21 Himmelsbote 29.11.03-I-II

Himmelsbote – Gesellschaft & Kultur
Datum: 29.11.03-I-II

Gebetsmüdigkeit unter jungen Engeln – Ein still wachsendes Problem

Iceron – Die täglichen Gebete sind das Herzstück des Lebens im Initium. Sie nähren nicht nur die klerikale Macht, sondern festigen den Zusammenhalt und die geistige Ordnung der Gesellschaft.
Doch in den letzten Jahren hat sich ein leises, aber hartnäckiges Phänomen bemerkbar gemacht: Immer mehr junge Engel nehmen zwar an den Zeremonien teil, doch ihre Beteiligung ist oberflächlicher, ihre Konzentration brüchiger.

Priester aus mehreren Bezirken berichten von „flackerndem Licht“ in den Stimmen junger Gläubiger. Manche verkürzen ihre Gebete, andere erscheinen verspätet – und wieder andere erfüllen nur die Pflicht, ohne das Herz dabei zu haben.

Die Ursachen sind vielschichtig. Einige Gelehrte sehen darin den Einfluss einer Generation, die seit Jahrmillionen gut behütet aufgewachsen ist und daher weniger Dringlichkeit verspürt. Andere sprechen von einer zunehmenden Orientierung an praktischen Tätigkeiten: Heilkunst, Forschung oder magische Handwerkskunst – alles Dinge, die sichtbare Ergebnisse bringen, während der Effekt eines Gebets unsichtbar bleibt.

Bisher reagiert die Kirchenleitung zurückhaltend. „Solange die Gebete gesprochen werden, besteht keine unmittelbare Gefahr für die Stabilität Icerons“, so eine anonyme Quelle. Hinter verschlossenen Türen jedoch wird diskutiert, ob die Liturgien angepasst werden sollten – eine Überlegung, die unter konservativen Kreisen bereits Unruhe stiftet.

Mein Ratschlag an dieser Stelle: Gestaltet die Messen interessanter! Ich bin neulich bei einer fast eingeschlafen. Ja, nur fast, im Gegensatz zu dem älteren Herren neben mir. Positiver Nebeneffekt, dass er eingeschlafen ist: Sein Schnarchen hat mich wachgehalten. Empfehlung an den Klerus: Praktikum auf dem Planet Terra in der Milchstraße, die Gottesdienste der “Amerikaner” haben richtig gute Stimmung! A.

 

Himmelsbote – Natur & Ereignisse
Datum: 29.11.03-I-II

Endrok-Schwarm gefährlich nah an Snakeville – Stadtwächter setzen Lockstoffe ein

Encaster, südlicher Teil von  Iceron — Ein Schwarm der gewaltigen Endrok-Würmer ist in den vergangenen Tagen gefährlich nah an das Dorf Snakeville herangekommen. Snakeville, bekannt für seine Lage auf einer massiven Gesteinsplatte und seine hohen Stadtmauern aus glattem, rutschigem Stein, pflegt eine besondere Beziehung zu den Endroks: Das Dorf sammelt den Müll aus umliegenden Städten und Dörfern und verfüttert ihn an die Endroks, die diesen in fruchtbare Erde verwandeln. Zudem bauen die Bewohner in Snakeville selbst fruchtbare Erde ab, die aus der Arbeit der Endroks hervorgeht.



Der plötzliche Erdrutsch an einem nahen Berghang hat die Endroks aus ihren unterirdischen Gängen aufgeschreckt und an die Oberfläche getrieben. Die gewaltigen Würmer rückten dadurch bedrohlich nahe an die Stadtmauern heran. Die glatten und rutschigen Mauern von Snakeville verhinderten zwar das Eindringen, doch die Stadtwächter sind alarmiert, da die enorme Kraft der Endroks selbst die robusten Mauern beschädigen könnten.

Um die Siedlung zu schützen, setzen die Stadtwächter spezielle Lockstoffe ein, die entwickelt wurden, um die Endroks mit attraktiven Duftstoffen von der Stadt weg und zurück in ihre Tiefen zu lenken. Wächterhauptmann Soval erklärt: „Snakeville lebt in einem empfindlichen Gleichgewicht mit den Endroks. Sie sind lebenswichtig für unsere Müllentsorgung und Bodenfruchtbarkeit, aber ihre Kraft darf nicht unterschätzt werden.“

Bewohner berichten von heftigen Erschütterungen und tiefem Grollen in den Nächten, das mit den Bewegungen der Endroks zusammenhängt. Bislang blieb die Stadt unversehrt, doch die Wachsamkeit der Wächter bleibt hoch.

Die Stadtwächter bitten die Bevölkerung, Abstand zu halten und ungewöhnliche Aktivitäten sofort zu melden. Die fragile Koexistenz zwischen Engeln und Endroks ist ein kostbares Gut, das es zu schützen gilt.

Keine Sorge, die Berge sind statisch stabil. Aber mal Spaß bei Seite: Glücklicherweise gab es keine Verletzten. Ich bin einfach nur froh, dass Snakeville mittels der Lockstoffe gesichert werden konnte. Bitte, passt auf euch auf! A.

 

Himmelsbote – Sonderbericht
Datum: 29.11.03-I-II

Fragwürdige Pressestimme – Dämon A. erneut mit Kommentar im Himmelsboten

Es ist mittlerweile fast schon eine Tradition: Kaum berichten wir über brisante Themen, taucht er auf – der selbsternannte Dämonen-Kommentator (Hey! Das heißt Pressesprecher, wenn ich bitten darf! – Oh, jetzt IST es eine Tradition! A.). Trotz verstärkter Sicherheitsmaßnahmen fand er auch diesmal wieder einen Weg in unser Redaktionsbüro, um unter einem Artikel zur Schwangerschaft von Erzengel Uriel seine Sicht der Dinge zu hinterlassen.

In gewohnt flapsigem Ton erklärte A., dass die Dämonen keinerlei Absicht hätten, einer Schwangeren Schaden zuzufügen – „egal, ob sie Uriel oder Pipinella heißt“ – und zitierte dabei sogar seinen „Chef“, der mit drastischen Worten vor jeglicher Belästigung Uriels warnte. Die Aussage schwankte zwischen Beschwichtigung, schwarzem Humor und Provokation, inklusive spöttischer Anmerkungen über Uriels Erfahrung als Mutter und einer farblich zweideutigen Geschenkidee zur Geburt.



Unser Chefredakteur reagierte wie gewohnt mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und professioneller Neugier. Zwar verurteilte er erneut das unbefugte Eindringen in sein Büro, doch ließ er durchblicken, dass er die unverblümten Einblicke von A. als „Herausforderung“ und potenzielles Material für ein künftiges Interview sieht.

Ein gespaltenes Echo in der Bevölkerung
Die Leserschaft ist bei diesen „Gastbeiträgen“ tief gespalten. Viele begrüßen den direkten Austausch, da sie sonst nur Gerüchte über die Dämonen hören würden. Andere hingegen fürchten, dass diese Offenheit vor allem eines bedeutet: ständige Beobachtung durch Wesen, die sich ungehindert in unsere Städte – und sogar in die Redaktionen – schleichen können.

So bleibt die Frage, ob A.s Kommentare ein Schritt zu mehr Verständnis sind – oder ein beunruhigendes Zeichen dafür, dass die Dämonen jederzeit viel näher sein könnten, als uns lieb ist.

Die Redaktion erwartet gespannt, ob A. wieder zuschlagen wird und uns mit seinen Kommentaren beehrt oder ob wir ihn diesmal auf frischer Tat ertappen und gefangen nehmen können. Wir halten Sie auf dem Laufenden …

 

Nachtrag: er hat wieder zugeschlagen, ohne dass wir ihn fangen konnten.

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