DBdD-Kapitel 62
Aaron lief im Raum auf und ab, während er immer wieder zur Ruhebank blickte, wo Yelir lag. Sein Atem ging ruhig, doch seine eingefallenen Wagen und der Schweiß auf seiner Stirn sprachen Bände.
Aaron rieb sich den Nacken. Was sollte er jetzt tun? Er konnte doch nicht einfach nur warten, oder?
Ein Klopfen ließ ihn heftig zusammenzucken, bevor er zur Tür sprang, die gerade geöffnet wurde. Es gab nur eine Person, die erst klopfte und dann eintrat, doch Aaron wollte nicht, dass Luenara sah, was hier los war. Darum hielt er die Tür fest, bevor sie eintreten konnte.
»Aaron?«, fragte sie, wobei ihre Stimme ein überraschtes Zittern hatte. Sie ahnte etwas, dnn Aarons Reaktion war nicht normal. »Ich bringe dir die Liste«, sagte sie unsicher, was sie tun sollte.
»Danke«, erwiderte Aaron angespannt. »Kannst du sie mir … einfach geben. Ich meld mich später bei dir … ich hab …« Er blickte zu Yelir, der sich etwas regte.
Luenara schob ihm mit zitternder Hand die Liste zu, während sie sich fragte, was genau er zu verheimlichen hatte.
Sie waren sich die letzten Monate nähergekommen und sie hatte geglaubt, dass sie ein gutes Verhältnis hatten. Allerdings hatte er sie noch nie ausgesperrt. Er hatte also definitiv etwas zu verbergen. »Soll ich dann … später wiederkommen?«, fragte sie vorsichtig, immerhin hatten sie einiges zu tun.
Ein leises Stöhnen erklang, das Luenara zucken ließ, genau wie Aaron.
Dieser wirbelte herum, als Yelir hektisch atmend aufschreckte und dabei das Gleichgewicht verlor. Seine Hand rutschte von der Ruhebank und er hinterher, bevor er krachend zu Boden ging.
Aaron fluchte und wirbelte sofort herum, um Yelir zu helfen. Dabei ließ er die Tür offen, was Luenara dazu veranlasste, langsam hineinzugehen, um zu sehen, was los war.
Sie erwartete eine fremde Frau, doch als sie ihren König erkannte, erstarrte sie sofort.
Was machte er hier? War er verletzt? War etwas vorgefallen? Wo war Zunae?
»Ist er verletzt?«, traute sie sich schließlich zu fragen, während sie weiter eintrat.
Aaron, der gerade kontrollierte, ob dem der Fall war, sah nicht auf. Zu sehr war er damit beschäftigt Yelirs erschöpften Körper in Augenschein zu nehmen. Allerdings konnte er auch dieses Mal keine offensichtlichen Verletzungen sehen. Vielleicht war er vergiftet worden?
»Nein«, erwiderte Aaron, der Yelir dabei half, sich aufzusetzen.
Er war wach, aber so erschöpft, dass er sich kaum bewegen konnte. Als wären seine Arme und Beine nicht mehr fähig, seinen Anweisungen zu folgen.
Er hatte sich komplett überschätzt. Diese Strecke war für ihn noch viel zu weit.
»Yelir, hörst du mich?«, fragte Aaron, der seinen Freund besorgt musterte.
Dieser hatte Mühe, seine Augen offenzuhalten und sitzen zu bleiben. Zudem hörte er wie durch Watte und konnte seine Umgebung kaum erkennen. Allerdings war er sich fast sicher, dass er sein Ziel, Aarons Haus erreicht hatte. Daher musste das Aaron sein, der da mit ihm sprach.
Yelir wollte ihm antworten, doch er schaffte es nicht, einen Ton hervorzubringen. Nicht einmal ein Zucken seiner Lippen.
Luanas erste Reaktion auf Yelirs Bewegungen, war es, sich aufgeregt zur Tür zu drehen, um Hilfe zu holen. Allerdings blieb sie auf halben Wege abrupt stehen, denn sie hatten keinen Heiler im Dorf und die Zeit bis zur Burg, um Dainte zu holen, wäre zu lang, selbst wenn sie das schnellste Pferd aus dem Dorf nahm.
»Ich hole die Kräuter aus meinem Haus«, sagte sie schließlich und rannte erneut los.
Nachdem Zunae das Dorf so häufig besuchte und oft mit … Problemen … zu rechnen hatte, gab es überall Vorräte an Kräutern, die ihr halfen. Daher hoffte Luenara nun, dass sie auch Yelir helfen konnten.
Aaron versuchte in der Zwischenzeit herauszufinden, was mit Yelir nicht stimmte. Er packte dessen Kopf und sah ihm direkt in die Augen. Diese schlossen sich immer wieder, doch das Grün funkelte. Aaron senkte seine Schultern. Anspannung fiel von ihm ab, denn zumindest wirkte Yelir nicht vergiftet.
»Was ist passiert? Wurdest du angegriffen? Für ja schau nach oben, wenn nein, dann nach links«, wies Aaron ihn an, denn er musste verstehen, was vorgefallen war. Nicht, dass ihnen ein Angriff drohte.
Aaron bemerkte, wie sich Yelirs Augen leicht zur Seite bewegten, was ihn erleichtert die Luft ausstießen ließ. Er wurde nicht angegriffen und er konnte Aaron hören. Aber wieso war er in diesem Zustand.
Aaron kniff seine Augen zusammen, um ihn erneut zu mustern. »Vergiftet?«, fragte er, doch erneut blickte Yelir zur Seite.
Er fühlte sich schrecklich, dass es der einzige Weg war, um zu kommunizieren, aber er war selbst daran schuld. Trotzdem fühlte er sich in seinem Körper gefangen. Nicht einaml vor Angst zittern konnte er.
Hatten Chiakis Fähigkeiten immer solche Nebenwirkungen?
»Kann ich dir irgendwie helfen?«, fragte Aaron, der für einen Moment vergaß, dass Yelir nur ja oder nein von sich geben konnte. Daher erhielt er auch keine Antwort.
Fluchend begann Aaron in der Wohnung auf und ab zu laufen, während er überlegte, was er tun konnte.
Yelir folgte ihm mit seinen Augen, als die Tür aufgerissen wurde und Luenara hineinstürzte. »Ich habe ein paar Kräuter«, keuchte sie, war sich aber nicht sicher, ob diese helfen konnten.
Darunter waren Kräuter mit einem starken Geruch, der gut zum Wecken war. Dann einige Blätter, die als Tee sehr gut bei magischen Problemen half.
»Sehr gut«, sagte Aaron, der sofort nach den Kräutern für den Tee griff. Vielleicht stimmte etwas mit Yelirs Magiefluss nicht.
Yelir wusste selbst nicht, ob das der Grund war. Er spürte kaum seine eigene Magie, dafür aber die von Chiaki. Als würde der Ring noch immer Chiakis Magie nutzen, um ihn zu bewegen.
Aus einem Instinkt heraus drängte er die Magie in seinem Körper zurück, in den Ring. Es fühlte sich so an, als würde er fremde Magie bewegen und nicht seine eigene. Als wäre er in einen anderen Körper eingedrungen.
Gleichzeitig spürte er jedoch, wie das Kribbeln in seine Fingerspitzen zurückkehrte und sich seine Arme hinaufbewegte, bis es ihm gelang, seine Hände zu bewegen.
Als er endlich wieder in der Lage war, seinen Körper zu spüren, stieß er die Luft aus, bevor er sich auf der Ruhebank abstützte, um sich zittrig zu erheben.
»Yelir, was ist passiert?«, fragte Aaron, der sofort auf seinen König zusprang, um ihn zu helfen, doch Yelir stoppte ihn mit einer Handbewegung, bevor er sich auf die gepolsterte Bnk fallen ließ.
»Ich hab mich vielleicht an fremder Macht bedient, die ich nicht ganz kontrollieren konnte«, knirschte er frustriert.
Aaron blickte ihn mit großen Augen und offenem Mund an. Seine Zunge wurde trocken, als ihm klar wurde, dass Yelir tatsächlich Chiakis Magie benutzt hatte, aber warum?
»Ist etwas vorgefallen? Wie geht es Zunae?«, fragte Luenara direkt heraus, die ihm eine Tasse mit Tee entgegenhielt, der seiner Magie helfen sollte.
Yelir spürte einen Stich. Zunae. Er war schon zu lange weg. Sie musste wach geworden sein. Er wollte lieber nicht daran denken, was sie gedacht hatte. Immerhin hätte er an ihrer Seite sein müssen. Sie hatte gerade ein Kind verloren.
Yelir starrte mit blassem Gesicht und traurigen Blick in den Tee, was Luenara einen Schauer über den Rücken jagte. »Ihr … Ihr geht es doch gut?«, flüsterte sie mit belegter Stimme.
»Ja. Es geht ihr … den Umständen entsprechend«, brachte Yelir hervor und drückte die Tasse so stark zwischen den Händen, dass sie ein leises Knacken von sich gab, weshalb er sofort seinen Griff lockerte.
»Yelir, was ist los? Warum bist du hier?«, fragte Aaron aufgebracht. Er hasste es, dass Yelir so um den heißen Brei redete und am liebsten hätte er ihn geschüttelt, bis er mit der Sprache herausrückte.
»Es gab einen … Zwischenfall, der … Zunae verletzt hat. Es kam zu einer Fehlgeburt.«
Luenara und auch Aaron erstarrten beide. »Und dann bist du hier und nicht bei deiner Frau?«, schrie Luenara ihn wütend an, denn sie verstand einfach nicht, was Yelir hier machte, statt bei Zunae zu sein.
Dieser verzog den Mund. Natürlich wusste er, dass er bei ihr sein sollte, doch sie könnte jederzeit wieder springen. Was ihn zum eigentlichen Grund brachte, weshalb er hier war.
»Ich kann nicht einfach tatenlos zu sehen und nichts tun, während sie dieser Gefahr ausgesetzt ist. Darum hab ich mich entschieden herzukommen«, erklärte er und sah zu Aaron auf, der sofort stehenblieb und in Yelirs intensiv grüne Augen blickte. Sein Blick war so intensiv, dass er schauderte. »Du musst für mich einen Magiestein auftreiben. Er muss die höchste Reinheit haben, die es in den Nordlanden gibt«, erklärte er angespannt, wohlwissend, dass es keine leichte Aufgabe sein würde.
Aarons Blick wanderte skeptisch über seinen König. Er wusste wirklich nicht, was er davon halten sollte. Wegen einem Magiestein, war er hierhergekommen und zusammengebrochen? Allerdings war sein Blick ernst und unnachgiebig, dass Aaron nicht anders konnte, als zu nicken. Ob und wann er jedoch an einen solchen Stein gelangte, war fraglich.
»Du kannst mir auch andere Steine besorgen, mit denen ich üben kann, aber sie werden vermutlich nicht stark genug sein, um Zunaes Magie unter Kontrolle zu halten«, erklärte Yelir.
»Verstehe. Ich werde mich darum kümmern«, erwiderte Aaron mit nachdenklicher Stimme. Er versuchte Yelirs Worte in Zusammenhang zu bringen, doch alles was er am Ende verstand, war dass Zunae in Gefahr war. Er würde sich also darum kümmern, so schnell wie möglich an den gewünschten Magiestein zu kommen.


























































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