02 Dies Luminis – Im Zeichen der Dunkelheit

Wenn es ein Fest gab, welches aus allen anderen Kathedralen-Weihen herausstach, dann war es mit Sicherheit jenes, welches wir kurz nach der Vereinigungs-Zeremonie abhielten. Ich erinnere mich gut daran, denn in diesem Jahr überließ ich die Planung der Feierlichkeit nicht, wie es eigentlich Tradition war, den Jung-Dämonen, sondern dieses Mal arbeitete ich eng mit dem Unheiligen, meinem höchsten Priester zusammen.
Schon den ganzen Tag waren die jungen Dämonen sehr unruhig, war ihnen doch längst bekannt, dass dies der höchste Feiertag für uns Dämonen ist – und in dieser Nacht die Kathedrale uns gehören würde. Und dann endlich war es soweit, die Sonne versank hinter den Encaster Peaks und wir teleportierten uns. Ich übernahm die Führung und alle schauten leicht verwirrt, als wir vor den Toren Crystalbells ankamen. Meine Hochoffiziere und ich verteilten Fackeln an alle und an Anlehnung an die Dies Lucis-Zeremonie entzündeten der Unheilige, die Hexenmeisterin und ich die unsrigen an der Kerze, welche wir am kürzesten Tag des Jahres an der Kathedrale erhielten und bald darauf brannten all unsere Fackeln. Es dauerte nur einen Augenblick, bis all meine Kinder meine Idee verstanden hatten und ich kann mir nur vorstellen, wie es für die Bewohner unserer Hauptstadt gewirkt haben muss, als 5.000 Dämonen in Reih und Glied und unter der Beleuchtung der Fackeln durch die Hauptstadt zur Kathedrale marschierten, deren Tore weit offen standen und uns erwarteten (ich gebe zu – Gabriel war eingeweiht und mein alter… Nun, ich muss zugeben, das Wort „Freund“ trifft es doch sehr gut… Wie dem auch sei, er war eingeweiht und bereit uns zu helfen). Nachdem wir eintraten, war es nur eine Geste der Hexenmeisterin und die Tore schlossen sich hinter uns und nun übernahm Gabriel es, die Kirche dem Licht zu entziehen. Als sein Gebet hierfür beendet war, überreichte er seine Stola, das Zeichen des höchsten Klerikers des Initium an meinen Unheiligen und er führte uns durch die Schattenmesse.
Am Ende dieser Messe war es nun traditionell an mir, den klerikalen Teil zu beenden und die Feierlichkeiten zu eröffnen. So trat ich also an den Hochaltar und begann meine Rede:
„Schattenengel! Dämonen! Meine Kinder! Es tut wohl euch so zahlreich und in guter Verfassung in dieser Nacht zu begrüßen! Wie ihr wisst, begeht heute Nacht die 10. Legion ihren heiligsten Feiertag, denn wie auch jede andere Legion haben wir einen Tag, der uns der heiligste ist! Wir verabschieden heute Nacht die Dunkelheit und mit Lärm, Jubel, Tanz und Spielen machen wir dem Licht klar, dass wir uns nicht einschüchtern lassen! Eine Nacht lang gehört diese Kathedrale uns und kein Engel des Lichts hat das Recht, diesen Boden zu betreten – und doch, etwas ist anders. Wo wir bislang immer im geheimen feierten, sind wir heute offen durch die Stadt marschiert, denn wir müssen uns nicht mehr verbergen! WIR SIND TEIL DES INITIUMS!“ Ich wartete, bis der Jubel abebbte – und noch heute frage ich mich, wo einige Dämonen die Konfetti-Kanonen herhatten, die sie in diesem Moment knallen ließen. Dann fuhr ich fort: „Kein Engel wird heute Nacht diese Kathedrale betreten – und doch denke ich, dass wir den Hof für sie öffnen sollten. Denn eines ist klar – feiern können auch sie, wie sie vor einem Monat bewiesen haben. Und noch etwas: Warum sollen wir ihnen nicht heute Nacht das gesamte Initium zu unserem Revier erklären? So lasst uns beten:
Ewiger Drache, du bist unser Herr, unser Licht in der Dunkelheit und führst uns selbst durch die ewige Finsternis! So bitten wir dich: Öffne für heute Nacht die Tore für alle, die sich Teil dieser Familie nennen! Lasse uns alle das Initium durchschreiten, öffne für uns alle die Grenzen, auf dass jeder heute Nacht jeden Ort des Initiums betreten können möge! Trage Sorge, dass wir unsere Spiele überall hinbringen können! So sei es!“ Und wie ein Donner hallte mir die Antwort meiner Kinder entgegen – und dann, leise, doch deutlich vernehmbar klang die Stimme des Alisazza durch die Kathedrale: „So sei es!“
Ich lächelte still in mich hinein, ich konnte mich noch immer auf ihn verlassen. Dann sah ich auf und schaute auf meine Kinder: „Öffnet die Tore! Denn heute Nacht wird es ein Konzert geben, wie mir die Ice Blue Dragons verraten haben – draußen im Hof! Streift durch das Initium, feiert mit euren Brüdern und Schwestern und zeigt den Dörfern und Städten, was es heißt Streiche zu spielen! Von heute Nacht an soll dieses Fest als die Nacht der Streiche bekannt sein – heute, im kommenden Jahr und in jedem Jahr! Holt euch, was die Leute euch zu diesem Fest schenken wollen – und wer nichts geben will…“ Ich lächelte böse und sah es in den Augen der Dämonen, sie hatten verstanden: Spende oder Streich (ich gebe es zu, die Idee stammte von den Menschen von Terra 1…)!
Die Nacht war lang und wir brauchten zwei Stunden um die Kathedrale zu reinigen und die Reste unserer Feier zu beseitigen. Ich freue mich schon jetzt auf die neue Ausgabe der Zeitung, um von den Schand-, Misse- und somit Ruhmestaten meiner Kinder zu lesen. Ich frage mich nur, warum ein gewisser Zeitungs-Dämon so seltsam kicherte, als er zu seiner Arbeit ging…




















































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