57 Die Versammlung Teil 4

Das Duett beginnt und Musik breitet sich über den ganzen Platz aus.
Engel und Dämon lauschten gebannt den lieblichen Tönen und schweigen.

 

Lilith:

Meine Welt war voll Dunkelheit von Anfang an

Und niemand war da, der mir dabei helfen kam

Nur im Schatten war da immer mein stiller Freund

Auch wenn Mutter sagte, dass ich davon nur träum

 

Aknara:

Ich war geboren im Licht, das Eis war mein Heim

Ich hatte viele Freunde, war niemals allein

Schon damals war ich kein Kind von Traurigkeit

Ich konnte nicht hören, verschwand zur Nacht-Zeit

 

Beide:

Und als der Schatten rief, da folgten wir ihm nach!

Die Pflicht uns zu sich nahm, die Vergangenheit brach!

Doch hinter der Maske die Sehnsucht brennt

Nach dem was man Familie nennt.

 

Lilith:

Ich habe viele Kinder, drum nennt sie Legion

Sie brauchen viel Fürsorge – wer kann das schon?

Doch sind wir alle gleich, in das Licht wollen wir

Doch was wir wissen: Unsere Heimat ist hier!

 

Aknara:

Ich nenne dich Mutter, doch das bist du nicht

Meine Mutter ist die, die ihr Kind lang schon vermisst

Ich hab sie so lang nicht geseh‘n, wie’s ihr wohl geht?

 

Lilith:

Sag ab der Familie, die alte Regel steht!

 

Aknara:

Doch wir sind der Schatten, der die Regeln bricht!

Es ist deine Lehre – warum denn diesmal nicht?

Sag mir, warum müssen sie mich vermissen?

In heutiger Zeit, wo sie doch von uns wissen!

 

Lilith:

Du hast gut gelernt, mein Kind, ich seh es nun ein!

Ich will es erlauben dir – nun geh schon heim!

Und doch, ich bitte dich: Vergiss mich nicht!

Denn wenn der Schatten ruft – musst du zur Pflicht!

 

Aknara:

Ich werde wiederkehren, darauf mein Wort

Und ich verspreche dir, bin nicht zu lang fort!

Doch nun ist es an der Zeit – die Masken fallen

 

Beide:

So legen wir die Masken ab und kehren heim!

Doch wenn der Schatten uns ruft, so sind wir sein!

Die Maske fällt – wir sind vereint!

Die Maske fällt – wir kehren heim!

Die Maske fällt – doch wir vergessen nicht:

Der Schatten – Heimat, Familie, Pflicht!

 

Meine Damen und Herren, mit den letzten Zeilen haben die beiden Damen ihre Masken abgenommen – und während… Oh, beim Ewigen! Eine der Damen ist Liriel und nun dreht sie sich um und ich kann erkennen, dass sie mit Tränen in den Augen Uriel in die Arme fällt, während Aknara – nun, sie ist mit einem Satz von der Bühne und einer Engelsdame in den Reihen der Engel in die Arme gesprungen! Jetzt nehmen alle Jung-Dämonen ihre Masken ab und… Es sind die entführten Kinder der letzten Jahrzehnte! Ich kann es nicht fassen! Die Kinder laufen zu ihren Eltern und man fällt sich gegenseitig in die Arme. Was für eine Überraschung! Ich sehe eine alte Engelsdame vorsichtig auf einen älteren Dämon zugehen. Er zeigt ihr ein Amulett und mit Tränen in den Augen fällt die Dame ihm um den Hals. Da haben sich wohl welche wiedererkannt. Soll das heißen… kann das sein? Doch da erhebt sich Balthasar wieder von seinem Thron und zieht die Aufmerksamkeit auf sich.



“Ich denke, das Geheimnis ist gelüftet – seit Anbeginn der Zeit holen wir die Engel, welche sich uns am geeignetsten präsentieren und das Blut der ersten Dämonin – Lilith oder auch Liriel genannt- in sich tragen, zu uns, um sie zu Dämonen, Wächtern, auszubilden! Wir holten sie zu uns und gaben ihnen die Erziehung und Ausbildung, die sie benötigen. Doch…” Nun dreht er sich wieder zu den Thronen um und sein Blick verhaftet auf dem Ewigen. “Ewiger Drache – es ist dein Versprechen, dass jeder Engel seine Legion frei wählen darf und auch wir respektierten stets diese Freiheit und Selbsverantwortung! Und doch – dieses Wort war gebrochen, denn eines deiner Kinder hatte niemals diese Wahl und ich denke… Nun, meinst du nicht, dass hier und jetzt diese begangene Ungerechtigkeit zu tilgen wäre?`” Welch eine Unverfrorenheit – und doch auch Mut, das muss man sagen, so dem Drachen gegenüberzutreten! Ich bin gespannt, wie er reagieren wird! Der Ewige atmet tief ein und wir lauschen gespannt seinen Worten: “Du hast Recht, Balthasar. Nur ein einziger geborener Engel durfte nicht wählen in all den Jahrmillionen. Liriel, komm bitte zu mir, mein Kind.” Liriel, die neben ihrer Mutter am Thron steht, geht zum Ewigen und nimmt die Hand, die dieser ihr reicht. “Mein Kind, du hattest stets die schwierigste Aufgabe von allen auf deinen Schultern. Während alle anderen im Dunkeln tappten, wusstest du es bereits und dennoch war es dir verboten, das Geheimnis zu lüften. Du wusstest, dass die meisten deiner Nachkommen zur 10. Legion werden würden. Trotzdem warst du am Tage da, um die Eltern zu trösten und nachts tröstest du die Kinder. Dein Herz zerrissen zwischen Licht und Schatten, warst du Teil beider Legionen, wenn auch nur im Geheimen. Nicht ganz 9. Legion und auch nicht ganz 10. Legion. Ich danke dir, dass du all dies auf dich genommen hast, denn ohne dich wäre die 10. Legion nie so stark geworden und so zahlreich, dass wir heute diesen Tag erleben können.” Der Ewige steht auf, verneigt sich vor Liriel und spricht dann weiter, ohne ihre Hand loszulassen. “Sag, für welche Legion schlägt dein Herz am meisten? Zu welcher Legion gehörst du? Sag es laut und verkünde es ohne Zurückhaltung.” In Liriels Augen schimmern Tränen, doch sie bleibt standhaft. Sie wendet sich der Menge zu, als sie mit lauter Stimme verkündet: “Ich – eure Liriel, war auf einer Seite gerne eine Neunte, doch mein Herz gehört mehr zur 10. Legion und der Schutz aller Legionen treibt es an. Daher ist meine Wahl die 10. Legion.” Liriel wendet sich dem Ewigen zu, der sie in die Arme nimmt und ihr einen Kuss auf die Stirn gibt. Und plötzlich erstrahlen die typischen Dämonen-Runen in ihrem Gesicht, erlöschen und bleiben als Mal der Dämonen zurück. Liriel betastet ihr Gesicht und jetzt rinnt ihr eine Träne die Wange herunter, sie umarmt den Ewigen stürmisch und voller Freude, der ihr über den Kopf streicht. Man hört die Dämonen jubeln. Balthasar tritt ebenfalls auf Liriel… Lilith? Verzeihung, ich bin verwirrt… Er tritt auf die Neu-Dämonin zu und nimmt sie in die Arme. “Willkommen zu Hause, Tochter – nun komm, geh zu deinen Brüdern und Schwestern!” Er lässt sie laufen und wendet sich erneut seiner Legion zu. “Verdammt noch mal – ich glaube, wenn ich euch hier länger stehen lasse, platzt ihr!” Von einem Kommandanten sieht man nun nicht mehr viel an ihm, eher einen… Vater? “Also los, geht feiern! In 3 Tagen erwarte ich euch zurück zum Dienst! Macht mir keine Schande – nicht in eurem Benehmen und nicht am Krug! 10. Legion – WEGTR… Oh, eine Sache steht noch aus… Inias, komm bitte einmal zu mir…” Inias hebt überrascht eine Augenbraue, kommt aber der Bitte nach und geht auf Balthasar zu. “Inias… Ich weiß, wir zwei waren uns nie einig, sind es nicht und werden es nie sein – aber dennoch, so sehr ich unsere Debatten und Konfrontationen im Rat zu schätzen weiß, möchte ich zwischen uns beiden persönlich Frieden schaffen und habe daher ein Versöhnungsgeschenk für dich – für dich persönlich und deine Legion.” Balthasar wendet sich nun wieder der Menge zu. “Ich bräuchte einmal meinen Archivar hier oben…” Aus der Menge tritt ein Dämon hervor, in seinen Händen eine Kiste, die reich verziert ist und schreitet die Stufen zu den Thronen herauf. Inias Augen weiten sich und er steht stocksteif dort, als der Dämon vor ihm steht. Der Dämon öffnet die Kiste und zum Vorschein kommt ein großes Buch. “Inias – ich weiß, dass dein Archiv umfassend ist und alles Wissen seit der Gründung der Legionen enthält. Und doch fehlt etwas. In diesem Buch findest du alles, was Anidiras – höchster Archivar meiner Legion – über die Zeit vor der Gründung aus unseren Archiven herauskitzeln konnte. Dieses sei das Geschenk für deine Legion. Und dein persönliches Geschenk ist mein Archivar – und ich sehe an deinen Augen, dass du ihn erkennst…” Inias schluckt und fragt dann ungläubig: “Was soll das heißen? „Du schenkst mir deinen Archivar?” Balthasar schüttelt den Kopf. “Nein, Inias – ich gebe ihn dir für 3 Tage zurück. Dann erwarte ich ihn wieder zum Dienst – doch ich erwarte, dass du dann eng mit ihm zusammenarbeitest. Ich erlaube ihm von nun an, jederzeit die 2. Legion aufzusuchen, um beide Archive, welche zusammengesetzt werden müssen, zu vereinen. Sieh hin, Inias und erkenne die Wahrheit, auch wenn es lange her ist…”Inias wendet sich dem Archivar zu und scheint etwas zu flüstern, was ich nicht verstehen kann, doch der Dämon nickt daraufhin und plötzlich fällt Inias dem Dämon ungeachtet der Kiste zwischen ihnen um den Hals und bricht in Tränen aus. Doch nicht nur er vergießt Tränen, auch der Dämon weint!



Ich habe Erzengel Inias noch nie so aufgelöst gesehen! Der Erzengel löst sich wieder von dem Dämon, hält ihn aber an den Schultern fest und spricht: “Mein Sohn, ich habe dich Ewigkeiten nicht mehr gesehen! Ich habe stets davon geträumt, dich wiederzusehen und jetzt ist dieser Traum wahr geworden. Groß bist du geworden, doch ich erkenne dich. Wir haben viel zu bereden.” Inias wendet sich wieder Balthasar zu und ein aufrichtiges “Danke” ist alles, was er zu ihm sagt. Balthasar nickt, dann donnert seine Stimme erneut über den Platz: “10. Leg… Was solls… Sauhaufen – WEGTRETEN!” Damit scheint die Versammlung offiziell beendet zu sein und erwartungsvoll blicken die Engel zum Kardinal Gabriel, der sich räuspert: “Nun, da bereits die 10. Legion offiziell entlassen ist für heute, sollten wir ihrem Beispiel folgen und die Versammlung auflösen, sofern der Ewige es gestattet.” Alles sieht gespannt zum Ewigen, der lächelt und sagt: “Ich möchte euch nicht vom Feiern abhalten, na los!” Der Jubel ist ohrenbetäubend und als sich alle zum Gehen wenden, hört man noch eine kindliche Stimme fragen: “Alisazza? Ich habe es noch nicht richtig verstanden. Hab ich jetzt ne eigene Legion, oder warum beruft sich die 10. Legion auf die Phantasie des unbekannten Kindes?” “Das erkläre ich dir später, Ophio”. hört man den Ewigen noch sagen und beide sind verschwunden. Nun, hier endet auch die Übertragung der Versammlung – viel ist geschehen und einiges ist ans Licht gekommen. Ihr werdet von uns in der nächsten Ausgabe des Himmelsboten hören und lesen. Wir wünschen noch einen schönen Tag und bis bald.

 

 

 

 

 

 

 

Stimmen der Schreiber:

Ich freue mich, dass diese Geschichte – nun ja, die Teilgeschichte… Ach, ihr wisst schon, die Vereinigung zwischen Engeln und Dämonen endlich abgeschlossen ist. In diesem Projekt steckt viel Arbeit, Tränen, Lachen… Alles wurde von der Erschafferin der Engel und mir erspielt und oft genug fluchte sie, als nichts so kam, wie sie es geplant hat (Schatz – die Dämonen sind halt unberechenbar!). Ich hoffe, ihr alle hattet viel Spaß beim Lesen und habt genauso mitgefiebert wie wir. Ich weiß, dass hier noch einiges offen ist und keine Sorge, auf diese Fäden werden aufgenommen, wenn es weitergeht. Doch bitte, habt Geduld, denn bevor wir neue Geschichten schreiben können, müssen wir sie halt selbst noch erleben.



 

Ich möchte mich auch noch zu Wort melden (die Erschafferin der Engel). Es hat super viel Spaß gemacht, das alles zu schreiben und vorher gemeinsam mit meinem Lebensgefährten im Pen&Paper zu spielen. Stolz blicken wir auf das alles zurück, aber keine Angst, es wird weitergehen. Aber zunächst machen wir eine Pause. Doch danach geht es mit “Staffel 2” weiter 😉 Hoffe, ihr bleibt uns treu und lest auch die zweite Staffel.

 

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