Ascardia-Kapitel 19
~Ayden~
Scheiße, scheiße, scheiße. Genau das war es, was ich befürchtet hatte.
Warum musste Fürst Dorne hier auftauchen?
Natürlich waren die Gerüchte, dass Cayden das erste Mal seit Jahrhunderten eine Frau behalten hatte, nach draußen gedrungen, doch wieso ausgerechnet jetzt?
Ich flog durch die Gänge, um Cayden über seine Ankunft in Kenntnis zu setzen. Hoffentlich wusste dieser, was zu tun war.
Fürst Dorne durfte auf gar keinen Fall Cayden in diesem Zustand sehen. Er würde sofort erkennen, dass etwas nicht stimmte. Solange mein Bruder nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, durfte auf keinen Fall ein anderer Fürst etwas davon bemerken.
Warum hatte er nicht auf meine Warnung gehört? Er machte sich, uns alle, angreifbar.
Das war Irrsinn und das wusste er. Also warum?
Ich riss die Tür zu Ascardias Zimmer auf, auch wenn ich mich fragte, was er dort tat. Doch kaum hatte ich es betreten, erstarrte ich.
Große, runde Augen eines weißen Tigers fixierten mich müde.
Mein Mund wurde trocken, als der Schlag an Magie mich traf.
Wie konnte das sein? In seinem jetzigen Zustand sollte er seine Tigergestalt gar nicht annehmen können. Das Wasserlicht hatte ihn viel zu sehr geschwächt. Warum also lag er neben Ascardia, die an ihn gekuschelt schlief. Und warum bei allen Fae wirkte er, als wäre er gerade aufgewacht.
»Was?«, knurrte seine tiefe Stimme, doch sie hatte etwas Träges.
Müde. Ich hatte ihn seit Jahrhunderten nicht mehr müde erlebt.
War das ein Nachhall des Wasserlichts? Aber … mit seiner Magie war alles in Ordnung. Sie drückte auf mich wie eh und je. Da war kein Zeichen von Schwäche. Ich würde sogar behaupten, noch mehr Stärke zu spüren.
Träumte ich?
Ich hatte angenommen, dass er Ascardia Gesellschaft leistete, so besessen wie er von ihr war, doch dass er als Tiger neben ihr lag …
In meinem Kopf hallten so viele Fragen wider, dass ich einen Moment brauchte, um zurück zum eigentlichen Thema zu kommen.
»Fürst Dorne ist hier, um Euch zu sehen«, brachte ich schließlich hervor.
Die Sorge, die mich auf den Weg fast zerfressen hatte, war verschwunden.
Es würde kein Problem sein, wenn Cayden sich mit ihm traf. Trotzdem war ich noch immer etwas nervös. »Und er möchte Eure Frau sehen.«
Cayden senkte seinen Blick und betrachtete die schlafende Ascardia.
Ich folgte seinen Blick und bemerkte erst jetzt, dass sie an ihn geschmiegt war und halb unter seinen Pfoten versteckt lag.
Er bewegte sich nur ganz leicht, was Ascardia murmeln ließ. Als würde sie nicht wollen, dass er wegging, griff er nach seiner Pfote und schmiegte sich daran. »Aufstehen«, schnurrte Cayden, wobei er mit seiner Schnauze ihre Wange berührte.
»Ich möchte nicht«, murmelte Ascardia verschlafen.
Ich spürte ein Lachen in meiner Kehle aufsteigen, doch dafür war keine Zeit.
»Hol Issabella«, befahl Cayden leise.
Würde sie überhaupt lange genug wach bleiben, um den Fürsten zu sehen? Oder sollten wir uns eine Ausrede einfallen lassen?
Allerdings widersprach ich nicht. Es war wichtig, dass wir Fürst Dorne nicht zu lange warten ließen.
Obwohl er nicht an Caydens Stärke herankam, war er doch ein Mann mit Verbindungen. Wir mussten verhindern, dass die falschen Worte in Umlauf kamen.
Ascardia musste sich also vorstellen, doch konnten wir etwas an ihrem Gesundheitszustand machen? Wenn sich das Gerücht verbreitete, Cayden hätte sich eine behinderte Frau ausgesucht … oder noch schlimmer: Wenn Fürst Dorne von dem Wasserlicht erfuhr …
Ich wollte mir das gar nicht vorstellen.
Issabella brachte ein Kleid, das Ascardia passte und half ihr schließlich, sie anzukleiden, während Cayden ruhig an der Wand lehnte und alles beobachtete.
Issabella und die Frauen waren nicht gerade sanft, weshalb Ascardia immer wieder leise knurrte. Besonders, als versucht wurde, ihre Haare in Ordnung zu bringen.
Waren sie schon immer so gewesen?
Ich konnte an Caydens Blick erkennen, dass er nicht ganz so begeistert damit war, es aber zuließ. Vermutlich, weil die Situation nicht einfach war.
Als Ascardia in einem wunderschönen, samtroten Kleid mit goldenen Verzierungen steckte und ihre blonden Haare zu einer Krone hochgesteckt waren, verneigte sich Issabella und verließ mit den Damen den Raum.
Ascardia seufzte, bevor sie sich auf dem Bett niederließ, als würde sie sich ausruhen.
Cayden bewegte sich.
In einem Blinzeln verwandelte er sich in einen Tiger und schmiegte seinen Kopf unter Ascardias Hand, als würde er sie damit auffordern, aufzustehen.
Ich verstand diese seltsame Dynamik zwischen den beiden nicht, spürte aber ein seltsames Stechen in meinem Herzen.
Die Erinnerung an die Streicheleinheiten hallten nach. Ich wollte ihre Hände auch zwischen meinem Fell spüren, doch Cayden hatte das Vorrecht.
Sein Blick richtete sich auf mich, als sich Ascardia langsam erhob.
Mir war schon vorher aufgefallen, dass sie vielleicht ein wenig mürrisch aussah, doch nicht schwach oder erschöpft. Mehr müde, weil sie gerade aufgestanden war.
»Du auch«, befahl Cayden.
Ich verstand nicht sofort, was er meinte, doch als Ascardia sich langsam bewegte und neben ihm herging, wurde mir klar, was er wollte.
Aber war das eine gute Idee? Sollten wir es nicht lieber geheimhalten?
Trotzdem kam ich seiner Aufforderung nach, bis ich als Panther zu Ascardias freien Seite schritt. »Das fühlt sich komisch an«, murmelte Ascardia, die mir nun ebenfalls durch das Fell fuhr.
»Das hier ist wichtig«, sagte Cayden mit ruhiger Stimme, während wir langsam in den Gang traten.
Das hier war wichtig, aber was für eine Erscheinung würden wir machen, wenn wir in unserer göttlichen Gestalt Ascardia flankierten und in die große Halle traten?
Was würde Fürst Dorne dazu sagen?
Die Macht unserer göttlichen Gestalten war zu groß. Kein Fürst konnte längere Zeit mit einem anderen zusammen in einem Raum sein, ohne dass die Magie aneinandergeriet. So war es bei mir und Cayden auch gewesen. Aber jetzt spürte ich nicht mehr das Knistern und Stürmen. Stattdessen war das nur eine sanfte, warme Brise, die sich um Ascardia sammelte.
Was würden andere dazu sagen?





































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