Ascardia-Kapitel 34

~Cayden~
Als sich Ascardia zu einer Blume beugte, spürte ich keine Veränderung im Garten. Nichts, was darauf hindeuten würde, dass etwas Schreckliches in der Luft lag.
Daher hinderte ich sie auch nicht daran, die Blume zu berühren. Etwas, das ich im nächsten Moment sofort bereute.
Ein Zittern ging durch ihren Körper, bevor sie wie ein nasser Sack in sich zusammenfiel.
Sofort trat ich auf sie zu, um zu sehen, was geschehen war.
Seltsame, schwarze Male hatten sich über ihren Körper gezogen und leichter Rauch kam aus ihrem Mund.
Mein Herz drohte zu zerspringen.
Das konnte nicht sein. Das waren eindeutige Zeichen davon, dass es sich um ein Schattenlicht handelte. Aber wie war das möglich? Wie kam es in diesen Garten? Hatte Fürst Dorne es nicht richtig versiegelt?
Warum passierte das schon wieder?
Wieso Ascardia?
Ich ballte meine Hand zur Faust. Mir blieb keine andere Wahl, sonst würde sie sterben.
Doch auch mit meiner Hilfe hing ihr Leben am seidenen Faden.
Ich legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Stirn, bevor ich mich auf die innere Unruhe ihrer Magie konzentrierte.
Wie auch bei dem Wasserlicht spürte ich sofort, was nicht dorthin gehörte. Eine so gewaltige Menge an Macht, dass es mich wunderte, dass lediglich schwarze Male über ihre Haut krochen. Sie müsste durch die Menge explodieren.
War sie vielleicht durch das Wasserlicht gestärkt und hatte sich daran gewöhnt?
Nein. Das konnte nicht sein. Sie war keine Fae aus meiner Blutlinie.
Ich atmete tief durch, bevor ich die Macht in ihr griff und sie langsam zu mir zog.
Es fühlte sich an wie flüssige Lava, die plötzlich durch meine Adern floss, doch ich hörte nicht auf. Wenn ich nicht genug des Schattenlichts aus ihr hinauszog, würde sie jämmerlich zugrunde gehen. Das konnte ich ihr nicht antun.
Ich spürte den metallischen Geschmack von Blut in meinem Mund, konnte aber nicht sagen, woher es kam.
Die Magie, die in mir zusammenfloss, schmerzte so sehr, dass ich ein Keuchen ausstieß. Kein Wunder, dass Ascardia zusammengebrochen war, obwohl sie selbst beim Wasserlicht noch halbwegs ansprechbar war.
Die Magie dieses Schattenlichtes war so stark, dass jemand es gefüttert haben musste. Aber wer war dumm genug?




//Ayden! Das Schattenlicht ist in Ascardia gefahren//, rief ich meinem Bruder mental zu. Ich hoffte sehr, dass er wusste, was zu tun war, während ich mich auf Ascardia konzentrierte.
Die Macht zog an mir. So sehr, dass die Ränder meines Blickes schwarz wurden, als würde es mich in die Tiefe ziehen wollen.
Strahlende Hitze rollte über die gesamte Insel, als Ayden auftauchte.
Sein tiefes Brüllen kam aus der Halle, in der sich die anderen Fürsten versammelt hatten und in der die Feier stattfand.
Ich konnte mich jedoch nicht mehr auf meinen Bruder konzentrieren, als die Macht mir entgegenpeitschte.
Schattenlichter wurden auch Irrlichter genannt, weil sie mit den Sinnen spielten. Sie waren Meister der Manipulation, weshalb ich alle meine Kontrolle aufbringen musste, um nicht von seinen Illusionen verschlungen zu werden.
Es war nicht leicht, doch Ascardias unbewegte, blasse Gestalt, half mir.
Ich hasste diesen Anblick, denn das passte nicht zu ihr. Sie war ein helles, lebendiges Licht. Das hier war kaum mehr als eine Puppe.
»Ascardia«, knurrte ich, während die schwarze Macht des Schattenlichtes meine Arme hinauffloss und meinen Körper Stück für Stück verschlang, während meine eigene Magie wie ein lebendiges, frostiges Feuer, dagegen ankämpfte.
Im Vergleich war das Wasserlicht einfach gewesen.
Mein Blick wurde kurz schwarz und mein Körper drohte, den Kampf zu verlieren.
Ich wusste, dass ich nur Bruchteile absorbieren durfte. Mehr, und das Licht würde mich ebenso verschlingen.
Instinktiv brach ich die Verbindung ab, um mich nicht selbst zu vernichten.
Mein Atem ging schwer und ich musste mich am Boden abstützen, während alles zitterte.
Müdigkeit überkam mich, gegen die ich ankämpfte.
Noch nicht. Da waren noch Teile des Schattenlichtes in ihr. Aber mehr konnte ich nicht tun. Ich gab es nicht gern zu, doch mein Körper war zu schwach dazu.
Langsam hob ich Ascardia vom Boden auf, während die schwarze Macht in meinen Adern pulsierte.
Jede Bewegung brannte und das Atmen fühlte sich an, als müsste ich Magma ausstoßen. Bald war ich an meinen Grenzen, doch zuerst musste ich Ascardia in Sicherheit bringen. Wir befanden uns auf Fürst Dornes Boden und auch wenn Ayden hier war, waren wir nicht sicher.




Zielsicher betrat ich die Festhalle.
Es waren nur noch wenige Leute anwesend. Darunter Fürst Dorne, aber auch Fürst Verdant.
Mich interessierte jedoch nur der Fürst, der nicht in der Lage war, seine Aufgabe zu erfüllen.
Ich blickte ihn eisig an. »Ein Schattenlicht in Euren Garten während so einer Feier ist nichts anderes, als eine Kriegserklärung«, sagte ich, während ich an ihm vorbeischritt.
Das schwarze Pulsieren unter meiner Haut war für jeden sichtbar.
Ich machte kein Geheimnis daraus, was gerade geschehen war und was ich getan hatte.
Mit den Konsequenzen konnte ich mich später herumschlagen.
Jetzt war es wichtig, dass ich gegen die Müdigkeit ankämpfte, bis wir zurück waren. Schwäche zu zeigen, würde nur dafür sorgen, dass die anderen Fürsten sie ausnutzten. Das durfte ich mir in meiner Position nicht leisten.
Jeder Schritt war schwer, doch ich hielt so gut es ging auf die Kutsche zu, die Ayden mitgebracht hatte.
Dass immer wieder alles schwarz um mich herum wurde, kaschierte ich, so gut es ging.
Nur Ascardias leiser Atem und ihr regelmäßig schlagendes Herz, trieben mich voran.
Wenn ich nicht schnell wieder zu Kräften kam und den Rest aus ihr herausholte, würde es sie töten. Das würde ich nicht zulassen.

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