09 Nach der Ratssitzung

Liebes Tagebuch,
wir schreiben heute den 23. Tag des 7. Monats im 3. Jahr der 1. Äon des 2. Zeitalters (22.07.03-I-II).
Wie du bemerkst beschreiben wir heute unser Datum anders. Die Rückkehr der Äonenphönixe
brachte diese Veränderung mit sich, doch diese sind nicht die Einzigen die zurückgekehrt sind. Du
wirst es kaum glauben – ich selbst wage ja kaum zu glauben, dass dies wirklich passiert ist – aber der
Fremde von damals ist wieder aufgetaucht! Und endlich habe ich seinen Namen erfahren. Balthasar
ist sein Name und er ist der Anführer der 10. Legion – dem Geheimdienst des Ewigen Drachens.
Ich habe in der Ratssitzung viel erfahren, die Gabriel in Namen von Balthasar angesetzt hatte. Doch
noch mehr erfuhr ich in dem persönlichen Gespräch, welches ich später mit Balthasar hatte. Er war
nie weit weggewesen und kümmerte sich aus dem Schatten heraus um unsere gemeinsame Tochter
Liriel. Es freute mich zu hören, dass zumindest meine Tochter ihren Vater besser kennengelernt hatte,
auch wenn es einen bitteren Beigeschmack hatte, dass er sich vor mir versteckt gehalten hatte. „Es
war nicht notwendig gewesen.“, war seine „Ausrede“ warum er sich vor mir verborgen hatte. „Nicht
notwendig“ – diese Worte trafen mich hart. War ICH nicht wichtig genug, um eingeweiht zu werden?
Er sagte zwar, dass ich eine starke Frau sei, dass ich ihn nicht gebraucht habe, dass ich auch ohne ihn
zurecht gekommen bin, aber dieses Kompliment heilt nicht die Wunden, die sein Verschwinden bei
mir hinterlassen hat. Wie auch immer… unser Gespräch ging weiter bis zu dem Moment, wo er mich
herausforderte. Ich materialisierte mein Eisschwert in meiner Hand und griff ihn an. Er zog ein
Langmesser und wir kämpften gegeneinander im gesamten Raum meines Büros. Der Kampf war hart
und es ging einiges zu Bruch – um ehrlich zu sein, wir zerlegten das gesamte Mobiliar. Er verspottete
mich und ich legte noch mal alles in meinen nächsten Schlagabtausch – meine ganze Wut, meine
Gefühle und meine Erfahrungen. Mit dieser Schlagkombi hatte er nicht gerechnet und es gelang mir
ihn zu entwaffnen. Doch sollte mir der Sieg nicht holt sein, denn er verzauberte mich mit „Lähmung“
und ging sich seine Waffe holen. Ich negierte den Zauber und setzte nach. Doch da zog Balthasar
seinen blanken Arm, um diesen Schlag zu parieren. Mein Schwert würde ihm den Arm abtrennen,
dachte ich und nahm die Kraft aus diesem Schlag, denn schließlich wollte ich ihn nicht wirklich
verletzten, geschweige dem ihn verstümmeln. Dieses Zögern nutzte er wiederum, um mich zu fall zu
bringen. Ich fand mich auf dem Boden wieder, Balthasar über mir. Er saß rittlings auf meinen Hüften,
während er meine Handgelenkte festhielt. Er fragte mich, was er wohl jetzt mit mir anstellen sollte.
Ich antwortete ihm, dass es seine Entscheidung sei und gestand meine Niederlage ein. Ein guter
Krieger wisse, wann er verloren hat. Etwas enttäuscht erhob sich Balthasar von mir und auch ich
stand auf. Er zeigte mir seinen Arm und forderte mich auf mit seiner Waffe zuzuschlagen und ich tat
es. Ich sah wie die Klinge von seiner blanken Haut abprallte als trüge er eine Rüstung. Ich ärgerte
mich darüber, dass ich gezögert hatte, aber ich merkte mir den Trick. Wir wechselten weitere Worte
und kamen auf das Thema „Was er wohl verdient hätte“. Er gab zu, dass er eine Ohrfeige verdient
hätte, weil er sich seit fast 100.000.000 Jahren nicht bei mir gemeldet habe. Doch er hätte auch einen
Kuss verdient, weil er sich endlich gezeigt hätte. Ich ging auf ihn zu, strich mit meinem Finger über
seine Brust und schnurrte: „So so, einen Kuss hättest du verdient?“ Ich sah ihm in die Augen, die so
dunkel und leer wirkten, da sah ich ein kleines Aufleuchten in diesen – einen winzigen Funkten Lichts
in diesen dunklen Augen. Ich war erstaunt, waren doch seine Augen ganz dunkel ohne jegliches Licht
gewesen als wir uns das erste und letzte Mal trafen. Ich schaute genauer hin. „Was suchst du?“, fragte
Balthasar mich, „Dies sind immer noch die Augen des zerbrochenen Mannes von damals – zerbrochen
und einsam, damals wie heute. Die Leere nimmt uns so viel, auch unser Licht…“ Ich konnte nicht
anders, als meine Hand in seinen Nacken zu legen und ihn innig zu küssen. Ich legte alles in diesen
langen Kuss – meine Freude ihn endlich wiederzusehen, meine Gefühle für ihn und mein Verlangen.
In meinen Gedanken formte ich den Satz: „Dann lass mich dein Licht sein.“ Ich will nichts sehnlicher
als sein Licht zu sein. Mir ist klar, dass es mir nicht gelingen würde sein Licht zurückzubringen oder zu
ersetzten, doch will ich für ihn da sein. Jedoch kam ich nicht dazu diese Worte auszusprechen, denn
er erwiderte meinen Kuss und wir ließen uns von unserem Verlangen überwältigen. Bevor er mir ganz
die Sinne rauben konnte, flüsterte ich ihm ins Ohr: „Wag es ja nicht, wieder am Morgen
verschwunden zu sein.“ Dann fielen wir über einander her und liebten uns heiß, innig und wild. Doch
im Gegensatz zum ersten Mal ließ ich ihn nicht die ganze Zeit die Führung übernehmen, sondern
übernahm von Zeit zu Zeit das Ruder. Es schien ihm zu gefallen nicht der einzige aktive Part zu sein.
Wir liebten uns lang und ausgiebig bis hin zur Erschöpfung. Am nächsten Morgen erwachte ich in
seinen Armen. Ich lag an seiner Seite angekuschelt und hörte seinem Herzschlag zu. Wir beide lagen
nackt auf den Boden zwischen den Trümmern unseres Kampfes und waren in seinem Umhang
gekuschelt. Ich hob den Kopf, um mir sein Gesicht anzusehen. Mit den Augen zog ich die Linien der
schimmernden Runen nach. Die Runen, welche ihm vom ewigen Drachen persönlich ins Gesicht
gezeichnet wurden und die ihn schützten vor der Leere. Schon als ich sie damals zum ersten Mal
gesehen habe, hatte ich sie als etwas Besonderes wahrgenommen. Als ich meinen Blick von den
Runen löste und mir sein Gesicht weiter ansah – der Bart stand ihm unheimlich gut – fiel mein Blick
auf seine Lippen und ich konnte nicht anders. Ich küsste ihn, doch diesmal ganz sanft. Verschlafen
öffnete er einen spaltbreit seine Augen. „Guten Morgen. Ich freue mich, dass du dich darangehalten
hast und nicht verschwunden bist.“, meinte ich und küsste ihn erneut. Nach diesem langen Kuss
erhoben wir uns zwei und suchten erstmal unsere Kleidung zusammen, die wir im gesamten Raum
verteilt hatten. Ich sah mir den Schaden, den wir angerichtet haben, an und stellte fest, dass nichts
heil geblieben war. „Das wird Arbeit…“, dachte ich mir und wendete mich Balthasar zu, welcher
wieder in seiner vollen Montur vor mir stand. „Darf ich jetzt verschwinden? Oder bist du mir dann
wieder böse?“, meinte dieser liebevoll spöttisch. Ich kicherte: „Du darfst gehen. Aber nur, wenn es
diesmal nicht wieder 100.000.000 Jahre dauert bis du dich wieder blicken lässt.“ Er grinste und ich
wendete mich der Tür zu, um mein Büro zu verlassen. Ich öffne die Türe und blicke in die sorgenvollen
und neugierigen Blicken einiger Bediensteten. Ich sehe zurück zu Balthasar, doch dieser war bereits
verschwunden. Ich seufzte und erklärte den Leuten vor meiner Tür, dass ich eine neue
Zimmereinrichtung bräuchte und mit stolzer Haltung ging ich einfach. Auf eine ausführliche
Beantwortung ihrer Fragen hatte ich nun wirklich keine Lust. Nach einer ausgiebigen Dusche sitze ich
nun hier und schreibe Dir – liebes Tagebuch. Ich hoffe darauf Balthasar bald wieder zu sehen und
kann es kaum erwarten. Balthasar… welch schöner und starker Name. Ich fühle mich seit Millionen
von Jahren wieder jung und voller Energie. Ich schulde dem Ewigen Drachen und insbesondere
Kathaya einiges für diese Wende in meinem Leben.
Ich bin gespannt was dieses neue Zeitalter noch so alles für mich bereit hält.























































Hallo^^
schön, dass du hierher gefunden hast. Ich hoffe, dir gefallen die Kurzgeschichten und du hast Spaß daran sie zu lesen.
Wenn du Fragen hast, kannst du mich gerne jederzeit kontaktieren. Gerne erzähle ich dir mehr.
Liebe Grüße