02 Uriel und Balthasar

Nach einem langen, harten Tag zog ich mich in meine Kammer zurück. Wir hatten immer noch
Schwierigkeiten mit dem Häuserbau und die harten Worte des ewigen Drachens waren deutlich
gewesen. Ich zog mich aus und wollte mich gerade hinlegen als ich plötzlich spürte wie ein
Abschirmungszauber gewirkt wurde. Ich drehte mich zur Tür und dort stand ein männlicher Engel,
den ich nicht kannte. Ich nahm Haltung an und fauchte: „Was fällt Euch ein, einfach ins Schlafgemach
der Führung einzuschleichen? Ich hoffe für Euch, dass Ihr eine gute Ausrede habt.“ Mir war wohl
bewusst, dass ich gerade absolut nackt war. Doch wenn der Fremde denkt ich sei eine hilflose Frau,
nur weil ich gerade keine Kleidung trug, irrte er sich gewaltig. Der Fremde antwortete nicht, sondern
trat auf mich zu. Natürlich wich ich kein Zentimeter zurück, sodass er direkt vor mir stand. Trotzig und
verärgert blickte ich in seine Augen und erschrak für einen Moment, denn die Augen des Mannes
waren nicht vom Licht erfüllt, sondern absolut dunkel und fast leer. Diesen kleinen Moment der
Überraschung nutzte der Mann, um die Distanz zu mir völlig zu überbrücken und mich zu küssen. Ich
hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem solch leidenschaftlichen und heißem Kuss. Er küsste
mich so leidenschaftlich und voller Begierde, als würde sein Leben davon abhängen. Mein
Widerstand und Ärger schmolzen wie Schnee im Sommer und brennende Lust überkam mich.
Irgendwie fand ich mich im Bett wieder, den nun ebenfalls nackten Fremden über mir. Welch
athletischer Körper der Fremde hatte. Hier und dort sah ich frisch verheilte Narben, die seiner
Schönheit keinen Abbruch taten. „Wo hatte er sich denn solche Narben zugezogen? Der Krieg war
doch vorbei und eigentlich müssten diese Narben schon längst verblasst sein.“, war mein Gedanke,
doch zu weiteren Überlegungen kam ich nicht, da mir der Fremde erneut die Sinne durch seine
leidenschaftlichen Küsse stahl. Im Strudel der Lust und Begierde verflog die Zeit wie im Fluge. Als ich
am Morgen erwachte, lag ich nackt, aber zugedeckt, allein in meinem Bett. Anfangs hielt ich es für
einen Traum, wäre da nicht der blutige Beweis auf meinem Bettlacken gewesen. Nie wieder in
meinem Leben hatte ich einen Sexualpartner gehabt, der mir derartig die Sinne geraubt hat, wie
dieser Fremde. Nie habe ich erfahren, wer dieser Fremde war und noch nicht mal seinen Namen
kenne ich. Doch der Blick seiner dunklen Augen und die schimmernden Runen in seinem Gesicht,
blieb mir bis heute im Gedächtnis gebrannt. Ob ich je… „Hey Uriel“, reist mich eine wohlbekannte
Stimme aus meiner Tagträumerei. Verdutzt drehe ich mich zu Gabriel, meinen Stellvertreter, um.
„Entschuldige, dass ich dich aus deiner Tagträumerei reißen muss, aber die Erzengelsitzung beginnt
gleich.“, entschuldigt sich Gabriel und fügt schelmisch hinzu: „Ich wüsste gerne, wer wohl für deinen
entzückenden Gesichtsausdruck verantwortlich ist. Schließlich sieht man nicht alle Tage unseren
Erzengel leidenschaftlich und verträumt wie ein junges Mädchen in die Ferne starren.“ Ich werfe ihm
nur einen vielsagenden Blick zu. Gabriel seufzt: „Du wirst mir wohl nie erzählen, wer es war oder ist.“
Mit einem zuckersüßen Lächeln sage ich nur: „Korrekt“ „Ein Königreich für einen Blick in deine
Gedanken.“, meint Gabriel. „Untersteh dich! Du kannst es zwar versuchen, aber wir beide wissen, wie
das ausgehen wird.“, meine ich nur kampfeslustig. Gabriel seufzt wieder und wendet sich dem
Klemmbrett, welches er bei sich trägt, zu. „Heute steht unteranderem der Verdacht der Korruption
von Kitary auf unserer Liste. Du solltest also besser mit deinen Sinnen im hier und jetzt sein. Die
Angelegenheit könnte unschön werden.“, meint Gabriel und scheint sich wirklich Sorgen zu machen.
„So schlimm wird es schon nicht werden.“, meine ich und erhebe mich von der Parkbank. „Ich bin
gespannt, welche Anklagepunkte und Beweise vorgetragen werden. Lass uns gehen.“, sage ich und
zusammen begeben wir uns in den Ratssaal der Erzengel.























































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