Kapitel 50 – Die Pflicht einer Ehefrau und Königin
Kapitel 50 – Die Pflicht einer Ehefrau und Königin
Aurelie
Die Szene lief in meinem Kopf in Wiederholungsschleife. Immer und immer und immer und immer wieder. Achtlos hatte er mich in die Mitte des Raums auf die Kissen geschleudert, war wieder zur Tür hinaus und das noch ehe ich auch nur die Chance gehabt hatte, aufzustehen. Und als ich dann an der Tür gestanden hatte, geschrien hatte, er solle mich rauslassen, da erklang laut und deutlich das Geräusch eines zuschnappenden Schlosses. Schritte, die die Treppe hoch verschwanden. Verschwunden.
Es war still. Noch immer schlug meine Faust in regelmäßigen Abständen an diese verfluchte Tür, doch längst nicht mehr mit einer ernstzunehmenden Stärke oder Intensität. Er war mehr noch ein Klopfen, ein Rhythmus, der mir bestätigen sollte, dass das nur ein schlechter Traum war. Ein Klopfen, welches versuchen sollte, mich aufzuwecken, doch wie lange dauerte das jetzt schon?
Längst stand ich nicht mehr auf meinen Beinen. Schon einige Zeit war es her, dass ich an der Tür hinabgerutscht war, doch meine Faust blieb erhoben, traf nunmehr ohne jeglichen Schwung oder Kraft auf die Oberfläche der Tür und verlautete kaum noch ein Geräusch, doch sie blieb. Die stetige Hoffnung, ich würde doch noch aufwachen.
Kraftlos ließ ich meinen Kopf nach vorn fallen, wo er schwungvoll auf die harte Tür traf. Einen Moment genoss ich die Kühle an meiner Stirn. Ich legte meine Hand auf der Tür ab und fing stattdessen damit an, meinen Kopf dagegen zu schlagen. Regelmäßig, immer wieder, ich wollte doch nur aufwachen! Wieso wachte ich nicht auf?!
So wie die Intensität der Schläge meiner Faust zuvor abgenommen hatte, nahm die Wucht, mit der ich meinen Kopf gegen die Tür prallen ließ, immer mehr zu. Meine Stirn brannte bereits, aber noch immer wachte ich nicht auf. Meine Augen lagen fest aufeinandergepresst. Vielleicht musste ich sie nur öffnen?
Arme legten sich um meine Taille und ich wurde weggezogen. Sofort ruderte ich panisch mit den Armen, denn ich hatte nicht mitbekommen, dass hier noch jemand war.
Zwei Gesichter schoben sich vor mich. Gesichter von Frauen. Beide hatten braunes Haar und braune Augen. Die Haare der Jüngeren waren lang, wellig. Die der etwas Älteren kurz und kraus. Es war die Ältere, die, die ich auf sechshundert, vielleicht siebenhundert Jahre schätzte, die anfing zu reden. „Meine Liebe, was ist dir passiert? Wir wussten nicht, dass er jemanden herbringen würde.“
Die jüngere Frau, die ich auf etwa dreihundert oder vierhundert Jahre schätzte, nickte leicht. „Ich bin Lyssa und sie heißt Ines. Es sind noch andere Frauen hier. Der König hat uns … nun, übernommen. Und erweitert offenbar den Harem.“
Die Ältere, Ines, mit den kurzen Haaren, streckte eine Hand nach mir aus und berührte mich sanft an meinem Oberarm. „Wir wurden hier auch gegen unseren Willen eingesperrt. Vor so vielen Jahrhunderten … Aber irgendwann gibt man die Hoffnung auf Freiheit auf.“
Fassungslos starrte ich die beiden Frauen an. Vampirinnen, wie ich eine war. Sie hatten sich vor mich gekniet, damit ich nicht aufschauen musste. Mein Blick sprach von Verwirrung, Entsetzen und … einem Gemisch aus Gefühlen, das ich nicht einmal ansatzweise deuten konnte. „Harem?“, brachte ich mit viel zu hoher Stimme hervor. „Übernommen?“
„König Alaric sperrte uns hier ein. Eine nach der anderen. Lyssa war die letzte“, erklärte Ines mit melodischer, beruhigender Stimme. „Dann hat uns der neue König gefunden. Dieser Cyrus. Und bot an, uns zu übernehmen.“
„Ja“, entgegnete Lyssa unzufrieden. „Die Alternative wäre wohl der Tod. Aber er will sich nach unseren Familien umhören. Aber ich glaube, das war eine Lüge.“
„Alaric hat … ihr seid …“ Huren. Nein, sicher nicht! Keine Vampirin würde sich selbst jemals so behandeln lassen! „Aber wieso? Und wieso will Cyrus euch … übernehmen? Er will … mit euch … ähm, Beischlaf halten?“
„Vermutlich. Allerdings ist es dazu bisher nicht gekommen“, erklärte Lyssa.
„Noch nicht“, schob Ines hinterher. „Wenn ich ehrlich bin, so vermisse ich einen harten Schwanz in mir.“ Sie seufzte tief. „Das hier ist die reinste Folter. Finger und Zunge sind nett, aber … Götter, ich brauche dringend wieder einen Schwanz in mir!“
Ich schluckte schwer. Ich konnte diese Frau nicht verstehen. Sicher, mit Gilead war es wirklich schön gewesen, aber nie und nimmer würde ich so sehr darum betteln. Schon gar nicht von einem Mann, der mich gefangen hielt und sich gar einfach nahm, was er wollte.
Langsam rappelte ich mich auf. Meine Hand fuhr über meine Wange und wischte bisher unbemerkt gebliebene Tränen fort. „Du kannst ihn sehr gerne haben, Ines.“ Mit meiner Zunge befeuchtete ich meine ausgetrockneten Lippen. „Solange er nur mich nie wieder anfasst.“ Ich drehte mich um meine eigene Achse und entdeckte noch drei weitere Vampirinnen, zwei davon ebenfalls brünett, eine mit schwarzen Haaren. Ich schluckte schwer. Ich hatte Carina schon nicht gemocht. Und jetzt sollte ich mit den anderen … Beschäftigungen meines Gemahls auch noch zusammenleben? Am besten freundete ich mich auch noch mit ihnen an und wir tratschten darüber, bei wem er gewalttätiger vorgegangen war. Ja, wieso nicht!
Meine Fänge flutschten mir bei dem Anblick vor mir, gepaart mit meinen Gedanken, heraus. Reflexartig flog meine Hand zu meinem Mund, um sie zu verdecken. Ich hatte ihnen nicht drohen wollen, es war nur … ich konnte nicht … „Ich muss hier weg“, nuschelte ich und versuchte möglichst schnell in irgendeinen der Räume davonzulaufen. Der Versuch, dabei in die Vampirgeschwindigkeit zu wechseln, endete in teilweise schnellen Schritten, wobei ich unsanft stolpernd immer wieder in die Normalgeschwindigkeit zurückfiel. So wiederholte sich das einige Male, bis ich schließlich in einem der angrenzenden Räume ankam. Ein Bett.
Ein wütendes Fauchen verließ meine Lippen, ich machte auf dem Absatz kehrt und blieb dann doch wieder stehen. Gab es hier sonst nirgends Privatsphäre? Die ganzen Räume, die ich gesehen hatte, waren lediglich durch Vorhänge abgetrennt. So auch dieser hier. Mit bebenden Fingern ergriff ich den schweren Stoff und zog ihn zu, ungeachtet dessen, dass dies hier vermutlich das Schlafzimmer einer der Frauen war. Ich brauchte meine Ruhe. Das konnte doch alles gar nicht sein. Das durfte wirklich, wirklich nicht wahr sein!
„Hat sie sich vorgestellt?“, fragte eine Frau, deren Stimme ich nicht zuordnen konnte.
„Nein“, meinte eine andere, ältere Stimme. Wesentlich älter als die der anderen Frauen. „Das muss sie nicht.“
„Was? Das ist unhöflich!“, brummte die erste Stimme wieder.
„Gebt ihr Zeit. Hast du nicht gesehen, wie jung sie ist?“ Das war Lyssa.
„Alt genug, um zu heiraten. Ich habe die Bissspuren an ihrem Hals gesehen“, meinte die andere, die sich mir vorgestellt hatte. Ines.
„Oh, es gab noch ganz andere Dinge an ihr zu sehen“, mischte sich die ältere Frau wieder ein. „Hat denn niemand den Ring gesehen, als sie mit ihrer Hand ihre Zähne verdeckte?“
„Ehrlich gesagt habe ich nur die Angst gesehen, die in ihren Augen lag“, entgegnete Lyssa.
„Und die weißblonden Haare?“, fragte die Ältere.
Es blieb still. Obwohl die Frauen sich nicht laut unterhielten, konnte ich jedes Wort hören. Weil es hier keine verdammten Türen gab!
„Gut“, seufzte eine Frau genervt. „Du weißt offenbar mehr als wir, Aralie.“
„Die Ähnlichkeit ist verblüffend. Ich glaubte ja erst, ich stünde Anastasia gegenüber. Aber sie ist genauso alt wie ich. Das heißt, dieses junge Ding ist ganz bestimmt ihre Tochter.“
„Aber sie haben doch nur einen Sohn. Alaric sagte auch immer wieder, er habe nur einen Sohn. Deshalb sind wir doch hier eingesperrt worden!“ Das war Ines. Und sie klang ziemlich wütend.
„Ja“, meinte Lyssa. „Du bist seit vierhundert Jahren hier drin, ich seit zweihundert Jahren. Da kann viel passiert sein. Und Alaric hat uns auch nicht alles erzählt.“
„Das heißt …“, eine weitere Frau keuchte leise. „Du glaubst, sie ist die Tochter von König Alaric und Königin Anastasia?“
„Dessen bin ich mir sicher“, gab die Älteste überzeugt von sich. „Denn sie trägt den königlichen Siegelring.“
Unheimliche Stille legte sich über den Raum, sodass mir das Rauschen meines eigenen Bluts auf einmal äußerst laut vorkam.
Verdammt! Wie lange hatten sie gebraucht? Zwei Minuten? Mein Blick fiel auf den Ring. Kurzentschlossen zog ich ihn mir vom Finger und pfefferte ihn unter dem Vorhang hindurch, weg von mir. Ich hatte sowieso nichts mehr zu sagen. Dann konnte der ehrwürdige König seine Post auch alleine erledigen!
Das Metall klirrte laut auf dem kalten Steinboden. Ich ließ mich zu Boden sinken, winkelte meine Beine an und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Nicht weinen! Nicht weinen! Sei einfach still, verdammt noch mal!
Leise Schluchzer durchdrangen meine Lippen, passierten lachhaft schnell meine auf mein Gesicht gepressten Hände und verkündeten lautstark meine Schwäche, mein Leid. Ich hatte ja gewusst, dass die Nacht mit meinem Liebsten, die Zeit, die ich mit ihm verbracht hatte, mich noch teuer zu stehen kommen würde, aber nicht so. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich hier eingesperrt würde. Dass mich Cyrus einfach vor aller Welt abgeschottet in einen versteckten Raum sperrte … Und wieso? Einfach nur, weil er es konnte.
„Darf ich eintreten?“, fragte eine Stimme vor dem Vorgang. Lyssa, wie ich an der Stimme erkannte. „Majestät …?“, hängte sie unsicher an.
„Nenn mich nicht so“, schniefte ich.
„Wie soll ich … Euch sonst nennen?“, fragte sie, kam durch den Vorhang geschlüpft und näherte sich mir langsam. Gegenüber von mir ließ sie sich auf den Boden sinken, winkelte die Beine an und legte ihre Arme darum.
Ich sah auf und blickte Lyssa entgegen. „Ich bin genauso hier eingesperrt wie ihr, Lyssa. Nenn mich einfach Naya. Und hör auf, mich so förmlich anzusprechen, keiner hier drin wird uns für fehlende Etikette rügen. Zumindest bezweifle ich es stark.“ Mein Blick glitt leer zu dem zugezogenen Vorhang. Willkommen in deinem neuen Zuhause.
„Ja, wir haben hier unsere eigene Welt. Und um nicht wahnsinnig zu werden durch die Isolation, haben wir einige … naja, Rituale eingeführt. Damit nicht jeder Tag gleich ist.“ Sie lächelte kurz und legte ihr Kinn auf ihren Knien ab.
„Zum Beispiel?“, fragte ich leise nach. Zweifellos wäre ich künftig nämlich Teil dieser, ob ich wollte oder nicht.
„Wir spielen!“ Lyssa grinste kurz, seufzte dann aber. „Wir haben eine Kiste voller Ideen für Spiele und Ähnliches. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, treffen wir uns im Hauptraum und reden über dies und das. Träume, Albträume, Wünsche und Hoffnungen. Manchmal erzählen wir Dinge von früher. Wenn das Essen kommt, teilen wir es auf. Tagsüber beschäftigen wir uns mit uns selbst. Naja, irgendwie. Es wurde halt schon alles gesagt, was man sich zu sagen hat. Nach über zweihundert Jahren geht einem das Gesprächsthema aus, daher machen wir nachmittags bis in den Abend hinein diese Spiele.“ Sie unterbrach sich kurz, nahm die Arme von den Beinen und stützte sie rechts und links hinter sich ab, sodass sie ihren Oberkörper nach hinten neigte. „Ich will nichts verraten. Nur so viel, dass wir das Spiel per Zufall aus der Kiste ziehen. Und daher immer etwas Abwechslung haben. Wirst du dann morgen sehen. Das heutige Spiel haben wir erst vor wenigen Minuten beendet.“
„Mhm …“ Meine schier grenzenlose Vorfreude hielt sich in Grenzen. Und mit meinen Gefühlen wiederum wusste ich nicht, wohin. Oder was sie bedeuteten. Verrat? Verzweiflung?
„Ich weiß, es ist nichts Besonderes. Aber nach so vielen Jahren hier das Einzige, was uns bei Laune hält. Wir achten auf einen geregelten Tagesablauf, damit wir uns nicht gehen lassen.“
„Verstehe.“ Zögerlich rappelte ich mich auf. „Nun, da der beschissene König augenscheinlich alles selbst machen will, und ich entsprechend nichts mehr zu tun habe …“ Und wie genau sollte dieser Satz enden? Ich wollte nicht bei ihren Spielen mitmachen. Ich wollte gar nicht hier sein.
Mein Magen knurrte. Ich schluckte leer. Vielleicht hätte ich heute Morgen doch etwas essen sollen. Aber andererseits spielte es keine Rolle. Ich hatte früher tagelang nichts gegessen, da konnte ich das jetzt auch ein paar weitere Stunden aushalten.
Entschlossen, mein Magengrummeln zu überspielen, öffnete ich den Vorhang und bot Lyssa meine Hand an, um sie hochzuziehen. Gemeinsam verließen wir das kleine Schlafzimmer. Lyssa setzte sich in die Mitte zu den anderen, welche allesamt zu mir aufschauten.
„Ihr habt recht, es ist nicht sehr höflich, sich nicht vorzustellen. Verzeiht bitte. Ich bin Aurelie Nayara Athanasia, die Letzte des Geschlechts der Ignis-Robur. Und ich bin nicht Alarics Tochter! Ich bin die Tochter der ehemaligen Königin – möge sie jenseits dieser Welt mit ihrem Gatten unsägliche Qualen erleiden – und eines Menschen. Mein Zwilling war männlich, deswegen hat der König auch mich legitimiert.“ Bevor sie mich in den Stand einer Sklavin versetzt hatten.
„Zwilling?“, echote Lyssa. „Ich kann mich nur an den Kronprinzen Ashur erinnern, aber nicht daran, dass die Königin Zwillinge zur Welt brachte.“
Alle Augen richteten sich noch neugieriger auf mich. „Wie alt seid Ihr?“, fragte die Älteste.
„Hundertdreizehn. Ich bin aber erst seit einigen Tagen durch die Reife.“ Letzteres brummte ich nur leise in einen nicht vorhandenen Bart.
„Dann wundert es nicht, dass wir von Eurer Existenz nichts wussten“, erklärte Aralie, die Älteste. „Lyssa ist seit etwas über zweihundert Jahren hier. Wir wissen nicht, was in dem Zeitraum passiert ist.“
„Aber du kannst uns alles erzählen!“, meinte eine andere Frau. Sie hatte als einzige von ihnen schwarzes Haar. „Ich bin übrigens Fenna!“
„Ja“, bekräftigte Ines. „Wie kam es zu dem Machtwechsel? Ist Cyrus nicht der Name des Fürsten der Ostlande?“
„Du bist wirklich die einzige und letzte Nachfahrin der Ignis-Robur?“, fragte Lyssa leise an ihrer Seite.
Ich nickte langsam. „Also …“ Ich setzte mich auf den Boden, überkreuzte meine Beine und legte meine Hände auf die von Hosen bedeckten Beine ab. „… der Machtwechsel … fand während eines Banketts statt. Die Fürsten waren geladen, der König hat wie seit jeher mit seinem Prunk geprotzt. Dann sind plötzlich alle Fürsten auf meine Familie los. Cyrus, ja, der Fürst der Ostlande, hat sich auf den König gestürzt, sein Flittchen auf die Königin und die anderen beiden Fürsten auf Ashur, sobald sie … sobald sie Alex die Kehle durchgeschnitten hatten.“ Ich schluckte hart. Wieder einmal schien mir ein Kloß im Hals zu stecken, der nicht weichen wollte. „Die anderen Anwesenden, adelige Vampire, sind beim kleinsten Anzeichen von Problemen aus dem Raum geflüchtet. Und natürlich auch die Menschen.“
„Nein!“, keuchte Aralie entsetzt. „Aber Alaric war der König! Wie konnte ein einfacher und so junger Fürst ihn besiegen?“ Sie war blass geworden und schien um ihre Fassung zu ringen.
„Wie lange ist das her? Und Cyrus …“, Ines unterbrach sich und deutete auf meinen Hals. „Ist er es, der den Blutschwur mit dir eingegangen ist?“
„Das Bankett … fast zwei Monate. Der Blutschwur …“ Wütend biss ich mir auf die Lippe. „Er war weg. Auf einer Reise. Als er vor drei Tagen zurückkam und ich zu seiner Überraschung plötzlich erwachsen war, hat er nicht gezögert. Vor dem Volk waren wir schon vermählt, nur der Blutschwur war damals nicht richtig abgeschlossen, weil ich noch kein Blut trinken konnte und kein eigenes Gift hatte.“
„Aber warum sperrt er…“, begann Fenna, bekam dann aber große Augen. „Oh! Er will, dass dein erstes Kind von ihm ist! Aber das bedeutet, dass du mehrere Jahrhunderte hier leben musst! Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis eine Frau schwanger wird!“
Wütend schossen meine Fangzähne hervor. „Wenn er sich noch einmal an mir vergreift, dann reiße ich ihm sein verdammtes Gehänge ab!“, brauste ich auf.
„Es ist sein Recht als dein Ehegatte und auch seine Pflicht, ebenso wie deine“, entgegnete Aralie. „Es gibt als Königin keine wichtigere Aufgabe, als ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.“
„Dass er mein Ehegatte ist, ist aufgezwungen, und ich werde mich ihm sicher nicht hingeben, nur weil er das Bedürfnis hat, mich zu demütigen und mir weh zu tun!“
„Du bist sein Weib! Du hast nur diese eine Aufgabe!“, fauchte die ältere Frau nun wütend. „Es ist deine von den Göttern bestimmte Pflicht, die Beine breitzumachen und seinen Samen dankbar zu empfangen!“
„Aralie!“, ermahnte Ines sie. „Naya ist erst frisch erblüht. Bitte, nimm etwas mehr Rücksicht! Sie ist nicht Anastasia!“
Ich sprang auf und ging drohend einen Schritt auf die alte Tunte zu. „Pass gut auf, was du sagst, Aralie! Ich bin genauso Herrscherin über dieses Land wie er! Nur weil er körperlich stärker ist, werde ich mir sicher nicht gefallen lassen, wie er mich behandelt! Ich habe während seiner Abwesenheit alles alleine geregelt und das als Kind! Ich habe eine Entführung hinter mir, Folter! Und doch habe ich nicht nachgegeben!“
„Scheiße, ihre Augen!“, hauchte Lyssa fassungslos.
„Du hast keine Ahnung, wer ich bin, Aralie. Masse dir nicht an, mir vorzuschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe! Wenn du deine Beine für jeden Mann breit machen willst, wie eine brave Hure, dann mach das. Ich finde in dir sicher kein Vorbild!“
„Deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind in dieser Hinsicht vollkommen egal“, belehrte Aralie mich, ihr Ton deutlich kälter und schärfer. „Du hast die Pflicht, dem Volk einen Erben zu schenken und deine Blutlinie zu erhalten!“
„Das stimme ich dir zu!“ Die alte Frau runzelte kurz verwirrt die Stirn. „Aber dieses Kind muss nicht von ihm sein! Es wird legitimiert, ganz gleich, ob es von ihm ist oder nicht, denn das Zepter hielten wir gemeinsam! Nicht nur er!“
„Das mag sein. Aber er hätte dich nicht hier eingesperrt, wenn es ihm egal wäre.“
„Können wir bitte das Thema wechseln?“, fragte Lyssa vorsichtig.
„Wie oft noch? Es ist mir gleich, was er will!“, knurrte ich.
„Sieht noch jemand, dass ihre Hände brennen?“, fragte Fenna ungläubig.




























































Kommentare