Begegnungen aus anderen Zeiten
Es gibt Momente, in denen die Vergangenheit wie ein Schatten neben mir geht. Leise, ohne mich zu berühren und dennoch tief spürbar. So geschah es an einem kühlen Frühlingstag in der Nähe von Fort William. Ich wanderte allein über einen schmalen Pfad, wo auf dem wilden Gras kaum ein Schritt zu hören war, als plötzlich ein älterer Mann auftauchte, in seinem Gesicht das Wetter und die Jahre eingeprägt. Er lächelte mich an, und in seinen Augen erkannte ich etwas Vertrautes, das ich nicht erklären konnte.
„You’re far from home, aren’t ye?“ fragte er mit einem Akzent, der wie Musik in meinen Ohren klang.
Ich lächelte, zögerte, und dann meldete sich die leise Stimme in mir, die flüsterte: „Ich kenne dich.“
Ohne ein weiteres Wort wusste ich, dass wir uns schon einmal begegnet waren. Vielleicht vor Jahrhunderten, vielleicht in einem anderen Leben, auf denselben Hügeln, unter denselben grauen Wolken.
Wenige Tage später in Inverness entdeckte ich ein kleines Café, das ich sofort wiedererkannte, als hätte ich dort schon einmal gesessen. Der Geruch von frischem Brot und dampfendem Kaffee – alles schien mir aus einer anderen Zeit vertraut. Ich setzte mich, und in meinen Gedanken hörte ich leise Stimmen von Menschen, die längst gegangen waren, und spürte, dass sie mich willkommen hießen.
Jeder Ort in Schottland, jede Begegnung, schien nur auf mich gewartet zu haben. In ihnen liegt eine eigentümliche Magie. Ich weiß, dass sie mehr sind als Zufall. Es ist, als würde meine alte Seele Erinnerungen in die Welt weben, die ich jetzt wiederfinde. Ein stiller Dialog zwischen gestern und heute. Ein Wiedersehen, das nie wirklich endete.
Jedes Mal, wenn ich durch ein Tal wandere, auf einen Berg klettere oder an einem Seeufer sitze, spüre ich sie. Die Verbindung zu denen, die ich einst gekannt habe. Es ist eine stille Freude, ein leises Sehnen und zugleich ein tiefes Ankommen. Ich weiß heute, dass Schottland nicht nur ein Land ist, das ich liebe. Es ist ein Ort, an dem sich meine Seelen über die Zeit hinweg versammeln, alte Freundschaften wiederfinden und mir ein Zuhause schenken, das niemand erklären kann.
Und wenn der Wind durch die Bäume weht, flüstert er: „Willkommen zurück, wir haben auf dich gewartet. Du gehörst hierher. In jeder Zeit.“






































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