sich ab.
»Nicht einmal einen Tag«, murmelte er zu sich selbst, als würde er irgendwas nicht verstehen.
Ich aber wandte mich an Cayden und senkte den Kopf. »Es tut mir leid, ich habe mich verlaufen. Ich wollte wirklich nicht … etwas Verbotenes tun«, sagte ich.
Ayden fluchte erneut. »Weißt du eigentlich, wo du da warst?«, fuhr er mich an, sodass ich heftig zusammenzuckte.
»Ayden.« Ein Wort. Ausgesprochen mit absoluter Kälte.
Ayden blieb sofort stehen und versteifte sich. Er stieß ein Knurren aus, bevor er mit angestrengten Bewegungen den Raum verließ.
Zurück blieb Cayden, der sich nun langsam erhob.
Seine sonst so eleganten Bewegungen wirkten plötzlich abgehakt und müde.
Mein Herz schmerzte, als ich sah, wie er auf mich zukam.
Er kaschierte es gut. Vermutlich wäre es nicht aufgefallen, wenn ich nicht darauf achten würde.
»Zeig deinen Hals«, befahl er, wobei ein Kratzen in seinen Worten mitschwang. Als hätte er viel geredet oder gar geschrien.
Vorsichtig legte ich meinen Kopf zurück, um meinen Hals zu zeigen. Ich erinnerte mich an die Schmerzen. Vermutlich wollte er nur kontrollieren, ob alles in Ordnung war.
Ich spürte keine Schmerzen.
»Fühlst du dich seltsam?«, fragte Cayden, der mir direkt in die Augen starrte, als würde er dort etwas betrachten.
»Nein. Nicht … wirklich«, sagte ich, bevor ich richtig auf meinen Körper hörte.
Meine Körper bewegte sich überraschend geschmeidig und leicht. Als wäre ich plötzlich viel leichter und beweglicher. Außerdem war da Kraft, die dafür sorgte, dass es schwer war, ruhig sitzen zu bleiben.
Cayden stieß die Luft in einem Ton aus, den ich eher bei Ayden erwartet hatte. »Ich habe das Wasserlicht aus dir herausgeholt. Normalerweise überlebt man das nicht so einfach.«
Ich legte den Kopf schief, denn ich verstand nicht, was er sagte.
Als ich fragen wollte, sprach er jedoch weiter: »Solltest du irgendwelche Veränderungen spüren, sag es mir. Sofort.«
Keine Bitte. Ein Befehl.
Ich nickte. Es gefiel mir zwar nicht, doch er hatte mich gerettet. Ich war ihm etwas schuldig.




































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