04 Liliths Notizen – 22.03.04-I-II

Nächsten Monat ist es soweit und ich werde in die Leere gehen, um dort einen Monat Praktikum zu machen. Ich schwanke zwischen freudiger Nervosität und Angst. Endlich werde ich meine Kinder noch besser verstehen und selbst erleben, was sie schon seit so langer Zeit durchmachen. Vater hat meinen Antrag aufs Praktikum bereitwillig genehmigt und fand den Zeitpunkt gut gewählt. Er schien etwas stolz auf mich zu sein, dass ich von mir aus auf ihn zugegangen bin. Aber genau kann ich das nicht sagen, weil er es nicht gesagt hat. Er sagt sowas eher selten. Jedenfalls habe ich nur noch ein paar Tage Zeit, bevor es losgeht. Bis dahin habe ich noch etwas zu erledigen. Ich will wissen, wie es Inias geht – jetzt wo sein Sohn wieder da ist und er mit ihm arbeitet. Zudem will ich mich von Mutter verabschieden, bevor ich gehe. Ich zweifel zwar nicht an meiner Entscheidung, aber ich habe schon sehr Angst. Wie wird mich der Kontakt zur Leere verändern? Werde ich anders sein nach dem Praktikum? Als Mitglied der 10. Legion ist es, meine Pflicht in die Leere zu gehen und den “Wellen” zu lauschen, wie es Vater benannt hat. Die Leere, das Nichts persönlich, ist eine undefinierbare “Masse”, die alles verschlingt. Doch unsere Runen schützen uns davor, dass die Leere uns auflöst. Wie hat es Vater versucht zu erklären? Die Leere ist ein schwarzes Meer und wir betreten es so weit wie wir können, ohne Halt zu verlieren. Wir analysieren die Schwingungen – die Wellen – und sehen so, was die Leere plant und können dagegen wirken. Durch Indra wissen wir, dass die Leere ein paar Realraum- Globulen hat, damit ihre Kreaturen trainiert werden können, mit Materie zu interagieren und sich darauf vorzubereiten, ins Sein einzudringen. Aber bis auf diese Globulen ist die Leere eine einheitliche, undefinierbare “Masse”, in der sich alles nach und nach auflöst. Es ist schwer in Worten zu fassen, was die Leere wirklich ist. Doch ich denke, ich werde nach dem Praktikum eine bessere Ahnung von unserem Feind haben. Auch wenn ich es vielleicht dann auch nicht besser in Worten ausdrücken kann, denn Worte sind ein Teil des Seins und können nur schwerlich das beschreiben, was außerhalb des Seins ist. Ich werde mich auf jeden Fall gut vorbereiten und werde versuchen, mir treu zu bleiben, egal was passiert. Mehr kann ich nicht tun.
























































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