Nicht mein erstes mal

Danny strahlt, als er beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Es ist wichtig zu verstehen:               Danny ist kein geborener Magier. Er stammt nicht aus unserer Welt – und genau deshalb sind die Prüfungen für ihn doppelt so schwer. Er muss sich mehr beweisen, mehr kämpfen, mehr riskieren als jeder andere von uns.

„Es war die Prüfung im Traumdeuten und Hellsehen!“, erklärt er mit funkelnden Augen.
„Ich wäre fast draufgegangen, weil ich eine der Abmachungen nicht ganz eingehalten habe.
Beim Bringen der geforderten Artefakte… habe ich eines vergessen.“

Er lacht nervös, ein bisschen schief, aber ehrlich. Die Erleichterung in seiner Stimme ist spürbar – wie ein Überlebender, der gerade erst begreift, dass er es wirklich geschafft hat.

„Naja, halb so wild. Hauptsache bestanden!“, sage ich und lächle – doch meine Stimme klingt anders, wärmer, weicher. Ich betrachte ihn.
Sein zerzaustes Haar, die kleinen Kratzer an seinen Händen, dieses verschmitzte Lächeln.
Und plötzlich… sehe ich ihn anders. Etwas in mir beginnt zu kribbeln. Tief, unerwartet, verboten.

Ich finde ihn – sexy.
Warum jetzt? Warum überhaupt?
Meine Gedanken werden trüber, dunkler.
Ohne groß nachzudenken, stehe ich auf, trete näher an ihn heran und lege meine Hand an seinen Arm. Ich spüre seine Körperwärme, den gleichmäßigen Rhythmus seines Pulses. Unbewusst drücke ich mich ein Stück an ihn – ganz leicht, kaum merklich, aber genug, dass er es fühlt.

„Na los“, flüstere ich mit einem schelmischen Lächeln.

„Du hast uns doch wohl zum Essen eingeladen, oder?“

Danny errötet sofort. Seine Augen weiten sich, und für einen Moment weiß er nicht, wohin er sehen soll.

„Äh… na klar!“, stammelt er. „Lasst uns… äh… gehen!“

Ich muss mir ein Lachen verkneifen.
Am liebsten wäre ich jetzt nur mit ihm gegangen – irgendwohin, wo niemand uns sieht.
Aber natürlich… folgt uns Martina. Wie immer.
Sie ist wie ein Schatten, der nicht loslässt.

„Ich hab gehört, im Galaxy gibt’s einen richtig coolen Pizza-Spot!“, sagt Danny schließlich, um die Spannung zu brechen.

„Die sollen dort echt gute Pizza machen.“

Martina nickt sofort. „Ja, der ist wirklich gut“, bestätigt sie – doch ihre Stimme klingt seltsam leer, ausdruckslos. Ihre Augen sind auf Danny gerichtet, als wolle sie ihn durchbohren.




Während wir durch die langen Korridore der Schule gehen, spüre ich Dannys Arm an meinem. Diese Wärme. Dieses vertraute Kribbeln.
Etwas in mir zieht sich zusammen – und gleichzeitig will ich mich nie wieder lösen.
Ich werfe einen kurzen Blick zu Martina.
Sie folgt uns schweigend, mit unbewegter Miene. Und plötzlich spüre ich etwas Dunkles in mir aufsteigen – etwas, das sich nach Genugtuung anfühlt. Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen.
Je mehr sie leidet… desto besser geht es mir.
Was wird sie wohl fühlen, wenn Danny und ich uns näherkommen? Als wir im Galaxy waren war es echt voll.  Martina redet wie immer kaum.
Sie sitzt da, still wie ein Schatten, und stochert in ihrer Pizza, als wäre sie gezwungen, sie zu zählen. Danny und ich bemühen uns, das Gespräch in Gang zu halten – zuerst über Schule, Lehrer, Prüfungen… Themen, bei denen selbst Martina ab und zu nickt oder ein Wort murmelt.
Doch irgendwann ändert sich die Stimmung.
Das Gespräch wird weicher, vertraulicher.
Wir reden über Träume, Ziele… über die Liebe.

„Wenn du alles sein könntest, was du willst – wer wärst du dann?“, fragt Danny mich mit einem dieser Blicke, die viel zu tief gehen.

Ich spüre, wie mir warm wird.

„Ich?“ – ich lache verlegen – „Eine Rebellin mit Krone. Frei, aber nicht allein.“

Er lacht leise. „Das passt zu dir.“

Unsere Blicke treffen sich – länger als nötig.
Mein Herz schlägt schneller. Ich merke, dass ich erröte, und wünschte, Martina würde einfach aufstehen und verschwinden. Aber natürlich… tut sie das nicht. Sie bleibt sitzen, schweigend, beobachtend, wie eine Statue mit schlechten Absichten. Ich beuge mich leicht zu Danny hinüber, zwinkere ihm zu und flüstere:

„Ich muss bald mal kurz auf die Toilette.“

Er versteht sofort. Dieses kleine schelmische Grinsen, das seine Mundwinkel umspielt, verrät ihn. Ein paar Minuten später steht er auf, täuscht Unschuld vor und sagt:

„Ich geh schnell die Rechnung zahlen.“

Ich nicke – und wir treffen uns draußen vor der Tür. Sobald wir aus dem Galaxy treten, bricht es aus uns heraus. Wir rennen los – einfach so, ohne Ziel, ohne Grund, lachend wie zwei Kinder, die gerade etwas Verbotenes getan haben. Unsere Schritte hallen über den Pflasterweg, bis wir im Garten des Schulhofs stehen. Ich lehne mich gegen die kühle Steinmauer, atme keuchend, und Danny lacht so sehr, dass er kaum sprechen kann.



„Was… was macht wohl Martina, wenn sie merkt, dass wir nicht zurückkommen?“

Ich lache mit, immer noch außer Atem.

„Halb so wild. Sie braucht sicher ewig, um es zu merken. Und ehrlich gesagt… ich wollte einfach mal ohne sie unterwegs sein.“

Danny tritt näher. So nah, dass ich seinen Atem spüre, warm und sanft, nach Erdbeershake und Magie. Er sieht mir tief in die Augen.

„Ohne sie gefällt es mir besser“, flüstert er.

Ein kurzer Moment Stille – dann zieht er mich an sich. Alles wird leiser, wärmer, echter. Ich lege meine Hände an seine Brust, spüre den Herzschlag unter meinen Fingern. Und bevor ich noch darüber nachdenken kann, verschwinden Raum und Zeit – nur wir zwei, und ein Kuss, der sich anfühlt wie das Ende und der Anfang zugleich.
Ein Kuss, halb Scherz, halb Schicksal.
Er schmeckt nach Freiheit, Verbot, Versuchung und Funkenregen. Als wir uns lösen, lachen wir beide – leise, verlegen, glücklich.

„Das war… nicht geplant“, murmelt Danny.

„Das Beste ist nie geplant“, flüstere ich zurück.

Der Wind rauscht leise durch die Bäume, während zwischen uns nur noch das Atmen existiert.
Ich blicke Danny an – seine Augen, so blau, dass sie fast leuchten, halten mich fest wie ein Zauber.

„Danny…“, flüstere ich, kaum hörbar.

Er hebt leicht den Kopf, unsicher, was ich sagen will.

„Ich mag dich.“

Er blinzelt überrascht, seine Wangen färben sich rot. Ein nervöses Lächeln huscht über seine Lippen, und dann, ganz leise:

„Ich dich auch, Jemea… mehr, als ich sollte.“

Etwas in mir bebt. Dieses Gefühl – warm, tief, überwältigend – ist neu. Es zieht mich zu ihm, so stark, dass ich kaum atmen kann. Zum ersten Mal will ich nicht fliehen, nicht kämpfen, nicht denken. Ich will nur fühlen. Ich gehe einen Schritt auf ihn zu, dann noch einen. Seine Hand streift meine, und als sich unsere Finger berühren, durchzuckt mich ein leises Knistern. Magie. Unsere Kräfte reagieren aufeinander, tanzen zwischen uns wie unsichtbare Funken. Ich spüre, wie sich die Luft verändert, dichter wird – als würde der Garten um uns den Atem anhalten. Dannys Blick wird weicher, seine Hand zittert, als er mein Gesicht berührt.

„Du bist so…“, beginnt er, findet aber keine Worte.



Also sage ich sie für ihn: „…lebendig.“

Er zieht mich noch näher an sich, und diesmal ist der Kuss kein Zögern, kein Zufall. Er ist echt. Tief.
Ein Kuss, der alles mit sich reißt, was zwischen uns existierte – Scham, Zweifel, Distanz. Unsere Magie reagiert heftig – Licht flackert um uns auf, golden und silbern, verschmilzt mit dem sanften Schimmer der Blätter. Ich fühle, wie etwas in mir erwacht – etwas, das lange geschlafen hat.
Eine Hitze, eine Sehnsucht, eine Kraft, die über Begierde hinausgeht. Wir versinken in diesem Moment, verlieren uns aneinander. Der Garten um uns scheint sich zu verwandeln – die Bäume beugen sich, der Boden pulsiert, als würde er leben. Zeit gibt es nicht mehr. Nur Nähe.
Nur Atem. Nur uns. Es ist, als ob wir einen Pakt geschlossen hätten, ein stilles Versprechen, uns in diesem Moment ganz zu öffnen, all unsere Unsicherheiten und Ängste hinter uns zu lassen. Die kühle Abendluft streicht über meine Haut, während ich mein Oberteil fallen lasse.
Danny beobachtet mich mit einem Ausdruck in den Augen, der mich innerlich zum Schmelzen bringt. Er scheint meine Zerrissenheit, meine Sehnsucht zu verstehen. Er kommt näher, legt sanft seine Hände an meine Wangen. „Jemea“, flüstert er, seine Stimme rau und voller Verlangen. „Bist du sicher, dass du das wirklich willst?“
Ich sehe ihm in die Augen, spüre die Ehrlichkeit und die Zuneigung, die er für mich empfindet.
All meine Zweifel, all meine Ängste scheinen in diesem Moment zu verschwinden. Ich nicke entschlossen. „Ich will es unbedingt, Danny“, sage ich, meine Stimme bebend vor Erwartung.

Zusammen, Hand in Hand, legten wir uns hin.
In diesem Moment verschmelzen wir zu einer Einheit, getrieben von Verlangen und einer tiefen Sehnsucht nacheinander. Es ist eine Erfahrung jenseits von Worten, ein Tanz der Körper und Seelen, der uns in neue Sphären der Ekstase entführt. Doch inmitten dieser leidenschaftlichen Begegnung spüre ich auch eine unterschwellige Angst, eine dunkle Wolke, die über meiner Seele schwebt. Ich weiß, dass diese Momente der Freiheit und des Glücks vergänglich sind, dass die dunklen Mächte, die mich kontrollieren wollen, nicht weit entfernt sind. Und dennoch, für diesen einen Moment erlaube ich mir, die Realität auszublenden, mich ganz dem Hier und Jetzt hinzugeben. Und irgendwo in dieser unendlichen Stille, zwischen Herzschlag und Magie, weiß ich:



Etwas in mir hat sich gerade verändert.
Etwas Dunkles – aber nicht Bedrohliches.
Eher wie eine schlafende hungrige Flamme, die endlich brennt.

Danny fragt mich, wie ich es fand. Ich antworte, dass ich dies wiederholen möchte. Irgendwie ist keine Scham da. Danny sagt, er weiß, dass wir nicht zu mir können, aber zu ihm könnten wir jederzeit. Und genau das machen wir und verbringen die ganze Nacht miteinander.
Mein Verlangen nach Sex diesen Abend überrascht mich, und trotzdem lasse ich mich darauf ein. Etwas ist anders! Wie fallen erneut übereinander her. Es ist, als ob ein unstillbares Feuer in mir entfacht wurde. Jeder Kuss, jede Berührung ist intensiver, leidenschaftlicher als zuvor.

„Danny“, flüstere ich, „ich will deine ganze Aufmerksamkeit.“

Ich bin so vernarrt in Danny. Ich will mehr von ihm, ich weiß aber nicht was. Aber ich sage es ihm, dass ich mehr von ihm will, und er erwidert:

„Jemea, ich gehöre nur dir! Dir allein!“

Ich kenne diese Worte, aber diesmal sagt jemand zu mir, dass ich mit ihm machen darf, was ich will, und nicht umgekehrt. Das gefiel mir irgendwie.
Ich spüre, wie sich seine Muskeln unter meinen Händen anspannen. Seine Augen sind verdunkelt vor Verlangen, als er meinen Namen wiederholt.

„Du bist wunderschön, Jemea“, flüstert er in mein Ohr, während wir uns ineinander verlieren.

Die Nacht vergeht wie im Flug. Wir wechseln uns ab mit leidenschaftlichen Liebesspielen und zärtlichen Momenten der Nähe. Ich fühle mich frei und unbeschwert, als ob ich all meine Sorgen und Ängste hinter mir gelassen hätte. Doch tief in meinem Inneren nagt noch immer ein Gefühl der Unruhe. Ich weiß, dass diese Glückseligkeit nicht von Dauer sein kann, dass die dunklen Mächte, die mich kontrollieren wollen, nur darauf warten, mich wieder in ihren Bann zu ziehen. Als die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster scheinen, liege ich erschöpft, aber glücklich in Dannys Armen. Ich schmiege mich an ihn und genieße die Wärme und Geborgenheit, die er mir gibt. Als wir uns ansahen, atme ich leicht.
Dannys Stirn ruht gegen meiner.

Er flüstert: „Was… war das?“

Ich lächle schwach.

„Etwas, das nie wieder ungeschehen gemacht werden kann.“ Irgendwie unheimlich dachte ich. 



„Das müssen wir unbedingt wiederholen“, sage ich und lächle ihn an.

„Auf jeden Fall“, erwidert er und küsst mich sanft auf die Stirn. „Ich gehöre ja jetzt dir.“

Trotz der tiefen Verbundenheit und des Glücks, das ich mit Danny empfinde, kann ich das Gefühl nicht abschütteln, dass etwas mit mir nicht stimmt. Das Verlangen, das mich übermannt hat, die unstillbare Gier nach mehr – das bin nicht ich. Irgendetwas hat sich verändert, und ich befürchte, dass es mit Amarena Maraquin und ihrem Fluch zu tun hat.

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