18 Ein spontanes erstes Date

Liebes Tagebuch,
Wir schreiben heute den 13.11.03-I-II und die gestrige Nacht war sehr schön gewesen. Ich stand auf
dem Balkon und sang mein Lied, welches ich seit zwei Tagen jeden Abend sang. Doch diesmal erhielt
ich als Antwort auf mein Lied ein Edelweiß mit schwarzen Blütenblättern. Ein wenig wehmütig griff
ich danach – denn ich dachte, er würde sich mir nicht zeigen. Doch dann hörte ich seine Stimme
hinter mir: “Warum so traurig?” Mein Herz machte einen Freuden- Hüpfer. “Weil ich dachte, dass du
dich mir nicht zeigen würdest.”, war meine ehrliche Antwort und ich drehte mich zu ihm um. Und da
stand er wirklich vor mir – mein König in schwarzem Gewand. Er fragte mich, wozu ich bereit wäre
und bezog sich dabei auf mein Lied. Ich sagte ihm, dass ich bereit wäre, mich der Antwort zu stellen,
was ich für ihn bin. Doch mit seiner Antwort habe ich nicht gerechnet, denn er sagte, dass ich die
einzige Frau in seinem Leben war, bin und jemals sein werde. Ich sagte ihm, dass dies traurig sei,
denn schließlich haben wir uns in diesem Leben ja kaum gesehen. Balthasar erklärte mir, dass das
Edelweiß ein Schlüssel für ihre versteckten Stollen sei. Dann stellte ich ihm eine Frage – was würdest
du dir wünschen? Ohne zu zögern antwortete er, dass unsere Kinder – sprich die 10.Legion – nicht
mehr ihr Dasein im Schatten verbringen sollten, sondern von den anderen Legionen anerkannt
werden und gemeinsam mit den anderen Engeln leben können. Das war nicht das, was ich meinte
und ich stellte ihm die Frage erneut – Was würdest du dir wünschen für Dich? Wer hätte gedacht, dass
es mir mit einer simplen Frage gelingen könnte, Balthasar zu verunsichern und zu verwirren? Denn
dieser schaute mich so verwirrt über die Frage an und gab zu, dass er die Frage nicht verstand, dass
ich schmunzeln musste – einfach zu niedlich. Ich sagte ihm, dass er mal darüber nachdenken solle und
ich beließ es dabei. Ja, es war niedlich, aber auch sehr traurig, dass er für sich keine Wünsche hatte.
Er dachte nur an andere und vergaß sich selbst dabei völlig, was mich etwas traurig machte. Ich
wollte gerade was sagen, als Balthasar inne hielt und seine Sinne aus schickte. Ein Eindringling in den
Minen weckte sein Interesse und so ließ er mich stehen, allerdings nicht ohne zu versprechen, dass er
wiederkommen würde. So wartete ich geduldig auf seine Rückkehr und wurde belohnt. Er erklärte
mir, dass er gerade einen neuen Anwärter für die 10. Legion in der Mine gefunden habe. Dann sprach
er einen Zauber und mein Schlafgewand wurde zu einem schönen Kleid. Noch bevor ich fragen
konnte, warum, bat er mich, ihm meine Hand zu geben und ich gab sie ihm, ohne zu zögern. Er zog
mich an sich und einen Wimpernschlag später stand ich am Meer von Starbay. Ich blinzelte und
versuchte herauszufinden, ob dies eine Illusion sei, doch Balthasar erklärte, dass wir uns tatsächlich in
Starbay befinden. Die 10. Legion kann sich im Initium teleportieren, während Teleportationszauber
hier funktionslos sind – interessant zu wissen. Das erklärt auch, warum die Zehnten sich gefühlt in Luft
auflösen können. Er führte mich zum Theater, doch kurz davor verkleidete sich Balthasar als ein
normaler Engel. Als ich ihn darauf ansprach, meinte Balthasar, er wolle keine Massenpanik auslösen.
Jetzt übertrieb er mal, aber mein Argument, dass es ja viel besser sei, wenn man mich mit jemandem
Unbekannten sähe, ließ ihn einsehen, dass er sich nicht verkleiden braucht. Trotzdem war er
skeptisch, aber ich versicherte ihm, dass die anderen Engel schon nicht in Panik geraten werden,
solange ich an seiner Seite bin. Ich kenne meine Engel und ihr Vertrauen in mich. Der Wächter am
Eingang zum Theater tat mir schon etwas leid – der war so nervös. Doch nachdem ich Balthasars doch
sehr bestimmenden Worte mit meinen weichen Worten und einem Lächeln ausgeglichen hatte,
fasste sich der junge Wächter wieder und sorgte dafür, dass wir die von Balthasar bestellten
Logenplatz bekamen. Natürlich war dieser Platz noch frei, schließlich war diese Loge immer für mich
oder meine Tochter reserviert. Ich hatte einen wunderschönen Abend im Theater gehabt. Ich sehe
schon die Gerüchteküche brodeln. “Erzengel Uriel geht mit dem Erzdämon ins Theater – und amüsiert
sich offensichtlich!” konnte die Schlagzeile im wöchentlichen Zeitungsbericht sein. Ich werde mir den
Alic für diese Woche auf jeden Fall holen – bin ja neugierig. Dass man uns zusammen im Theater
gesehen hat, kommt Balthasars Image bestimmt zu Gute. Denn es zeigt eine sanfte Seite an ihm und
macht ihn weniger furchteinflößend für die anderen Engel. Wir sollten uns öfters in der Öffentlichkeit
zeigen, damit Balthasars Wunsch in Erfüllung gehen kann. Wenn die Zehnten Teil unserer Gesellschaft
werden soll, dann sollte Balthasar als gutes Beispiel vorangehen. Ich werde in den nächsten Tagen
mal sehen, dass ich Balthasar besuche und mit ihm rede. Bin gespannt, wie die Zehnten leben und
ihre Stollen aussehen. Aber jetzt ist erstmal der Tag vorbei und ich werde jetzt zu Bett gehen –
diesmal ohne vorher zu singen. Gute Nacht


























































Kommentare