Noshiko-Kapitel 18
„Ich kann nicht mehr“, jammerte ich, während ich Yuris Bewegungen nachahmte. Es waren einfache Übungen, doch auf Dauer wurde es wirklich schwer. Ich musste meine Arme hochheben und halten, solange bis Yuri sagte, dass es genug war.
„Hör auf zu jammern“, fuhr Yuri mich an. Heute war er irgendwie viel gestresster als sonst. Lag das daran, dass er mitten in der Nacht aufgestanden und nach draußen gegangen war? Ich hatte es bemerkt, doch ich war ihm nicht gefolgt und hatte auch nicht nachgefragt. Wenn er es mir erzählen wollte, dann würde er das tun. Ich war zwar neugierig, wollte ihn aber nicht drängen.
Obwohl er noch nichts gesagt hatte, ließ ich meine Arme hängen. „Hab ich gesagt, du darfst sie runternehmen?“, fuhr Yuri mich an, was dafür sorgte, dass ich zusammenzuckte.
„Was ist los mit dir?“, fragte ich, weil er mir sonst noch nie so gekommen war.
„Ich bin frustriert, also mach meine Stimmung nicht schlimmer und tu, was ich dir sage“, knurrte er mich an. Ich erwiderte seinen Blick und dachte darüber nach, ob ich gerade deshalb widersprechen sollte. Allerdings war es nicht so, dass er mir etwas tat. Es gab also keinen Grund, eine Szene zu machen, nur weil er einmal schlechte Laune hatte.
„Können wir eine kurze Pause machen“, bat ich, weil mir die Arme weh taten.
„Nein. Wenn du mit den Armen nicht mehr kannst, machen wir mit den Beinen weiter“, wies er mich an und zeigte mir nun Übungen für meine Beine.
Ich versuchte so gut es ging mitzumachen, damit Yuri nicht noch wütender wurde.
Es wurmte mich ein wenig, doch ich traute mich auch nicht, nachzufragen. Brav absolvierte ich stattdessen alle Übungen, die er mir zeigte, auch wenn ich danach am ganzen Körper zitterte.
Yuri kam zu mir und tätschelte meinen Kopf. „Gut gemacht“, sagte er sanft und sogar irgendwie stolz.
Ich stöhnte leise und ging dann auf die Knie, um mich auszuruhen und nach Luft zu schnappen. Am liebsten hätte ich mich auf den kühlen Boden des Zimmers gelegt, doch Yuri hob mich hoch und brachte mich zum Bett. „Ruh dich etwas aus“, hauchte er und küsste meine Stirn. „Eris soll dich massieren.“
Ich grummelte. „Kannst du das nicht machen?“, fragte ich, da ich es lieber hatte, wenn er mich anfasste.
„Ich kann nicht massieren“, meinte er nüchtern.
„Wirklich nicht?“, fragte ich überrascht und bewegte mich etwas, doch es schmerzte, was mich stöhnen ließ.
Gott tat das weh. Warum zur Hölle hatte ich jetzt schon solche Schmerzen?
„Kein bisschen und du willst sicher nicht, dass ich dir weh tue“, meinte er, kam aber zu mir und streichelte mir über den Rücken. „Jetzt ruh dich aus“, wies er mich an, bevor er sanft meine Schulter drückte und mir noch einmal auf den Kopf küsste.
Ich gab mich geschlagen und seufzte. „Na gut“, grummelte ich. „Aber was machst du in der Zeit?“, fragte ich, da ich nun doch neugierig war.
„Ich habe noch etwas zu erledigen“, gab er von sich, wirkte aber ausweichend.
Langsam fragte ich mich wirklich, was er vor mir verheimlichte. „Bitte pass auf dich auf“, bat ich, denn am meisten Sorgen machte ich mir darum, dass er in irgendwas geriet, was gefährlich war.
Yuri verdrehte die Augen. „Ich pass auf mich auf.“
Dieses halbe Versprechen beruhigte mich etwas. „Dann … viel Erfolg“, sagte ich, bevor ich mich an das Kissen kuschelte. „Komm bald wieder“, murmelte ich und wurde plötzlich ungewöhnlich müde.
Waren die Übungen so schlimm? Ich konnte es nicht sagen und mein Gehirn schaltete langsam ab.
„So ist es gut“, flüsterte Yuri, der mir noch einmal durch die Haare fuhr.
Mit diesen Worten schlief ich tatsächlich ein.
Ich wurde erst wieder wach, als ein Geräusch mich weckte. Meine Augen öffneten sich und ich starrte an die Decke, während ich lauschte. Es war dunkel und ich spürte Yuri nicht neben mir.
Langsam setzte ich mich auf und rieb mir die Augen. „Yuri?“, murmelte ich, während ich versuchte, in der Dunkelheit Silhouetten zu erkennen. Irgendwann gelang es mir, doch irgendwas stimmte nicht.
War das Yuri? Er taumelte.
Langsam schwang ich meine Beine aus dem Bett. „Yuri?“, fragte ich noch einmal und ging langsam auf ihm zu.
„Bleib liegen“, murrte er mit rauer Stimme, doch mir fiel sofort auf, dass etwas nicht stimmte.
Um etwas zu erkennen, erschuf ich eine kleine Lichtkugel neben meinem Kopf. Yuri kniff, auf Grund des plötzlichen Lichts, ein wenig seine Augen zusammen. Mir entfuhr ein Keuchen, als ich sehen konnte, dass eines seiner Augen geschwollen war und sein komplettes Gesicht mit Kratzern übersehen war.
„Was ist passiert“, fragte ich atemlos und rannte sofort zu ihm, berührte ihn jedoch nicht. Stattdessen sah ich mir seinen kompletten Körper an. Es schien, als wäre er verletzt, doch nicht so schwer, dass es ihn stark beeinträchtigte. Dennoch waren auf seinen Kleidern Blutspuren und irgendwo musst auch er bluten, denn am Boden sammelte sich der rote Lebenssaft.
Panik erfüllte mich, während mein Herz immer heftiger schlug. Was war das? Ein Albtraum?
Ich atmete tief ein, bevor ich eine Hand an Yuris Wange legte. „Du bist verletzt“, flüsterte ich, bevor ich Magie nutzte, um seine Schmerzen zu lindern. Wir hatten es erst gelernt, doch zumindest ein bisschen wollte ich ihm helfen.
„Schon gut“, sagte er rau, packte meine Hand, zog sie aber nicht weg. Stattdessen schmiegte er sein Gesicht sogar an diese.
„Was hast du nur gemacht? Hast du dich geprügelt?“, fragte ich besorgt. Wie sonst sollte er sich diese Verletzungen zugezogen haben?
„So könnte man das sehen“, flüsterte er mit rauer Stimme und schloss sogar die Augen.
„Bist du noch mehr verletzt?“, fragte ich besorgt und führte ihn Richtung Bett, damit er sich setzen konnte.
Als er saß, begann ich, seinen ganzen Körper abzutasten. Weil er schwieg, machte ich mir große Sorgen, musste aber zum Glück feststellen, dass es scheinbar nur oberflächliche Wunden waren. Als hätte jemand Yuri gekratzt oder sogar gebissen.
„Es ist alles in Ordnung“, murmelte Yuri, der müde wirkte.
Ich atmete tief ein und aus. „Erzählst du mir, was vorgefallen ist?“, fragte ich hoffnungsvoll, bevor ich zum Schrank ging und dort einen Erstehilfekoffer hervorholte. Darin fand ich Dinge zum Reinigen und Desinfizieren.
„Ich … denke nicht“, antwortete Yuri, als ich zu ihm zurückkehrte.
Ich seufzte leise. „Dachte ich mir schon“, murmelte ich und begann, seine Wunden zu versorgen.
„Es ist gefährlich, dich dort mit reinzuziehen“, nuschelte er, während er stillsaß und meine Versorgung über sich ergehen ließ.
Als ich fertig war, gab ich ihm einen Kuss. „Ich mache mir eben Sorgen um dich.“
„Es geht mir gut“, versicherte er, bevor er mich in seine Arme zog. „Komm, leg dich mit mir hin“, sagte er und zog mich mit sich ins Bett. Dort zog er mich an sich und war kurz darauf eingeschlafen.
Ich musste lächeln. Er war so süß, wenn er schlief. Gleichzeitig machte ich mir aber auch Sorgen. Was war nur geschehen?


























































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