Ascardia-Kapitel 43

~Ascardia~
Ayden hatte sich tatsächlich überreden lassen, mich jeden Tag zu Cayden zu bringen und so war mittlerweile über eine Woche vergangen.
Ich spürte meine Beine wieder, auch wenn ich immer noch nicht in der Lage war, zu laufen. Auch Cayden schien es besser zu gehen. Er wurde langsam wieder kühler, doch aufgewacht war er noch immer nicht.
Das machte mir langsam wirklich Sorgen, doch Ayden bestand darauf, meinen Besuch bei Cayden auf nicht länger als eine Stunde zu begrenzen.
Ich verstand nicht warum, doch danach war er meist verschwunden. Sicherlich hatte er Arbeit zu erledigen. Daher war ich ihm dankbar, dass er jeden Tag Zeit mit mir verbrachte.
Meistens schwiegen wir, doch vor kurzem hatte ich ihm eine wichtige Information entlockt. Fürst Dorne war nicht gut auf uns zu sprechen und hatte scheinbar von Caydens Zustand erfahren.
Ich fragte mich zwar, woher, doch ändern konnten wir daran nichts mehr.
Wir konnten nur hoffen, dass er bald wieder zu sich kam und selbst entscheiden konnte. Bis dahin würde Ayden hoffentlich alles übernehmen. Sein Fehlen musste jedoch auffallen.
Ich wusste nicht genau, was Cayden immer tat, doch er stand in Kontakt mit anderen Fürsten. Wenn er nicht zu den Konferenzen, oder wie das nochmal hieß, ging, würde das sicherlich schnell die Runde machen.
Jeden Tag wartete ich geduldig darauf, dass Ayden mit abholte und ich Zeit mit Cayden verbringen konnte. Wie auch schon die Tage zuvor, hatte ich mir zurechtgelegt, was ich ihm erzählen wollte.
Anfangs hatte Ayden gelacht, doch mittlerweile lauschte auch er, als wäre er neugierig darauf, was ich alles erlebt hatte.
Vielleicht schmückte ich meine Geschichten aus dem Gluthain ein wenig aus, doch größtenteils entsprachen sie der Wahrheit.
Ayden genoss sie, weshalb es mich wunderte, dass er heute so spät kam. Die Sonne neigte sich langsam den Horizont entgegen und ich hatte schon Angst, dass er es vergessen hatte, als er die Tür öffnete.
Er atmete tief aus und ich konnte sehen, wie sich seine Schultern etwas entspannten. Als wäre er die ganze Zeit über angestrengt gewesen.
Ich schenkte ihm ein Lächeln. »Du warst wieder bei diesen endlosen Versammlungen, oder?«, fragte ich besorgt. Er sah ausgelaugt, aber zum Glück nicht krank aus.




Ayden lockerte seine Schultern. »Ich hasse es, vor ihnen zu stehen, als wäre ich nur der Schatten meines Bruders. Außerdem fangen auch anderen Fürsten an, Verdacht zu schöpfen«, seufzte er und fuhr sich durch die Haare. Eine Geste, die in letzter Zeit viel zu oft von ihm kam. Er musste gestresst sein.
»Ich hoffe, Cayden wacht bald auf«, sagte ich und schlug das Buch zu.
Mittlerweile konnte ich so gut lesen, dass ich es zumindest hin und wieder mit einer Geschichte probierte. Trotzdem war ich noch nicht so flüssig, dass es mir wirklich Spaß machte. Aber aktuell gab es nicht viel mehr zu machen.
Ayden kam auf mich zu und hob mich dann vom Sessel in meinen Rollstuhl. Er war mittlerweile unersetzbar für mich geworden.
»Ich auch. Ich ertrag diese ganzen Fürsten nicht mehr. Es wäre einfacher, wenn sie vor mir auch solche Angst hätten wie vor meinem Bruder«, seufzte Ayden und schob mich dann nach draußen.
Ich schloss einen Moment die Augen und musste dann gähnen. Es war heute wirklich schon sehr spät und da ich den ganzen Tag mit Issabella geübt hatte, fühlte ich mich erschöpft. Trotzdem wollte ich Cayden sehen.
»Heute keine Geschichte«, entschied Ayden.
Ich hob schon an zu widersprechen, erinnerte mich aber an seine Bedingung. Wenn ich meckerte, würde er aufhören, mich zu Cayden zu bringen. Also stimmte ich widerwillig zu.
Im Moment würde ich vermutlich alles tun, nur um Cayden sehen zu können. Er hatte mir so viel geschenkt und jetzt wollte ich ihm etwas zurückgeben. Auch, wenn es nicht viel war.
Als wir in den Raum kamen, war es kühler im Zimmer. Ein Hauch seiner Aura lag in der Luft und ich sog die Brise ein wie ein Verdurstender Wasser. Ob Ayden es auch spürte?
»Was ist?«, fragte er und musterte mich von hinten.
»Ich genieße Caydens Aura«, erklärte ich und schloss meine Augen. Als mich Ayden weiter zum Bett schob, öffnete ich sie sofort wieder. Immer mit der Hoffnung, dass Cayden erwacht war. Doch ich wurde wieder enttäuscht. Dafür hatte er aber seine übliche Blässe wieder angenommen.
Als ich nah genug am Bett war, beugte ich mich vor und griff nach seiner Hand, um sie zu halten.
Ich spürte das Kribbeln zwischen uns, doch die blauen Blitze, die Ayden gesehen hatte, entdeckte ich nicht.




Sanft massierte ich Caydens Hand, weil es alles war, das ich konnte. »Bitte wach bald wieder auf«, murmelte ich und hob seine Hand sogar an meine Wange. Die Kühle fühlte sich einfach gut an.
»Ach, was haben wir schon zu verlieren«, murmelte Ayden zu sich.
Plötzlich hob mich eine unsichtbare Macht aus dem Stuhl, schlug Caydens Decke zurück und bevor ich mich versah, lag ich neben ihm und wurde zugedeckt.
Ich schnappte nach Luft. »Was?«, fragte ich überrascht, aber auch überfordert.
»Du bist müde«, bemerkte Ayden, als wäre damit alles gesagt. »Also schlaf ein bisschen.«
Ich blinzelte, bevor ich mich zu Cayden drehte und mich leicht an ihn schmiegte. Ayden hatte recht. Ich war müde und hier bei Cayden zu schlafen, würde mir hoffentlich helfen. Die Nächste schlief ich immer noch nicht sonderlich gut.
»Ich werde morgen wiederkommen. Sollte irgendwas sein, ruf mich einfach«, erklärte Ayden, der meinen Rollstuhl in der Nähe positionierte. »Schlaf gut.« Damit tätschelte er mir leicht den Kopf, während ich bis über beide Ohren lächelte. Ayden hatte mir damit wirklich einen großen Gefallen getan.

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