Kapitel 6
Fiona
Die Frage von Mom trifft mich überraschend. „Ich hatte irgendwie immer damit gehofft, dass unsere Freundschaft ihm mehr bedeutet als alles andere.“ flüstere ich leise. Meine Mom schaut mich verstehend an und streicht mir übers Haar.
Wir fahren von der Straße ab, auf die Zufahrt zur Siedlung. „Keine Sorge, ich habe allen Mitgliedern gesagt, dass sie Joshi und Paul nichts vom Besuch erzählen sollen. Stell dich also darauf ein, dass Einige neugierig sein werden und uns erwarten.“
Ich seufze leise, ja das ist einer der Nachteile im Rudel. Die sind schlimmer als jede Klischee Klatschtante. Aus dem Fenster schauend, beobachte ich die vorbeiziehende Landschaft. Sofort kommt sie mir bekannt vor und anders als gedacht, stellt sich ein Gefühl von Heimat ein. Hier kenne ich jeden Weg und jeden Baum.
Ehrlich gesagt hatte ich immer befürchtet, dass dieser Wald Angst in mir auslösen würde. Doch dss Gegenteil ist der Fall. Es fühlt sich buchstäblich nach Hause kommen an.
Dad fährt auf den Parkplatz und parkt. Ich sehe, wie einige schon warten. „Ich bin da für dich Fiona. Sollte irgendwer dir blöd kommen, bekommen sie es mit der Luna zu tun und dieses Mal lasse ich sie noch schwerer vom Harken.“ Dad knurrt zustimmend „Auch mit dem Alpha, ich werde nicht nochmal zulassen, dass mich mein Rudel von meinem Welpen trennt.“
Von ihren Worten berührt, atme ich nochmal tief durch, ehe ich dann meine Tür öffne und aussteige. Sofort kann ich hören, wie die Gespräche verstummen und in der Luft geschnüffelt wird, ehe ein aufgeregtes Flüstern durch die Reihen geht.
Um es schnell hinter mich zu bringen, gehe ich ums Auto herum und trete vors Rudel. Noch ehe ich etwas sagen kann, werde ich umgerissen. „Oh mein Gott, ich kann es kaum glauben, dich wieder zu sehen. Ich habe dich soo vermisst.“ ruft Hanna aufgeregt. Schmunzelnd erwidere ich ihre Umarmung, auch wenn mir vom Sturz der Rücken weh tut. Aber der Schmerz rückt in den Hintergrund, vor der Freude mit meiner Freundin wieder vereint zu sein.
„Ich habe dich auch vermisst. Du siehst echt gut aus. Die kurzen Haare stehen dir sehr.“ spreche ich und richte mich mit ihr wieder auf, während ich sie gleichzeitig beäuge. „Aber du erst! Du bist nicht mehr schmächtig wie früher. Du hast Kurven bekommen und deine Muskeln erst. Du musst mir unbedingt zeigen, wie du trainierst.“ fordert Hanna mich auf. Erleichtert umarme ich sie wieder. Ich bin froh, dass sich zwischen uns nichts verändert hat.
„Hanna, du bist nicht die einzige, die sie vermisst hat.“ spricht da eine weitere Stimme. Ich schaue auf und frage erstaunt „Julie?“ Sie nickt lächelnd und breitet ihre Arme aus. Auch wenn wir damals nicht viel miteinander gemacht hatten, hatten wir doch immer ein gutes Verhältnis. Daher stehe ich auf und umarme Julie, welche inzwischen zu einer Frau geworden ist.
„Du bist ja nochmal richtig gewachsen.“ spreche ich anerkennend. Julie verdreht lachend die Augen. Bevor Julie aber etwas erwidern kann, wird sie zur Seite geschoben und ich in eine wolfsstarke Umarmung gezogen. „Hallo Tante Lilly.“ begrüße ich sie und erwidere ihre Umarmung.
Ein Räuspern unterbricht uns. Als ich Onkel Ted sehe, werfe ich mich in seine Arme „Onkel Ted!“ Lachend erwidert er die Umarmung, ehe er mich etwas von seinem Schoß schiebt. Er mustert meine Uniform. Als auch er meine nicht vorhandenen Zeichen sieht, stockt er. Ted schenkt mir einen bedeutungsvollen Blick zu, doch lässt er es dabei beruhen, jedenfalls fürs erste.
Und so geht es weiter. Das Rudel begrüßt mich freudig und hin und wieder werden mir Entschuldigungen ins Ohr geflüstert.
Ich spüre regelrecht die Veränderung im Rudel. Auch wenn ich früher normal vom Rudel behandelt wurde, war ich eben da, aber nicht wirklich ein Teil des Rudels.
Heute ist es anders. Heute fühle ich mich, wie ein Teil des Rudels. Keiner hat ihn angesprochen und das tut unglaublich gut. Früher sind keine zwei Minuten vergangen, in denen ich nicht gefragt wurde, ob ich nicht doch etwas spüre, was auf die Mate-Verbindung hindeutet.
Die enttäuschten Gesichter des Rudels wenn ich dies immer verneinte, haben mich sehr lange verfolgt. Inzwischen jagen mich andere Bilder heim. Bilder die schlimmer sind, als traurige Gesichter. Und trotzdem ist es nicht anders schlimm, denn damals war ich komplett alleine mit dem Druck und den Gefühlen. Heute bin ich dafür ausgebildet worden, auch wenn man für die Bilder nicht vorbereitet werden kann.
Mein Dad holt mich aus meinen Gedanken, indem er sich räupsert. „Nun, Fiona ist für die nächsten Tage wieder hier. Doch wie ich schon im Mind-Link sagte, wird keiner von euch Joschi oder Paul informieren. Wir verlieren sonst alle wieder das Vertrauen von Fiona und dies werde ich nicht zulassen. Sie ist endlich wieder Teil unseres Rudels, auch wenn es nur zeitweise ist. Mit ihrem Beruf, kommt Fioan viel herum und rettet Menschen. Gerade heute hat sie eure Luna gerettet.“
Das Rudel schaut überrascht zu mir. Ich ziehe etwas an der Uniform „Das ist eine echte Uniform und keine einfache Tarnkleidung.“ erkläre ich dann. „Du bist zum Militär gegangen?“ fragt Hanna überrascht. Ihr zugewendet antworte ich „Ja, wie mein Vater.“ Für einen Moment schaut sie verwirrt zu Dad, doch dann tritt Erkenntnis in ihre grünen Augen.

























































Ich weiß nicht wieso, aber Fionas letzter Satz hat mich besonders berührt.. 🤍
Danke für dieses wundervolle Kapitel, perfekt für den sonnigen Tag <3
😇