Ascardia-Kapitel 29
~Ascardia~
Die nächsten Tage nahm sich Cayden mindestens eine Stunde Zeit für mich, in der er mit mir tanzte.
Ich sehnte diese Zeit herbei, den das Frühstück mit ihm fiel aus.
Issabella hatte mir erzählt, das er viel zu tun hatte, was mich neugierig machte. Gleichzeitig blieb ich jedoch auch nicht untätig.
Es war nicht leicht, ohne einen Partner das Tanzen zu üben, doch da Cayden so geduldig war und mir die Schritte nicht nur zeigte, sondern auch erklärte, machte ich große Fortschritte. Außerdem machte es wirklich Spaß.
Issabella, die in der Lage war ein Instrument namens Geige zu spielen, war mir dabei eine große Hilfe. Die Musik half mir, im Takt zu bleiben und ein Gefühl für den Tanz zu entwickeln.
Ich sehnte jeden Abend förmlich herbei, nahm ich Caydens Zeit doch nicht als gegeben.
Issabella hatte mir erzählt, das bald wichtige Feste anstanden, an denen Cayden als Fürst von Aurelshade teilnehmen musste. Es war wichtig, dass er sich gegenüber anderen Fürsten behauptete, um sein Gebiet zu schützen.
Auf seinen Schultern lag viel Verantwortung, weshalb ich ihn nur umso mehr bewunderte.
Als er heute am Abend zu mir kam, war etwas anders. Er hatte zwar eine ruhige Ausstrahlung, doch sein Blick war irgendwie anders. Ich konnte jedoch nicht genau sagen wieso. War er distanzierter?
Statt nur von einer Geige begleitet zu werden, sorge Cayden für ein ganzes Konzert, zu dem wir tanzen konnten.
Allerdings hatte ich das Gefühl, Cayden wäre angespannt. Seine Bewegungen waren flüssig, doch sein Blick huschte heute so musternd über mich, dass ich mich unwohl fühlte und viel mehr Fehler machte also sonst.
Es ärgerte mich, dass ich so schlecht war, weshalb mich seine Worte noch mehr überraschten. »Du hast große Fortschritte gemacht«, sagte er, als wir den Tanz beenden.
»Ich war wirklich schlecht heute«, bemerkte ich, denn ich konnte ihm kaum glauben. Immerhin hatte ich drei Mal seine Füße erwischt und war viel nervöser gewesen als sonst.
»Trotzdem bist du bereit.«
»Bereit wozu?«, fragte ich verständnislos, denn ich konnte ihm einfach nicht folgen.
»Mich morgen zu Fürst Dorne zum Walpurgis-Ball zu begleiten.«
Ich zog scharf die Luft ein. War es das, weshalb er wollte, dass ich unbedingt tanzen lernte? Immerhin hatte er mir erklärt, dass man zu solchen Bällen tanzte.
»Ich … soll dich begleiten?«, fragte ich, wobei mir die Worte nur schwer über die Lippen kamen.
Aufregung packte mich.
War ich bereit dazu oder würde das passieren, was Cassian gesagt hatte? Würde ich ihn blamieren?
»Du hast keine Wahl. Es ist Tradition die ausgewählten Frauen vorzustellen.«
Das hieß auch Cayden hatte keine Wahl. Er konnte mich also nicht hier lassen.
Ich straffte meine Schultern. »Ich werde mein bestes geben«, versprach ich, doch Cayden schüttelte nur den Kopf und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht.
»Es reicht, wenn du Spaß hast.«
Ich öffnete meinen Mund, wusste jedoch nicht, was ich sagen sollte. Meinte er das ernst? War das wirklich ausreichend?
»Issabella wird dich morgen früh wecken. Geh jetzt also ins Bett«, befahl er, wobei ich das Gefühl hatte, er war schon fast wieder aus dem Zimmer raus. Er war wirklich vielbeschäftigt.
»Schlaf gut«, sagte ich, was ihn offensichtlich verwirrte. Er blieb kurz in der Tür stehen, drehte sich aber nicht zu mir um, sondern ging dann weiter.
Ich spürte ein Lächeln meine Lippen umspielen, während ich mich auskleidete und bereit für das warme Bad machte.
Nach der vielen Übung konnte ich das gut gebrauchen. Außerdem würde es mir hoffentlich helfen, meine Aufregung unter Kontrolle zu bringen.
Wenn ich ehrlich war, hatte ich ein wenig Angst davor, was auf mich zukommen würde.
.
Als mich Issabella am nächsten Morgen weckte, was die Sonne noch nicht einmal aufgegangen.
Müde schälte ich mich aus der Bettdecke, da wurde ich auch schon von Frauen umrundete. »Wir haben nicht viel Zeit«, bemerkte Issabella mit einem entschuldigenden Ton.
Dann begannen sie, meine Haare zu kämmen und mich in ein Kleid zu hüllen, das in meinen Augen weh tat, weil es so hell schimmerte.
Es wirkte, als würde es aus flüssigem Gold bestehen und fühlte sich wie ein kühler Wasserfall auf meiner Haut an.
In nur wenigen Minuten schafften sie es, mein Gesicht mit einem Lappen zu säubern und meine Haare zu kämmen.
Dann begannen sie damit, mit Pinseln und Farbe mein Gesicht zu bearbeiten.
Das war bisher noch nie der Fall gewesen, weshalb ich nicht genau sagen konnte, was das sollte.
Doch als sie schließlich fertig mit dem Überfall auf mich waren, schoben sie mich vor den Spiegel.
Mir blieb die Luft weg, als ich die Frau darin erkannte.
War das wirklich ich?
Meine Augen strahlten, während meine Haare mein Gesicht sanft umspielten.
Das Kleid floss über meine Schultern, betonte meine Rundungen und ließ meinen Körper zu einem kleinen Kunstwerk werden.
Noch nie hatte ich so schön ausgesehen, weshalb ich meinen Blick kaum abwenden konnte.
Es fühlte sich noch immer so surreal an, dass ich wirklich so stattlich und elegant aussehen konnte.
Issabella verneigte sich vor mir, bevor sie mit den anderen Frauen den Raum verließ. Ich wusste nicht genau warum, doch als Cayden eintrat, wurde mir klar, warum sie so schnell gegangen waren.
Ich wandte mich zu ihm um und schenkte ihn ein strahlendes Lächeln, das meine Nervosität verstecken sollte.
Caydens Augen wanderten musternd über mich. Noch mehr als sonst.
Ich wartete, bis er seine Musterung beendet hatte, doch heute dauerte es ungewöhnlich lange.
Nervosität machte sich in mit breit. Sah das Kleid doch nicht gut an mir aus? War die leichte Schminke zu viel? Gefiel ihm die Frisur nicht?
Er hob die Hand und schob eine Strahle zurecht, sodass sie meine Ohren ein bisschen kitzelte.
»Bist du bereit?«, fragte er, wobei seine Augen direkt in meine blickten.
Ich schluckte. Gab er mir die Möglichkeit, abzulehnen? Aber … konnte er das überhaupt? Würde ich nein sagen, würde er einen Weg finden oder mich zwingen?
Ich versuchte aus seinen Worten noch schlau zu werden, da hatte ich bereits genickt, ohne mir dessen bewusst zu sein. Aber solange Cayden an meiner Seite war, war ich bereit für alles.
Plötzlich griff er nach meinen Händen und hob sie zu seinen Lippen.
Ich spürte, wie seine kühlen Lippen meine Knöchel berührten und hielt die Luft an. Sie waren viel weicher als ich es mir jemals erträumt hatte.
In meinem Bauch machten sich plötzlich Schmetterlinge breit, die meinen ganzen Körper einnahmen. Ein Kribbeln an der Stelle ließ mich sprachlos zurück.
Warum hatte er das getan? Gehörte sich das so?
»Dann lass uns gehen. Melde dich, wenn du dich unwohl fühlst.«
Mit diesen Worten führte er mich nach draußen, auch wenn ich nur halb anwesend war. Meine Gefühle spielten förmlich verrückt und ich fragte mich, ob seine Berührungen überall so viel in mir auslösen würden.





































Kommentare