Mirja-Kapitel 10

~Mirja~

Stimmen rissen mich aus meinem Schlaf und mürrisch kuschelte ich mich weiter an Xander.

Dieser erhob sich jedoch und als ich meine Augen öffnete, bemerkte ich seinen verwirrten Blick.

»Irgendwas ist da los«, bemerkte er und erhob sich.

Ich stieß die Luft aus und setzte mich auch langsam auf. Dabei lauschte ich.

Die Stimmen waren aufgeregt und unruhig, was dazu führte, dass ich zu Xander blickte.

Dieser reichte mir einen Mantel, während er sich seinen überwarf.

Ich zog mich sofort an und trat dann nach draußen.

Die Iglus waren zugeschneit, doch dieses Mal hatte ich so fest geschlafen, dass mir der Schneesturm gar nicht aufgefallen war.

»Was ist los?«, fragte ich, fand jedoch niemanden direkt in der Nähe. Stattdessen erkannte ich Spuren im Schnee.

Wir folgten den Stimmen. Ich hörte Cayne besonders deutlich. »Das sollte nicht an Lady Mirjas Ohren dringen«, befahl er kalt.

»Aber wie sollen wir das erklären?«, fragte Amirak, der wild gestikulierte.

Sie standen um etwas herum, das sie betrachteten. So abgelenkt, dass sie mich und Xander nicht bemerkten.

»Was ist …«, setzte ich an, als wir nah genug waren. Doch bevor ich meine Worte sprechen konnte, zog mich Xander an sich und drehte mich weg.

Dennoch erkannte ich die roten Spuren im Schnee. »Nicht hinsehen«, knurrte Xander, der sich zwischen mich und dem, was da geschehen war, stellte.

Mein Herz schlug heftig, während mein Kopf versuchte, zu verstehen, was ich gesehen hatte.

Fußspuren im Schnee. Eine gelbe Stelle, die umgeben von Blutspritzern war.

Mein Atem wurde schnell, während Cayne sich zu uns wandte.

»Was bringst du sie hier her?«, fuhr er Xander an. »Sie sollte das nicht sehen.«

»Was ist passiert?«, rief ich, denn ich hasste es, in Unwissenheit zu bleiben.

Es war mir egal, wie schlimm es war. Ich musste es sehen. Musste mich vergewissern, dass das, was ich mir vorstellte, Realität war.

Cayne verzog die Lippen. »Sieht schlimm aus«, bemerkte er besorgt an mich gerichtet. »Wohl ein Tierangriff.«

Das sorgte dafür, dass ich mich erstrecht an Xander vorbeidrängte.

Dann traf mich der Schock.

Es war Vorin.

Seine Brust von tiefen Kratzern aufgerissen. Seine Kleidung zerfetzt.



»Muss beim Wasserlassen von einem Tier überfallen worden sein«, murmelte Darion, der sich abgewandt hatte.

Ich konnte jedoch nur auf das Blut starren. »Könnten das weiße Phantome gewesen sein?«, fragte ich, denn die Nacht in dem ersten Iglu kam mir wieder in den Sinn.

»Unmöglich«, erwiderte Cayne schnell, als hätte er über diese Idee auch schon nachgedacht und sie dann verworfen.

Xander zog mich wieder ein Stück weg und an seine Brust, damit ich nicht mehr hinsehen konnte.

»Nur ein Tier, also?«, fragte er, wobei ich spürte, wie angespannt er war.

»Lasst ihn uns begraben und dann schnell weiter reisen«, bemerkte Cayne.

Seine Stimme war kalt, abweisend, unnachgiebig.

Bedeutete es ihm gar nichts, einen seiner Männer verloren zu haben?

Und dann auch noch so. Durch ein Tier?

Das klang nicht so, als wäre es real. War es vielleicht doch etwas Anderes? Ein Rakshasa vielleicht?

Nein. Dazu war es zu kalt.

»Komm«, flüsterte Xander, der mich langsam, aber drängend, von der Leiche wegführte.

Ich bemerkte am Rand meiner Wahrnehmung einen dunklen Fleck im Schnee. Kleine Fleisch und Gemüsestücke lagen darin, als hätte jemand seine Suppe weggekippt.

Vielleicht war es doch ein Unfall gewesen.

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